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Schulter« genommen,- rjef er .W zll, oWe M zu untersuchend r,Bonk ©üMoget kam ein Hilfssignal. Siehst du nicht das Tuch? Antonio hat die Strecke. Die anderen sinh hinauf. Es must etwas geschehen sein."
„Was gehts mich an?" antwortete sie Herd.
„Scheusal," fluchte es hinter ihr her.
.Kaum hörte sie es, .Ein jäh auffahrender Windstoß wirbelt Wr Staub und Blätter ins Gesicht. Schwefelgelb hängt der Kimmel nieder. Es ist, als mußte sie ihn auf den Schultern tragen. Und immer düsterer wird es. Nur die Blitze werfen Kuckendes Licht. Noch sind sie fern, aber der Donner rollt grollend in den Bergen, und die Felswände verhundertfachen ihn im Echo. Und jetzt! Blitz auf Blitz, auf allen Seiten, vor ihr, hinter ihr, dumpfes donnerndes Tosen, daß ihr die Sinne vergehen.. Marietta jagt wie ein gehetztes Wild, sie stürzt fast von Stein Zu Stein. Aber es ist nicht die Angst vor dem Unwetter allein/ die sie vorwärts treibt, noch andere Gedanken jagen durch ihr Kirn. Sie kann sie nicht abwehren.
Doch was ist das? Ein Blitz leuchtet auf und zeigt ihr, daß sie vom Wege ist. Es geht wieder aufwärts. Mit verdoppelter Eile stürmt sie zurück. Dort an der Wettertanne führt ja ihr Weg vorbei. Aber eine Stunde, vielleicht mehr, hat sie verloren. Und niemals hatte sie es eiliger als heute.
Die Blitze werden seltener, der Donner schwächer. Aber ein Regen beginnt, erst ein Regen, dann ein Guß. Schauernd und fröstelnd zuckt sie zusammen. Wer endlich — es ist schon tiefe Nacht, int Tal von Pimau kommt die Sonne spät und scheidet früh — endlich ist sie da. Das Glöcklein im Turme schlägt an. Was ist das? Es gilt einem Toten, Auf dem dunklen Markte drängt sich eine schweigsame Schar. In einem Tuch verhüllt liegt jemand auf einer Bahre.
„Antonio!" schreit es durch die Nacht-
Keine Antwort.
D-er Pfarrer tritt zu Marietta: „Nicht hier ist dein Platz. Antonio liegt bei deiner Mutter!"
Marietta bricht zusammen. Sie hört nicht, was der Pfarrer ihr zuruft, hört nicht, daß Antonio nur schwer verwundet, der Tote aber ein Schmuggler sei, mit dem er auf einer Felsenhöhej [in Kampf geraten. Bor ihren Augen zucken Blitze, in ihren Ohren schmerzt der Donner, und es rauscht, als ob der Himmel alle feine Schleusen geöffnet hätte.
Wie sie hinkam, weiß sie nicht. Wer lachend und weinend kniet sie vor einem Lager. Ist es Traum oder Wirklichkeit? Vst es Antonio, der zu ihr spricht: „Marietta?!"
„Antonio," lacht und schluchzt sie in wilder Freude.
In der Kapelle am Kirchlein aber ruht ein stiller Gast, Sein letztes war eine Tat der Rache. Wer die Rache ereilte ihn.
Doch auch Antonio stieg, obwohl er in wenig Wochen ge- stesen, nicht mehr über Klippen und Grate, Marietta ließ ihn Nicht gehen. ______________
Vermischter.
* Der Sturm der Frauen auf das Rathaus. Das bescheidene Rathaus des kleinen römischen Vorortes Rocca Priora war in diesen Tagen der Schauplatz einer eigen«rtigüü Szene. Die selbstbewußten Stadtväter, die bei den letzten Gemeinderatswahlen den Sieg davongetragen hatten, erregten seit einiger Zeit das Mißfallen der Bevölkerung, denn sie widersetzten sich der Eröffnung einer neuen Straße. Die Unzufrieden- Mt der Bürger von Rocca Priora wuchs von Tag zu Tag, 'aber im Vollgefühl ihrer Machtvollkommenheit trotzten die Stadtväter der öffentlichen Meinung und gingen über alle Proteste, Demonstrationen mit 'einem spöttischen Achselzucken zur Tagest ordnung über. Die Einwohnerschaft mußte sich schließlich klar werden, daß sie bei den Männern ihres einstigen Vertrauens nie Sein Ohr finden würde. Aber was sollte geschehen? Die Frauen, waren, es, die nun die Angelegenheit in die Hand nahmen. Ganz in der Stille kamen 300 Bürgerinnen von Rocca Priora Überein, daß nur ein Gewaltstreich den Despotismus der trotzigen, Kerren mäßigen könne, und sie beschlossen, kurzweg das Rathaus z u stürmen. Der finstere Plan wurde in allen Einzelheiten genau ausgearbeitet, und merkwürdigerweise ward das Geheimnis auch so meisterhaft gewahrt, daß nicht eine einzige Münnerseele von Rocca Priora auch ttyr dunkel ahnte, welch bedeutsame Ereignisse sich vorbereiteten. Endlich war der festgesetzte Tag gekommen. Im Rathaus tagten die verstockten Stadtväter, als plötzlich eine wohlgeordnete Schar von 300 Frauest in den Sitzungssaal drang. Die Stadtgewaltigen trauten kaum ihren Augen, und noch weniger ihren Ohren, als die Führerin der Unerschrockenen Frauen ihnen erklärte, sie hätten sofort das Rat- haus zu verlassen, da sie des öffentlichen Vertrauens' Unwürdig geworden seien. In Anbetracht der zahlenmäßigen Uebermacht der Eindringlinge konnten die paar Stadt- räte nichts anderes tun als Unter Protest das Feld räumen. Das Rathaus wurde von den Frauen verschlossen und der Schlüssel der Polizei übergeben mit dem Auftrag, ihn nur einem Re- gierungsbeamten auszuhändigen. Nachdem der kleine Staatsstreich so glücklich durchgeführt war, gingen die wackeren Rettc-
rtntten von Rocca' .Prtvra ruhig nach Hause, wo sie von ihrAst erstaunten Männern Und Brüdern Mit Jubel begrüßt und aM Heldinnen der Vaterstadt gebührend gefeiert wurden. Die üus- gewiesenen Stadtpäter aber sandten noch am' selben Wend ein Telegramm an die Regierung ab, in dem sie ihre Entlassuntzi erbaten.
'Zauberei i in D i e n st e d e r P o l i z e i. In der „Cal- cutta Review" berichtet der Indianer Chandra Mitra über einige der beliebtesten Zauberinittel, Diebstähle aufzudecken. Einer in Kashmir wohnenden Engländeriit waren verschiedene Dinge gestohlen ivorden. Der herbeigertlsene Polizist griff zti dem Mittel der Zauberei. Als Medilun diente ein — Teekessel. Madame Kotter Morison, so hieß die Engländerin, erzählt, daß der Mann nacheinander inehrere mit den Nan>en ihrer Diener beschriebene Zettel zusammengerollt in den Ausguß des Teekessels gesteckt habe. Er sagte dabei, der Teekessel iverde das übrige machen, und stimmte einen geheimnisvollen Sang an. Bei zwei Zetteln rührte der Teekessel sich nicht, beim dritten drehte er sich im Kreise und fiel von der Hand des zaubernden Polizisten. Beim vierten Zettel gab e5 dasselbe Schauspiel, beim fünften blieb der Teekessel wieder beiveg- ungslos. „Auf den beiden verdächtigen Zetteln stehen die Namen der Diebe I" sagte der Polizist. Frau Morison versichert, daß bei einer Wiederholung des Experiments das Resultat genau das gleiche gewesen sei. Zur Entdeckung eines Diebes traten die „Nulwallahs" in Funktion, drei dunkelhäutige Hindus, die einen Bronzetopf und zwei wohleingeölte Bambusstängen mit sich brachten. Dann wurden alle Diener der Bestohlenen zusammengcholt, die drei Hindus nahmen ein Bad und stellten sich, naß wie sie waren, zur Linken und zur Rechten des Bronzetopfes auf. Zwei der Dienstleute wurden angewiesen, die beiden Bambusrohren gn halten und der oberste der drei Hindus begann Sanskritverse zu rezitieren. Nach ettva 10 Minuten fragte er: „Bist du da, dann stehe aus!" Zum Entsetzen aller Anwesenden richteten sich die Bambusrohren auf und neigten sich einander zu. „Wenn du meiner Macht gehorchst, so wandle!" rief der Beschwörer. Sogleich drehten sich die beiden Rohre mehrmals um ihre Achse imb drängten nach vorn, so daß die beiden Diener Mühe hatten, mit ihnen mitzukonnnen. Die Rohre nahmen den Weg über die Köpfe aller anderen Diener hinweg bis zur Tür, wo sie trotz der Aufforderung des beschwörenden Hindus anhielten. Als man die Tür öffnete, sah man hinter derselben einen jungen Hindu knieen. unb die Rohre setzten die Bewegung auf ihn sogleich fort. „Dieser hier", sagte der erste der Nulwallahs, „ist der Schuldige. Er hat das Geld gestohlen.."
„Zehn Gebote" für Postbeamte.
Das Kaiserliche Postamt hat si'ir seine Beamten folgende zehn Gebote ausarbeiten und in allen Diensträumen anschlagen lassen:
1. Arbeite mit Ernst mtb Nüchternheit und strenge alle deine Kräfte an.
2. Verlaß dich nicht auf morgen; tu heute das Werk, das heute getan werden sollte.
8. Sei offenherzig und fteimtttig im täglichen Verkehr; erfülle alle deine Pfiichten gegen deine Freunde; hüte dich, andere Leute in Ungelegenheiten zu bringen.
4. Beobachte sorglich alle Vorschriften; sei pünktlich ; halte alle Versprechen; gib geliehene Sachen zur richtigen Zeit zurück.
5. Vergiß nicht dir erwiesene Freundlichkeiten; verzögere nicht, Leute, die dir wohlgesinnt sind, zu besuchen oder ihnen zu s chreiben oder ihre G rä b er zu besuchen.
6. Sei freundlich gegen jedermann, teilnehmend in Not, hilfreich in Krankheit.
7. Halte dich stets in schlichten Lebensanfprüchen, sei einfach und mäßig; überwinde dich selbst und unterdrücke alle Passionen, um Geld zu sparen.
8. Da Lebenskraft zu allein Werk gehört, achte auf deine Gesundheit und halte deinen Körper kräftig.
9. Achte auf dich, auch wenn du allein bist; richte morgens und abends deine Gedanken nach innen.
10. Nimm häufig an unschuldigen Sports teil und suche glücklich zu sein in deinem täglichen Leben.
Selbstverständlich hat es nicht das kaiserlich deutsche Reichspostamt oder sonst ein europäisches nötig, seinen Beamten all diese Tugenden anzuempsehlen: es ist vielmehr das kaiserlich japanische, das diese eigenartigen „zehn Gebote" erlassen hat.
Magisches Quadrat.
In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die Buchstaben AAAAAADDIMMOR RSS derart einzutragen, daß die wagrechten u. senkrecht.Reihen gleichlautend solgendes bedeuten:
1. Fluß in Bayern.
2. Ein Mineral.
3. Biblischen Namen.
4. Orientalische Gottheit.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Trappe, Treppe, Truppe, Truppen.
Kedaktion: «.Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- imb Steindruckerei, R. Lange, Gieße».


