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ttfiff. Du Mußt ein Einsehen haben, Moritz! Dann hätten Mr unfern Sohn eben nicht Offizier werden lassen dürfen!" „Ja, dia HM bn recht — hm, ja!" Er'nickte mehr- Uiäls rasch hintereinander. ^Freilich — was sein muß H- IN — muß fein!" Den Kopf in die Hand Wtzeitch Urnbelte er vor sich hin.
Therese stand richig und wartete. Sie wußte, er würde sich ihrer besseren Einsicht nicht verschließeit. Sie würde übrigens einmal selber Hoppe vornehmen und.sich iufor- htieicen, iyas in diesem Monat einging. Ohnehin wollte sie ihm sagen, daß diese Verschwendung von Hospersoual nicht ton Platze sei. Mochten die Dirnen nur draußen mehr helfen — weibliche Arbeitskraft ist doch immer noch nicht so teuer iuie männliche —, wenn Wölf zur Melke daheim Wieben, war's reichlich genug. Die zwölf kvunten siebzig Milchkühe bequem schaffen — mochten sie ihre Daumen brauchen! Und die Hühnermagd konnte noch die Schweine Mit übernehmen — Hühner machen so gut wie keine Arbeit. Man mußte sparen an allen Enden!
«Ihre scharfen Augen gingen durchs Feilster auf den Hof, dessen Breite, mit dem Tor.in der Mitte, man bequem vom Studierzimmer ans übersehen konnte. Und noch weiter iah man: wie ein Bild, von den Pfosten des offenen Hos- iors eingerahmt, ein Stück der Felder, sich in den Himmel verlierend. l
Auf der baumlosen Fläche, dunkel gereckt, ragte am Horizont der Turm von Pociecha. So hatte jna.it den immer gesellen all die fünfuuddreißig Jähre, die man hier ge- ivohnt! Er würde einem ordentlich fehlen. Wer daß sich da jetzt noch Ziegeldächer erhoben — wenn die Sonne darauf schien, blendeten sie — das war störend!
„Du," sagte Frau Kestner plötzlich uird wendete sich ihrem Manne zu, „ist es wahr, daß der Niemczyeer mit den Ansiedlern fraternisiert? Er soll immer hinfahren, sich um jeden Quark kümmern, als wär's seine eigene Angelegenheit. Wenn Scheftel das Fleisch in die Küche liefert, erzählt er immer der Mamsell — natürlich, der Jude ist entzückt von so was! Ich mu ßgestehen,' ich hätte Doleschal für innerlich vornehmer gehalten. Man sieht, das Hoch- Uäsigsein ist noch lange nicht Vornehmheit!"
„Ein Esel ist er!" Unwirsch fuhr Kestner auf. „Proletariat ladet er uns auf den Hals! Was sollen wir mit pen Leuten? Zn Lkrbeitern sind sie viel zu anspruchsvoll, sie hetzen uns nur unsre eignen Leute auf. Hätte sich wohl früher einer von den hiesigen unterstanden, zu sagen: ich will nur! bis acht Uhr arbeiten?! Bis die Sterne am Himmel standen, bei Mondschein noch haben unsre Sensen gemäht! Die Stuffen, die int Akkord sind, hauen sogar die ganze Nächt durch, wenn's fein muß. Und Sonntag!,, Sonntagsruhe ei, daß dich!" Er zog die seidene Mütze herunter, die er immer trug, sowohl im Hause als auf vem Hofe, unU warf sie auf den Tisch. „Nun muß man ruhig zusehen, wie einem das ganze Getreide verpladdert!"
„Rege dich nicht auf," bat Therese. „.Jeder vertritt eben, Ms er für gut hält!"
„Mut hält — gut hält! Kämt ich deun tun, was ich für gut halte?! Wie ein Spürhund ist die Regierung einem aus den Hacken. Und der Doleschal macht den Aufpasser. Ich werde es aber Paul sagen, daß mir die dicke Freundschaft mit dem nicht paßt! Wenn wir uns hier Aufammenschlössen, alle an einem Strang .zögen, bann Möchte ich doch sehen, wer die Karre anders schöbe?! Wer Doleschal ist liiert mit dem H-K^-D — seit der gegründet ist, ist alles zugespitzt. Es ist einfach nicht mehr ausziw halten!"
-,Jä," sagte sie rasch, „es wäre das beste, wir verkauften, dann hstssen doch auch die Kinder, woran sie ftnfo"
„Nun natürlich!" Er stand aus und.ging an seinen Geldschrank. Umständlich schloß er auf. Und dann entnahm er einem* besonderen Kästchen einen Schein. „Da, schick das dem Jungen!"
„Aber nicht von Miasteezko aus," grümelte er nach einer Pause, in der er dagestanden und starr in den noch geöffneten Geldschrauk hineingeguckt hatte. „Es wird sonst gleich ruchbar. Ich mag nicht, daß sie wissen, was ich verschicke. Mau wird so wir so immer überschätzt!"
„J'ch werde morgen nach der Kreisstadt fahren , schade, daß es heute zu spät ist! — und von da schickens per.eingeschriebenen Brief. Bet der Gelegenheit fahre sch
bei der Landrätin vor; ich MH ihrd Kinder in den Herbsh- ferien zu uns heraus laden."
„Die Kinder,— in den Ferien?" Sein Gesicht wurde laug. „Muß das sein?!"
„Ich bitte dich, Moritz, es muß nicht grabe fein, aber" — eine kleine, ungeduldige Röte Weg in ihr Gesicht -H „wenn wir verkaufen wollen! Uno — da es mir gerade einfällt —, du hättest auch längst mal einen Besuch bei Doleschal machen können! Garczhnski ist zehnmal klüger — neulich sollen sie sogar zusammen spazieren gefahren! fein. Das weißt du doch selbst ganz gut, wie man sich heutzutage dazuhalten muß!"
„Gott weiß es — das muß man!" Gr stieß einen! tiefen Seufzer aus.; ;
Ueber den Hof kam jetzt der Inspektor Hoppe. Breitbeinig ging .er, man sah's, er war steif vom Reiten.
Therese, die schon im Gehen begriffen war, zögerte« noch. Da konnte sie ihm ja gleich wegen morgen sagen!
Hoppe trat zugleich mit seinem Klopfen ein; mit den schweren, vom Ackerstaub wie mit grauem Mehl befielt eit Stiefeln tappste er achtlos in die Stube.
Ein unwilliger Blick der Gutsherrin traf ihn: hatte der denn noch immer nicht gelernt, eine saubere Diele zu schonen? Womöglich lief er so auf den Teppich! Und nicht einmal die Mütze nahm er ab !
Die Miene des Inspektors war erregt, die Zornesader seiner Stirn dick geschwollen; aber um den Mund lag Bekümmernis. „Herr Kestner," sagte er hastig, „kommen -Sie doch, bitte, mal 'raus! Herr Kästner, bestm neuen Schober machen sie Skandal!"
„Wo, wer? Ach was!" Ungläubig sah ihn der Herr am
* Frau Dherese lächelte ein wenig spöttisch: d(a wurde mal wieder aus der Mücke ein Elefant gemacht!
„Herr Hoppe," sagte sie, „ich brauche morgen den Landauer. Bitte, um zwei Uhr! Und schicken Sie gefälligst den Milchwagen statt um vier schon um drei Uhr nach Miasteezko. Eine .Kiste muß. zur Frühpost zurecht kommen!"
Er hörte sie gar nicht. „Sie glauben es nicht, Herr Kestner?! Sehen Sie!" Er nahm die Mütze ab. Ueber den grauen Kopf, mitten herüber, lief eine tüchtige Schmarre ; das Blut war geronnen und hatte ringsum die Haare verklebt. Der wetterharte Mann schloß einen Moment loie int Schmerz die Augen, und dann machte er sie groß und vorwurfsvoll auf. „Sie haben den Leuten die doppelte Ration Schnaps geben lassen, Herr Kestner! Auch den Weibern! Nun find sie aus Rand Und Band. Halb acht Uhr Arbeits- schluß wollen sie jetzt haben. Der Bogt hat mich zu Hilfe gerufen, er ist ihnen nicht gewachsen."
„Und Sie auch nicht," brüllte der Przhborowoer. „Dummes Zeug! Warum haben Sie nicht drunter gehauen?"
„Ich habe."
„Aber wie! Ich weiß ja, es widerstrebt Ihnen. Sonst wäre die Sache sofort erledigt gewesen! Mso heute' abend gibt's keinen Gurkensalat fürs Gesinde und die saure Milch pur zu beit Kartoffeln! Und den K'oinorniks erlaube ich, es nicht mehr, eine Sau zu halten, wenn sie nicht kuschen, lieber den Scheffel Weizen reden wir auch noch einen Ton zusammen. Und den Wanderarbeitern, den Russen, sagen Sie nur: pascholl! Einfach: pascholl!"
„Herr Kestner, wir brauchen aber die Leute — alle Leute!"
„Ach was! Offener Aufruhr — was wollen Sie denn?" Er.zeigte auf des Inspektors blutrünstige Schmarre. „Sie sind Zeuge. Na, die haben Ihnen ja ordentlich eins aus- gewischt! Mütze vom Kopf 'runter geschlagen, und bann mit ber Gabel gestochen — was? Und die Weiber waren natürlich die tollsten! Haha, kenne ich! Auf mich sind auch schon mal ein paar Abstakerinnen losgegangeit — wegen ’ner Lappalie, sozusagen aus Uebermüt — ich habe sie aber umgeritten, und nachher waren wir gut Freund. Wie die Kinder sind sie, wie die Kinder. Nicht wahr, Therese?"
Frau Kestner nickte stumm. Sie ärgerte sich über den Inspektor.
Der Gutsherr hatte sich nach und nach beruht'gü „Keine Sorge, Hoppe, die Kerle laufen nicht fort — wohin sollen sie denn auch jetzt? Rur immer gedroht: Ruhe, sonst pascholl! Ich brauche nur zur nächsten Behörde zu schicken, und — eins, zwei, drei — über die Meitze sind sie per Schub!"
l. (Fortsetzung folgt.).


