Ausgabe 
27.6.1910
 
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Montag den 21. Juni

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Das schlafende Heer.

Roman von Clara Biebig.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

.. Trau Therese nur beschäftigt, ans dein Tisch der ge- raumigen Spei.elämmer, hinter dem nach dem Hofe heraus- o^fendeil start vergitterten Fenster, die Kiste für ihren neuesten zu packen. Er hatte geschrieben, daß er einem A. ."chhEdrerten Regimentskameraden ein letztes kleines frühstück zn geben beabsichtige, ttnd das Ivar so viel ge­mütlicher trt den eigenen hübschen Räumen als bei Dressel T" utib Ech. J° Viel billiger, denn die Mutter schickte. Ein Korb Krebse, in Nesseln verpackt, kam'morgen früh noch dazu, ,,per expreß" zu bestellen. Löb Scheftel hatte sich beim' Hauvt Mner Kruder verschworen, daß er die in der Nacht gefangenen Krebse bereit halten würde bei Morgengrauen. Dann konnte der Mrlchlunge sie bei ihm abholen, vielmehr besser, die. Verden besorgten miteinander die Kolli zur Post, Scheitel den Mrlchjungen itttb der Milchjnuge den Löb Scheftel kon- trollrerend.

-^^'ebse aus dem See von Miastecz-ko hatten eine gewisse Berühmtheit im Kreis der Kameraden; Frau Therese tu eifert ^°!l e*lte Srt!t3e Anzahl von Ans i ch t S p o stlä r t e n auf-

,,'Der gütigen Frau Mama unseres lieben Kestner heißen Dank!".

Die selbstbereitete Gänseleberpastete -- die Mamsell hatte em. Geheimrezept ivar auch nicht zu verachten, konnte neben jeder Straßburger bestehen. Die Enten- potrawlä in einem hohen Steintopf, sorglich mit Peroa- ment verbunden, brauchte mir warm gemacht zu werden- Rebhühnchen, in Weinblättern und Speckscheiben geschmort, lagen out Dutzend bei, und für Paul, der keine Rebhühner wehr sehen konnte, würde eben noch rasch ein ganz zartes Perlhuhn abgebraten.

Wenn nur alles gut ankam, die frischen Bntterkuchen nicht zermürbten, die Ananaserdbeeren im dicken Zucker­saft und die Glaskrause mit den Rumfrüchten nicht in Scherben gingen!

Besorgt packte die Mutter, und ihr strenges Gesicht wurde weich dabei. Der gute Junge, wie würde er .wieder schmunzeln! stSie sah so deutlich sein gebräuntes Gesicht mit der werßen Stirn über der roten .Attila und seine lachenden Augen. Sie konnte es nicht ändern, der Husar war nun einmal ihr Verzug; nicht, daß sie den Referendar weniger geliebt hätte, aber der wär ja so in der Nähe, kam fasw alle Sonntag von Posen herüber und Kor- elta -'Nun, die war -ohnehin schon des Vaters Liebling! ®vniu Josefe wußte, ihr Mann legte bereits zurück für eine große Mitgift.

v ...mtr der Hoppe nicht so abgängig wäre, dann lvlii.de man noch besser fahren bei den schlechten Zeiten!

Solange sie selber ihren guten Augen trauen durste, ging's ja noch au, aber wenn Gott ihr die Kraft nicht mehr ließ, ivas dann?! Wenn denn durchaus keiner der Söhne Vrzh- borowo übernehmen wollte und konnte man's ihnen! verdenken, daß sie nicht auf der Klitsche verbauern, sich nicht in der Provinz vergraben wollten?! war es das beste, zu verkaufen. Der Boden war glänzend und noch hoch in Kultur das liebe Przyborowo, es war einem dock sehr teuer!

Ecstner mrschloß ihre Borratsschränke und hakte die Schlüssel in ihren Schlüsselbund; den überließ sie nie- mand, auch der Mamsell nur für Augenblicke. Mit denk Bewußtstin. die Kiste bis zum Rande gefüllt zu haben, schritt sie, s.hre stattliche Gestalt ein tvenig bückend, unter! den selbstgegosseneu Talglichteru her, die in langen Kränzen von der Decke baumelten, zum Ausgang.

Da hörte sie ihren Mann aufgeregt rufen:

Therese, Therese!"

Gott verhüte, es Ivar doch etwa keine schlechte Rachrichk von den -Jungen gekommen?! Eiben hatte sie den Land-, briefträger mit seinem Knotenstock und der umgebängterr Posttasche vom Hof gehen sehen.

Sie lief ius Studierzimmer.

. Kestner saß auf seinem Sofa unter dem Bildnis des Kaisers und rang nach Luft.

.Da siehst, du's nun, Therese, da haben wir'sda schreibt her Paul schon wieder nm Geld!" Er legte dest im ersten Äertzer zerknitterten Brief vor sich auf den Tisch. Und ivarum ? Hahäh!" er lachte gezwungenweil er jetzt, da rr Rittmeister geworden, ist, noch ein Pferd haben mußte.' Was sagt man dazu: zwei für sich, eins für den Burschen und eins für das neue Break?! Der Junge denkt wohl, ich finde das Geld aus der Straße! Lies nur, lies!"

@ie las, las lange. Die großen steilen Schriftzügtz wären leicht zu entziffern; viel -stand nicht auf dem Bogen, aber sie überlegte bei jeder Zeile: ivar es wirklich 'nur wegen des neuen Pferdes, oder hatte er etwa nieder ne* spielt?!

Kästner stöhnte: 'Da hab ich ihm was vonganz leidlicher Ernte" geschrieben natürlich, nun wird gleich darauf losgelebt wie ein Wilder!"

'Das kannst du nicht sagen, das ist unrecht!" Die Mutter hielt sich den Brief dichter vor die Augen und las und las. °Er schreibt:alle andern haben mindestens so viele im Stall"!" .

Unsinn! Das soll er jemand andrem cinreden mir nicht!"

Aber da lies doch! Es ist ihm eben nicht anders möglich!" Theresens Stimme klang gereizt.Baron Kram- stal hat vier, Herr von Korendowski fünf, Graf D-ohnat vier, Falk von Falkenjstein fünf! Und der Bleichmeier hat sogar einen ganzen Nennstall! Da kann man es Paul doch wahr- haftig nicht verdenken, daß er nicht gänzlich zurücksteh'ech