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sie lieferten auch die Knollen. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts fand^er Kaiserliche Gesandte in Konstantinopel, A. de Busbeque, die Tulpen in türkischen Gärten bereits in großer Mauuig- faltigkeit vor und brachte sie zuerst »ach Prag. Aus Wien erhielt sie Nordeuropa, namentlich England; die größten Liebhaber aber fand die Blume au den reichgewordene» Holländern. In Holland erwachte der Wetteifer, immer neue Abarten und Farbenmischungen zu Erzeugen und führte in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, zu den: großen Tulpenschwindel, deni Kauf und Berkaus auf Zeit von nie dageweseueu Exemplaren, mit Entrichtung bloß der 'Differenz zwischen dein vereinbarte» und der» am Verfalltage notierten Preise, einem „Windpreise", der das Vorspiel bildete zu dem Glücksspiel der Börsen. In Haarlem und Rotterdam bezahlte man für eine Phantasietulpe den Preis eines Hauses oder eines Landgutes. Ebenso schnell, loie die Tulpe im Preis: gestiegen mar, sank sie auch wieder herab. Tie Stadt Haarten! aber hat die Tulpenzuckt beibehalten und bringt heute noch viele Zwiebeln zu mäßigen. Preisen auf den Markt und in de» Handel.
Andere Blumen, und Ziergewächse, die Europa dem Halbmond verdankt, sind der Syringeustrauch, die Hyazinthe, welch letztere, ans Bagdad nach Venedig und Italien gebracht, bald als Nebenbuhlerin der Tulpe auf den Blumenbeeten der Holländer in unzähligen Farben, und Abarten.prangte, eine persische Blume, die Äartenranunkel; aber auch die Kastanienbaume, der Kirschlvr- beer und der Buchweizen sind durch die Türken über die Welt verbreitet lvorden.
üermifcbfes.
*.<5i » I » st itut für S eele nh eil künde. Wie iveit m unserer so viel geprieseneil Reichshauptstadt die Gefühlsroheit und die gewissenlose Ausbeutung geht, beweist die Gründung eines „Institutes für S e e l e uh ei l ku u d e", daS jetzt in Berlin viel besprochen ivird. Zu dieser „zeitgemäßen" Einrichtung schreibt der Berliner Mitarbeiter der Rhein.-Wests. Ztg. ganz in unserem 'Sinne: Das Institut für „Seeleuheilknnde", das seine Reklame mit großem Tamtam ins Werk setzte, ist augenblicklich in aller Munde. Es scheint sich hier lvirklich um eine ganz großartige Neuerung zil handeln. Während Wertheim, Tietz und Jaildorf allen Bedürfnissen auf rein körperlichen Gebieten gegen Geld abzuhelfeil verstehen, will dieses neue Warenhaus für „seelischen Bedarf" den Hilfe und Rat Suchenden Mittel gegen „geistige llnklarheit", „Gewissensangst", „Weltschmerz", „Seelenqual", „jugendliche Unerfahrenheit" und „Neigung zum Verbrechen" verabfolgen. Also ein großzügiges, weitumfassendes Programm. Es scheint demnach, als ob jenes oft im Zorn gesprochene Wort: „Du hast auch nicht für fünf Pfennige Energie," rn Zukunft hinfällig tverden wird. Alles das, was einem schwachen, weltfremden, unbedachtsamen Menschen, zum Fortkommen fehlt, kann man in diezem Institut kaufen, oder sagen mir besser, durch einen kurzen Kursus eingedrillt erhalten. So etwa wie man das Abiturientenexamen besteht, wird man fortan nach vorgenom- iitencr Prüfung das Zeugnis erhalten, für „Seeleitqual" und „Weltschmerz" unempfänglich und gegen „jugendliche Unerfahren- hett" mit allen ihren manchmal recht unangenehmen Begleiterscheinungen gefeit zu sein. Das Institut ivird mit einem gewaltigen Andrang rechnen können, denn „Jugendeselei", und ganz besonders „geistige Unklarheit", die ebenfalls in dein Prospekt und an den Anschlagsäulen als zu beseitigendes Uebel angeführt ist, sind an und für sich schon verbreitet genug in Berlin, durften aber bei allen denen, die sich dazu entschließen, einen Kursus rn der Anstalt zu nehmen, in hoch entwickelter Reinkultur zu finden fein. Und doch scheint es uns, haftet bem ganz modernen, Unternehmen ein gewisser.Mangel unb der Schein der Nnvoll- MndigkeU an, da man in der Anstalt vergaß, das Allerverüreitetste und Wichtigste nt den Lehrplaii Mfzimehmen, nämlich eilten Unterrlchtskursus zur Beseitigung großstädtischer Gefühlsroheit und geschäftsmäßiger Niedertracht.
. ,, 1 0 c EI age. Wie aus' Baden-Baden mitgeteilt
wird, hat die dortige Kurdirekkioti Enrico Carüso für die Woche nach den dlesmhrigen Renne» zu einem Gastspiel ver- pflichtet. ^n Paris, wo er in der Metropolitan-Opera auftrat, erhielt er 12 500 Francs für den Abend. Das ist ein Preis, den er em für allemal. festhält, nur in einem Konzert für die vereinigten Pariser Wohltätigkeitsvereine hat er umsonst ge- jungeii. L.as Konzert fand in dem ausverkauften Riefensaal de» Trocadero statt und soll an 150000 Francs gebracht haben. Earuso steht ;etzt ivohl auf der Höhe seines Ruhmes, bekommt ?’nA, “,desicn Tragik zu kosten: de» Kampf um die Dauer fvl>ter ^"hnen,Mrschas.t. In Paris hat er denn auch einem Mit- arbelter des „Temps sem blutendes Herz ansgeschüttet. „Ach, das Lampensleber, dieses Lampenfieber, das mein Dasein zu RücktrUt-^L“Ä'Ä bisweilen den Augenblick meines
eine K am herberjehnen laßt." So begann Caruso
»um ersteiunal tn in entern Leben auf- WOtrfn unbegrenztes Vertrauen zu meinen:
ft öa saug ich wie. ein sorg-
lofei Vogel im Busche, ohne Angst, ohne Erregung. Und wann dann einmal ein Abend kam, an dem mir irgend etwas miß
glückte, da war das Publikum noch nachsichtig und sagte: „Es ist ia noch Fung, er entwickelt sich, und später ivird es besser sein."' Aber tn deut Ataße, als mein Ruf sich befestigt hat, in demi Umfange, tu bem meine Stimme gerühmt und gelobt wurde, a. l"? Zlckchauer gewandelt, sie erwarten nur das Allerbeste von mir und ihre Ansprüche sind erbarmungslos', Heute lebe tch unter der steteil Last eines Ruhmes, der nicht mehr grotzer luerben kann und der doch durch bett kleinsten stimmlichen Zwischenfall zu erschüttern ist. Die Hörer, wie wohlwollend sie auch sein mögen, sie habe» erhöhte Preise bezahlt/ um Nitch singen zu höre», sie bilden sich ein, ich märe ein einzigartiger Sänger — man übertreibt ja stets ein wenig ■ mtb wenn ich vor sie hintrete, bin ich erwartet, umstritten, ersehnt. Können Sie sich vorstellen, mit welchen Gefühlen ich dann hinter bem Vorhang stehe, meint die Musik beginnt? Denn Ichließltch hat die meiischliche Stimme ihre Schwächen. Wie alle Menschen, habe auch ich meine Sorgen und meine Aengste, das Klima, die Temperatur, Anstrengung und Ermüdung, all das Äjkkt auf. mich ein. Das Publikum denkt nicht immer an diese Möglichkeit, das. Pnbliknnt fordert den vollkornmencii Künstler, von dem es träumt. Und darum sehen Sie, darum bin ich der unglücklichste aller Menschern Ost. vergleiche ich mich mit einem, großen, Parlamentsredner, der eilte sensationelle Intern pellation angekündigt hat. Die entscheidende Stunde kommt, nun ist er müde, traurig, krank, er möchte nur eines: er möchte Ruhe, allein sein, er möchte frei sein von der schweren Ber- antmortung, die auf ihm lastet. Aber nein, da ist die Partei, dre ihn drückt und schiebt, die Freunde warten, die Gegner stehest schon bereit, und seine Pflicht gebietet: „Rede, re.be!" Aber ent Tenor ist noch viel mehr zu bedauern, denn ach, er soll nicht nur reden, er soll singen. Und das ist denn doch noch ein wenig! schwieriger, . .
Der Schmetterling mtb die Bieue.
Der Schmetterling zur Biene sagt: „Was ists nur, was dich treibt und plagt, Den Honig einzntragen?
Dl! trägst ihn zu dein Hanse hin Unb bist vergnügt in betnent Sinn, Mir könnt dies nicht behagen.
Ich lobe mir die Lust allein, Den immer heitren Sonnenschein Und hasse jede Plage!
Ich nasche bald an Bliit und Strauch Unb wenn ich nasche, freu ich auch Mich meiner jungen Tage."
^Dn sprichst doch nur im Unverstand, Weil dir da§ Leben nicht bekannt, Tie seligste der Pflichten!
Tein Leben nur ans Lust besteht Und im Genüsse rasch vergeht — Aus Glück mußt du verzichten.
Tenn sieh, der ewige Gem,ß Bereitet doch nur Ueberdrnß, Leicht ivird man seine Bente! Doch hast du deine Pflicht getan, Zieht dich erst recht das "Schöne au Und du hast doppelt Freude.
Und auch im ewigen Sonnenschein
Sann doch das wahre Glück nicht sein: Nein, nur in ernstem Streben.
Wir (eben nicht für uns allein, Eins muß de? andern Stütze sein, Dies kann lins erst erheben."
So spricht die Biene zum Schmellerlmg. Der aber achtet eS gering Und spottet der Ermahnung.
Doch als die Sonn’ im Westen schwand Und kalter 9ieif die Flur umspannt. Ersaßt ihn Todesahnung. 2 u b iv t g U h l.
Rätsel.
Zivei Zeichen sollen dich belehren, Daß du die Ruhe nicht darfst störe». Sechs andre Zeichen sind bekannt Als eine Stadt am Odersira>id.
Tas Ganze siehst du weit und breit
Auf Feldern nach der Erntezeit.
Auskösung in nächster Nummer i
Auslösung des Namenrätsels in voriger Nummer: Untome — Ida — Theresia — Pauliiie — Martha — Helene
Friderike — Krimhilde: Adelheid.
Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Umversitäts-Buch. und Steinbeere"' R, Lange, Gießet


