Ausgabe 
28.7.1910
 
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Donnerstag den 28. AM

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Das schlafende Heer.

Roman von Clara Biebig.

lFortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Es mar Pan Szulc, der Inspektor. Er kam an ihren Tisch, aber als er Dudek die Hand reichen w-ollte, ballte der die seine zur Faust und legte sie schwer auf den Tisch: nein, einem, der Zu den Niemcy*) gegangen war, gab er die Hand nicht!

Der junge Mann lachte und zuckte die Achseln, aber dann wurde er ernsthaft.

,Mas glaubst du wohl, altes Kamel," sagte er mit einem freundschaftlichen Puff,nutzt die Axt mehr in der Hand oder am Nagel an der Wand? Bin ich darum deutsch, daß ich deutsches Brot esse? Glaubst du nicht, daß ich der guten Sache jetzt mehr nutzen kann als zuvor?" Er klopfte dem Schäfer gegen die Stirn:Denke darüber nach, Väter­chen! Und der Teufel soll mich holen und seine Großmutter mich freien, wenn ich Polen nicht liebe Gott erhalte es! Hört ihr?!" Musternd ließ er seinen gestrengen Blick -über die stumpfen Gesichter streichen.Hört ihr nicht: Gott erhalte Polen!"

Sie schlafen," klagte der Alte,sie warten nicht. Wenn sie warten würden wie ich, dann würde der Lysa Gora sich bälder auftun. Ich allein kann sie nicht erwecken, die Drei- malhunderttausend, die da schlafen im Berg. Ich warte und horche, aber ich kann noch nicht hören, daß ihre Waffen klirren!" Kopfschüttelnd legte er die Hand hinters Ohr. Meine Ohren sind alt. Pan Szulc, hört Ihr was?"

Der Inspektor gab keine Antwort, aber er winkte dem Wirt:Mehr Schnaps! Und psia krew- was für Finkennäpfe sind denn das! Ordentliche Gläser her! Diese Herren sind jetzt meine Gäste!"

Er schenkte ihnen selber ein und stieß dann mit allen an.

Die Scheu verließ sie nach und nach. Pan Szulc, der Gestrenge, dem immer die Neunschwänzige am Sattelknopf baumelte, war doch ein guter Herr, ein freundlicher Herr! Und Späße machte der! Sie prusteten vor Lachen.

Die Weiber stießen sich in die Seiten und fielen fast von der Bank: ein schöner Herr war der, ein freigebiger Herr!

Wiwat! Wiwat!" wv.. ,, ,

Das Hähnchen krähte vor Vergnügen. Das -schtefmaul hatte schon vollgeladen, und manch anderer auch noch.

Plötzlich schrien alle hell auf:Die Ciotka!"

Richtig, die dem Tode Nahegeglaubte trat plötzlich in den Krug. Die hatte eine gute Nase, der brauchte sie nur nachzugehen. Und munter war sie war's möglich?!

Mit Ehrfurcht sah man auf Dudek, Wußte Man doch, er hatte sie besprochen, im Namen des Vaters, des Sohnes

Die Deutschen.

und des heiligen Geistes. Drei Tage war's her, und nun wandelte sie schon!

Filomena rückte bereitwillig und ließ die Ciotka neben sich sitzen. Man gab ihr gleich ein volles,Mas, und sie ver­sicherte allen, die sie eifrig befragten: nichts, tue ihr mehr weh, glatt und zart sei ihre Haut wie ein junges Kalbst fellchen, mochten sie alle nur gucken kommen! Sollte sie etwa tanzen, he?! Und sie hob schon die Beine:

Podkoziolek, mußt du geben"

Ihre Partner, die zwei Musikanten, spitzten bereits die Ohren sollte es etwa doch noch eine Musik geben?

Aber der alte Dudek hob abwehrend die Hand: 's tvar nicht die Zeit für den Podkoz-iolek!

Da fiel ihnen allen die Nepomucena wieder ein, und die Weiber begannen herzbrechend zu schluchzen: was tvar sie doch für eine Gute gewesen!

Der Stroz aus Chwaliborczhce hob sein Glas, wehmütig mit den roten Plierangen blinzelnd :Wiwat, daß sie lebe!" Wie manche Nacht, wenn er Wache gehalten hatte, war die gute Babunia über den Hof geschlichen. An der Stallwand hatte sie gelehnt, trenn die Atemnot sie überkam, und dann war sie weitergeschlichen, immer ganz langsam, sich mit der Hand gegen die Mauern stützend. Ja, die gnädige Pani war gut bedient gewesen, die hatte nie zu warten gebraucht! Jetzt hatte die Filomena die Ehre!

Und er machte einen Diener vor dieser.

Geschmeichelt lächelte Filomena.

Eifersüchtig guckte die Ciotka. Der Stroz tvar einmal! ihr Liebster gewesen, es war schon lange her, aber sie hielt noch darauf. Zornig fuhr sie auf die Filomena los: wer hieß sie Blicke werfen? Schickte sich das für eine, die schort Großmutter tvar?!

Die Filomena, nicht faul, schlrrg ihr eilte Maulscheller da hatte sie Bescheid! Schickte sich das für eine, die immer betrunken war, über anständigere Leute sich aufzuhalten?!

He, wer war nicht anständig?

Ei, sie nicht, die Ciotka!

Nein, sie nicht, die Filoinena!

Laut kreischten beide auf. Der Ciotka Faust griff nach der Filoinena Haube, der Filomena Nägel in der Ciotka Gesicht. Die Männer trennten sie, aber auch ihre Mgen funkelten wenn zwei sich prügeln, Wacht beim dritten die Lust auf. Unternehmend- sahen sie sich um, die stumpfen Gesichter flammend rot; leise fingerte die Hand am Knippek*) in der Tasche, m

Es war früh, gegen die Mittagsstunde gewesen, als sie die Nepomucena begruberk, jetzt fing das Dunkel schon an, sich zu recken. Bom westlichen Horizont her kam eine Röte über den Himmel gekrochen und überzog das ganze Gewölbe. Sie strahlte die weißgrauen Wolken an, daß die wie Rauch aus Flammen stiegen. Die Ebene lag int Wider­schein; der Pfuhl im Dorf Mit seinen anfgehactten schwarzen

*) Tasckeumesstr.