Ausgabe 
27.10.1910
 
Einzelbild herunterladen

ffiM

W

1910 M. (68

Donnerstag den 27. Moder

jcheMMMilienblH.

i-jgj AntechüllmKblall M MeßemrAnzelZer(Gamal-Anzeiger).

Friedel halb-süß.

Stoman von Fedor von Zobeltitz.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Aber damit Maren die Raritäten des Opas noch lange Mcht erschöpft. Von jeder einzigen Marke, die das Haus Frredel von seiner Begründung abkreiert" hatte, fanden sich hier noch Proben vor, und man konnte schon an der primitiven Art derVerkordelung" der Pfropfen sehen, wie alt diese Flaschen waren. Es gab tm Keller übrigens nicht nur Schaumwein; der Opa hatte auch, sonst mit vielem Verständnis gesammelt. In einem besonderen Gefach aber lag noch eine Anzahl 'Rotweinflaschen, von denen einige das Etikett trugenPontac. K. A. Friedel. Cobleirz." Vor der Begründung der Schaumweinfabrik waren die Friedels näm­lich Weinhändler in Coblenz gewesen und wurden als solche schon um 1760 geführt, waren eine Zeitlang auch Keller- lieferanteu des 'Erzbischofs von Mainz gewesen, an dessen gastlichem Tische vrel verbraucht wurde.

Der Opa war also zufrieden mit dem Excelsior. Auch er hielt ihn für den besten Schaumwein, der bisher produ­ziert worden sei, und bemängelte im Gegensatz zu den anderen Herren nur das eine: daß er W^leicht sei. Er huldigte in dieser Beziehung noch den Anschauungen der älteren Generation, die für ihr gutes Geld auch etwas ver­langte, was rasch und nachhaltig zu Kopfe stieg.

Lange und exnsthaft währte die Beratung über den Preis, den man ansetzen sollte. Man mußte es hier wirk­lich auf eine Kraftprobe ankommen lassen. Nach den Be­rechnungen des Kommerzienrats, denen die Einlaufspreise der Weine, die Verzinsung,, die Herstellung des Likörs, die Arbeitslöhne und so weiter zugrunde lagen, konnte man die Flasche nicht unter acht Mark'au die Grossisten abgcben. Das war für einen deutschen Schaumwein ein sehr hoher Preis. Auf den Weinkarten der Restaurants konnte der Excelsior" nur zu dreizehn Mark und darüber geführt werden. Mit einer derartig teuren Marke hatte es bisher lediglich ein Fabrikant im Rheingau versucht: Kupka mit feinerBlüte der Rebe" und hatte damit gar kein Geschäft gemacht. Allerdings fehlte es derBlüte der Rebe" bei aller ihrer Güte an der notwendigenSüffigkeit". *

Man blieb also bei dem vom Kommerzienrat normierten Preise. Es galt abermals einen Kampf gegen tief ein­gewurzelte Vorurteile. Wiele waren glücklich besiegt oder waren von selbst gefallen. War es doch noch nicht gar so lange her, daß die Ansicht allgemeine Verbreitung hatte, derechte" Champagner könne nur aus der Champagne stammen. Freilich, er war in der Champagne erfunden wor­den und daher,, läut auch sein Name. Dom Perignon, der Pater Kellermeister der frommen Brüder von Saint Pierre bei Hautvillers, einer stattlichen Abtei am Marneufer, soll Zuerst auf den glücklichen Gedanken gekommen sein, den Wein

in Flaschen zu füllen und diese mit Korkstopfen zu schließen! Denn bis dahin ließ man den Wein direkt aus hem Fasse in Krüge oder Humpen rinnen, oder wählte man einmal eine Glasflasche, so verschloß man sie durch einen Deb aufguß, wie es noch heute in Italien üblich ist, oder allem falls auch durch einen .aus Hanf gedrehten und in Pe> getauchten Stopfen. Ms aber gegen'Ende des siebzehnten Jahrhunderts die aus Kork gefertigten, den Mnsluß bet Lust besser abhaltenden Pfropfen zunächst für die Süd-' Werne in Mode kamen, versuchte der gescheite Kellermeister von Hautvillers es auch einmal damit und war höchlichst erstaunt, als er nach einiger Zeit einen Teil der Korken abgesprungen und den Wein in wilder Bewegung fand. Seine Oberen, frommer als er, hielten das aufregende Geschehnis für Satanswerk, und nun wurden viele Gebete gelesen und durch die Keller der Abtei strömte der Dust der Weihrauchfässer. Dom Psrignon aber verfiel ins Grm- beln: der seltsameMousseur" regte seine Gedanken an, und als die Oberen sich davon überzeugten, daß der schäu­mende Wein ganz ausgezeichnet schmeckte, gaben sie ihre teuflischen Befürchtungen auf und setzten sich mit einem jungen Lebemann in Verbindung, um das neue Getränk zunächst einmal an: den Hof des allerchristlichsten Königs' zu bringen. Der Herr Marguis de Sillery, der selbst er­trägnisreiche Weinberge unweit Meims besaß, interessierte sich lebhaft für die Fabrikation und beschloß, seinen Freund, den Herzog von VendüNle, in das Geheimnis einzuweihen. Bei einem der berühmten ,petit soupers' im Palais des Herzogs öffneten sich plötzlich die Düren, und herein schwebte ein Schwarm junger Bacchantinnen, Mit Weinlaub und' sonst nicht viel mehr belleidet, und in den Händen Blumen­körbe tragend. Unter den Blumen aber lag der Champagner verborgen, uub als nun die Pfropfen knallten und der Wein in .bett Kristallen und Silberbechern schäumte und man die ersten Gläser durstig in die Kehle gestürzt hatte, da war der Jubel groß. Das war in der Tat einKönigs'- wein", und Ludwig der Vierzehnte gab ihm denn auch die königliche Weihe. Won seinem Hofe aus aber nahm er den Lauf durch die Welt, und nach- dem lebenslustigen Marguis, der ihn eingesührt hatte, nanrrte man ihn lange Zeit hin­durchSillery", ein Name, der heute noch viel Verwendung findet, obwohl es um sSillery gar'keine Weinberge mehr gibt. Jedenfalls konnte Hautvillers ihr Geheimnis nicht lange hüten; schon Anfang des achtzehnten Jahrhunderts entstanden zahlreiche Fabriken, unter anderen die Häuser Ruinart psre et fils und Most et Chandon, aber auch jen- seit der Champagne begann es sich zu regen. Saint-Psvay kam mit seinem würzigen Mousseux, der Bourgogne-M-ous- seux von Ponne >und Tonnerois wurde rasch beliebt, der weiße schäumende Burgunder von Epineuil und Daune- moins machte der Champagne Konkurrenz. Da wütete denn die Champagne gewaltig gegen die Bourgogne, und ein heftiger Streit brach los, den schließlich die Pariser FakulW durch einen weisen Schiedsspruch schlichtete.