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Möglich, näheres darüber festzustellen, und heute ist es natürlich erst recht schwierig, wenn nicht unmöglich. Auch zahlreiche Beförderungen in höhere Militärchargen fanden statt, namentlich Unter den im Felde tätigen jungen Musensöhnen. 9?ad> Rückkehr der Kämpfer wurden ihnen zu Ehren verschiedene festliche Verunstaltungen von der Universität, von der Stadt, von den Ver> Bindungen usw., abgehalten.
Der magnetische Sinn der Tiere.
Noch im vorigen Jahre hat der bekannte Wiener Zoologe Karl Camillo Schneider das sichere Orientierungsvermögen. der Zugvögel, um dessen Erklärung auch Darwin in seiner Abhandlung über den Instinkt sich vergeblich bemühte, als das größte Rätsel der Tierwelt bezeichnet. Nach einer Zusammenstellung der allerneuesten Forschungsergebnisse, die Dr. Max Ettlinger im „Hochland" gibt, scheint das Problem indessen heute seiner Lösung bereits weit näher gerückt zu sein.
Die umfassendsten Versuche, die wir bisher über das Ferirorientiernngsvermögen einer Tierart besitzen, beziehen sich auf die Brieftaube, da man bekanntlich, bei diesem Tiere seinen sicheren Richtungssinn längst zu praktischen Zwecken verwertet. Vergeblich hat man versucht, diese merkwürdige Fähigkeit der Brieftaube aus einem besonders scharfen und getreuen Gedächtnis für die einmal aufgenonnnenen Gesichtswahrnehmungen oder für die einmal vollzogenen Muskelbewegungen zu erklären; alle derartigen und manche ähnlichen Erklärungen scheitern schon an der Tatsache, daß die Brieftauben — wie öfters auch Hunde und Katzen — auch aus ferngelegenen Gegenden heimfiuden, in die sie zum erstenmal unwissentlich versetzt 'worden sind, da sie nämlich auf den: Hintransport schliefen oder narkotisiert waren; Und ferner an der Tatsache, daß der Rückweg häufig keineswegs die genaue Umkehr des Hinwegs darstellt, sondern auf ganz anderer und dann zumeist direkterer Linie erfolgt. Eine wohl abschließende Aufklärung dieses seltsamen Phänomens ist nun dem französischen Brieftaubenspezialisteu A. Thauziös geglückt. Er hat auf dem vorjährigen Genfer internationalen Psychologenkongreß zusammenfassend über seine dretundzwanzigjährigen Erfahrungen und Beobachtun- §en berichtet, die ihn zu 6ent zwingenden Schlüsse führen, aß den Brieftauben eine eigene Sinneswahrnehmung der erdnmgnetischen Strömungen eigen ist. Dafür spricht schon die verschiedenartige und mehr oder minder leichte Absolvierung einer Flugstrecke je nach der gewählten Himmelsrichtung; dafür spricht die Möglichkeit raschen Etappenfortschritts — bis zu hundert Kilometer ohne Unterbrechung —, wenn die Tiere einmal auf eine bestimmte Flugrichtung dressiert sind; dafür spricht die dem Erdrelief getreulich folgende Höbe ihres Fluges (durchschnittlich hUndertftinfzig Meter über dem Boden) und dafür sprechen am allermeisten die Störungs- und Ausfallserscheinungen bei ungünstiger Witterung oder zur Zeit des Mondwechsels. Man könnte ja zunächst die Hinderlichkeit von Nebel und Regen auch auf die behinderte Gesichtswahrnehmung zurückführen wollen. Dem stehen aber augenfällige Fehlschläge von Flugveranstaltungen auch bei klarstem Himmel entgegen. So sind z. B. am 22. Juli 19OS und mehr noch am 18. August 1907 die Ergebnisse zahlreicher Brieftaubenflüge verblüffend schlechte gewesen, und weder die besten Kenner dieser Tiere noch die zu Rate gezogenen Astronomen und Meteorologen wußten sich dies zunächst zu erklären. Erst die Erkundigung bei dem Spezialisten Marchand ergab den Aufschluß, daß gerade an diesen beiden Tagen eine ganz besondere elektrische Spannung der Atmosphäre bestand, die durch magnetische Stürme sich verriet. Mit dieser Beobachtung würde die Tatsache übereinstimmen, daß mit der starken Zunahme der drahtlosen Telegraphie die Zuverlässigkeit der Brieftaubenflüge bedeutend abgenommen hat.
Auch Experimente, die mit Ratten und Mäusen gemacht wurden, hatten Resultate, die nicht anders als durch einen erdmagnetischen Sinn dieser Tiere zu erklären find. Weiße Ratten, die sich in einem „Irrgarten" zurechtfinden lernten, wurden, nachdem sie auf den richtigen Weg völlig eingeübt waren, dann völlig verwirrt, wenn der Irrgarten so verschoben wurde, daß die Wegrichtung im Kompaßsinn eine veränderte war. Jede andere Verschiebung des Laby- rints blieb dagegen ohne Einfluß auf das Orientierungsvermögen der ,Tiere. Bei Versuchen mit der japanischen Tanzmaus zeigte sich ebenfalls, daß das Tier den völlig
eingeübten Weg dann nicht mehr zurücklegt, wenn die tf« samte Kompaßrichtung verändert wird. Gaston Bonntex gelangte bei einer Reihe von Heimfinderexperimenten, die er mit Bienen anstellte, zu Ergebnissen, füir die der Geruchs oder Gesichtssinn nicht in Anspruch genommen werden kann und postulierte daher für seine Versuchstiere einen „Rich-' tungssinn", wie jihn die Brieftauben besitzen. Auch beij Ameisen scheint der magnetische Sinn eine Rolle zu spielen und erst kürzlich wurde er für die „Wünschelrutengänger"- in Anspruch genommen, deren Verhalten in der Tat manchs auffallende Analogie mit der Wanderung der Zugvögel zeigt, die ja auch, soweit sie nicht in gerader Richtung statch, findet, gerne den Flußläufen und Küstenlinien folgt,
Verinisehtes.
* Die Marmorbrüche von Carrara und Sie Tierquälerei. Wilhelm Hörstel in Genna, der die Mensch-, heit schon öfter auf das grauenvolle Elend der Tiere in Italien hingewiesen hat, beschreibt in seiner Schrift „Carrara"- (Berlag £) ermann Paetel, Berlin, 1 Mk.) die Art wie die Herr-, lichen weißen Marmorblöcke zu Tal gefördert werden. Er sagt: „Ich batte es als selbstverständlich angesehen, daß die Ochsenkarrest durch die Marmorbahn zum alten Eisen geworfen seien, und daß der technische Fortschritt die Mühen der Menschen und die Qualen der Tiere vermindert habe. Leider wird die Hälfte des Marmors iwch immer auf den etwas billiger fahrenden Ochsenkarren befördert. Die lange Reihe dieser Karren, hinter denen als Bremse ein gewaltiger Marmorblock an eiserner Kette auf, der grauenhaften Straße hergeschleift wird, gewährt 'einen ganz, eigenartigen Anblick, aber die Menschlichkeit verhüllt hier trauernd ihr Antlitz. Um das schwere, hölzerne Doppel-Joch, das jedeist Paar auf den Nacken gelegt wird, sind in der Mitte Hanfstricke gewunden, und auf diesem Polster sitzt rittlings, mitten zwischen bett Hälsen dieser Unglücksgeschöpfe, der rauhe Treiber und sticht sie unbarmherzig mit eifernem Stachel oder schlägt aus Leibeskräften mit dem Stachelstecken auf sie ein. Der Nacken ist wundgescheuert und erinnert oft an Stück Osenfleisch im Schlächterladen, und auf diesem rohen Fleisch liegt das Joch! Welche Qual bereitet da jeder Schritt, und wie erhöht sie der Reiter durch den Druck seines Gewichts, durch grausames Schütteln des wunden Nackens und durch seinen Stachel! Müde liegen die ausgespannten, schmachtendest Tiere an der Ladestelle an der Marmorstraße, wo sie kein Grün, keinen Tropfen Wasser finben, in dessen Ermangelung ihnen auch das etwa mitgenommene Futter nicht zusagt. Einige sah ich mit blutenden Hufen, was bei den spitzen Marmorstücken an der Straßes kein Wunder ist. Kein Mensch kümmert sich darum. Bricht eilt Ochse ein Bein, so schlachtet man ihn nicht an Ort und Stelle» sondern fährt ihn auf einer carretta ins Schlachthaus nach Carrara, Das ist dann die schmerzvollste Fahrt des armen Tieres, aber seilt Brüllen und Stöhnen rührt keinen Menschen,"
* Na, j a! „Zu welchem Zweck wurde denn eigentlich das Veremsfest gefeiert?" — „Das ist doch sehr einfach! Damit beraten werben kann, toenu das nächste stattfindet!"
*V or g egr iffen. Richter: „Wie kamen Sie denn dazth dem Kläger ein paar Ohrfeigen zu geben?" — „Wir saßen zusammen im Wirtshaus. Auf einmal fängt er an zu schimpfen und sagt: „Der Sepp ist doch von uns der «größte. . abcft) noch ehe er hat „Lump" sagen können, hatte er schon ein Paast Ohrfeigen drin!"
* Begründung. Bettler: „Mir ist es bei meiner Geburt auch nicht an der Wiege gesungen worden, daß ich mal bettelst! gehen muß." — Frau: „Dann sind Sie wohl aus guter Familie?'« — Bettler: „Das nicht, aber meine Eltern hatten kM Geltz/ eins Wiege zu kaufen,"
vüchertisch.
„D c r Winke r", die bekannte illustrierte Zeitschrifi für, den Wintersport (Verlag der „Deutschen Alpenzeitung", G. m. b. H., München), rst bereits in diesem Jahrgang in fünfter Folge erschienen^ Diese Nummer bietet wieder die gewohnte reichhaltige Auslass und verdient wohl den Namen einer erstklassigen Wintersportrevue- in der alle Zweige des Sportes entsprechend gewürdigt werden
versteckrätsel.
Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in .Wanderer».
Stangenspargel — Erdbeeren — Wintervergnügen — Rudersport — Mittagszeit — Besonnenheit — Hasterbeck — Beduinen — Meistersinger — Rinderpest — Notenpult
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Weihnachts-Königszugs in voriger Nummer: Weihnachten ist doch weit und breit Für Jung und Alt die schönste Zeit.
Redaktion: R. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch« und Steindruckereh R. Lange, Gießen»


