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MH Hasso diese Stadt, lixeil sie mich quält Ich hoffe diese Narrentollheit! Wett weg möchte ich, mich irgendwo int Dunkeln verkriechen! ---

Lotte ist so anders. Ihre Augen werden blank, wenn van Dyk erzählt. Er merkt seinen Vorteil.

Kommen Sie mit ans den Bcmernball," bettelte er, ich führe Sie hin! Ich besorge Ihnen ein Kostüm! Bitte, bitte!"

Lotte sieht mich fragend an, die vollen, roten Lippen etwas geöffnet. Sie sieht begehrlich ans wie ein Kind, das an reife Aepfel denkt.

Ich kann ihr nicht helfen.

»,Es geht nicht, Lotte. Wir kennen keine einzige Dame hier, die dich mitnähme."

Drachenfels gibt es im Fasching nicht," ruft spöttisch 'eine ältliche Malerin herüber, die zugehört hat,übrigens, wenn sich ein Mädchen nicht selbst hütet, nützen alle charde- damen nichts."

Ban Dyk bettelt noch immer und Lottens Augen auch. Ich schüttle den Kopf.

Ich glaube, sie ist böse auf mich- zum ersten Male, seit wir uns kennen. . j .

Ans dem Rückweg begegneten wir einem Herrn, der sie grüßte.

Seheir Sie, Bernhardt hat heute auch gesagt, der Bauernball wäre eine unschätzbare .Gelegenheit zum Stu­dium."

War das Bernhardt ?"

Ich sah mich hastig nach ihm um; er interessierte mich doch.

Ein sechs Fuß langer, breitschulteriger Manu, nicht mehr jung, mit starkem, blondrotem Bollbart und eben­solchem Haarschopf, der ihm beim Grüßen in die Stirn fiel.

Ich habe ihn ja nur sehr flüchtig gesehen, aber ich sind« keine Ähnlichkeit mit dem Studentenbild. Es kann der Bernhardt nicht sein.

Lotte ist sehr einsilbig heute. Manche andere würde vielleicht heimlich hinlaufen. Faschingsfreiheit! Aber ich weiß, sie ist zu ehrlich dazu.

Es ist spät, meine Hand wird müde. Ich weiß nicht, was für wirres Zeng ich Ihnen wieder geschrieben habe, Georg. Es geht mir so Vieles und Neues durch den Kopf, wnd ich habe keine Ruhe, bis es alles ausgeschüttet ist vor meinem lieben Freund und Kameraden!

Tausend Grüße!

Ihrs Agnes W.

München, 12. Februar 1901.

Lieber Georg! >

Ich M' es Ihnen gleich- erzählen: denken Sie sich, ja ist es doch!

Mein Sorgenkind war ein paar Tage vertrotzt Herum- aelanfen. Und heute früh kommt sie triumphierend bei Tisch damit heraus: Professor Bernhardt ist ins Komitee für den Bauernball der Künstlerschaft gewählt und muß hingehen, er hat sie gefragt, ob- sie unter seinem Schutz hin­gehen will. Er will sogar selbst noch seinen-Besuch machen.

Ich war ganz erschrocken. Ich kannte den Mann ja gär nicht, wie- konnte ich ihm da Lotte anvertrauen.

Die Damianis mischten sich auf einmal ein, fie waren lokalpatriotisch gekränkt.

Bitte, Fräulein Weddigen, den Mann kennt hier jeder. Ein« unserer ersten Großen, und ein älterer, -verheirateter Mann! Es ist einfach- eine Beleidigung, wenn Sie das äblehncn!"

Ich versprach seufzend, den Besuch wenigstens anzu- Nehmen. Am Nachmittag erschien er richtig.

Das Gesicht kam mir bekannt vor, als ich ihn nun gen an er sah. Derbe, große Züge, eine konzentrierte Energie rn der massigen Brauenwö-lbung und im Mund, den der blondrote Bart nur wenig verdeckte. Man begriff, daß der Mann sich als Künstler durchgesetzt hatte.

Er wär kurz und geradezu, dabei vernünftig. Ich, konnte nicht anders alsja" sagen. Lotte saß dabei, der Nichts­nutz, Und jubelte mit den Augen.

Zch dachte- der Professor ginge nun, als alles erledigt war. Da beugte er sich aus einmal vor.

Erlauben Sie mir eine Frage. Ihr Name ist Un­gewöhnlich, und ich hatte einmal einen Freund, der so Hieß, Peter Florenz mit Vornamen."

Das ivtvr mein Väter!"

Also wirklich!" Er hatte plötzlich meine .Hand iu seinev breiten, großen.

Wie mich das aber freut! Peter Florenz' Tochter! Lassen Sie sich einmal auschauen, hier am Licht!! Nein, Sie sind anders als er!" ,

Peter Florenz Weddigen! Ich wußte, den suchte cv nicht in meinem Gesicht. Die kleine Anna Dibelius suchte er!

Wie heißen Sie?" fragte er dann. Ich sah deutlich, daß mein Name ihn enttäuschte.

Ich bin selten so ungewandt, wie ich in den gehn Minuten war. Die Aufregung dieser Begegnung hatte schuld und die Angst, er könnte merken, daß, ich um sein« Vergangenheit wußte.

Er schüttelte meine Hand kräftig.

Jetzt muß ich fort? Wer nicht wahr, Sie machest mir die Freude und kommen einmal zU mir mit meinem kleinen Schützling?" Er nickte Lotte zu.

Mir fiel ein, daß die Damianis ihn einen älteren? verheirateten Mann genannt hatten.

Wenn Ihre Frau Gemahlin gestattet?" sagte ich nur, steifer als ich eigentlich wollte.

Ein Schatten lies über das große, kräftige Gesicht.

Meine Frau? Die ist seit Jahren tot. Ich hob'ä sehr spät geheiratet und verlor sie nach einem Jähr. Ich lebe allein mit meinem Jungen. Es kommen sehr wenig Menschen in mein Hans. Aber meines guten, alten Freundes Tochter"

Sein guter, alter Freund! Mir schoß das Blut zu Kopf.

Wie kann er ihn so nennen? Und mit den ehrlichen; Augen? Es ist ja Lüge!

Aber vielleicht will er mich schonen.

«Oder er nennt meines Vaters Namen, um nicht einen andern nennen zu müssen!

Ich bin wirr und unruhig.

Was soll ich tun ? Soll ich hin gehen? Oder ihm aus- weichen ?

Es ist unmöglich, paß Peter Florenz Weddigens Name zwischen seinem Freund und seiner Tochter nie genannt würde.

Wenn tr genannt wird, gibt es nur zwei Möglich­keiten. Entweder wir lügen beide. Wir verleugnen ohne Worte eine Wahrheit, die wir beide genau kennen. Oder

Vorhin packte mich einmal der brennende Wunsch, offen mit ihm zu sprechen, ihn nm alles zu fragen.

Aber selbst wenn ich es könnte, ich dürfte es nicht, seiner selbst willen. Verjährte Bitterkeit soll man nicht aufstören.

Helfen Sie mir, Georg, raten Sie mir! Sie kennest mich und wissen die Vergangenheit!

.Schreiben Sie bald, mein getreuer Eckart,

Ihrer Agnes W- (Fortsetzung folgt.)

Aus schwerer Zeit: Teuerung und pest in Gießen.

(16281637.)

Weshalb läutet es um 5 Uhr in Gießen? So hat sich- wohl Mancher gefragt, ohne weiter darüber uachzudenken. Das 5 Uhr- Läuten ist ein alter Brauch, der aus der Zeit des 30jährigest Krieges stammt. Es wurde im Jahre 1629 von Landgraf Georg II. angeordnet, daß man sich um 10, 11 und 5 Uhr zum Gebete ver­einige, nm des Himmels Hilfe in der schweren Zeit zu erstehen. Und es war eine schwere Zeit. Brachten schon die fortwährenden! Durchzüge der Ääiegsvölker Verheerungen und unerschwinglich« Kontributionen, so wurde die Not noch gesteigert durch Teue­rung und schleichende Seuchen.

Am 16. Mai 1626 war das Korn und das Obst in den Lahm u!nd Maingegenden größtenteils erfroren, so daß die Herbst- ernte nur einen geringen Ertrag lieferte. Schon Ende Mai gingen die Preise gewaltig in die Höhe; für ein Achtel Korn wurden 12 Mark, für ein Llchtel Gerste 9 Mark, für ein Achtel Weizen sogar 15 Mark bezahlt. Auch das Jähr 1628 brachte Frost und Mißernte. Bis 1636 hatten sich die Fruchtpreise so sehr ge­steigert, daß ein Achtel Korn und Weizen sogar 24 Mark, ein Achtel Gerste 18 Mark galten. 1 Maß Bier kostete 36 Pfennig, 1 Ei 12 Pfennig. Bedenkt man, daß das Geld damals einest dreifachen Wert gegen heute hatte, so kann man erst die un­geheueren Preissteigerungen ermessen. Kornbrot kam nur selten auf den Tisch der reichen Leute; arme mußten ihren Hunger mit einem Gebäck aus gemahlenen Eicheln, Leinsamen und Rüben- schnitzeln stillen. Kleienbrot galt für einen Leckerbissen. In Grün­berg kostete ein Achtel Kleie 100 st., eine halbe Meste Mehl 60 st. Die Teuerung nahm gegm Frühjahr 1637 so zu, daß man Hundes