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Wasserlöchern bekam einen schnmtzig-roten Spiegel, und am schwarzen Turn: der Kirche wischten blutige Finger.

Das düstere Winterrot machte das Dorf nicht freund­licher, auch die Gedanken des Vikars nicht, der, von Ignaz Ruda geleitet, jetzt vor die Türe der niedrigen Hütte trat, deren eine Weite die Schulstube iind die Mvhnnng dies Lehrers enthielt, während auf der anderen Seite der .Häusler Je- zierski mit seinen neun lebendigen Kindern hauste.

Stilbn, in seinen Tnchleistenschuhen, das Röckchen vorm Stöbern des blasenden Windes über der Brust zusammen­haltend, stammelte, halb sinnlos vor Angst:Was nun, was nun, Herr Vikar, was mache ich nun?! Jesus, Maria! Sagt' ich's nicht, daß der Herr Baron wird mich ins Unglück bringen? Kein Mensch kümmert sich sonst um mich, aber nun, nun da ist der daran schuld, der ganz allein!" Sein zitternder Finger wies gen Riernezyee.

Blaß bis in die Lippen geworden, blickte er wie ein Mißhandeltes Tier, das sich gern rächen möchte und nur nicht lveiß, Ivie.Ich bin ruiniert, ich Unglücklicher! Was soll ich machen?" Hilfesuchend faßte er den geistlichen Herrn nm Aerrnel.

Gorka kniff die Lippen zusammen. Unter der gerunzel­ten Stirn bekamen seine Augen einen düsterbrütenden Ms- druck. Er war immer bleich, aber heute zeigte sein gelb­liches Blaß einen Stich ins Grünliche wie bei einem, dem die Galle ins Blut getreten ist. Heute, vor wenig Stunden, war mit der Mittagspost ein Brief gekommen, ein Schreiben der Behörde an den geistlichen Vorstand der Schule von Pociecha. Weder scharfe Worte noch eine Drohung waren darin ausgesprochen, in höflich amtlichem Stil wurde nur die Verfügung desdeutsch abzuhaltenden Schulunterrichts" wiederholt. Aber den jungen Priester hatte beim Lesen die Wut gepackt; die Hände ballend war er- in der Stube auf und ab gestürmt, während Piotr Stachowiak, in seinem Lehnstuhl beim Ofen sitzend, verwundert dreinsah: nun, was war denn da weiter?Laß sie schreiben, man tut doch, was man will!"

Ah, diese Unverschämtheit, diese Ueberhebung! Neber Geweihte des Herrn einfach hinweg zu verfügen, als seien sie dumme Jungen!

In Gorka wallte das Blut seiner Ahnen auf: einem elenden Dorfhuhn mag man wohl den Wurm abjagen, den es im Schnabel trägt, einem Adler nie! Sollten sich Szenen des Kulturkampfes noch einmal erneuern? Nun wohl, man würde den polnischen Unterricht der Kinder jetzt ebenso ver­teidigen, wie damals die Märtyrer der Kirche ihre geheiligten Rechte verteidigt hatten! Es sollte den Widersachern nicht gelingen, der verfolgten Kirche eine ihrer kräftigsten Stützen aus der Hand zu winden. Aber Ruhe, Besonnenheit ge- Wrten dazu.

Zum Brevier hatte der Erregte seine Zuflucht genom­men. lind wie er, die Lippen lautlos bewegend, wieder und Wieder las, was er längst auswendig wußte, wurden seine Züge glatt. Dann war er zum Lehrer gegangen.

Eine mehrstündige Unterredung hatte er mit Rn da ge­habt, aber sie hatte doch nicht viel gefruchtet.

Mit einem verächtlichen Blick sah der Vikar jetzt auf den sich in tausend Äengsten Windenden herab. Unsanft befreite er seinen Aermel aus den sich daran klammernden Händen.

Tun Sie Ihre Schuldigkeit, Ruda! Ich habe Ihnen unlängst schon einmal gesagt, daß ich Sie nicht im Stich lassen werde. Aber zweien Herren können Sie nun einmal nicht dienen. Entweder Sie sind ein guter Christ, ein treuer Sohn Polens, oder" er sprach nicht aus, er machte nur eine wegweisende Handbewegung. Und dann ließ er fest seinen Blick auf dem Schwankenden ruhen:Es gibt hier nur ein Entweder Oder!"

Ich muß ja wohl, ich muß ja wohl! Ich kann ja gar nicht anders, sie schlagen mich sonst tot hier," jammerte der Erbarmungswürdige.

Der Geistliche zuckte die Achseln:Können Sie es Eltern verdenken, daß sie das Beste ihrer Kinder wünschen? Welche Mutter möchte ihr Kind verlieren mit der fremden Sprache kommt der fremde Glaube und ist sie nicht dereinst! verantwortlich für seine Seele vor Gottes Thron?!" Seine Stimme hatte etwas Pathetisches bekommen. Nun änderte sich deren Klang:Aber tun Sie, was Sie wollen und verantworten können!" Ernst neigte er beit Kopf und ging.

Er ging die einzige Dorfstraße hinab sie führte zwischen Pfuhl und Propstei durch aber er trat nicht ins Haus ein. Er ging weiter. Noch war es ihm nicht möglich.

zwischen den engen Wänden zu sitzen, die Piotr Stachowiaks engen Horizont begrenzten; draußen in der großen Ein­samkeit der winterlichen Scholle mußte er bett Blick schweifen lassen über unendliches, unbegrenztes Land.

Der Himmel glühte nur noch ganz im Westen, und da hinein, in das letzte Blutrot, das sich wie eine Fackel aus dem Dunkel hob, mündete die Dorfstraße. Der Priester ging sie mit erhobenem Haupte wie ein Herrscher, festen Trittes wie ein Streitbarer, der da auszieht, das Seine zu verteidigen.

Hier und da! grüßte eilt Weib, das mit dem Futter-, eimer zum Stalle schritt, demütig den Herrn Vikar:Ge­lobt sei Jesus Christus!"

Und er sprach, das Haupt neigend und die Hand er­hebend zum friedlichen Gruß:In Ewigkeit, Amen!"

Ganz still, wie erfroren lag das Dorf in der kälter und! kälter werdenden Nachtluft. Nur aus dem Krug schallte lauter Lärm. Die Schenke war das erste Haus int Dorf und auch das letzte, je nachdem, von welcher Seite Man kam. Der Vikar mußte daran vorbei auf seinem Weg in die Felder.

Er hielt an und horchte: welch ein Geschrei! War das nicht eine Weiberstimine, die da kreischte, wie in höchsten Nöten?! Er stand noch lauschend, da wurde die Krugtür plötzlich aufgestoßen; von einem kräftigen Tritt befördert, flog eine Gestalt nie ein Bündel hinaus ins Dunkel üb:r- schlug die Stufen im Bogen und lag ihm nun zu Füßen. Er bückte sich danach: war's ein Manu, eine Frauensperson?!

Da rief auch schon eine Männerstimme vom. Eingang greuliche Flüche her, und innen jauchzten viele:He, Ciolka, ade! Lebe wohl, Ciotka!"

(Fortsetzung folgt.)

Die Hessen in Spanien. (M8W2).

Geschichtliche Skizze von G g. Schäfer.

(Schluß,)

Verschiedene kleine Gefechte, die in der Zeit vom 11. August bis 19. November 1809 vorsielen, mögen unerwähnt bleiben; doch über die Schlacht von Ocana am 19. November 1809 soll eine kurze Schilderung folgen:

Ocana ist die Bezirkshauptstadt der spanischen Provinz; Toledo; cs liegt in fruchtbarer Ebene an der Straße (jetzt Eisenbahn), die von Aranjuez nach Cuenca führt. Der spanische Obergeneral Areizoga hatte hier mit seiner Armee von 60 000 Mann, ans Spaniern und Engländern bestehend, Aufstellung genommen, denen die Franzosen mit den Rheinbundtruppen nur 30 000 Mann entgegenstellen konnten. Oberbefehlshaber war von letzteren der Marschall Soult. Unter ihm fochten die Marschälle Victor, Sebastiani, Mortier und die Leibgarde des Königs Joseph. Bon der Höhe, diesseits Ocana konnte die ganze spanische Armee! übersehen werden. Um IO1/? Uhr vormittags begann der Kampf, um 2Vs Uhr befanden sich die Spanier auf der Flucht. Es wurden 24 000 Gefangene gemacht und 54 Kanonen, sowie 30 Fahnen; erbeutet.Die 3 Hess. Voltigeur-Kompagnien haben sich zur Bewunderung brav betragen," heißt cs in einem Bericht des Generals v. Schäffer an den Großhcrzog;den Kapitän v. Schäffer, obgleich er mein Sohn ist, kann ich nicht umhin besonders zu nennen. Er hat sich während der Schlacht mit einer Ruhe und Bravour betragen, die weit über seine Jahre hinausgeht." *) Auch die Leutnants Venator, Heydte, v. Herff und v. Schäffer wurden belobt.

In den französischen Armeebefehlen erschienen die aus­schweifendsten Lobeserhebungen über die Leistungen der Fran­zosen. Die deutschen Truppen, die sich alle vortrefflich schlugen, fanden nebenbei Erwähnung. Dem General v. Schäffer lag die Ehre und der gute Name seiner Landsleute am Herzen. Er er-i stattete einen Bericht an den Großherzog, in dem nachgewiesen wurde, daß Marschall Mortier das 88. französische Linien­regiment mit Lobeserhebungen über seine Leistungen überschüttete, während dieses Regiment 400 Schritte hinter der Hess. Brigade stand und weder einen Schuß getan, noch einen Blessierten auf- zuweisen hatte. Nach der Schlacht von Ocana mußten die deutschen Truppen die Gefangenen nach Bayonne eskortieren- ciu unrühmlicher, anstrengender Dienst. General v. Schäffer meldete dies dem Großhcrzog unlcrm 25. November 1809 von Madrid aus und schloß mit den Worten:Diese Bestimmung gibt der deutschen Division den letzten Stoß. Ich bitte um meine Abberufung."

Glücklicherweise erfolgte diese erst nach Monaten.

Neber die Ereignisse nach der Schlacht von Ocana, sowie über die Gefechte und Expeditionen in den Jahren 1810 und 1811 Müssen wir, des Raummangels wegen, leider hinweg gehen/ obgleich sie noch des Interessanten viel bieten. Besonders ist die Verteidigung von Toledo, die Gefangennahme von Offizieren

*) Kapitän v. Schäffer war 20 Jahre alt.