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In Spanien stieß der übermütige Bonaparte, dein sogar der Kaiser von Rußland höfliche Verbeugungen machte, zum erstenmal auf einen unüberwindlichen Widerstand. Die Spanier sind streng katholisch und außerordentlich stolz. Voir den leichtfertigen, wenn auch katholischen Franzosen wollten sie nichts wissen. Die Deutschen haßten sie als Protestanten und fremde! Unterdrücker. Klima und Bodenbeschaffenheit ihres Landes waren der Verteidigung günstig. Die Engländer unter Wellington halfen ihnen zu Wasser und zu Land. Am 21. Oktober 1805 vernichtete der englische Admiral Nelson die vereinigte französischspanische Flotte bei Trafalgar. Am 28. Juli 1808 wurde der französische General Dupont mit 8000 Mann gefangen. Diese Unglücksfälle brachten den unersättlichen Bonaparte schwer ins Gedränge; sie waren die Ursache, daß er von den Rheinbund- fürsten Truppen für auswärtige Unternehmungen verlangte.
Am 28. März 1809 fand die Schlacht bei M e d c l l i n statt, in welcher sich die Voltigeur-Kompagnie des 2. Bataillons „Groß- nnd Erbprinz" besonders auszeichnete. Der Kapitän (Hauptmann) dieser Kompagnie hieß Grübet. Er ließ die Kompagnie ein Karree bilden und wies mit Kaltblütigkeit und Unerschrockenheit die Angriffe der feindlichen Kavallerie und Infanterie zurück. 16 000 Franzosen und Hessen unter Marschall Victor schlugen 34 000 Mann Spanier unter General Cuesta in die Flucht. 19 000 Spanier deckten das Schlachtfeld, ein ungeheurer Verlust, größer als die ganze feindliche Armee. Aus einem Rapport vom 8. April 1809 — also zehn Tage nach der Schlacht von Medellin — geht hervor, daß dem Bataillon bei einer Effektivstärke von 773 Mann nicht weniger als 444 Mann an Kranken, Blessierten, Kommandierten und Detachierten abgingen. —_ Bier Monate später, am 27. und 28. Juli 1809, wurde die Schlacht bei! T a l a v e r a geschlagen. Die Spanier und Engländer waren 80 000, die Franzosen 50 000 Mann stark. Am ersten Tage fanden nur Plänkeleien statt. Talavera liegt am rechten Tajouser, da, wo das Flüßchen Alberche in den Tajo mündet. Ditz deutsche Division durchwatete nachmittags 4 Uhr unter klingendem Spiel die Alberche und stellte sich dem feindlichen Zentrum gegenüber tauf. Zum Gefecht kam es nicht mehr. Die Vorposten standen sich auf 30 bis 40 Schritte gegenüber. Viel weiter trugen damals die Feuersteingewehre nicht. Um Mitternacht entstand Alarm, heftiges Gewehrfeuer knatterte bet den Spaniern; ein französisches Dragonerregiment, das dicht neben unseren deutschen Truppen stand, galoppierte zurück.
Niemand kannte die Ursache des Feuers.
Die Panik soll dadurch entstanden sein, daß einige Pferde im spanischen Lager durchgingen. Die Spanier glaubten sich angegriffen, deshalb eröffneten sie blindlings ein heftiges Gewehr- nnd sogar Geschützfcuer, ohne Schaden anzurichten. Tags vorher wurde ein Teil der spanischen Truppen durch eine französische Kavallerie-Division derart in Verwirrung gebracht, daß 8000 Mann ihre Stellungen verließen und davon liefen. Der spanische General Cuesta, der auch bei Medellin (siehe weiter oben) kommandierte, geriet in Wut und befahl, daß je der zehnte Mann von den Regimentern, die in der Nacht die Flucht ergriffen hatten/ erschossen werden sollte. Die Exekution wurde sogleich vorge-, nomnten. Schon lagen über 50 Mann tot auf dem Erdboden, als der englische General Wellington erschien und Cuesta davon abhielt, die übrigen Soldaten niederschießen zu lassen.
Am folgenden Tage, 28. Juli, griffen die Spanier und Engländer von neuem an, ihre Uebermacht verschaffte ihnen den Sieg. Langsam zogen sich die Franzosen zurück; der Rückzug wurde besonders durch den General v. Schäffer und die Rheinbundtruppen gedeckt. Trotz der Niederlage ergab sich für die Franzosen ein strategischer Sieg, weil die Marschälle Soult und Ney den Spaniern und Engländern in den Rucken kamen, so daß sie schleunigst umkehren und ihre gesamte Artillerie int Stich lassen mußten.
Schon 14 Tage später, am 11. August 1809, wurde die Schlacht von Alrnonacid geschlagen. 18 000 Franzosen, Deutsche Und Polen unter Marschall Sebastiani schlugen 36 000 Mann Spanier zurück, die einen Verlust von 4000 Mann Toten und 3000 Mann unverwundeten Gefangenen hatten. Nun wurde die Vorwärtsbewegung eingestellt. Von Mitte August bis zum 19. November 1809 fanden unaufhörlich Märsche und kleine Gefechte statt. General v. Schäffer berichtet über den Zug nach der Sierra Morena: „Während dieses Zuges, wo beinah täglich marschiert und mit Hunger und Durst gekämpft wurde, sind diei Kleidungsstücke so zerrissen und die Kranken, sowie die Maroden haben sich so gemehrt, daß die Division bald zu jedem Menst unbrauchbar werden wird." ■ ■
(Schluß folgt.)
Vermischtes.
* Was König EduardsBegräbnis kostet. Die genauen Zahlet: der Kosten, die England für die würdige Bestattung König Eduards attswandte, siitd in der Vorlage enthalten, die das Ministerium des Inneren den Parlamettten jetzt zugestellt hat. JnS- gesamt hat das Begräbnis 810 000 Mk. gekostet. Tie einzelnen Beträge verteilen sich wie folgt: Deut Oberzeremonienmeister für In
standsetzung der Gemächer der königlichen Gäste, für Trauerabzeichen und für Zuschüsse an die Dienerschaft zur Anschaffung von Trauer- fleibcrtt 76 000 Mk. An den Oberhointeister ll'ir die Bewirtung der fremden Fürstlichkeiten und Gäste 106 000 Mk. An den Oberstall- nteister für Wagenmiete, gemietete Pferde, Eisenbalmkosten tiftv. 02 000 Mk. An die Admiralität für Reise und Unterhaltkosteil der Marineoffiziere und Matrosen 76 000 Mk. An das Kriegs- ministeriunt für Reisegelder, Nahrungsmittel und Unterkttuft der Truppen 300 000 Mk. An das Ministerium der öffeiltlichen Arbeiten für die Instandsetzung der Westminster Hall und der St. George Chabel, sowie für besondere Arbeiten in den königlichen Park- anlagen 110 00) Mk. und schließlich besondere Atisgäben der Be- amten des Oberzeremonienmeisters, besondere Ausgaben des Dom- kapitels voir Windsor, der irischeil Collstabler, der Polizei vo>r Dublin und für besondere Schiffe für die fremden Gäste 50 000 Mk. Die Vorlage enthält auch einige interessante Angaben über die Kosten königlicher Besuche. Alan ersieht daraus, daß der Besuch Köllig Eduards und der Königin Alexandra in Berlin den englischen Herrschaften genau 53 700 Mk. und 75 Pfg. gekostet hat. Der Besltch des Zarenpaares in Cowes kostete 15 910 Mk. und der Besuch des Königs von Portugal in London 138 960 Mk. und 93 Psg.
* Sin Urb'olf der Steinzeit. Die in der jüngeren! Steinzeit im Norden Europas neu auftanchende Menschenrasse! muß dort natürlich eine alte Rasse verdrängt haben, die sich ist der Eiszeit angeficdelt hatte. Der Beiveis für diese Tatsache! wird nunmehr durch prähistorische Funde erbracht, die in dep Nähe von Schwerin gemacht iuorbeit sind und über die die Umschau nach dem Archiv für Anthropologie berichtet. In einem der vielen hübschen Seen bei Schwerin liegt eine kleine Insel, Ostorf, die wenig besucht ist und auf der Fischer schon gelegentlich Skelette gefunden haben. Hier legte 1904 ein naturliebender Mann einen Garten an, und dabei wurden Grabstätten bekannt, deren Aus-, grabung der Schweriner Professor Beltz übernahm. Es waren 24 gut erhaltene Gräber, die eine reiche Ausbeute an steinzeitlichest Skeletten und Artefakten gewähren. Dies Herkunft aus der jüngeren Steinzeit war durch die sehr bestimmt ausgeprägten Gerätformen! gesichert; außerordentlich auffallend war aber die flache Form der Gräber, denn die charakteristifchen Grabtypen dieser Periodä sind die großen Hünengräber, besonders die „Ganggräber" Dänemarks. Die Flachgräber sind eine ältere Form, die von der in der Steinzeit herrschenden Rasse aufgegeben wurde. Die Untersuchung der auf der Ostorfer Gräberstätte gefundenen Skelette durch Hofrat Schliz hat nun eine Klärung in diese Fragen gebracht. Cs ergab sich, daß diese Skelette einen Menschentyp darstellten, der mit keinem sonst bekannten steinzeitlichen in unmittelbare Beziehung gesetzt werden kann und sich besonders auch von den Erbauern der Hünengräber scharf unterscheidet. Es )ini> breitgesichtige Langköpfe mit schmalem Uütergesicht und ausgesprochen vorstehendem Unterkiefer, dabei ansehnlichem Gehirninhalt, ein Typus, der nur in den Schädeln von Eskimos eine Analogie findet. Augenscheinlich sind es Vertreter einer in der Steinzeit zurückgedrängten Urbevölkerung, die Nachkommen der sogenannten Muschelhaufenleute, die an ihrem uralten Grabgebrauch der Bestattung auf dieser entlegenen Stelle festhielten. Es bestanden also schon in der jüngeren Steinzeit zwei bestimmt voneinander zu, unterscheidende Rassen auf nordischem Gebiet.,
Viichertisch.
!— Verlaine in Deutschland. Vielfach wird über die mangelhafte Ausstattung der modernen französischen Literatur bei unserm Publikum geklagt. Die Gebildeten wollen sich mit lieber«* 1 2 3 4 5 setzungen nicht begnügen, die am wenigsten den vollen Genuß der Lyrik vermitteln können. Hier will ein junger deutscher Verlag (Ernst Rowohlt, Leipzig) zum erstenmal versuchen, Abhilfe zu schaffen: französische Lyrik soll im Originaltext in muster- gültigen bibliophilen Ausgaben, gedruckt in der Offizin Drugulin, für deutsche Liebhaber erscheinen. Als erstes Buch ist es dem Verlag gelungen, vom französischen Originalverleger eine Auswahl der besten Gedichte Paul Berlaines zu erwerben. Es ist dies das erste Mal, daß überhaupt ein moderner französischer Autor in Deutschland eine seiner würdige Ausgabe erhält.»
Magisches Dreieck.
I Jn die Felder nebenstehender Figur sind _____ die Buchstaben aabdeennoorruuy ” derart einzutragen, daß die einander ent
sprechenden wagerechten und fenkrechteir Reihen gleichlautend folgendes bcdeulen:
1. Einen Strom.
2. Figur im Kartenspiel.
3. Französischen Feldherrn.
4. Ein Flächenmaß.
5. Einen Buchstaben.
Auflösung in nächster Nummer:
Auflösung des Verwandlungsrätsels iit voriger Nummer: Erbse, Nacht, Thon, Uri, Adler, Hebel, Neigen, Nadel, Glaube.
Schilling.
Redaktion: I. V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen


