Ausgabe 
28.4.1910
 
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LorbserkmUz. Wie eine Vision fdjieit es ihm, durch die Kraft seiner heimlichen Gedanken ins Sonnenlicht gerufen, um ihn zu krönen. Ter Genins des Volkes ftanb vor ihm und rief ihn zu seiner dichterischen Sendung auf für Vaterland, Volk und Recht. Es mußte ja eine höhere Macht sein, tote sie zu ihm unter huUder «N seiner Landsleute getrieben. Er setzte den Kranz aufs Haupt, ganz sicher, so tote wenn er ihm im Traum gereicht morden wäre und er ihn nun erwachend beglückt in den Händen hielte. Der Sinn seines ganzen bisherigen Lebens schien ihm in tiefem einen Ungenblick beschlossen: er 'wurde sich seines Genies und seiner Pflicht bewußt. Nun war kein Schwanken und Zaudern mehr. 3d) packte ein, reiste heim, erdachte, schrieb und vollendete Mellem Slagene" (Mischen den Schlachten) in 14 Tagen, reiste darauf mit dem fertigen Stück nach Kopenhagen ich wollte Dichter werden!" Dies erste Drama und die Kalo darauf er-- scheinMden ersten Bauernnovellcn machten Björnfvn mit einem Schlag berühmt und schufen ihm feine Stellung als Dichter.

öermi fcbte*».

* Das Ende desdenaturiert en" Spiritus. So wäre denn endlich demdenaturierten" Spiritus der Garaus ge­macht reichsgesetzlich und amtlich ivenigsleus. Das im Reichs­schatzamt bearbeitete Branntweinsteuergeseß uom 15. Juli 1909 bat mit demDenaturieren" gründlich auigeräumt. Nur da, wo das neue deutsche Wort zum erstenmal erscheint, hat man dem alten Fremdling zur Erläuterung noch ein Plätzchen in der Klammer gelassen. Tas ist im § 21:Tie Vergällung (Denaturterungi des Branntweins erfolgt unter amtlicher Ueberwachung." Damir ist aber sein Urteil gesprochen. Tie werteren Beslimnrungen des umfangreichen Gesetzes kennen nur noch vergällten Brannt­wein^ acker Art,vocksländrg vergällten" undunvollständig vergällten", treffen weiterhin Vorschriften über dieBer- gäklungspflicht usw. usw. In erfreulicher Ueberetnftimmuug damit befindet sich eine unlängst ergangene Verfügung deS preutzischeir Justizministeriums über die Verwertung ein- gezoge,rer Weine, die kimflig auch nicht mehrdenaturiert" werden; vielmehrsind Traubenmost, Weine, welnähnllche Getränke, Schaumwein und Kognak, die nicht in den Verkehr gebracht werden dürfen, zu vergällen .... Die Vergällung erfolgt durch Zusatz von . . . ." So wäre denn dank dem guten Sprachgefühl deutscher Behörden allesDenaturieren" glücklich beseitigt. Aber freilich so meint die Zeiiichrift des Allgemeinen deutschen Sprachvereins unser fremdwortfroher lieber deutscher Michel wird sich an dasVergällen" noch lange nicht gewöhnen, vielmehr, wie stets in ähnlichen Fällen, in seiner altendenaturierten" Flüssigkeit behaglich weiter schwelgen.

* Zur Kalenderänderung. Die heute angestrebte Kalenderänderung und namentlich die Festlegung des Osterfestes war schon zur Zeit der Reformation als dringende Forderung aufgestellt. In seiner SchriftVon den Konzilien und Kirchen" spricht sich Luther über die Kalenderfrage dahin aus, daß sie eener gründlichen Reform bedürfe. Aber dies solle niemand tun als die Hohen Majestäten, Kaiser und Könige, denen es.aber an Willen fehle; denn es bedürfe nur einzig und allein eines Ausschreibens und Gebotes, da alles Erforderliche bereits von den Astronomen vorgearbeitet sei. Aber einmütig und gleichzeitig müßte» die Majestäten vorgehen, da sonst wüste Zerrüttung und Verwirrung in allen weltlichen Dingen eintreten werde. Die ganze Kalendersache, das Osterfest mit einbegriffen, habe mit dem Glauben nichts zu schaffen, daher seine Verbesserung aus­schließlich Sache der weltlichen Obrigkeit sei. Das Osterfest an­langend, das er alsSchückelfest" bezeichnet, hält er es für das Beste, daß es wie das Weihnachtsfest und andere hohe Feste -nach dem Sonnenlauf gerechnet und auf einen bestimmten Monatstag festgesetzt werde. Bei der bestehenden Osterregel sei nach dem bekannten biblischen Gleichnisse ein alter Rock mit einem neuen Tuchlappe» geflickt, wodurch seine Risse immer ärger würden Der alte Rock sei die Beibehaltung eines Stückes vom Gesetze Mosis (Frühlmgsvollmond); darauf habe man einen neue» Lap­pen, den Sonntag nach diesem Frühlingsvollmond gesetzt, und daher kämme das ewige Schückeln des Festes und der ewige Hader, so daß der Bucher kein Maß und Ende sei. Wolle eg aber de» Potentaten nicht gefallen, eine Verordnung dagegen zu erlasse», so solle das Fest fortschückeln bis an den Jüngsten Tag^ habe der Rock 1400 Jahre gehalten, so werde er auch noch weiter halten. Die Reform, tote sie Luther verlangt hatte, brachte der Gregorianische Kalender nicht, und nur aus Zweckmäßigkeits- gründen haben sich die Protestaitten zur Annahme des Kalenders ^schlossen, weil vorläufig etwas Besseres nicht zu haben war Für die damalige Reform erhob Kepler, ein guter Protestant' seme gewichtige Stimme:Was treibt," ruft er aus, das

Deutschland? Wie lange null es von der anderen Hälfte des Reichs getrennt bleiben? Seit 150 Jahren fordert die Astronomie die Verbesserung der Zeitrechnung. Wollen wir es verbieten? Worauf wollen wir warten? Bis etwa ein deus er machura dle evangelischen Magistrate erleuchtet? Wenn auch eine beflere Form erfunden wird, so kann sie nicht in Gang gebracht werde», ohne Unordnung zu verursache», nachdem diese nun

euunal l» Uebung ist. Für die nächsten Jahrhunderte ist sie hinreichend, für die entfernteren wollen wir nicht sorgen." Wenn auch, wie dieKöln. Ztg." schreibt, dank dem Eingreifen Friedrichs des Großen im Jahre 1775 die Protestanten die letzte Abweichung vom Gregorianischen Kalender, die in einer verschiedenen Be­rechnung des Osterfestes bestand, 1714 habe» die Protestanten schon acht Tage früher als die Katholiken gefeiert nnfgegeben; haben, so besteht das Osterfest immer noch alsSchückelfest" fort. Wenn nun die Festlegung des Ostertermins auch eine wirkliche Verbesserung brächte, so toäre es doch nur wieder ein ueiteu Lappen für das alte Kleid; die Arbeit, die Kepler denent? fernteren Jahrhunderten" übertragen hat, wird am besten getan, wenn der Kalender gleich in ein ganz neues Kleid gesteckt wird.

* Die Cavalieri alsSchönheitspriesterin. Lina Cavalieri, die bekannte Sängerin und berühmte Schönheit, ist in Paris eingetroffen, aber in amerikanischen Blättern erscheine»! immer noch ihre Aufsätze^ in denen sie demLeserinnen die kleinsten Handgriffe verrät, die man braucht, um ixe Kunst >zu beherrschen, schön zu sein. Schon 65 Artikel hat sie veröffentlicht über diese Kämst, schön zu sein, und vor allem über die Kunst, Schönherh zu bewahren. In einem der letzten führt sie aus, daß die zwei ersten Sommermonate die.günstigsten für die weibliche Schön­heit seien:der April ist der beste Freund der Schönheit". Was muß man tun, um die Spuren der anstrengenden Wintermonat« zu verwischen? Vor allen Dingen viel marschieren und zwar morgens, am besten bei Regenwctter. Man muß ein rechtes! Sturmkleid haben, um den Lannen des April zu trotzen: natür­lich warme Kleidung, wollene Gamaschen, warme Lederhand­schuhe, die auch die Fesseln schützen, aber: um keinen Preis einen Schleier, um keinen Preis einen Regenschirm. Und rasch muß man gehen, nicht stehen bleiben, nicht schlendern. Wenn man 5, 6, 7 oder 8 Kilometer marschiert ist, dann nach Hause und ein heißes Bad! Darauf folgt eine energische Abreibung, worauf man schleunigst wieder warme Kleidung anlegt. Dis vom, Regen genäßte» Haare werden mit einem Tuche abgerieben, dabei massiert man mit den Fingerspitzen auch die Kopfhaut. Wer auf dem Lande lebt, macht den Spaziergang im Regers am besten mit offenen Haare». Regenwasser ist überhaupt ein wichtiges Schönheitsmittel; wo man es nicht natürlich erlangt, sollte man eS wenigstens in Flaschen sich zu verschaffen suck-cir. Und dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den Vorschriften der Cavalieri., Die schöne Sängerin, so bemerkt dazu ein Pariser Blatt, ist wirklich ein Vorbild der Anmut, der Gesundheit! und der weiblichen Schönheit, aber einstweilen beweist nichts, daß sie ihre spartanisch strengen Gebote auch selbst erfüllt . . .

"Tiere, die rauchen. Die Tiere, so plaudern Nos Loisirs, sind wie die Menschen: wenn man sie bei ihren Schwächen packt, kann man alles mit ihnen machen. Es wird viele überraschen, zu hören, daß das Kamel und das Dromedar eine besondere Vorliebe für den Duft von Tabak haben, sie sind leidenschaftliche Raucher. Wenn sie erst die ein wenig narkotisierende Wirkung des Tabaks spüren, sind sie fügsam und gelehrig. In Nordafrika kennen die Eingeborenen die Schwäche diw Kamele sehr gut und wissen sie auch klug auszunützen. Die Kamelführer, die mit ihren Tieren weite Strecken zurücklegen müs,en, benutzen einfach den Tabak, um renitente Tiere gehorsam und ge- ügig zu machen. Sie besitzen dazu ein besonderes Gerät, eine Art kleines dreieckiges Brett, in dessen Mitte sich eine kleine Oeffnung befindet. Das dreieckige Brettchen wird am Maule des Kameles befestigt, man entzündet die Zigarre und steckt sie dann in die kleine Oeffnung des Brettes. Das Kamel begiimt dann zu rauchen; es stößt den Rauch durch die Nase wieder aus und zeigt dabei alle Zeichen voll­kommenen Wohlbehagens. Es ist ein merkwürdiger Anblick, zu beobachten, wie die mächtigen Tiere dabei mit der genießerischen Ruhe eines Kenners die Augen schließen und rauchen, bis die Zigarre zu Ende ist. Das dauert freilich nicht lange, denn das Kamel hat einenguten Zug" und raucht eine Zigarre in wenigen Minuten auf.

* Im Dusel. Bauer (auf dem Heimwege zum ander», der wchttg angezecht und statt über de» Steg zu gehen durch den Bach watet):Ja, was fallt dir ein?" Der andere:Ja, nietnft i bin a Seiltänzer, daß i übern Steg geh'"

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Auflösung in nächster Nummer»

Auflösung der Charade in voriger Nummer: Buschwindröschen.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange. Gieße».