Montag den 28. Februar
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Vornan von Georg Freiherrn von Ompteda.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.,)
'Seine Exzellenz imb Gräfin Patsch bestimmten, wohin man reiten sollte. Und da beide möglichst viel Unterhaltung haben wollten, so sprachen sie meist bei einem der Gutsnachbarn vor. Jedesmal brachte es Ludwig Sei der Hausfrau an, er hätte die Herrschaften nicht so überfallen. Exzellenz Graf Regnier trüge die Schuld.
Ans dem Heimwege nahm dann Gräfin Patsch alle Hecken und Gräben, die am Wege tagen. Der Graf sch ost, zusammengednckt wie ein Gnom, in ihrem Kielwasser hinter- drein. Beim Landen lag er immer auf dem Hals, aber seltsamerweise siel er nie herunter.
Währenddessen blieb Agathe mit der alten Gräfin und der Prinzessin zu .Haus. Valy langweilte sich zwar, doch ihr Schwager hatte ihr seine Bibliothek zur Verfügung gestellt, und nun las sie auf ihrem Sofa ohne Unterbrechung. Sie hatte mit einem Mal den Bilbungsdrang, wenn er sich auch ititf auf französische und! englische Romane erstreckte'. Bei den englischen war sie fromm, weinte mit Gouvernanten und erfreute sich an Komfort und Landleben. Bei den französischen aber liebte sie die schärfere Rote. Je un- zweideutiger die Bücher waren, desto höher stieg ihr In teresse. Richt einmal an das Ankleiden dachte sie, sonst eine der Wichtigkeiten ihres Lebens, und die Jungfer musste unentwegt mahnen:
— Durchlaucht, es ist Zeit.
Dann ließ sich Valy, immer das Buch in der Hand, frisieren, das Buch in der Hand die Lackschuhe anziehen, das Buch in der Hand ankleiden. Nur das Korsett schloß sie selbst und wusch sich allein.
Gräfin Liiidenbach saß mit ihrem Sohn, der jungen Fran und der alten Gräfin Regnier in Agathens Zimmer, denn das war gemütlicher als wer Saal. Vor allen Dingen aber konnte man von dort aus Park und Heide überblicken. Schon von weitem hörte man:ben Hnfschlag und bas Schnauben der Pferde; der Wind trug ein Wort hinauf, während er die nächsten Silben wieder verschlang.
Ab und zu verschivand Agathe, beim sie nährte ihr Kind selbst. Sie hielt es nicht lange aus ohne das kleine Wesen. Es gab auch Augenblicke, Nm ein leises Gefühl der Eifersucht über sie kam." Ihr Mann sollte bei ihr bleiben, nicht immer mit den anderen fortreiten. Sie gönnte Ludwig niemanden und freute sich im Grunde genommen darauf, wenn es tvieder einsam sein würde. So forderte sie auch keinen auf, zu bleiben, während Ludwig immer leise Einwendungen machte, falls einer seiner Gäste fort wollte. Jedesmal gmg ein erfreutes Lächeln 'über fein Gesicht, wenn bei den Ritten auf einem der Güter zur Sprache tont, daß
die Verwandten noch 'immer zu Besuch bei ihm weiltem Da mochten die Leute nur sehen: so stand er mit chnen.
Mit einem Mal war Balys Leseperiode zu Ende. Die Prinzessin fing an sich zu langweilen. Ihr Mann lvärS gleich dabei gewesen, nach Haddensen zu gel)en. Mer das wollte sie nicht. Da nun ihr Anklopfen bei Patsch, sie nach Baden-Baden zu begleiten, vergeblich blieb, so fragte fiir ihren Schwager:
— Ladest du denn deine Nachbarn nie ein?
— Wir sind dagewesen, sie haben den Besuch erwidert, dann Haber sic uns eingeladen, und wir haben mit dep Dause geantwortet.
Die Prinzessin rief:
— Ach was, jetzt wird über Land gefahren!
Am nächsten Tag standen zwei Biererzüge mit Charch- bancs bereit. Die Hörner tönten, und es ging davon. Agathe konnte wegen ihres Sohnes so lange nicht fort bleiben, so fuhr sie mit Graf Linbenbach in einer Viktoria ein Stück hinterdrein, um bald Kehrt zu machen. Jedesmal gab es ihr einen Stich, daß Ludwig sie verließ, ja, da ev die erste Coach lenkte, sah er sie meistens gar nicht. Wenn sich dann abends alles ans die Zimmer zurückgezogen hatte, meinte sie schmeichelnd:
— Ich habe dich ja gar nicht mehr!
Er ward ein wenig ungeduldig:
— Ich muß doch unsere Gäste unterhalten!
— Wie lange bleiben sie denn noch?
— Ich kann sie doch nicht vor die Tür setzen.
Da lehnte die junge Frau den Kopf an die Schulter! ihres Mannes:
— Ich bin doch am liebsten mit dir allein.
Er küßte sie und bemühte sich doppelt zärtlich mit ihr zu fein. Er liebte auch den Kleinen. Oft sah ihn Agathe an dem Bettchen stehen und'das Kind betrachten, das nichts ahnend feine ersten Monate verschlief, Kräfte zu sammeln für das kommende Leben, das es einmal oben sehen sollte, höher vielleicht als seinen Vater.
Endlich kam doch der Abschied. Graf Röguier hatts geschrieben, die Kameraden wunderten sich schon über das Fernbleiben seiner Frau, und obwohl Gräfin Patsch fluchte, als erinnere sie sich der besten Ausdrücke ihres Vaters, blieb es dabei, daß sie davonfuhr.
Da entdeckte die Prinzessin an dem so verhaßten Had- beitfen einige verschwiegene Reize. Sie schwärmte von der See, die Luft wäre gut für den Teint, und sie freute sich auf ihr Zimmer. Das gab die Gelegenheit, ihre Geschwister! um Photographien zu bitten. Sie bekam sofort das Ehepaar als Brautleute und Verheiratete. Ludwig, der sich gern photographieren ließ, wollte ein paar Bilder von sich zu Pferde schenken, doch Agathe gab ihm verstohlen einen Wink, und er wählte statt dessen eine Ausnahme, die die jung« Gräfin Regnier mit ihrem Kodak vom kleinen Erich gemacht hatte.
Die Sehnsucht nach Haddensen klärte sich übrigens auf:


