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Hauses.

(Fortsetzung folgt.)

Fritz erhob sich. Die letzte Mage klang Wie ein Ab­schluß dieser Vorbesprechung.

Mit großer Freude, Komteß." M

Sie reichte ihm die Hand. Der gut geschulte Diene« riß die Türe auf und begleitete Fritz durch die Halle.

Nun stand er wieder im Freien, im Sonnenschein eines heiteren Septembertages, und besann sich: wo bist du?

Mit heimlichem Zittern war er hierher gefahren; hatte neue Kämpfe erwartet, jedenfalls aber Urin leichtes Spiel mit Gegnern, die er für alte Feinde fernes Hauses hrelt. Statt dessen war ihm ein rosiges Mädchen entgegengetreten/ freundlich vom Augenblick der ersten Begrüßung an, hatte mit ihm geplaudert wie mit einem jahrelangen Bekannten und ihn schließlich zum Diner geladen. . ,,

Fritz schüttelte schmunzelnd den Kopf. Es war eigentlich merkwürdig. Wo war denn der berühmteuralte Haß zwischen den Miquelons und den Friedels? Schade, daß; die Chronik des Grafen Ernest Hoche unter silbernen Schließen lag. Vielleicht hätte sie ihm eine Erklärung ge- geben über die Gründe einer Verstimmung, die man drüben am Rhein sichtlich lebhafter empfand als hier.

Verstimmung hin, Verstimmung her. Cmtz suhlte sie nicht. Seine Laune glich dem Sonnenschein des Tages. Er schlenderte durch die innere Stadt, die mit ihren niedrigen Häuschen und engen Gassen noch inrmer den alten provin­ziellen Eindruck von einst gewährte, zu. seinem Gasthaus zurück. Schon gestern hatte er die Entdeckung gemacht, daß auch diesesGrand Hotel" keineswegs mit , der Zeit vorgeschritten war, imb heute ärgerte er sich beim Früh­stück über den miserablen Tischwein, der ihm vorgesetzt wurde. Da bestellte er sich denn eine Flasche Miquelon Excelsior sn-perior Dry, die gelvissermaßen die Versohuungs- feier einleiten sollte.

Sie kam auch, aber nngeeift. Eis gab es im ganzen Hotel nicht, doch der Oberkellner erklärte sich bereit, solches holen zu lassen. Er vermutete, es sei beim Fleischer zu haben, jedenfalls aber beim Apotheker, Nur könne die Herbet­schaffung einige Zeit erfordern. Da verzichtete Fritz schueß- lick dankend. Der Excelsior schäumte im Glase; er war wärmer als Kellertemperatur. Nnd wieder ärgerte sich Fritz. Er kannte die französische Sitte, den besseren Champagner ungekühlt zu trinken, aber er liebte sie nicht. Der Cham­pagner iuuß kalt sein; um Gottes willen nicht frappiert, doch immerhin so erfrischend, daß das Glas leicht beschlagt. Und nun begann er vorsichtig zu kosten. Es war das erste Mal, daß er von der Konlürrenzmarke trank. Er schlurfte; er ließ den Wein über die Zunge rinnen; langsam leerte er das Glas. Nnd dann ärgerte er sich zum dritten Male. Es war nichts gegen die Marke zu sagen als das eine: sie war noch besser als der Excelsior des eigenen

Sonderbare Berufe.

Ein paar Kuriositäten zur bevorstehenden Volkszählung von Max M e l ch e r t.

Ein ungeheures statistisches Material wird im Deutschen Reichs am Tage der Volkszählung eingesammelt werden. Eine Inventur! her Bevölkerung wirb da ausgenommen, die uns zeigen soll/ wie unser Volk rastlos weiter schreitet, um im Kampf ums Dasetiu das Feld zu behaupten. Die Ergebnisse der Volks­zählung geben uns die Möglichkeit, Vergleiche anzustellen, durch .die wir Einblick erhalten in die wichtigsten Erscheinungen des Volkslebens. Und dabei können wir naturgemäß auch die Ver­änderungen in den Bernssgruppen sehen, die ja immerwährend! zu- und abnehmen, und die Nationalökonomie kann danach dass Gedeihen oder Kränkeln des Ganzen oder einzelner Teile be­urteilen und demgemäß ihre Rezepte schreiben.

Worüber die Statistik indes keine Auskunft gibt, das sind jene Berufe, die sich nicht in eine klare Uebersüht einer baren} lassen; jene Berufe, in denen sich Leute durch eine ungeheure! Summte vbn Tatkraft und Geist, auf redliche oder unredliche Weise, ohne finanzielle Mittel rein aus dem Nichts Existenzen! schaffen. Immerhin findet man in den Aktenschränken der Statt- stisclM Aemter wohl auch darüber gelegentlich Material, nnd ein richtiger Einblick zeigt uns Seltsamkeiten, wie sie die Phan­tasie des Dichters kaum ersinnen könnte.

In einem großstädtischen Kaffeehanse sah ein Beobachter ine« Mann, der regelmäßig aus den Zeitungen Inserate ausschnitti und an sich nahm; und das waren aber immer nur Todesanzeigen^ Ost verschwand er tagelang, aber dann tauchte er immer wieder aüf und schnitt Inserate an,5. Unser Beobachter verlor dert

schäftliche denken. Wann kann ich Ihren Herrn Groß- ixxtcx foredjen?"

Gar nicht. Leider nicht." Sie schüttelte den K'opf.

Fritz erschrak.Mein Gott aber weshalb denn nicht?!"

Weil er seit zwei Jahren tot ist." ,

Ooh! Nochmals Vergebung. Ich sehe doch, ich hatte mich genauer über die genealogischen Verhältnisse im Hause Miquelon informieren sollen. Also, Komteß, dann bitte ich ganz ergebenst um eine Rücksprache mit dem gegen­wärtigen Chef der Firma." .

Ein Schelm sprang im Auge der kleinen Dctme und lachte Fritz an. ,

Mit dem sprechen Sie bereits seit eurer guten halben Stunde. Oder vielmehr: er spricht unausgesetzt mit Slitien."

Fritz trat verwundert einen Schritt zurück.Da wären gnädigste Komteß," begann er zögernd. Und mit lustigem Auflacheu fiel sie ein:Gnädigste Komteß sind der alleinige Chef des Hauses Miquelon et sils, eines Firmentitels, der längst nicht mehr mit Wahrheit und Wirklichkeit zusainmen-

'Fritz verbeugte sich.Meine Hochachtung. Miquelon et fils erscheinen mir jetzt in .ganz anderem Lichte als fünf Minuten zuvor." _ ,, .

Sprechen Sie nicht weiter. Es soll eine Schmeichelei kommen, ich weiß es. Aber gegen derlei habe ich etwas. Man hat sie mir zu ost zu kosten gegeben. Kommen Sie 'xntf die Terrasse zurück!"

' Während man wieder durch das Chippendale-Zimmer, das Kabinett mit den pfauenblauen Tapeten und den großen Salon schritt, fragte die Komteß:Wie lange bleiben Sie in Epernay?"

Bis meine Geschäfte erledigt find."

Gut. . . ." Sie wies lächelnd mit fast unmerklicher Handbewegung auf den Diener, der sich neben die Tür im Salon ausgepflanzt hatte und dort wie eine Bildsäule stand unbeweglich und mit steinernem Gesicht.....Die

liebe Bailloud hat mir meinen Schutzengel geschickt," fuhr sie fort.Madame Bailloud ist meine dams d;honneur, Wittib eines Generals, Legitimistin, fromm und feudal, und Äußerst streng auf die Etikette. Während des Restes unsrer Konferenz wird" der Diener uns nicht aus den Augen lasen. Eigent­lich müßte ich schelten, aber ich will mir die Laune nicht ver­derben."

Mir liegt daran, daß sie auch lvährend des Gefchäft- licheu bleibt. Komteß wissen, vaß ich die schwere Erkrankung meines Vaters zu beklagen habe?"

Wir erfuhren es bereits vor einiger Zeit durch unfern rheinischen Agenten, den Grasen Eldriugen. Da war uns denn auch sofort die llrsachc des sonst kaum erklärlichen Briefes Ihres Herrn Vaters gegeben. Trotzdem antwor­teten wir. Es geschah auf meinen Wunsch. Ich sah voraus, baß einer der Herren des Hauses Friedel sich persönlich zu Uns bemühen würde. Und daran lag mir viel."

Lassen wir den Brief beiseite, wenn ich bitten darf. Er mag als ungeschrieben gelten. Sind Komteß in alle Phasen'unseres Prozesses eingeweiht?"

Ich denke ja."

Da wissen Sie also auch, baß wir geglaubt haben, lrns das Recht des Taufsekts durch unsere Verabredungen mit dem Herzog von Weelen zu sichern?"

Ihr Glaube wird nid)!, bestritten, Herr Friedel. Aber dem Tatsächlichen gegenüber sind Sie im Unrecht."

Unsererseits wird eine Bestechung des Herrn Lesson vermutet."

Der Ausdruck trifft keinesfalls zu. Herr Lesson hat nur eine Prämie von fünfundzwanzigta.send Franken dafür erhalten, daß er in der Frage des Taufchampagners unsere Firma bevorzugt hat. Herr Elamard sagte, das sei so üblich. Und in derlei Fragen ist ayf Herrn Elamard Verlaß."

Wer ist Herr Clamärd?"

Der erste Prokurist unseres Hauses. Wir werden ohne ihn nicht verhandeln können, Herr Friedel. Ich möchte mir den Vorschlag erlauben, mit ihm morgen vormittag elf Uhr paßt Ihnen elf Uhr?"

Jede Zeit, Komteß,"

Also elf Uhr in seinem Kontor zusammenzutreffen. Privatim bitte ich, daß Sie heute abend um sieben bei Ums dinieren. Einverstanden?"