Ausgabe 
28.2.1910
 
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Mrst war nach feem1 benachbarten Hohengart gekommen Und brachte ein paar Kusinen und Vettern seiner Iran mit.

Auch der Urlaub des Kürassiers ging zu Ende. Der junge Offizier war ganz traurig gestimmt.

Ludwig sagte zur alten Gräfin:

Gnädigste Tante, ich ahne, warum ihm der Abschied so sauer wirb.

Sie lächelte:

Lieber Vetter, das ahne ich auch.

Er war erstaunt, denn er hielt sich, für den stillen För­derer dieser Liebe und rechnete darauf, die Werfsener wür- fcen ihm einmal dafür noch Dank zollen. So sagte er ein wenig' enttäuscht:

Ich Habs sie immer zusammen reiten lassen, gnädigste Tante.

Sie schlug feie schönen Hände zusammen:

O, das war nicht nötig! Er hat mir längst davon gesprochen. Wie mein Sohn, nimmt er leicht alles zu ernst. Er hat nämlich Bedenken. Der leichtlebige Vater zefallt ihm nicht. Er sagt, bei einer guten Ehe müsse alles ttmmen. Das Glück liege nicht in Schönheit oder Geld, ondern im tvirklicken Zusammenpassen aller Verhältnisse. Es solle jeder nur ut die Kreise, in feie Verhältnisse hinein­heiraten, die genau die Jemen sind.

Ludwig zeigte sein eisernes Gesicht, wie einst dem alten Kölln gegenüber. Als er sich zu Tisch zurecht machte, schickte er Oskar fort und verschloß auch die Tür zum Schlafzimmer feiner Frau. Er ging auf und nieder, die Hände aus dem Rücken, hielt inne, schnippte mit den Fingern, bann blieb er am Fenster stehen und starrte hinaus, so in Gedanken, daß er nicht einmal hörte, tote Agathe ihn rief. Aber beim Frühstück hatte er wieder das liebenswürdige Lächeln wie immer.

Es war der letzte Tag, den feer Kürassier bleiben durfte. Nach Tisch ging Ludwig mit ihm, den er auf Agathcns Vor­schlag als Vetter du nannte, in den Park.

Unversehen begann Ludwig das Gespräch auf den Ge­sandten zu lenken. Er ließ etwas fahlen wie: in einem gewissen Alter müsse man die Würde wahren. Nirn, am Ende, sein verstorbener Schwiegervater wäre auch nicht «feen ein Vorbild für junge Leilte gewesen oder gar für seine Töchter. Und tote anders fei Agathe:

Da wir einmal üon Graf Regnier sprechen, ist denn auch feine Tochter so tote er? Ist sie nicht nach der reizenden Mutter geraten? Benimmt sie sich je wie Patsch? Ast sie oberflächlich wie Balh? Sie ist ein Mädchen, zu dem ich nur jeden Mann beglückwünschen würde, der sie heimführte. Aber bitte trage nicht weiter, was ich von weinen Schwägerinnen sagte, denn ich, der ich so in feie Familie hineingekommen bin er schlug feie Augen zu Boden tote .ein schämiges Mädchen, ipuß ein bißchen vorsichtig sein. Waren die Verhältnisse hier etwa ver­lockend? Ich weiß wohl, daß es Leute gibt, die, weil ich bürgerlich bin, meinen, das hätte viel ausgeglichen. Mein Gott, soll man dafür eine so unsichere Zukunft mit in den Käuf nehmen? Aber ich liebte Aga! Wer wegen äußerer Verhältnisse zweifelt, hat nicht die rechte Liebe.

Graf Lindenbach sprach keilt Wort. Sie gingen dem Schloß wieder zu. Als der junge Offizier nun doch etwas beginnen wollte, deutete Ludwig zur Terrasse, wo Graf Rsguier stand, die Zigarre in der einen, ein Kognakglas in feer anderen Hand.

Die Wagett waren vorgefahren. Agathe und Ludwig warteten schon eine Weile mit der alten Gräfin und ihrem Sohlt im Treppenhaus. Die Rsguiers und der Kürassier Tarnen nicht.

Wissen sie's denn? fragte Gräfin Lindenbach'. Ludwig schickte den Haushofmeister. Als es dauerte und dauerte, folgte ihm Oskar. Der dumme Engländer war ja doch zu llichts nütz als anständig auszusehen. Aber auch Oskar kehrte nicht wieder.

Da schlug Ludwig vor, in den Saal zurückzukehren, denn Graf Lutdenbach konnte nicht so lange stehen. Mit einem Mal sprang die Tür auf, und feer Kürassier stürzte herein, die junge Gräfin Rbguier an der Hanfe, und rief glückselig:

t~- Verlobt!

Keiner hatte etwas anfeere8 gedacht. Einen Augenblick später kamen die Eltern der Braut. Graf Regnier erzählte römische Geschichten von Verlobungen, er schien nur das

Unter haltende zu sehen. Die Gräfin aber zog Herrn Droesigl beiseite:

Das haben wir ja Ihnen zu berfeanten, das? er sich endlich entschloß! Er hat's uns eben gesagt. Meine Tochter hat so getoetnt gestern abend. Wir dachten alle, es würde nicht mehr. Sie glauben ja nicht, wie sie feen Menschen lieb hat. Ich weiß es seit Monaten, nnfe man steht da! und kann nichts tun. Und nun haben Sie's fertig ge­kriegt. Verehrter Freund, das vergesse ich Jynen nie.

Ludwig Droesigl beugte sich tief itiefeer auf die .Hand feer Exzellenz, dann richtete er sich auf mit einem Ausdruck, der zu sagen schien:ach, meine Tätigkeit ist ja doch nur! bescheiden gewesen. Aber, wenn ihr alle etwas wünscht, wendet euch nur an mich."

*

Als sie auf feen sonnigen Wegen mit ihrem Mann hinter dem Kinderwagen herschrttt, nur ab und zu vorlanfend, um ' den Vorhang zuzuziehen, daß die Sonne nicht blende, sagte sie leise, damit es die Kinderfrau nicht hören sollte:

Weißt du, was mir manchmal im Kopf herumgeht, Ludwig? Ich finde mich undankbar. Sieh mal, die Tante ist doch so gut, und denke dir, wie sie hier war, habe ich ab und §11 gedacht, wäre sie doch wieder fort, damit ich mit dir allein bin!

Dann erzählte sie von allerlei Kindernöten, von ihrer Wirtschaft. Genau wie einst hatte sie ihre kleinen Sorgen: mit dem Mädchen ein Aerger, die Ueberlegung, ob hier zehn Mark gespart werden könnten und dort fünf, während doch das Haus- und Schloßwesen Zehntausende und Zehn« tausende kostete, ohne daß sie es merkte.

Den Sommer über wurden Lindenbachs besucht, oder die Tiefenauer kamen herüber und einmal das Brautpaar aus Werffen. Agathe hatte es bemutternd gebracht, und L.ndwig führte es väterlich wieder zurück.

Eines Tages erschien der Geheimrat,stänkerte", nach eigenen Worten, überall herum und reifte wieder ab, ohne etwas zu sagen. Bald kam ein Bries an Agathe. Er hätte mit seinem Elektrotechniker gesprochen, es würde nicht schwer sein, den Kanal hinter dem Schloß, wo es landschaftlich nicht störte, in ein anderes Bett auf eine Hügelreihe zu führen, um den Fall für Erzeugung von elektrischer Kraft auszunützen.

Ludwig, feer trotz seines Reichtums alles peinlich be­dachte, wegen geringfügige» Zu-teuer-Einkaufens feen ersten Küchenchef schon entlassen hatte, machte sich Gedanken über feie Kosten. Aber Agathe sagte:

Papa hat unserem kleinen Erich fein Patengeschenk gemacht, obgleich er doch der Pate ist. Da hat er mir gefügt, dasür wollte er unswas heimleuchten."----i

(Fortsetzung folgt.)

peary über die Eskimos.

I» einem neuen Abschnitt des Berichtes über die Eroberung des Nordpols, den Peavy nun im Cor viere della Sera veröffent­lich,:, gibt der amerikanische Polarforscher eine breitangeiegte mi­sch,auliche Schilderung der Eskimos und ihrer Lebenssitten, di« eine Fülle interessanter Einzelheiten von den Gewohnheiten der Nomaden des Polarkreises bietet. Ohne dieseanarchistischen! Philosophen des Nordens", so gesteht Peart) selbst, teure ihm nie der Erfolg beschieden gewesen, der ihn als ersten.Menschen znm! nördlichsten Punkte der Erde führte. Peart) schildert diese feine Kamps- und Leidensgenossen als ein Volk unglaubliche unwissender, doch intelligenter Kinder; als Kinder muß man sie behandeln, mit liebevollem Verstehen, aber auch mit der nötigen Festigkeit. Nie tvird ein Eskimo eine ihm zugefügte Uiigerechtigkit vergessen und nie verzeiht er ein gebrochenes Versprechen. Doch dem, der ihnen als treuer, zuverlässiger Freund gegenübertritt, ren= trauen sie wie ihresgleichen, und in ihrer Treue folgen sie ihm! willig bis in feen Tod. Sehr intereffant sind die Mitteilungen', die Peavy über das E h e w e s e n der EÄiuws macht. Die Probe- ehe ist bei ihnen alter Brauch und Sitte.Wenn ein junger Eskimo und ein Eskimomädchen nicht zusammen passen, so gehen! sie einfach neue Etzen ein und dies wird so lange fortgesetzt, bis die passenden Gatten einander gefunden haben." Aber daun triefe die Che unauflöslich. Das Recht des Stärkeren ist die Basis ihrer ehelichen Moral. Die Körpevkrast entscheidet zwischen zwei Rivalen', die beiden Gegner m-essew sich im Ringkamps oder schlagen fick) gcgeiP eso lange auf den linken Arm, bis einer nachgibt. Mit der!

heidung aber ist dann auch die Ursache des Kampfes vergessen, der Stärkere hat gesiegt, das ist nur in Ordnung und die bewert Gegner bleiben fortan die besten Freunde. Diese Anerkennung des Rechtes des Stärke geht sogar sv weit, daß ein Eskimo das Weib eines anfeeren verlangen kann mit der einfachen Begründung :