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tznorut «eiche Frau. Sie pochte darauf. Die Ehe war überaus unglücklich. Ich aber will eine glückliche Ehe führen, und das ist am leichtesten, wenn eine Frau ganz, mir gehört, wenn alles von mir stammt und sie mit nichts in mein Haus kommt. Was sage ich mit nichts? Mit dem, has mehr ist als Geld: mit ihrer Seele.
Gras Kölln schüttelte den Köpf:
— Lieber Freund, das klingt ja alles sehr schon, aber wissen Sie, ohne Mtgift, das hätte doch für das Mädchen was Entwürdigendes. t , ......
— Bitte, Sie find mir sechshuudertzweiundsiebzig- tausendvierhundertundfttnszig Mark schuldig. Rechnen wir die als Mitgift.
Mit einem Satze sprang Graf Kölln auf:
— Gott verdamm mich noch mal! Dafür nimmt das Mädel ooch en anderer. Sie find gar nicht dumm, Herr Droesigl!
Herr Droesigl verbeugte sich:
Das hat man mir immer gesagt.
Der alte Herr begann zu lachen:
— Also sprechen wir über unsere andere Migelegen- Wt. Dieses Arrangement wollen wir lieber fallen lassen.
Doch Herr Louis Droesigl meinte ruhig:
— Herr Grast Sie haben mich wohl nicht verstünden. Sie rechnen damit, daß ich I r Schwiegersohn werden möchte und sechshundertzweiuntfiebzigtaufendvierhundertnndfünf- Hig Mark bekomme. Da möchte ich aber doch feststellen: die lechshundertzweiundsieb^igtausendvierhundertnndsünfzig M. sind überhaupt schon mein Eigentum!
Graf Kölln schrie ihn an, krebsrot:
— Das bezweifelt doch niemand! Sie kriegen Ihr Geld. Haben Sie nur keine Angst!
Herr Droesigl zuckte zusammen und preßte die Lippen Aufeinander:
— Herr Gras, Sie sollen es ja gar nicht auszahlen! Hie geben mir dafür Ihre Töchter.
Ree! '
Herr Droesigl nahm wieder die Beine zusammen:
— Dann werden Sie einsehen, daß ich nicht im Hause bleiben kann. Darf ich also zum nächsten Zug uni einen Wagen bitten?
Der Graf warf fein Jagdmesser, mit dem.er.gespielt, auf den Tisch:
— Gottsdonnerwetter noch mal! Da soll doch der neunmal durchgesiebte Satan reinfahren! Nun wollen Sie wieder abreisen?
— Mein Taktgefühl verbietet mir, zu bleiben. Ich erwarte binnen vierundzwanzig Stunden — er sah nach der Sir — Pardon, binnen siebzehn Stunden Ihre liebens- irdige Anweisung auf sechshundertzweiundsiebzigtausend- vierhundertundfünfzig Mark.
Graf Kölln zerdrückte seinen Bart, fuchtelte mit den Armen in der Luft und rief in rasendem Zornesausbruch:
— Sie setzen mir die Pistole auf die Brust? Sie wissen, daß ich momentan nicht zahlen kann! Ich Hornochse habe Ihnen das gesagt! Den Rotz sollen alle Pferde friegen! Himmel I Himmel! Himmel! Gottverdammte Zucht!
Herr Droesigl richtete sich auf, als könnte er sich den Graf Kölln stand der Angstschweiß auf der Stirn, hinter der noch die Geister des Weines spukten, und er lief auf den anderen zu:
— Bleiben Sie hier, Sie sind ein verfluchter Kerl!
Herr Dresoigl richtete sich! auf, als könnte er sich den Ausdruck nicht gefallen lassen. Doch der alte Graf hakte ihn unter und zog ihn ans Fenster:
— Ich sage Ihnen ganz ehrlich: Die Berner Bürgermeisterschaft von vierzehnhundert in allen Ehren, aber ge- droesiglt haben wir noch nicht. Ich habe aber meine Tochter lieb und will ihrem Glücke nict)t im Wege stehen. Wenn sie null, ist's gut. Ich breche feinem das Herz.
Er ließ ihn los und sah die gutgewachsene Gestalt des vornehm aussehenden Köhlensohnes an:
— Reiten können Sie, jenen können Sie leider ooch, ob Sie sausen können, weist ich nicht. Aber wer so redet wie Sie, da sollte manj eigentlich denken, der könnte ’n Mädel glücklich machen! Also: wenn meine Tochter will, ist’s gut. Wer nur wenn sie will. Nötigen werde ich sie nicht. Sagt sie ja, sollen Sie sie kriegen und die sechshundertzweiundsiebzig- tmrfendvierhundert. . .
Herr Droesigl warf ein:
‘—। Bierhnndertundsünszig.
as ganze Volk, das
Aeber dle nationale und künstlerische Bedeutung der deutschen Bauernhauses
bringt die „Volksbildung" einen beachtenswerten Aufsatz aus der Feder von Walther Kluge, dem wir folgendes ent
nehmen:
Es ist für die deutsche Heimat charakteristisch, daß fiel sich in eine Reihe verschiedenartiger Landschaften gliedert, deren jede einzelne sich durch ihre natürliche und künstlerische: Eigenart ass eine besondere Lebensgemeinschaft erkennen läßt. Nicht nur, daß wir Tiefland, Mittel- und Hochgebirge unterscheiden können, sondern es zerfallt jedes dieser großen Gebiete in kleinere Teile mit ausgesprochener Eigenart, und ich erinnere nur an Heide und Geest, Marsch und Mvor, Harz- und Erzgebirge, Schwarzwald und oberbayrische Hoch!-' ebene und endlich an die verschiedenen Berg- und- Tälgrnppen der Alpen. Es ist möglich, daß die Landschaft fich erst das Volk, das sie bewohnte, so wie wir es kennen, als es in die Geschichte eintrat, geschaffen hat. Zum mindesten hat sie auf seine Entwickelung stark eingewirkt, auf die Entwickelung, die dahin geführt hat, das ganze Volk, das das Bewußtsein einer gemeinsamen Abstammung immer hatte, in zahlreiche, sich oft befehdende Stämme zu gliedern. Es sind parallele Reihen, die Gliederung der deutschen Heimat in Landschaften und die des deutschen Volkes in Stämme, die uns den starken Zusammenhang von Land und Volk zeigen, der einesteils darin zum Ausdruck kommt, daß die Eigenart der Landschaft und des in ihr wohnenden Volksstammes viele Beziehungen meinander haben, und
Also, Himmeldonnerivet ter r fechshuiibertzweiund-- siebzigtausendvierhundertundfünfzig Mark find erledigt. Wil! sie aber nicht, dann müssen toir ein Arrangement treffen. Bis die Geschichte entschieden ist, schwebt's.
Herr Droesigl lächelte freundlich:
— Aber das Gastrecht wird Nicht wieder aufgehoben?
’ Und Sie reifen nicht triebet* in einer halben. Stunde ab?
*— Nein, Herr Graf.
l— Gut, Herr Droesigl.
Sie reichten sich kurz die Hände. Herr Droesigl ging.
Graf Kölln dampfte der Kopf, eigentlich behagte ihm! die Geschichte mit der Mitgift doch nicht ganz. Ach was! Wenn er nur nicht gleich zu zahlen brauchte. UebrigenA gewann er es ja doch bald wieder! Er trat noch einmal an den Schreibtisch, einen Schnaps zu trinken. Als er dann eine Zigarre angesteckt hatte, mürbe er etwas ruhiger. Doch mit einem Male sprach er, die Augenbrauen empor- gezogen, halblaut vor sich hin:
— Himmeldonnerwetter noch mal — und wenn die Patsch jetzt nein sagt, sitz ich in der Patsche!
Er klingelte; der Haushofmeister erschien.
— Elßmann, sagen Sie Gräfin Pauline, ich ritte doch mit. Wer gleich!
Dann ging er mit klirrenden Schritten zum Stall hinüber, und aus seinem roten «Neficht wehte der weiße Schnurrbart rückwärts rechts und links.
Sie trabten nebeneinander her. Der alte Graf dachte immer an das Abkommen mit dem „Kohlensyndikat", wie er Herrn Droesigl in Gedanken nannte.
Er stimmte eine Art Klagelied darüber au, ivas der Betrieb des Schlosses und der Jagden koste. Er erzählte bunte £ etwas von großen Verlusten, mau wußte nicht wo, vielleicht an der Börse. Gräfin Patsch ließ ihn ruhig reden. Sie dachte: „Katerlaune." Sie kannte dergleichen. Da begann er von Herrn Droesigl zu erzählen, von seinem Reichtum, er wäre gut angezogen, er ritte ausgezeichnet. Endlich schloß er mit der jähen Frage:
— Gefüllt er dir nicht?
Sie lachte gerade heraus':
।— Wie kann man nur Droesigl heißen.
Na, jeder muß doch einen Namen haben.
— Wer Droesigl, ausgerechnet Droesigl?
Graf Kölln herrschte sie an, wie er sonst nie zu seinem Lieblingskinde sprach:
— Es kann nicht jeder Prinz sein. Hohengart reitet wie eine gesengte Sau, Droesigl erster Klasse. Was hast du überhaupt gegen den Namen Droesigl? Die sind so alt wie wir. Patrizier, die schon vor den Kreuzzügen Stadtverordnetenvorsteher von Zürich geivesen sind.
(Fortsetzung folgt.)


