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keine zusammengebrochen. Wer Wei hatten einmal dicht vor dem Konkurse gestanden — und auch K. A- Friedel hatte ein paar bange Jahre überwinden müssen und war noch lange nicht aus allen Nöten heraus. Natürliche draußen in der Welt wüßte man nichts davon, aber einige von den Nachbarn, vor allem die Spannuths, schienen Verdacht zu schöpfen. Wie sie darauf kamen, war unerklärlich. Denn das Geschäft an sich ging, abgesehen von kleinen Schwankungen, wie sie sich im kommerziellen Leben immer zeigen, nach wie vor gut. Es lag auch nicht am Geschäft, daß der Kommerzienrat Friedel zuweilen mehr als sonst mit seinen Nerven zu tun hatte, sondern an dem sich steigernden Ungeheuern Verbrauch des Hauses. Es lag 'am meisten an Frau Margot. . .
Der Rat fuhr auf. Was war denn los?! — War die Oper schon aus? . . . Richtig — der Vorhang schloß die Bühne ab, und das Publikum hatte sich zum Abschieds grüß vor dem Kaiserpaar' erhoben. Auch Friedel stand auf, sich etwas schwerfällig mit der Hand aus die Logenbrüstung stützend. Aber er hatte keinen Blick für die Hofloge: er suchte nach dem Herzog von Abeelen. Wo war er denn? Hatte er nicht vorhin im Parkett gesessen? — Nun klappten die Türen auf — Friedel schaute in das bunte Gewimmel hinein, das aus den Sitzreihen strömte, und unwillkürlich spitzte sich dabei sein Mund und feine Lippen formten unhörbar das Wort Excelfior — und da erschrak er fast, als er die Stimme seiner Frau vernahm: „Charli, würdest du nicht die Freundlichkeit haben, mir ein wenig behilflich zu sein — ?"
Fritz war schon hinzugesprungen und hatte ihren Stuhl beiseite geschoben.
„Danke, lieber Junge. Dein guter Papa scheint ein wenig geschlummert zu haben. Kommst du mit heraus oder bleibst du in Wiesbaden?"
„Ich muß nach der Garnison zurück, Mama, hoffe aber Mitte der Woche wieder bei euch sein zu können. Verzeih, wenn ich mich verabschiede —"
„Du Hast wohl noch mit dem Herzog eine Verabredung?"
„Das auch, Mama —"
„Grüße ihn herzlich, und hör mal — es wäre reizend, wenn er uns einmal besuchen wollte."
„Tut er bestimmt, Mama. Er sprach schon davon."
„Ist alles in bestem Gange," setzte der Kommerzienrat hinzu und nahm dem Logenschließer die Federboa ab, um sie seiner Frau um den Hals zu legen.
Fritz küßte seiner Mütter die Hand. „Also ans baldiges Wiedersehn!" rief er, warf seinen Mantel um die Schultern, stülpte die Bärenmütze auf den Kopf und ging.
(Fortsetzung solgt.)
3n Sturm und Regen.
Skizze von A. Reinhard, Dresden.
Die Mittagssonne brannte glühend auf dem holprigen Stein- psnd, der von Pimau nach dem Tschindamuntpaß führt. Uni diese Stunde wär es dort ganz einsam. Nur am Sonntag begegnete Man Scharen von Maurern, die den weiten Weg aus dein Kärntnischen nicht scheuten, Nur um den Sonntag bei Weib- Und Kind - zu verbringen. Touristen mieden den Weg, nicht nur weil es ein elender Saumpfad war, der oft steil, ja halsbrecherisch von etwa 2000 zu 800 Metern hinunterführte, sondern; vor allem, weil sich an der Paßhöhe eine italienische Zollwache eingenistet hatte, die sich ihre unfreiwillige Muße durch schikanöse Durchsuchung der Rucksäcke verkürzte. Schon manchen Ungewarnten oder Unvorsichtigen hatte sie die unerwünschte Ehre ihres! Geleites nach Pimau, einem armseligen Bergstädtchen gegeben,; und wer gar eine photographische Kamera bei sich trug, durfte ein oder zwei Tage in ausgedrungener Einsamkeit über die Sauberkeit italienischer 'Arreststichen und das Mißtrauen zwischen Ocster- reichern und Italiener an der Grenze nachdenken.
Auch Marietta ging nicht gern diesen Weg, Ihre starken Glieder scheuten ihn zwar nicht. Lasten bis zu einem halben Zentner und darüber trug sie, ohne daß. ihr die Knie zitterten,! und gegen den Sonnebrand schützte das große rote Kopftuch den Nacken und das braune Gesicht. Ihre Züge lagen in tiefem! Schatten, so daß ein Begegnender nur schwer den energischen, tzüsammengepreßten Mund und die dunkel glühenden Augen Hütte sehen können.
Marietta haßte den Weg, wußte sie doch, daß oben in der Zollwache Antonio hauste. Und heute hatte er den Kontrolldienst in den Bergen. .Er kletterte wie eine Gemse, vor ihm war kein Schmuggler sicher lind er wählte die verwegensten Steige. Im
Kärtnischen !var er gefürchtet und im Tazzotal prahlte man mit seiner Tollkühnheit und Verschlagenheit. Mochte er doch; die steilsten Wände erklimmen! Ihr war es recht. Wenn er iHv früher von solcher Fahrt Edelweiß gebracht, wie ost hätte sie ihn dann gescholten und doch sich gefreut, daß er mehr konnte, als! andere lind cs UM ihretwillen tat. Heute hätte sie ihM den! Strauß vor die Füße geworfen.
Wie damals! — Hätte sie cs vielleicht nicht tun sollen? Nein! Sie war nicht so eine, wie Camilla, die es während der Woche mit einem anderen hielt und am Samstag ihrem Verlobten entgegenstieg, um ihM möglichst viel von dem abzunchmen, was er drüben im Pustertal verdient hatte. Schmuck hatte sie mehr als andere im Städtchen, aber schmucker war sie nicht. Eine liederliche, eine falsche Person, das war sie.
Und gerade an sie hatte sich Antonio weggeworsen. Keine andere hätte einen Edelweißstrauß stolz an der Brust getragen- der schon einmal im Staub gelegen hatte. AÜ dem großen silbernen! Stern in der Mitte hatte sie ihn aber erkannt: cs war Antonios Strauß. Hatte er bei ihr gefunden, was sie ihm verweigert? Verweigert, nicht weil sie ihü nicht liebte, nein, weil sie nicht wie so viele andere vor der Hochzeit zum Gespött der Lcuttz werden wollte.
Und trotziger schürzten sich ihre Lippen, und sester trat ihr Fuß, so daß ein Stein am Saunr des Pfades seitwärts brach Und in hurtigen Sprüngen die Steilwand herniederjagte. Mochte er springen! Sie hielt ihn nicht. Und wenn er im Absturz jemanden träfe.
Und doch sah sie, obwohl ihr Blick nur achtlos dem Steine! folgte, wie drei- oder vierhundert Schritt unter ihr ein Mann beiseite sprang, „tzalloh! Gebt doch acht!" rief es von unten, Das war Antonio! Der freilich wußte es, wie man einem Steirm schlag ausweicht. Er hörte wie ein Wiesel. Hatte er ihr aufgelauert? Jetzt mochte sie, so rüstig sie war, eilen, er war! bald hinter ihr, wenn er ihr folgen wollte. Aber plötzlich begannen ihre Knie zu zittern, es stieg ihr heiß empor — und was war das — wurde sie schwindlig?
Aber noch ehe sie sich ihres Zustandes bewußt geworden, faßte sie ein starker Arm, riß sie zur Seite und schob sie an die Bergwand. Ihr Blut pochte stürmisch gegen die Schläfen. Aber ihre Knie streckten sich wieder straff, und hochaufgerichtet trat sie dem! Mann gegenüber. „Was willst du von mir? Laß mich!" Und nur noch wenig zittenrd schritt sie weit aus, so daß Antonio, durch den raschen Steillauf noch außer Wem, Mühe hatte, mit ihr! Paß zu halten. Hätte sie jetzt nur rechts oder links ausweich,est können! Das aber war unmöglich: zur Linken die Tiefe, rechts jäher Fels!
Und schon redet er auf sie ein. „Du mußt mich hören!" und dann folgt eine Flut von leidenschaftlichen Worten. Sie schweigt, aber sie muß hören. Warum hat sic der Mutter nichH auch diesesmal den Weg verweigert! Seit Antonio droben war- war sie ihü nicht mehr gegangen. Heute aber war niemand dägeivescn außer ihr, um dem Vater drüben, was er begehrt- zu bringen.
„Es ist ja nicht wahr! Camilla nahm den Strauß. Ich gab ihr ihn nicht. Nur dich wollte sie ärgern," spricht Antonio., Triutten, weirn man über den Paß ist, rauscht der Ammer- bach in wildem Sturz zu Tal. Wollte man auch, man verstünde ob seines Donners kein Wort und schriest du dem Nachbar ins Ohr! Hier auf der italienischen Seite rauscht kein Bach. Nup Eidechsen rascheln im Grase oder im Gestrüpp eine schwarze Viper., Tückischer kann ihr Blick kaum sein, als der, den Marietta unter! ihrem Kopftuch hervorschießt. Auch; ihr drängen ficty heftige Worte ans die Lippen, aber sie schweigt und hastet vorlvärts. WinK da nicht links aus grüner Lehne die Alpe Colinetta? Gott sei'Ä gedankt, nun sind es nur noch wenige Minuten, dann windet sich der Pfad nach rechts und die Zollstation ist da. lieber sie darf Antonio nicht hinaus.
Am Tschindamuntpaß ist man gewöhnt, die Wanderer langsam ankomMen zü sehen von Süd und Nord. Der Weg ist, namentlich von Süden her, so elend — als wollten die Nachbarn den Verkehr! erschweren. Die Grenzkarabinicri waren nicht wenig erstaunt- als fie Marietta im Sturmschritt vorbeieilcn sahen. Sie blickte! kaum um sich, nur so viel sah sie: Antonio war nicht mehr da., Di« Wächter an der österreichischen Grenze ließen sie rasch passieren- obwohl die nur schlecht verhaltene Erregung in ihren Zügen sie: hätte stutzig machen können. Raschen Schrittes ging es nun bergab- Aber weder das wilde Tosen des Gießbaches, noch das lieblich^ Bild des nach zweistündigem Marsche sich vor ihr breitenden Tales! lockten sie aus den Gedanken, die sie seltsam bewegten und deren fie nicht Herr wurde. '
Der nächste Mittag schon fand sie auf dein Heimweg. Es! war drückend fchlvül. lieber den Felsgralen int Lüden zogen! dunkle schwere Wolkeir empor. Es bekümmerte sie nicht, wußte sie doch, Antonio werde am zweiten Tage den Grenzgang nach dem nächsten Paß haben, weit von dem, über den sie selbst
italienischen Grenzhaus, wo sie in der sechsten Stunde eintraf, war es heute einsamer als sonst. Keine Gruppe, rauchen- bet und schwatzender Leute. Nur ToMaso wär da, ein seibianKeck d'tt.es namentlich astf die Mädchen Meschen hatte. Mit M soM er M nächt wagen! Mer noch ehe sie den KM VM LÄ


