Donnerstag den 27. Januar
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fanden ist. Er findet, aber, ich müsse heiraten. Und ich habe auch Ne Absicht zu heiraten.
Wern Grafen dauerte das Gespräch schon viel zu lange.
— Na ja, mir ist gestern abend erzählt worden, Siö hatten sich bei dem Ministertöchterlein 'n klernes Körbchen:
$ ' Herr Droesigl antwortete mit gerunzelten Brauen:
— Ach, das war ja eine Dummheit, das hatte mehr mein Vater gemacht! — I h> sagte Ihnen ja, mern Daten möchte mich verheiraten. Ich wollte nicht. . .
Der Graf klopfte ihm auf die Schulter:. . ,
— Haben Sie ganz recht. Man iveiB nie, wie s abläuft. Und nu wollen wir fooit unserer Angelegmrhert sprechen. Lassen Sie die dumme Heirateret bleiben. Brite!
Er wies auf einen der Lederstühle am Kamin, rn dessen Herdstelle ein Darrerbrandofen eingebaut war. Der alte Graf setzte sich gähnend. Bei seinen vierundsrebzrg Fahren lag ihm die Nacht doch in den Gliedern.
Mer Louis Droesigl blieb stehen: ,
— Herr Graf, ich bvar bisher auch dreier Ansrcht. Aber ich muß Ihnen gestehen, ich bin anderer Ansicht geworden..
— Na nu, seit wann denn?
Seit gestern.
— Na, hier ist doch keine Gelegenheit.
Herr Droesigl trat näher an den Grafen heran, den die dünnen Beine immer weiter von sich streckte, daß drS Sporen den Teppich ritzten: , , 1
— Ich habe hier die jrrngen Gräfinnen ternten gelernt, und es würde mir außerordentlich schwer smlen, fortzu-- qehen. Deswegen können Sie denken, wie Ihre harten Worte mich diese Nacht verletzt hatten. Ich wollte Ste nämlich bitten, mir eine Ihrer Töchter für das Leben an- znvertraucn.
Der Graf sah ihn mit großen Augen an:
— Eine meiner Töchter?
— Jawohl. ,, ,
— Na, ich muß Ihnen offen gestehen, den uradtttonen meiner Familie entspricht das nicht. Ich weiß auch nicht, ob Sie sich l-e;t uns wohl fühlen würden. Merne Tochter Hohengart zum Beispiel würde gewiß keine angenehme Schwägerin sein. _
— Ich bin der Prinzessin meines Wissens nur auf dcu Artigste begegnet. Und bitte, Herr Graf, ich möchte auch betonen, wenn ich die Ehre haben könnte, Jyr Schwwgev- sohn zu werden, so tväre das ttnr der Person Ihrer Tochter wegen. Pekuniäre Beweggründe liegen mir fern. Ja, ich würde nicht einmal eine Mtgift annehmen.
Graf Kölln hatte seine. Geldnot vergessen. Ihm kam dieser putzig ideale Droesigl lächerlich vor, und er sagte, indem er wieder auf einen Stuhl deutete:
— Bitte, decken Sie Ihre Karten auf, um int Bilds von gestern abend zu bleiben ...
— Herr Graf, es ist nichts Unerklärliches, wenn ich Mf die Mitgift keinen Wert lege. Mein Vater hatte ein«
Droesigl.
Roman von Georg Freiherr« von Ompteba.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Gräfin Patsch kam yereingesprungen, reichte Herrn Droesigl kurz die Hand und bat ihren Vater, mit ihr stuszureiten.
Graf Kölln schob sie zur Seite:
— Ich kann jetzt nicht. Wir haben was zu besprechen.
Aber sie tanzte um ihn herum!:
— Väterchen, du tust's doch!
Herr Droesigl fragte:
— Gräfin, darf ich mich zur Verfügung stellen? Ich bin in fünf Minuten unrgezogen.
Sie sah auf seine langen Hosen:
— Binden Sie sich doch einfach einen Riemen um! Damit lief sie hinaus.
Herr Droesigl sah ihr nach, dann schien sein Entschluß gefaßt:
— Herr Graf, gestatten Sie mir von etwas anderem tot reden. Mein Vater hat mir ein eigenes Vermögen überwiesen, das ich wohl sehr erheblich nennen darf. Dazu kommt das Erbteil meiner einigermaßen wohlhabenden Mutter; eine siebenstellige Zahl. Es ist bei uns kein neu- erworbener Reichtum. Ein Droesigl war schon vor der Reformation Bürgermeister von Basel. Es wäre uns ein leichtes gewesen, durch mannigfache Dienste, die !vir geleistet haben, den Adel zu erwerben, aber meine Vorfahren . . .
Graf Kölln fuhr in seiner scharfen Art dazwischen: — Das wird mich ein ander Mal sehr interessieren. Jetzt müssen wir die schwebende Sache in Ordnung bringen.
Herr Droesigl preßte die Lippen aufeinander:
— Bitte, Herr Graf, Sie werden gleich sehen, warum mir daran liegt, daß Sie wissen, tote ich nicht hinterM Zaun gefunden bin. Wir sind eine alte Familie. Wir sind in außergewöhnlich günstigen Verhältnissen. Bei dem Charakter meines Vaters, der außerdem ein hervorragender Parlamentarier ist, kann ich mich um das Geschäft nicht kümmern, denn er würde einen Mitregenten nicht dulden. Er hat mich eigene Wege gehen lassen. Ich bin überall in erster Gesellschaft gewesen, ich darf sagen, daß der Fürst Fraisheim-Fraisheim mich jedes Jahr bei sich zur Gems- jagd sieht, daß Lord Fitzvenor, dereinsttger Herzog von Hattenrow, mich seinen Freund nennt. . .
Graf Kölln unterbrach ihn ungeduldig:
— Das haben Sie mir schon zweimal erzählt — einmal vor drei Tagen nach Tisch und vorigen Donnerstag nach dem Hällali beim Nachhausereiten.
Herr Droesigl stand da, die Absätze geschlossen:
— Herr Graf, Sie sollen nur wissen, daß mein Vater mit meinem Leben außerhalb der Geschäfte ganz einver-


