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22. Januar wurde nach dem Bericht des Sekretärs Medel auch das medizinische und i u r i st i s ch e Auditorium durch die Grenadiere „mittelst gebrauchter Horbcl(?)" (Hebel ?) aufgesperrt. ..Folgenden Tages sind sogar die subsellia Professornm nebst dem forderen Thcil des Cathedcrs und das Zwerch übergehende Geländer abgebrochen worden." Am 23. Januar wird berichtet, „das; man sogar auch Vor den aufgestellten Porträts, deren fürstl. Hundatorum nicht die allergeringste Achtung bezeiget, und mit Beyseitsetzung alles rcspects, den Orth zu einer Pestidentzialifchen cloac zu machen im begriff ist".
Im Januar 1759 schickte der General Du Mesnil den Kommissar Maupassant nach Marburg, um der dortigen Regierung anzuzeigen, daß innerhalb 15 Tagen „1100 Cordes de bois" nach Gießen geliefert werden müßten. Rektor und Senat werden in Marburg vorstellig, damit der llniv er sitä ts wa l d „Calber n e r Wald" (den die Gießener Universität 1650 bei der Rückverlegung von Marburg nach hier als Abfindung erhalten hatte) nicht berührt werden. Der Oeconomus Medicus von Marburg berichtete an den hiesigen Senat, daß er des Försters Sohn in Caldern beauftragt, habe, über den Calderner Wald zu warhen. Man habe bereits die schönsten Buchen in anderen Wäldern zu B a l l i s a d e n in Gießen hauen lassen und 2000 Klafter Holz müßten noch geliefert werden. Das Holz sollte nach Gießen geliefert werden, weil der Marschall Des Sallessich hier aufs ä u ß e r st e halten müsse, wenn „Hessen und Hannoveraner Miene machten, auf Gießen los- z u g e h e n". (Der Herzog Ferdinand v. Braunschweig plante um diese Zeit mit den Hessen, Kasselschen und hannoverschen Truppen den Marsch auf Frankfurt, wo er denn auch später, am 13. April, den Angriff auf Bergen gegen B r o g l i o machte. Sein Weg führte allerdings nicht über Gießen.) Aus Furcht vor dem Herannahen der „alliierten" Armee wurden zwei Außenwcrke am Seltersberg und an dem Neu- städter Tor angelegt. Auch wurde Befehl gegeben, sobald Hessen und Hannoveraner in Anmarsch wären, sollten alle Bäume And Gartensträucher rings um Gießeir abgehauen werden. Der Landesfürst lehnt cs ab, in der „Caldener Waldangelegenheit" etwas zu tun, da es nicht tunlich wäre, „inzwischen alles nni> jedes, sonderlich künftige Dinge, so in der Besorgniß beruhen, bey den vor Unser fürstl. Haus und Lande dcr - mahlen ohnehin nicht zum besten gesinnte com - mandirende französischen Generale anzubringen".
Am 8. März mußte die Disputation (Doktorprüfung) des cand. iur. Th. Makinkrot aus Dortmund, weil jedes Auditorium im Kolleggebäude als Lazarett benutzt wurde, int „Paedagogio" (Gvmnasium, Ecke Sonnenstraße und Neuen Bäue: ein ehemaliges Antoniterhaus) gehalten werden, „die renunciatiou (Verkündigung) aber in der Wohnung des Dekans Jenicken verrichtet werden."
Mm 31. März wurde auf französischen Befehl der hessische P o st e n vor dem Kolleggebäude eingezogen und die .Bewachung des Gebäudes lediglich der französischen Schildwache Aderlässen, so daß das ganze Universitätsgebäude „den franzosen Vollends Preiß gegeben". Der Landesfürst entscheidet am 15. April, es möge zur Zeit dahin sein Bewenden haben, „maßen mt übrigen wenn ein solenner actus daselbst vorgenommen, der Posten in so lange, asls solcher andauert, jedesmalen wiedeo gngestcllt werden kann".
pto im Dezember 1759 Gießen blokiert wurde, verwandte stch der Rektor bei dem General Du Blaisel für 30 Studenten vom Land „d u p a i s" (von auswärts), die kernen Mittagstisch And kern Holz mehr hätten. Man möge ihnen erlauben, nach Hause zu gehen. Das Gesuch wurde von dem Baron Du Blaisel genehmigt. Am 1. Februar 1760 bitten die Professoren um Befreiung von den Einquartierungslasten. Sie hätten nun 14 Mo- uche dieses Ungemach erduldet, und jetzt noch müßten sie, obschon die Besatzung schwächer sei, noch den Einquartierten Licht und Holz stellen. Diese Last würde um so mehr empfunden, „indem betz dermahligen ohnehin sehr Theueren Zeiten der Universität Revenuen, folglich auch dre Besoldungen außen bleiben und Uns genötigt gesehen, das Unserige zuzusetzen, anderer Ungemach zu ver>chweigen, daß das ganz und gar ruinirte Colleg wieder große
i fordert". Das französisä>e Öberkommando
lehnt es ab, Erleichterungen zu schaffen, „zumal der Soldat und Offizier ohnedies m Gießen nicht zum besten einquartiert wäre". Auch eine Vorstellung wegen Entschädigung des zerstörten „ob- servatorlum astronomicum" (befand sich aus dem alten Universitäts- gebaude), in dem man smntliche Gefäße und Instrumente zerstört und eine große Anzahl Kupfer geraubt hatte, blieb erfolglos
am 27. Marz 1761 gehen Beschwerdeschriften an den Landesfurs.en ab, in denen um Ersatz für die Beschädigungen gebeten w/rch die durch die Internierung der Kriegsgefangenen von der teE^ctl 7lrmee in Kirchen und Schulgebäuden, hauptsächlich im '„Paedagoglum entstanden seien. Es wurde unter anderem an- aefuhrt, daß man m dem für ganz Deutschland, hauptsächlich für Das Lessenland. so unglücklichen Krieg, der beständige Durch- knarsche, Fouragierungen gebracht habe, und durch die „den ruin aller Unterthaneit nach sich ziehende Einquartierungen" es auch hätte erleben müssen, daß man am vergangenen Ostertag die von
dem Korps des Erbprinzen von Braunschweig eingebrachten Krickgs- gefangenen in die Stadt- und Burgkirche, in das Paedagoginnis und in die Mädchenschule einquartiert habe, zügellose Mannschaften feien ohne Vorwissen des „Paedagogiarchen" (Professor Benner) tn die Stuben, „wo die Lehrstuben des Paedagogium" gewaltsamere weise eingedrungen. Für die Universität sei dies besonders empfindlich, als sie im Paedagogium, „nach Verwandlung des Col- legii in ein Lazarett ihre actus publicos dort halten müßten". Am 29. November 1762 schlägt der Professor Benner vor, beim! Hof eine Vorstellung einzureichen, daß der Schaden französischer-! feits ersetzt werde. Es sei dies dringlich, „da die Fran-t zosen am ein packen begriffen sin d". Vor allem! möchte das Kolleg in den „statun quem restuiret" werden. Dem Fiskus sei dies nicht möglich. „Es «ist die höchste Billigkeit, daß der König in Frankreich vor seine Soldaten ein Lazaret halte, nicht der siscns acca- demicus zu Gießen." Die Reparaturen int Observatorium und in den Hörsälen erforderten mindestens eine Ausgabe von 2000 Talern. Mit einer gleichen Vorstellung wandte man sich an den Kommandanten Du Blaisel. Dieser versprach, sich in Frankfurt bei dem Oberkommandanten, dem Prinzen v. Soubise, fürl die Universität zu verwenden, und zwar „avec tout le zsle, dont! je puis" (so viel in seinen Kräften stehe). Die Verweisung des! Kommandanten Du Blaisel bei Soubise hatte keinen Erfolgs Noch int Dezember 1763 mußte sich die Universität direkt an den! König von Frankreich wenden wegen Erstattung der Reparaturkosten am Kollegienbau. Nach den beigefügten Rechnungen wurden; int einzelnen liquidiert für S ch re in e r ar b e i t en: 2078 sl.> für Glaserarbeit: 1157 fl., für Steindeckerarbeits 1010 sl., für Maurerarbeit: 85 ft., für Schlossen-, aröeit: 166 sl., für Weißbinderarbeit: 1736 sl., für! Zimmeravbeit: 150 sl., für Reinigen der Räume! (Putzen): 21 fl., für Wohnung und Umzugskosten der! beiden auslogierten Pedelle während vierer Jahre: 400 fl., insgesamt 6 8 0 3 f l. — 11 567 Mark. Dazu kamen noch die nicht liquidierten Verluste, hie die Universitätsvogteien inj Grünberg und Alsfeld durch Fouragierungen, Einquapi tierungslasten und Schadloshaltung der Gutspächter erlitten.
Ob Frankreich jemals die Schadenrechnung der Universität beglichen hat, muß bezweifelt werden.
Erst im Dezember 1762 wurde das Kolleggebäude geräumt^ Und damit werden die Franzosen auch die Stadt verlassen haben, nachdem sie vier Jahre, obwohl Freunde und Gäste des Landes- sürsten, sich nicht freundschaftlich in der Stadt gezeigt hatten. —■ Schildern aud> nur die Universitätsakten die Drangsale, die haupt- sichlich die Universität während des siebenjährigen Krieges zu erdulden hatte, so geben sie hoch ckuch int allgemeinen eint Bild von der bedrängten Lage, in der sich zu dieser Zeit dick ganze Stadt befand. —6—,
humoristisches.
* In der Kinderstube. „Was wollen wir spielen?" ■=> „Mann und Frau!" — „Ach ja. Du kannst anfangen!" — „Uchh halt' ich dich doch bloß nicht geheiratet."
* Der Nächst e. „Jetzt hat Fran Zänker schon den dritten! Mann verloren —. ist das nicht traurig?" „O freilich für den vierten!"
Sitatenrätsel.
Aus jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, so daß stch ein neues Zitat ergibt:
1. Weißt öu, worin der Spaß des Lebens liegt? —
Sei lustig I Geht das nicht, so sei vergnügt!
2. Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.
3. Glück ohne Ruh, Liebe, bist du!
4. Mehr Kredit als Geld: So kommt man durch bte Welt»
5. Tas geht nicht zu mit rechten Dingen.
6. Mittagsschlas ist ein brennend Licht am Tage.
7. Im engen Kreis verengert sich der Sinn.
8. Müdigkeit schnarcht aut dem Stein, und Trägheit findet hart das Daunenbett.
9. Alles in der Welt läßt sich ertragen.
10. Tie Wahrheit ist vorhanden iür den Weisen, Die Schönheit für ein fühlend Herz.
Auflösung tn nächster Nummer;
Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer:
1)8 c 7 — b 5 K c 6 n. b 5 oder A. u. B.
2) D h 3 — d 7 + Beliebig.
3) D d 7 — a 4 seht A.
1)..... . L f 1 tt. b 5,
2)Dh3 — e8+ L d 8 — c 7.
3) D e 8 — e 8 seht Matt.
B.
1) ..... . e 5 — o 4.
2) S b 5 — a 7 4- Keß — c 5 oder — e 7,
3) D h 3 — a 3 oder c 8 setzt Matt.
Keöattton: K. Neurath. - Rotationsdruck und Vertag der Bruhl'Ichcn Universitäts-Buch- und Steindruckereh R. Langö, Gteßew


