* 463

Wnb deren Transport zur See sehr interessant. Premicrleutnant Scnkcnberg hat eingehend darüber berichtet.

Wir wenden uns nun zu dem dritten Abschnitt unserer» kleinen Schilderung.

III. Di e Verteidigung der Festung Badajoz.

Badajoz ist eine uralte Stadt in Spanien; sie liegt aus bem linken Ufer der Guadiana, die dort eine südliche Richtunig nimmt und in das Atlantische Meer fließt. Schon vor Christi Geburt war die Stadt eine Festung. Von der portugiesischer Grenze ist sie etwa eine deutsche Meile entfernt. In früheren Jahrhunderten wurde oft um Badajoz gestritten und viele Be­lagerungen mußte es aushalten. Im Frühjahr 1811 belagert-e Marschall Soult die Festung; das spanische Entsatzheer wurde zurückgeschlagen, worauf sich Badajoz am 11. März ergab. Die Franzosen nahmen Besitz, versäumten aber, die beschädigten Teile der Mauern und Wälle sogleich anszubessern. Dies geschah erst, als bekannt wurde, daß die Spanier und Engländer beabsichtigten, den Platz wieder zu erobern.

Deutlich wurde dies der Besatzung dadurch zu Gemüte ge­führt, das; mehrere Munitionstransporte, die für Badajoz be­stimmt waren, vom Feind abgefangen wurden. Dieser Fehler Machte sich später bei der Verteidigung in empsiudlichster Weise geltend. Im Jahre 1811 machte» die Engländer zweimal den Versuch, die Festung zu überrumpeln: im März und im Juni. Jedesmal wurden sie abgewiesen. Der Platz war indessen für die Operationen der euglisch^portugiesischen Armee von so großer Wichtigkeit, das; Wellington seine ganze Kraft dazu verwandte, ihck zu erobern. Eine Kriegslist sollte zum Ziele führen. Welling­ton lief; im Monat März den größten Teil seines Belagerungs­geschützes mit großem Spektakel abfahren und in Lissabon ein- ,schiffen, um die Besatzung von Badajoz glauben zu machen, die .Belagerung sei aufgegeben worden. Der pfiffige Engländers schiffte das Geschütz an einem andere» Punkte des portugiesischen UferS wieder aus und ließ es heimlich nach Elvas schassen, das! in der Nähe von Badajoz liegt.

General Philippo», der französische Kommandant der Festung, der die Engländer kannte, weil er sie int Jahre vorher wieder-! holt abgewiesen hatte, lies; im Februar 1812 fleißig an der! Ausbesserung der Festungswerke arbeite». Es war die höchste Zeit: Am 16. März erschien Wellington mit drei englischen. Divisionen und einer portugiesischen Brigade vor Badajoz und schloß die Festung ein. Die Besatzung bestand: «»§ dem Hess, "RegimentGroß- und Erbprinz" (jetzt das 118. Jns.-Reg.) mit 32 Offizieren und 910 Man», aus süiif französische» Bataillonen, einer Kompagnie Neuspanier, einer Abteilung Genie, 250 Mann Artillerie und 80 Reiter». Die ganze Besatzung war 4550 Mann stark, wogegen die Engländer und Portugiesen über eine zehn­fache Ueberniacht verfügten.

Wollte man auf Einzelheiten eingehen, so ließe sich ein statt­liches Buch über die Verteidigung von Badajoz schreibe». Statt dessen soll nur Einiges erwähnt werden.

Wellington betrieb die Belagerung der Festung mit der größten Energie; er hatte guten Grund dazu, weil er wußte, daß zwei französische Armeen unter den Marschälle» Soult und Marmont im Begriff waren, die Festung zu entsetzen. Soult kam zwei Tage zu spät. Marmont soll, wie die Franzosen selbst andeuten, feinen Marsch in böswilliger Weise verzögert haben. Drei Tage »ach Umzingelung der Festung, also am 19. März 1812, machte Gouverneur Philippo» eine» Ausfall mit 1000 Mann Infanterie, 40 Reitern und 200 Man» Genietruppen, itin die feindlichen Belagerungsarbeiten zu zerstören. Der Aus­fall mißlang zum Teil. Mit einem Verlust von 220 Mann Toten und Verwundeten kamen die Ausfalltruppen zurück. Unsere Hessen waren mit 200 Mann beim Ausfall beteiligt; sie tjntten mit hervorragender Tapferkeit gestritten, ihr Verlust betrug 2 Offiziere und 97 Mann.

Vom 20. März an richteten die Engländer das Feuer auf das VorwerkPicurina", das bald ein Trümmerhaufen wurde. In der Nacht vo»l 26. zum 27. März stürmten sie das Vorwerk. Die Besatzung bestand aus 200 Mann, darunter 49 Hesse». Hier­von waren 19 gefallen; die übrigen 30 lehnten de» Pardon ab. Hauptmann Kullmaun und Bataillonsarzt Metzger sprangen in das Wasser, das um das Vorwerk floß; die, Mannschaft folgte., Fechtend und schwimmend erreichten sie das jenseitige Ufer: von Freund und Feind bewundert.

Schon am 25. März hatten die Belagerte» die Hälfte ihrer Munition verbraucht. Am 3. April hatte» die Engländer eine weitklassende Bresche auf der einen Seite geschossen. Nachts ar­beiteten die Belagerten daran, die Bresche» zu schließen und die verschüttete» Gräben aufzuräumen: eine sehr schwere und gefahr­volle Arbeit, weil sie unter dem Feuer der schweren englischen .Belagerungsbatterien verrichtet werden mußten. Die französischen Genie-Offiziere erklärten: nur auf die Leute des Hessischen Re­giments könne man sich bei dieser Arbeit verlassen. Drei Nächte lang verrichteten unsere Hessen diese Arbeiten; sie verloren in der Nacht vom 1. zum 2. April 21 Mann, meistens Tote. Aehnlich waren die Verluste in den folgenden Nächten. Am .6. April besichtigte Wellington die Breschen und befahl, daß in der Nacht an drei Stellen der Sturm unternojnMen werdet»! solle.

Die Belagerten hatten das Menschenmögliche zur Verteidigung vorgerichtet: Pulverfässer mit Eisenstücken waren vergrabe» worden; spanische Reiter und scharfe Säbelklingen standen in den Breschen, daneben Bomben mit Zündschnüre» versehen. Die besten Scharfschütze» waren an den ausspringenden Winkeln der Bastion 7 postiert. Am 6. April 1812, abends 10 Uhr, begann der Sturm: 15 000 Engländer griffen an; die Verteidiger waren auf 3600 Mann zilsammeiigeschmolzen.Der nun zu schildernde Kampf ist einer der großartigsten Vorgänge, von denen die Geschichte des Halbinselkriegs zn erzählen weiß: ein blutiges Bild des Krieges in feiner furchtbarsten Gestalt, ober auch ein bleibendes Denkmal für die heroische Tapferkeit der Angreifer, wie der Verteidiger."

Letztere ließen die Engländer bis au die Mauerbrüche heran­kommen, dann spieen die Geschütze Feuer, die Bomben und Pulver­fässer explodierten, die Schützen feuerten in den dichten Knäuel der Engländer hinein und haufenweise brache» sie zusammen. Trotz­dem bringen die Angreifer bis auf ben Kamm der Bresche, werde» ober hier mit der blanke» Klinge in den Festungsgraben hinab-. gestürzt. Zum zweite» und zum dritte» Male erneuer» die Eng­länder ben Angriff; jebesmal hatten sie dasselbe Schicksal.

Wellington befahl de» Rückzug. 3000 Mau», darunter 300 Offiziere, hatten die Stürme gekostet.In dumpfer Verzweiflung, wie erstarrt von den schreckliche» Eindrücken, marschierten die von der Blutarbeit Uebriggebliebeueu nach dem Lager zurück." Ma» muß hier ebenso sehr ben todesverachteuden Mut der Engländer, wie die heroische Tapferkeit der Verteidiger bewundern.

Der Raum mangelt, uni bie weiteren Kämpfe zu schildern; jeder Fuß breit wurde ben Engländern streitig gemacht, die unaufhörlich frische Mauuschaften ins Feuer führten, bis die Kräfte der zum Tode erschöpften Verteidiger erloschen. Jeder Offizier, jeder Soldat war ein Held.Wenige, sehr wenige von denen, bie' bie feindliche» Leichen gehäuft hatten, womit die Tiefe fast auf­gefüllt war, bliebe» übrig, um sich ihrer Taten zu rühmen," sagt General Pieto» in seinen Denkwürdigkeiten über die Erstürmung von Badajoz.

Als der Festungskonimandant Philippo» sah, daß nichts mehr zn retten war, machte er sich mit seinem Stabe und seinen Schätzen davon. Mit Tagesanbruch rückte die englische Strmce. in die Festung ei». Die Besatzung wurde kriegsgefangen.Ruhig, laut­los, bie Gewehre in Pyramiden zusammengesetzt, die Armatur daran gehängt, in Reih und Glied hinter ihren Gewehren, so fanden die Engländer am Morgen des 7. April bie braven Ver­teidiger von Badajoz. Noch an dem nämlichen Tage traten die Tapferen de» Marsch »ach Lissabon an, um in eine überaus traurige Gefangenschaft »ach England abgeführt zu werden."

Die Eroberung von Badajoz mußten die Engländer mit einem Verlust von 406 Offizieren und 4606 Soldaten bezahle».

Wie in anderen Füllen, suchten die Franzosen auch hier de» Deutsche» etwas anzuhängen, besonders de» Hessen. Sic schrieben von Untreue, Feigheit und Verräterei. Diese Nichtswürdigkeiten »ahm sogar der kleine Thiers auf, der Advokat, Geschichtsschreiber und ein Hauptgegner Napoleons III. war, nach dessen Sturz er Präsident der französischen Republik wurde. Unter ben hinter­lassenen Papieren des Regimentskonimandeurs Köhler in Darm­stadt sand man aber ein eigenhändiges Zeugnis des Festungs-t kommanbante» Phillippon, datiert Lissabon, den 19. April 1812, worin klar und deutlich bescheinigt ist, daß sich das Regiments Hessen-Darmstadt vom Anfang der Belagerung von Badajoz an bis zum Schluß in der tapfersten Weise gehalten habe, so daß man sich nur mit Lob über das Verhalten des Reginients aus- fpreche» könne usw. Dem Mr. Thiers wurde eine beglaubigte Abschrift des Zeugnisses in einem offenen Briefe zugesandt. Das Original befindet sich im Großh. Hess. Staatsarchiv. Seitdem sind die französischen Verleumdungen verstummt.

IV. In englischer Kriegsgefangenschaft (18121814).

Die Feder sträubt sich Und das Herz krampft sich zusammen, wenn man schildern soll, in welch schauerlicher Weise die Engländer ihre Kriegsgefangene» und die ihnen befrennbete Stadt Badajoz behandelten: Wellington gab die Stadt auf zweimal 24 stündige Plünderung Preis.Stolzes England schäme dich!" muß man hier ausrufen. Die meistens betrunkene» Soldaten verübte» Mord, Raub und Schändung an den Einwohner» ohne Unterschied des Alters und Geschlechts. Selbst die englischen Berichte geben zu, das;Bojodoz" ein dunkles Blatt in der englische» Geschichte fei. Erst bann, als Wellington einige Galgen errichten ließ und mit ben strengsten Mitteln einschritt, stellte sich wieder etlnod Ordnung ein.

Den gefangenen Offizieren und Mannschaften wurden Geld, Uhren und Wertsachen abgenommen und die besseren Kleider vom Leibe geriffelt. De» Leutnant Scriba warfen bie Unholde, nach­dem sic ihm sogar das Hemd vom Leibe gezogen hatten, in eine» »offen Festungsgraben. Nackt, wie ihn Gott erschaffen hatte, kletterte er jenseits heraus und blieb hier lange bewußtlos liegen. Ein Soldat von der braunschweigischen Legion brachte ihn zu einem englischen Oberst, der ihm ein Paar leinene Hosen und einen alten Mantel gab. Diese Kleidungsstücke trug Scriba während der ganzen Gefaitgenschaft. Am 7. April wurden die Offiziere und Mannschaften des Hess. Regiments nachmittags in der Bastion 6 gesammelt und der Marsch »ach Lissabon angetreten. Vorher nahm man den, Leuten Wertsachen und. Geld ab, bann