Mittwoch den 28. September
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Friedel Halb-W.
Vornan von Fedor von Zabeltitz.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Spannuth war leichenblaß geworden. Aber er war gewandt genug, int Moment seiner Stimmung Herr yu werden. Lachend wandte er sich an Diane zurück und sagte, ifyt den Arm reichend: „Weiß Gott, Herr Friedel hat recht H, wenn wir uns nicht beeilen, werden wir ausgesperrt. Die Schließer sind wie Cherubine mit flammenden Schwertern, die ein Allerheiliastes bewachen."
„Sie sollten mich doch vorstellen, Jaeanes," antwortete Diane.
„War Mch meine Absicht, holdeste Göttin — über ich überlegte rechtzeitig, daß dann ein paar Worte der Unterhaltung nicht zu Umgehen sein würden, und die Zeit drängt. Mich däncht, die Oper hat schon wieder begonnen."
Ein Fältchen wurde über der Nasenwurzel der schönen Frau sichtbar. Ihr geistiger Horizont war nur ettg; aber ihr dämmerte doch eine Ahnung der Wahrheit auf. Auch ihr Trotz wurde wach: sie hatte um diese Vorstellung gebeten; in lasterhafter Neugier brannte sie darauf, die Bekanntschaft des Mannes zu machen, von dem sie wußte, daß er der wütendste Gegner ihrer Ehe gewesen war.
„Mein lieber Jaegues," sagte sie mit Betonung, „Sie suchen nach Ausreden. Vielleicht nur, um mich zu schonen. Mer ich ärgere mich nicht leicht. Der Aerger vertreibt die Rache. Was antwortete Ihnen der Leutnant Halbsüß? Ich verstand ihn nicht."
„Ich desto besser," entgegnete Spannuth. Plötzlich schoß ihm das Blut zu Kopf. „Es war eilte unverschämte Brüskierung!" rief er grimmig.
Diane nickte. „Das dachte ich mir. „Wer bitte, schreien Sie nicht so. Immer Ruhe, lieber Freund. Wir werden dem Herrn ein Bein stellen und lachen, wenn er den Hals bricht. Ich garantiere Ihnen: er steht nicht mehr auf."
Spannuth fuhr mit der Hand nach dem Kragen; da drückte und beengte ihn plötzlich etwas. Die Wut kam Aach; aber sie teilte sich: sie richtete sich nicht allein gegen Fritz, sondern auch gegen Diane.
„Gnädige Frau," sagte er schärf, „ich bitte dringend, daß Sie die Korrektur dieser Angelegenheit mir allein überlassen. Da steht Ihr Gatte....."
Helldorf wartete auf sie vor seiner Loge und plauderte (gutmütig mit dem Schließer, den er feit zwanzig Fahren kannte. Spannuth empfahl sich mit rascher Verneigung und eilte Korridor und Treppe hinab. Er wollte aus der Stelle ein Entschuldigungswort Fritzens hören. Im Wirbel der Erregung siedete sein Blut.
Als Fritz, der eben in die Loge seiner Eltern treten Wollte, eine Hand auf seiner Schalter spürte, wandte er sich zurück,.
„Einen Augenblick, wenn ich bitten darf."
„Mit Vergnügen. . . /' Fritz sah in das Gesicht seines Gegners und wußte, was kommen wurde..... ,Mehe«
wir in die Vorhalle, Herr Spannuth."
Die Beiden schritten dicht nebeneinander. Spannuth mäßigte seine Erregung; er sprach halblaut und in gleiche- gültigem Tone, um nicht die Aufmerksamkeit der Bediensteten zu erregen. , .
„Sie haben mich beleidigen Wollen, Ferr Friedel."
„Es war nicht meine Absicht."
„Also geschah es unabsichtlich. Nichtsdestoweniger: die Beleidigung bleibt."
„Im Gegenteil: ich habe Ihnen eine solche erspart. Ich wünschte die Vorstellung nicht, weil ich in diesem Falle kurz kehrt gemacht haben würde."
„Weshalb lehnten Sie die Vorstellung ab?"
„Das ist meine Sache."
„Doch nicht. Ich muß um Aufklärung Bitten."
„Sie haben sie, ohne daß ich W sprechen Bräuche. Sie wissen ganz genau, daß meine Freundschaft zu Helldorf an seiner Ehe Schiffbruch gelitten hat."
„Das bedingt noch nicht, die Formen zu verletzen, die in der guten Gesellschaft Sitte sind."
Fritz zuckte leicht zusammen. Ein drohender Blick streifte Spannuth. „Ich zähle die Dame, um die Sie streiten, nicht zur guten Gesellschaft," erwiderte er.
Spannuth blieb stehen. „Wenn sie in meiner Begleitung ist, Herr!" stieß er zischend hervor. Und wieder lenkte er ein: „Hätte nicht Helldorf selbst sie Ihnen vor-- stellen können — ?"
„Nein — das ist ausgeschlossen. Mer, nehmen Sie an, Herr Spannuth, Ihre — 'Gattin hätte die Vorstellung übernommen: so würde ich nicht einen Augenblick gezögert haben, meine Verbeugung zu machen. Denn das wäre mir Beweis gewesen, daß die fragliche Dame die Wage zur Gesellschaft gefunden hätte."
Spannuth fühlte sehr wohl den Stich, der in dieser Bemerkung lag.
„Sie wollen sich nicht entschuldigen?" fragte er kurz.
„Ich denke nicht dran," antwortete Fritz lässig.
Die Blicke trafen sich: Sie fuhren ineinander und zündeten. Ueber den Groll des Moments hinaus regt« sich die alte heimliche Feindschaft.
Spannuths rechte Hand spielte nervös mit der Uhr-i kette. Seine Stimme zitterte. „Sie werden einsehen/« sagte er stockend und die Worte lang auseinanderziehend^ „daß ich nicht gewillt sein kann, mir eine Ungezogen^ f) ßjf —'<
Aber weiter kam er nicht. Fritz unterbrach ihn fM fort, doch ohne Heftigkeit- „Wo treffen Sie meine Beugen?'« fragte er ruhig.
„An den Vormittagen in meiner Weinbergsvilla, von sechs Uhr nachmittags ab stets litt der Billa Maud M Hainerweg,"


