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mal er Feldherr; gegen ihn half keine noch so glänzende Strategew- tunfl.
Gneisenan starb am 24. August 1831 an dieser tückischen Krankheit, die ihn am Tage znvor erst ergriffen hatte.
An der Seite des alten Waffengesährten Blücher ward" ihm in Berlin ein von Rauch geschaffenes Denkmal errichtet. Mit vorgestrecktem Arm ist er dargestellt, als wollte er den Weg stber den Rhein, den Weg nach Paris weisen.
Was große Männer fürchten.
Ein jeder hat im Leben Augenblicke kennen gelernt, in denen die Furcht seine Brust umkrallte, Minuten, ja vielleicht nun Sekunden, von denen man später doch sagen muß: „Ich hatte Angst". Diese Augenblicke der Furcht haben mit einer besonderen Feigheit nichts zu schaffen, ja die Furcht kann als die Grundlage des Mutes und der wahren Tapferkeit gelten, denn Mut ist nichts anderes als überwundene Furcht. Nicht umsonst fand der Marschall Ney, der seine persönliche Tapferkeit in unzähligen Augenblicken höchster Gefahr bewiesen hatte, für den Menschen, der niemals in seinem Leben Furcht empsimden haben wollte, eine verächtliche Bezeichnung: Wer niemals im Leben die plötzliche Beklemmung gekannt hat, die mit einer jäh auftauchenden Gefahr kommen mag und die von dem Mutigen daun rasch und entschlossen niedergekämpft wird, der liefert damit nm den Beweis, daß sein Bewußtsein schwersällig reagiert und die Unmittelbarkeit seiner Gefahr in ihrer Tragweite nicht sofort ab- znschätzeu vermag. Tas bestätigt auch ein Rückblick in die Geschichte, die beweist, daß selbst die größten Genies der Menschheit, ja sogar die Männer des Krieges und der Walstatt, vor den Ueberfällen der Angst nicht sicher waren. Victor Margueritte, der im Figaro der Psychologie der Angst einen fesselnder Essay widmet, weist darauf hin, daß selbst Napoleon, der große! Schlachtenlenker, in den bangen Augenblicken der Entscheidung, in den Stunden der höchsten seelischen Kraftentfaltung immer wieder unter bangen Furchtzuständen litt, die seinen Körper im Angstschweiß erschauern ließen. Ja, oft sind es kleine Nichtigkeiten, die die Heroen des Geistes uni> die Männer der Tat mit einer Augst erfüllen, die nicht selten fast abergläubische Charakter- züge annimmt. Wenn der große Cäsar den Donner rollen hörte, übermannte ihn Furcht; hairig bedeckte er seine Schultern mit einem Seehundsfell und eilte in die unterirdischen Gewölbe, um sich vor dem Donner zu verbergen. Der Anblick eines Fisches erfüllte den Erasmus immer wieder mit namenlosem Entsetzen, Und S e a l i g e r, der berühmte Philosoph und Philologe, wurde von Granen geschüttelt, wenn er den Dust eines Blumenbuketts! einatmete, ja er verlor die Besinnung und sank ohnmächtig zu Boden. P a s c a l s Leben ist eine Kette von Angstzuständen, ünd Friedrich II., der gewaltige Herrscher und kühne Regent, zitterte vor Unruhe und Besorgnis, wenn er ein neues Kleid anlegen mußte, das er noch nicht getragen. Wenn Berit a r d i n d e Saint Pierre an einem mit Wasser gefüllten Bassin vorüberkam, bebte sein Körper in Beklemmungen der Furcht Und des Entsetzens, und Newton, Pierre Bayle und der geniale Meister der Geige P a g a n i n i litten unter der gleichen Angstvorstellung. Von Mozart ist es bekannt, daß er vor dem Klang einer Trompete die Flucht ergriff, und Schopenhauer zitterte an. allen Gliedern, wenn er ein Rasiermesser vor sich sah. Carlyle, dessen Lebensinhalt die Schilderung Heldenhafter Persönlichkeiten war, wagte es nicht, einen Kramladen zu betreten, und Rossini sinkt vor Angst um, als er seinen Schatten sieht. Schumann uni> Chopin, Alfred de Musse t und Poe, sie alle haben eine bange Furcht vor dem Nebel, hinter dem eine übernatürliche Welt schlummern mag, und Dostojewski ist sein ganzes Leben laug ein Opfer der Furcht vor „irgend etwas Unerklärlichem, etwas Nichtbestehendem, das sich plötzlich vor ihm anstichten könnte wie eine wirkliche, abscheuliche, grauenhafte Tatsache". Und M a u p a s s a n t, der später in geistiger Umnachtung sein tragisches Ende finden sollte, konnte e§ nicht ertragen, eine offene Tür zu sehen. Dann übersielen ihn Gefühle des Unbehagens, die unaufhaltsam zu banger Furcht und rätselhaftem Granen ausmündeten: er fürchtete, daß jeden Augenblick ein geheimnisvoller, ungebetener Gast — der Wahnsinn — durch die offene Tür eintreten und sagen könnte: >,Hier bin ich."
Vermischtes.
* Wie hoch waren die Einnahmen von Joses Kainz? Von literarischer Seite wird der „Inf." geschrieben: Josef Kainz, der in den letzten Jahren seiner Bühuentätigkeit das Einkommen eines gefeierten Tenors — der in der Kunst stets das meiste Geld verdient — hatte, war natürlich nicht immer so gut gestellt. Von den ersten Jahren seiner Wirksamkeit als Schauspieler erzählt er selbst manchen humoristischen Streich, der sich aus seinem geringen Einkommen ergab. Seine erste bezahlte Stellung war die am Leipziger Stadttheater, wohin er unter der Direktion des Dr. August Förster gekommen war. Förster hatte thn bei der Uebernahme der Direktion dieses Theaters aus Wien
Mitgebracht, wo er seine ersten Schritte auf den Brettern, die di« Welt bedeuten, machte, und wo er dem kundigen Theaterdirektoll ausgefallen war. Dr. Förster hatte bald die Ueberzeugnng, in dem jungen Schauspieler einen Mann vor sich zn haben, der zwar weniger durch die Kunst seines Spieles als durch den Liebreiz! seiner Persönlichkeit Erfolge erringen mußte. Diese Erfolge blieben allerdings zuerst aus. Bekannt ist ja die Anekdote von dem „Gelben Kanarienvogel", der beim ersten Auftreten sich einen] Durchfall ersten Ranges holte. Der gelbe Kanarienvogel war] Josef Kainz selber, der sich einen schönen gelben Gehrock aus Wien mitgebracht hatte und in Seidig durch ihn überall aufsiel« Als er nun das erstemal in dem französischen Lustspiel „Käme» raben" in Leipzig auftrat, spielte er einen jungen Rechtsanwalt und zog dazu einen langen schwarzen Gehrock an. Die Leipziger merkten aber, daß dieser Schauspieler derselbe sei, der auf der Straße wegen seines gelben Ueberrockes „gelber Kanarietwogel" genannt wurde, und ein Zuschauer machte den Witz: „Der „gelbe Kanarienvogel" ist in die Tinte gefallen." Der Witz beschleunigte noch das Fiasko, das Kainz schon wegen seines ungelenken Spieles in den ersten Austritten erlitten Hatte. Natürlich konnte man einem solchen Schauspieler nicht gerade ein fürstliches Honorar geben und das verbürgte monatliche Einkommen von 122 Mark erscheint als genügende Sühne. Kainz litt aber trotzdem keinen Mangel, da er von Hause aus gut gestellt war. Dieses Einkommen machte bald mit der steigenden Berühmtheit des jungen Schauspielers einem besseren Platz. Als er im Jahre 1880 an die Münchener Hofbühne kam, verfügte er schon über ein Einkommen von 20 000 Mark jährlich, das sich aus seinem Gehalt und aus Gastspielreisen zusammensetzte. Im Juni 1881 lernte er im Schloß Linderhof den König Ludwig II. kennen, der sein Gehalt bedeutend erhöhte. Schon am Anfang der neunziger Jahre hatte Kainz Einnahmen, die denen eines Ministers ziemlich gleich waren»! In den letzten Jahren erreichten seine Einkünfte die größte Höhe,! Das Gehalt, das er am Burg-Theater bezog, und »dessen Höhe erst jüngst bei Erörterung seines neuen Vertrages angegeben wurde, bildete dabei mir den kleineren Teil seiner Einnahmen. Nicht ohne Grund hat er bei seinen letzten Verträgen stets die Bedingung gestellt, daß er Mehrere Monate im Jahre für Gastspiele frei haben müsse. Genau lassen sich die Einnahmen natürlich nicht festsetzen. Auch die Honorare, die er für Gastspiele erhielt, schwankten nach der Größe der Theater, in denen er auftrat, zwischen 1000 und 4000 Mark für den Abend. Nach oberflächlicher Schätzung nimmt man in feinem Freundekreise an, daß der große Schauspieler in den letzten Jahren durchschnittlich 200 000 Mark int Jahr verdient habe. In dem letzten Jahr ist er durch feine] Krankheit an der vollen Ausübung seines Berufes behindert gewesen. Dafür waren aber die Einnahmen in den Jahren 1905 bis 1910 sehr hoch, daß sie die Summe von 200 000 Mark des öfteren noch überschritten. Wenn man dagegen halt, daß manche Tenöre, wie z. B. Karl Jörn, in Amerika für eine halbjährliche Gastspielreise 300 000 Mark erhalten, dann wird man die Einnahmen Josef Kainz' nicht für besonders hoch ansehen können« Man muß sich aber dabei vergegenwärtigen, daß die amerikanischen] Gastspielreisen eine ungeheure Ausbeutung der Person des Künstlers bedingen, die Kainz nicht besonders liebte. Die erste Bedingung für sein Wirken war ihm Ruhe und GleickMäßigkeit des Lebens« Das Hasten und Jagen von Ort zu Ort toar nicht nach seinem] Geschmack, unb er wollte lieber auf manche Einnahmen verzichten, als sich durch die Städte und Lander hetzen lassen.
* „Heda, Kellner! Ich fand eben diesen Kragenknopf jM Pudding!" — „Von einem Regenschirm haben Sie wohl nichts] g es "heu? Gestern abend ist hier einer verloren gegangen."
* „Wie kommt es, daß du so spät kommst?" — „Ich traf Brown!" — „Nun, das ist doch kein Grund, daß du eine ganze Stunde zu spät zum Abendessen kommen solltest." — „Ich weiß wohl, aber ich fragte ihn, wie es ihm ginge, mü> der, Schafs köpf bestand darauf, es mir zu erzählen."
Bilderrätsel.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Alk, Kalk, Schalk.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Br«hl'schm Universitäts-Buch- und Stehib.rucferei, R. Lange, Gießen.


