Mittwoch den 26. Oktober
’OPHiE?
Friedel halb-süß.
Montan von Fedor von Zabeltitz.
Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
.Nun war Fritz doch erstaunt. „Sapristi," rief er, „das tft tn der Tat eine interessante Neuigkeit! Eldringen hat sich ja freilich schon öfters als Champagneragent versucht. Um Beschäftigung zu haben, wie er sagt. Aber er hat nie sehr glücklich operiert."
, „Jrroy hat ihn nach drei Monaten entlassen; bei Sou- tarne und Kompagnie dauerte es nur ein paar Wochen; guletzt vertrat er eine Lothringer Firma, und da wäre es beinah zu einer Klage gekommen."
„Kothe meint, er habe mit den Provisionen Dummheiten gemacht," warf Feßler ein.
„„Ist schon möglich," entgegnete Fritz. „Und nun hat er sich an Miquelon fils herangemacht."
„Was. nicht weiter auffällig wäre," sagte Kesselho!tzi, >,wenn Miquelon fils es nicht liebten, uns zeitweilig durch ihre Ueberraschungen gin erfreuen. Die letzte war die unvermutete Anmeldung ihrer Marke Exeelsior."
„Das hat aber mit Eldringen nichts zu tun," entgegnete Fritz. „Ich gebe zu, daß die Verbindung der beiden Namen Mich im ersten Moment auch stutzig gemacht hat. Indessen: was liegt denn por? Mir fällt em, daß die Epernayer ihren letzten Rheinagenten nach Newyork geschickt haben —"
„Den Jonas Lichtenberger — es stimmt."
„Nun also. Eldringen wird das gehört Und sich um die vakante Stelle beworben haben. Daß uns der Herr Graf eine unsympathische Persönlichkeit ist, wird die Miquelons nicht stören. Es könnte höchstens ein Reiz mehr für sie fein. Wer steht denn jetzt übrigens an der Spitze der Firma? Leben Vater und Sohn noch?"
„Graf Ernest Hoche, der Sohn, ist meines Wissens vorjährig in Biarrih gestorben. Richtig —- jetzt entsinne ich mich: ihn hat beim Baden der Schlag gerührt. Da ist der alte Graf — Alfred heißt er, glaube ich — jetzt der alleinige Chef des Hauses. Hat aber, irre ich nicht, einen Schwiegersohn, der wohl auch in die Firma eintreten dürfte — wenn er ihr nicht schon angehört."
„Außerdem ist eine Tochter da," sagte Fritz, „die mit einem Marquis d'Argenteau verlobt ist."
.„Möglich," nickte Ke,sselholz. „Kennen Sie die Fa- Milienverhältnisse näher?"
„Nein, ich kenne sie gar nicht, und deshalb fragte ich auch. Aber ich bin einer sehr niedlichen Komteß Hoche eben vorgestellt worden."
Kesselholz sah ihn verwundert tot. „Was? Wie? «Einer von den Hoches? I herrjeh — aber wie ging denn das zu?!"
Aller Augen am Tische richteten sich neugierig auf Fritz. Der erzählte kurz, was geschehen war. Das inter-
essterte Kesselholz natürlich ungemein. Er wurde ganz auf«! geregt. „Zackerlot," meinte er, „da hätte man sie gleich ansfragen können! Von wegen der Marke- Exeelsior und von wegen Eldringens."
Fritz lachte. „Bester Kesselholz, ich taxiere, die kleine Hoche hat gar keine Ahnung von all diesen Dingen! Sie macht den »Eindruck, als ob sie dem Geschäftlichen absolut fern stehe. Was auch begreiflich ist. Ein junges Komtessel, das einen Marquis heiraten will, wird sich den Geier um Flaschenetiketts und Agentenwirtschaft kümmern! In Eper- nah gibt es einen Champagneradel, hei uns nur eine Schaumweinbourgoisie."
„Ich bitte," rief Feßler, „sagen Sie wenigstens ein Sektpatriziat!"
„Ich sage es: also ein Sektpatriziat. Es klingt entschieden vornehmer."
„Und diese junge Gräfin oder Marquise oder was sie ist," fragte Dora, „tat sie sehr hochmütig, Herr Friedel?"
„Keineswegs, Fräulein Dora, nicht einmal herablassend. Sie entsann sich sogar mit sichtlicher Freude aus der Familienchronik, daß ihr Urgroßvater dermaleinst in unfernt Geschäft tätig gewesen ist."
„Das ist alles mögliche," meinte Kesselholz. „Ich habe sonst ein ausgesprochenes Mißtrauen gegen die Mitglieder des Hauses Miquelon"
„«Ein angeborenes, Kesselholz, und ein ererbtes. Und deshalb sehen Sie auch in dem Engagement Eldringens! eine Gefahr für uns."
„Sehe ich gar nicht," erwiderte der Prokurist; „W wünsche ihm gute Geschäfte."
„Er ist ein großer Ekel," sagte Feßler.
„Er hat einen so sehr gefräßigen Unterkiefer," fügte Dora hinzu. Sie hatte inzwischen eine Zigarrenkiste gebracht und präsentierte sie Fritz. „Es ist Vaters beste Sorte; Herr Friedel. „Veritas" steht darauf. Aber es kann auch eine Lüge sein."
„Dann soll sie erst recht in Rauch aufgehen. . . Er nahm eine Zigarre und zündete sie an dem Streichholz an, das Feßler ihm reichte. . . . „Merkwürdig," fuhr er fort, „daß wir allesamt den Eldringen nicht leiden können; Und hat uns eigentlich nie etwas getan. Ist immer höflich und liebenswürdig."
„Nicht W bestreiten," entgegnete Kesselholz und hielt dann einen Augenblick inne. Ihm war eingefallen, daß Eldringen auch lauge int Hause seines Chefs verkehrt hatte; da wollte er vorsichtig sein. . . . „Mer man spricht so allerlei über ihn. Mit seiner Frau soll er völlig zerfallen sein."
„Kein Wunder," sagte Feßler. „Sie lebt ganz einsam in ihrer Billa iam Neroberg, nur in Gesellschaft zweier Krankenschwestern und eines alten Weibes, das sie mit sympathetischen Kuren malträtiert. Inzwischen reift er umher und nährt sich vom Jeu. Drüben bei HelldorfS soll ganze Nächte durch gespielt werden."


