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Als ich dann aber dachte, mut mürbe er gehen, fing! lkr plötzlich an, den Jungen attszu ziehen. Seppl sah ihn groß an, aber er ließ es sich ruhig gefallen, so grobf und barsch der Alte sonst sein kann, mit Kindern ist er tzart und gut wie eine Großmutter.

Seppl schrie auch nicht, als er an seinem kranken Bein herumtastete unb untersuchte. Dieses arme verkürzte Bein, magerer als das andere, nur am Gelenk geschwollen und hilflos unbeweglich. Mich kam ein Erbarmen an, daß mich's in der Kehle würgte, wie ich das nackte, hagere Kinder- Wrperchen da ausgestreckt liegen sah und die großen Augen in dem kleinen geduldigen Gesicht.

Der ?llte packte ihn nachher ivieder langsam ein und sagte kein Wort. Dann ging er mir voran ins Neben- zimmer.

Eilt paar kurze sachliche Fragen. Ich erzählte ihm, was ich vorr Seppis Leiden wußte. Auch daß er seit etwa anderthalb Jahren jetzt außer ärztlicher Behandlung iw.

Hm. So."

Der kürze, breite Manu mit dem grauen Strupphaar lief ein paarmal stumm im Zimmer hin und her, die Hände Mus dem Rücken. Dann blieb er steheir.

Ist denk Bengel sein Glück, daß sie ihn in Ruh ge­lassen haben. War auch viel zu früh. Jetzt ist das anders, jetzt hat er mehr zuznsetzen. Fräulein Weddigen, ich will nicht Kampf heißen, wenn wir ihn nicht wieder auf die Beme bringen. Gar keine Fisimatentchen, nur vernünftige Ernährung, regelmäßige Massage, ein. paar Wochen Oeyn­hausen. Und nicht immer das verwünschte Stilliegen. Jeden Tag Gehversuche, auch wenn's weh tut. Der kleine Kerl. hat Courage, das Hao ich schon gesehen. Der beißt die Zähne zusammen und hält's durch."

Er räusperte sich geräuschvoll.

Natürlich, eins gehört absolut dazu: eilt vernünftiger Mensch, der die ganze Geschichte versteht und selbst in die Hand nimmt, Massage und alles. Einer, her nur für den Jungen da ist. Die alte Person tp drin" er zeigte mit dem kurzen, plumpen Daumen über die Schulter nach der Tür, hinter der Zenz mit dem Jungen sprach, »die tyag ganz brav sein, aber hierfür taugt sie nicht." ' 1

Er war einen Augenblick stumm. Dann schlug er mich Mrs die Schulter.

Hören Sie mal, Agneschen, Sie stehlen doch bloß dem lieben Herrgott bett Tag, Sie können gar nichts Gescheiteres tun, als bie Sache übernehmen."

Ich?" Ganz entsetzt sah ich ihn an,aber ich verstehe -das doch nicht! Besonders die Massage"

Dummes Zeitg, verstehen! Zum Kuckuck mit den ge­lernten Masseusen und bem neumodischen Kram! Ich kenne Sie nun, seid Sie drei Käse hoch sind, und weiß, ob- ich mich auf Sie verlassen kann. Ich komme jetzt vierzehn !Tage her und zeige Ihnen die Geschichte und gebe Ihnen ein bißchen praktischen Anatomielürsus. Tas bringen wir beide wohl noch zu st and e. Natürlich, Kinderspiel ist das nicht, und besonders im Anfang greift es höllisch an. Dann heißt es eben, die Ohren steifhalten und sich zusammen- nehmen. Aber das schadet keinem Menschen und Ihnen erst recht nicht. Natürlich müssen Sie dann auch mit nach Oeynhausen."

Dieses rasche Bestimmen über mich, diese Flut von fertigen Plänen machte mich ganz stumm. Ich wagte keinen Widerspruch.

Aber der Professor? Seppls Barer?" schob ich nur schüchtern ein.

Der? Da haben Sie nur keine Angst, beit nehme ich stuf mich. Sie schreiben ihm jetzt erst nur, daß Sie mich wegen des Magens konsultiert hätten und daß ich dem Jungen etwas Massage verordnet hätte. Weiter nichts. Auch nichts von Gehversuchen und Badereise. Wenn die Zeit dafür kommt, geben Sie mir die Adresse, und ich rücke ihm selbst auf den PelK So gottverlassen wird er doch nicht sein, daß er seinem Sohn das bißchen Chance zur Gesundheit nicht gönnt! Oder ist er ein Knauser?"

Ich mußte lachen. Der Professor mit seiner unprak­tischen Sorglosigkeit und seiner immer hilfsbereiten Hand lein KUauser!

Na also. Das ist abgemacht, was? Morgen früh komme ich."

Abgemacht. Als ob ich keinen Willen hätte, habe ich den alten Murrkopf über mich verfügen lassen! .Habe mir

da ohne Besinnen eine große, ernsthafte Aufgabe tn die Hände drücken taffen, ohne zu wissen, ob ich ihr ge­wachsen bin!

Eine plötzliche Furcht davor kommt mir jetzt. Kämt ich denn nicht ntehr zurück?

Wenn ich dem Doktor nun morgen erklärte, ich traute es mir nicht zu? Oder ist das unrecht?

Ach, nur jemand haben, der mich anhört, mir rät! Nur Klarheit darüber: dies ist dein Weg und kein anderer!

20. Mai.

SJofct! !

Nun weiß ich, daß alles wieder gut ist! Daß du mir verzeihst, daß ich dich ivieder habe, nicht greifbar und irdisch zwar, aber tausendmal näher, tiefer, wahrer!

Ich glaube nicht mehr an den Tod! Ich glaube nur an das Leben, wie auch du daran glaubtest!

Das Leben hat tausendmal tausend Hallen, alle weit und hell und eine von der andern geschieden durch ver­schlossene Türen. Wir kennen nur diese einzige, in der wir sind. Und bisweilen nimmt das Leben einen von uns au der Hand und führt ihn geheimnisvoll weg, und wir sehen ihm nach bis in die verschlossene Tür und weiter nicht.

Wir nennen das Tod. Aber es ist nur ein Fortgehen, kein Vergehen. Und es gibt Botschaften durch verschlossene Türen, zwischen Seelen, die sich hier sehr nahe waren. Kleine, zufällige Erdendinge können solche Botschasten bringen!

Ich wollte beut Professor schreiben. Und lege mir langsam und in Gedanken Briefbogen zurecht auf dem Schreibtisch, wo Vaters Bild steht. Mir fällt ein, daß ich zugleich auch endlich die Briefe zurückschicken muß, ich habe ja Abschrift gemacht.

Ich nehme das kleine Päckchen aus der Lade und blättere zerstreut darin herum, lasfe irgend eine beliebige Seite offen liegen und sehe darauf herunter. Erst nur gedanken­los. Dann lese ich ein Wort und noch eins und zuletzt den ganzen Satz und weiter:

Ich kann nicht jammern um Dinge, die unabänderlich sind. Die Reue, die ich anerkenne, sieht vorwärts und nicht zurück ----- wer noch eine Aufgabe

hat, der hat eine Leiter, die wieder hinaufführt. Ich habe einen so starken, unbegrenzten Glauben an das Leben, daß ich ihm zutraue, auch noch aus den Scherben einer mut­willig oder gedankenlos zerstörten Existenz etivas Ganzes und Volles zu schaffen. Es läßt uns zwar bie Folgen unserer Jugendsünden tragen, aber es legt es in unsere eigene Hand, diese Folgen so zu tragen, daß sie aus Buße Gnade werden"

Ich kannte die Sätze ja schon Wort für Wort. Ich hatte die Briese gelesen und kopiert, ohne mich gerade hier besonders berührt zu fühlen.

Aber ich wußte auf einmal bestimmt: das kotuntt von ihm jetzt in diesem Augenblick, von seiner Seele zu meiner, als Botschaft, die zu mir reden, in mein Leben ein- greisen soll.

Es gibt Empfindungen jenseit von Wort und Wieder­gabe. Dieses, toar so. Es war ein starkes, frohes, ehrfürch­tiges Erschrecken die Gewißheit einer persönlichen Be­rührung. Und ein plötzliches Hellwerden bis in jeden Winkel meiner Seele herein!

Wie ein Bild sah ich fein Leben und meins. Und sah in beiden aus der Tiefe herauf die eine große, anfsteigende Linie.

Ich verstehe, was du mir sagst, Vater. Aus meiner Tiefe heraussteigen lernen, toie du es mir vor getan hast! Unb die Leiter ist die Aufgabe, diese Aufgabe, die mir da! heute in die Hand gelegt ist, ohne daß ich danach gey sucht und gefragt hätte!

(Fortsetzung folgt.)

künstliches Licht.

Von Sanitäts-Rat Dr. Fritz Schanz, Dresden.

In denBlättern für VoMgestmdheitspslege" wird in enteilt Artikel:Weniger Licht"*) dargelegt, daß durch die Ueberreizung unserer Augen durch künstliches Licht mancherlei Sehstörungeit veranlaßt werden. Das llebermaß an Helligkeit mache den Aufent--. halt in Läden, Theatern, Gasträumen nsw, manchmal geradezu zur.

*1 Siehe Nr, 10, Jahrs. 1909.