Montsg den 28. Rovemdrr
Z88
M
»UWW^ ^iv&ZSlM
WWMW
Friedel halb-süß.
Koma» von Fedor vo« Zobeltist.
Fortsetzung.j (Nachdruck verboten.)
„Komteß, eS ist begreiflich, daß Ihre Worte mich freuen. Aber stehen Sie mit Ihrer Ansicht nicht vereinzelt ?"
„Nicht ganz. Doch ich gebe tu, daß viele deutsche, ln Frankreich naturalisierte Fami.li-.-n sich absichtlich der alten Heimat entfremdet haben. Wir haben ein großes Champagnerhaus, dessen Besitzer Elsässer sind wie wer und einen ausgesprochen deutschen Namen tragen; sie sind lächerlicherweise fanatische Chauvinisten geworden."
„Der Ausdruck lächerlich trifft zu."
„Nicht wahr? Es ist eine Versündigung an der Ehre 6er Abftamnrung. Kennen Sie die Geschichte unsrer Familie ?"
„Doch nicht, Komteß —"
„Aber Sie wissen — richtig, davon sprachen wir ßa schon einmal, daß mein Urgroßvater dermaleinst in Ihrem Geschäft am Rhein tätig gewesen ist!"
„Freilich, dessen entsinne ich mich wohl. Mein eigener Großvater ist sozusagen der Konservator der Geschäftstradition. ®r hat sich ein Keller-Sanctuarium eingerichtet. In dem er Proben aus der Zeit der Begründung der Fabrik aufbewahrt. sliatürlich sind diese Proben ungenießbar geworden, aber jedenfalls sind sie noch da. Ueber zwei Flaschen „Goldperle", die 1838 — so ungefähr — als erstes Schaumweinprodukt von K. A. Friedel in den Handel gebracht wurden, hängt das verblaßte Daguerreotyp eines alten Herrn. Das soll Herrn Gottfried Hoch darstellen."
„So hieß er damals noch. Kommen Sie, ich will Ihnen ein anderes Bild meines Urgroßvaters zeigen....." Sie
itand flink aus und ging voran. Ihr Kleid war malven- arbig, sehr einfach und ungemein schick gearbeitet. Ein weiter Gürtel spannte die lockere weiße Bluse in der Taille ab. Fritz sah, daß diese Taille von seiner Form war; nur Hand und Fuß waren ein wenig groß, wenn auch in guter Kultur. Hand und Fuß führten btt kleine Gräfin eine Entwicklungslinie zurück: bis zu dem derben Küfer, der bei K. A. Friedel das Geschäft erlernt hatte.
Die Komteß schritt durch den Salon, dann durch ein Kabinett mit pfauenblauen Seidentapeten, dann durch ein Zimmer im Chippendale-Geschmack in ein sehr einfach eingerichtetes Gemach. Die Wände waren gestrichen, die Möbel bestanden aus Birkenholz und zeigten dte langweiligen Formen eines Stils nüchterner Zeit.
„Alle Großväter ähneln stch," sagte das Fräulein heiter. -.Auch meiner liebte es, die Tradition festzubcckten. Dies Zimmer ist genau dem Wohnraum nachgebildet, in dem Gottfried Hoch lebte und wirkte, als er noch Prokurist der Witwe Miauelon war. Da sind die beiden. .. " Sie
wies mit der Hand auf zwei Oelbilder über dem sogenannten Sekretär: einem Schreibschrank mit herabgelassener Klappe. Fritz nickte. Natürlich, bad Bild des Alten ent. sprach durchaus dem Daguerreotyp daheim: es war derselbe eckige Kopf mit dem in weiten Vatermördern stecken* den massiven Kinn und den fleischigen Lippen, die sich so ausgezeichnet auf das Kosten und Proben verstanden. Daneben die Gattin als würdige Matrone: auf reichgs» fchnitztem Lehnstuhl sitzend, in der Haltung einer großes Wnigin, ein gnädiges Lächeln um den Mund und blitzen* den Schmuck um den Hals und an den Fingern.
„Als das Bild gemalt wurde," erzählte die Komteß „war der Urgroßvater schon Comte Hoche Das hatte dir Urgroßmutter vermittelt: es steht alles in der Chrontf des Hauses, die mein Baier verfaßt hat. Sie liegt auch gedruckt vor, aber nur in einem einzigen Exemplar, bad, ist in Eselshaut gebunden, und seine silbernen Schließen haben zwei Schlüsselchen, die gut verwahrt werden Nämlich deshalb: mein Bater war bei der Niederschrift nicht allzu sehr von Pietät und Traditionsgefühl befangen; die satirische Ader in ihm überwog, und ein bißchen davon habe ich auch geerbt. Diese satirische Ader aber dünkte meinen Großvater so würdelos, daß er die Chronik, da et sie nicht verbrennen mochte, wenigstens unter Schloß unä Riegel legen ließ."
„Weil sie des AhnenkultuS spottete."
„Eines Kulis, der noch zu jung ist,, um sich ftfiettf respektvoller Wertung erfreuen zu "können Sie sollten leies, was der Papa für lustige Worte über das päpstlich« Grafentum in der Champagne gefunden hat. Die Grase« Werls vom Hause Cliguot und Grasen Chandon Don Most und Chandon wurden sicher bei der Lektüre die sucht kriegen. Er war ein bisset demokratisch angehauch^ Der gute Papa, aber sein heiterer Spott verschonte auch sich selbst nicht. Ueber das e am Ende unsres deutscke» Namens, das die Urgroßmutter Miquelon zugleich mit bet neunperligen Krone beantragte, hat er sich nicht minder lustig gemacht wie über den accent aigu auf dem letzten e der Herren Werle aus Wetzlar an der Lahn. . . ." (SU hielt einen Augenblick inne, wendete ihr hübsches brünette! Gesicht Fritz zu und fragte lachend: „Weshalb erzähle ich Ihnen eigentlich alles bad?"
„Weil schon die alte Verbindung unserer beiden Häuser uns ein Anrecht auf gute Bekanntschaft gibt."
„Ja, Herr Friedel, es ist so. In der Chronik meine« Vaters wird das Haus ff. A. Friedel oft genannt. Pap« hat in allen Papieren sehr interessante Ausgrabungen gemacht. Und nun dieser bumme Prozeß!"
„Ich bin hergekommen, weil ich die Hoffnung he«, er wird sich beilegen lassen, ohne daß eines unsrer Hauset sich zu demütigen braucht. Und deshalb eine gehorsamsiK Bitte, Komteß. So angenehm mir eine Plauderstund» tat Ihrer Gesellschaft U: lassen Sie mich auch an das ff*


