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M Michael Naließ', beit Sie ünMeWerwei-se M 30 Mark, f»W llttb schreibe dreißig Em, verurteilt Haben/'
Trotz des Zorns über die allzu gründliche Herrichtung ferner Aachen legte der Assessor noch ein letztes. Zehnmarkstück M bte Mene Wunde des. Untröstlichen. —: =-• : \ . 1 ; i.
III. f
Um Vorabend des Jagdtages erhielt Hellmut Quedenfeld Noch einen sehr freundlichen Brief, in dem der Forstrat mrtteube, daß er selbst an dem Treiben nicht werde teilnehmen können.. Vs wären in den letzten .Wochen so unerhörte nächtliche Wilddiebereien vorgekommen, daß die einschlägigen Vernehmungen kernen Tag Aufschub duldeten. Er erwarte am Jagdtage mehrere Gendarmen und Forstbeamte, die den Wilddieb an verschiedenen Stellen gesehen hätten und eine genauere Beschreibung lieferst Tonnten. In einem Falle wäre er beim Aufbrechen eines Bocks beinahe gefaßt worden. Leider sei das Wild vielfach vergrämt Und in die benachbarten Forsten hinübergewechselt. Er befürchte deshalb sehr, daß ein verwöhnter Jäger nicht zu seinem Rechte kommen werde. Sollte der Assessor sich aber doch zur Beterügung entschließen, so möge er sich am Rendezvous-Platze an Herrn Oberförster Kammler wenden. Nach dem Treiben würden er, der Forstrat, und seine Familie sich sehr freuen, den Herrn Assessor bei sich zu Tisch zu sehen,
Hellmut Quedenfeld war überglücklich. Da der erste Zug, der ihn in zehn Minuten nach Station Schwändten bringen sollte, früh 3 Uhr 6 Minuten ab ging, schlief er überhaupt nicht. Er studierte noch etliche Theorie über Treibjagden und war schon vor Halb drei in voller Ausrüstung am Bahnhof. Um! die Zeit hinzu- bringen, schwenkte er zu einem Spaziergang in den benachbarten Residenz-Park ab, i
Es mußte etwas Wahres sein an dem, was Michael Kaließ vom Jagdfieber erzählt hatte. Der Assessor war noch nicht einmal an Ort und Stelle — Und schon spürte er eine ganz seltsame Aufregung. Seine Nase, die ihm in der Richtung schon manchen Kummer bereitet hatte, glühte fühlbar, und seine Hände waren derart unruhig, daß er den Drilling wiederholt an die Wange hob, um zu erproben, ob er überhaupt zu einem sicheren Anschlag kommen werde,
„Himmeldoimerwetter, was treiben Sie hier!?" wurde er plötzlich von einem Manne angerufen, der aus. einem. Seitenwege heraustral. <
Hellmut Quedenfeld erklärte harmlos und höflich die Situation. Aber er schien nicht viel Glauben zu finden, denn der Park- Wächter musterte ihn im Zwielicht mit großem Argwohn -und folgte ihm auf dem Fuße nach dem Bahnhof. Hier tuschelte er eifrig mit zwei Forstbeamten, die eben auf einem ländlichen Fuhrwerk angefahren waren. Einer von ihnen hatte einen Hund angelernt. Als dieser von dem vorübergehenden Assessor Witterung bekam, geberdete er sich wie wahnsinnig. Wutkläffend suchte 'er den Riemen zu sprengen. Und auf dem hellen Bahnsteig taten die beiden Forstleute plötzlich auch sehr aufgeregt. Während der eine mit dem heiseren Rufe: „Ich telephoniere!" in das Tele- -graphenbureau des Stationsgebäudes rannte, heftete der andere Mit dem rasenden Köter dem Assessor sich an die Fersen. Als der Zug endlich einlief, stiegen beide trotz ihrer Fahrkarten dritter Klasse mit in die Zweite. Hier postierte sich jeder an eine Tür t— und wenn Blicke Dolche sein könnten, wäre der Assessor! aus tausend Wunden blutend, zusaMmengebrochen.
Ob all dieser befremdlichen Erscheinungen war Hellmut Que- denfeld höchlichst verwundert. Sein Befremden wandelte sich aber in maßlose Bestürzung, als er auf Bahnhof Schwandte.n von einem Gendarmen in Empfang genommen wurde.
„Also haben wir ihn endlich-! Unb — hol mich dieser und jener — er ist es wirkst ich! Die Husarenjacke, der spitze Hut Mit der Feder und die rote Nase. Wartet mal — fehlt nicht die grüne Strippe hier irgendwo? Richtig, am Aermel! Stimmt alles ganz genau. Den großen Schnurrbart trägt er natürlich Itur auf den Schleichfahrten im Wald. Wir werden ihn schon finden, den Schnauzbart. Also nun mal dalli, mein Jungchen! Das zweite Mal kommst du mir nicht aus. Vorläufig bis acht ins Kaschott — und dann aufs Forstamt, wo man dir die Karbonade wohl scheuern wird."
Alle Einwendungen und Legitimationsnachweise halfen nichts. Der Gendarm und die Forstleute lachten ihn aus. Sie -waren wie von einem Siegestaumel befallen.
Erst vor dem vergnügt schmunzelnden Forstrat klärte sich der Mißgriff und — nach einer offenen Beichte Qu.edenfelds. auch feine Ursache auf.
Der Assessor war längst mit Asta Weigelt verheiratet, ja -er hatte schon ein Töchterchen, das auch Asta hieß und ebenso schöne blaue Augen hatte wie die Mutter. Immer wieder über ljeß er einen gewissen Steckbrief erneuern.
Michael Kaließ hatte jedoch zu viel Familiensinn. Er konnte sich von dem Eheglück der Tochter einer verwitweten Cousine sein.es' Stiefbruders, nicht trennen Und blieb, verschwundem
Vermischte».
* Die' Romantik des großen' Loses. Die Ge- schichten von glückbringenden Lotterielosen, von verlorenen und wiedergefundenen Unterpfänder des Glückes, wird durch ein romantisches Ereignis bereichert, das sich vor kurzem in Brüssel, zugetragen hat. Die Ziehung der Ausstellungslotterie hatte stattgefuiiden, von allen Seiten strömten die vom Glück begibt* fügten Gewinner herbei, um ihre Preise abzuholen, mir für das große Los von 200 000 Frs. Meldete sich niemand. Woche uM Woche verstrich, und man zweifelte schon, ob je der Besitzer des Loses wieder auftauchen würde, als er plötzlich unter ungewöhnlichen Umständen aufgefunden wurde. Wenige Tage vor dep Ziehung war ein junger belgischer Bergmamr bei der Arbeit durch einen fallenden Stein getötet worden. Nach den in sementz Berufe herrschenden Sitten wurde er in seiner Bergmanns* uniform, in seinem besten Anzuge, zur letzten Ruhe bestattet-: Die Beerdigung war längst vorüber, als bekannt wurde, daß er kurz vor seinem Tode noch ein Lotterielos gekauft hatte. Mit! Genehmigung der Behörde wurde sein Körper exhumiert, und ist der Westentasche fand man das vermißte Los: es hatte beit Haupt*, treffet gemacht. — Eine englische Wochenschrift erzählt in Anknüpfung an btefe Geschichte von dem Unglück eines kleinen Geschäftsmannes, der sich mit. seinem ersparten Gelde vier Lotterielose kaufte. Er erhielt vier aneinander liegende Zahlen, und da' er das für eine schlechte Chance hielt, tauschte er wenigstens' eines der Billetts UM. Man kann sich leicht vorstellen, wie bitten er das bereute, als kurz darauf bei der Ziehung dies umge- tauschte Los mit einem Gewinn von 400 000 Mk. herauskam, — Mehr Glück hatte eine französische Witwe, Mine. Hoser, die sich als Kantinenwirtin eines Dragonerregimentes ihren kärglichen Lebensunterhielt verdiente. Eines Tages beschloß sie, „dem Glück die Hand zu bieten" und drei Lose einer großen Lotterie zst kaufen. Die Nummern 2171, 2172 und 2173 wurden ihr angeboten. Sie lehnte es ab, das letzte Los anzunehmen, wem es ihre Unglückszahl, die Drei, enthielt. Statt dessen bekam sie Nummer 2174 und war auch völlig zufrieden. Ihr Instinkt! behielt Recht, 2173 blieb ohne Gewinn, aber 2174 machte den' Hauptreffer mit 800000 Mark. — Merkwürdig ist der Fall eines Mechanikers aus Coruna, der drei Nächte hintereinander auswachte mit der Vorstellung, dach ihni die Zahl 125 869 zu- geslüstert worden sei- Der Vorfall machte auf ihn so tiefen Eindruck, daß er wochenlang nach diesem Lolterielos fahndete jtnbi es endlich auch fand, gerade tn dem- Augenblick, als ein wohlhabender Bürger der Stadt das Los als eine Unglückszahl zurückgegeben hatte. Wenige Tage später war der junge Mechaniken Besitzer eines Vermögens von 400 000 Mark, fein Los hatte! den ersten Preis gewonnen. Kurz darauf ereignete sich wiederum' vor -der Ziehung der spanischen Lotterie ein anderer merkwürdige^ Glücksfall- Ein Zettelankleber in Madrid sah eines Morgens eine alte Dame auf dem Trottoir ausgleiten und hinsallen. Er warf seinen Pinsel und seine Plakate beiseite und half der altest Dame, in der Hoffnung, irgend eine Kupfermünze als Belohnung zu erhalten. „Ich habe kein Geld bei mir," sagte die Dame, „aber hier, hier haben Sie ein Lotterielos, möge es Ihnen Glück bringen." Es war ein Zehntellos bet großen Weihnachtslotterie,: Und es brachte dem galanten Zettelankleber auch Glück, denn es machte einen Hauptgewinn, Und auf den Anteil des Inhabers' entfielen 160 000 Mark.
* Wahres Geschichtchen. Bei dem letzten Hoch- lvasser in Schlesien wurde in einem größeren Dorfe dev höchste Wafserstand an einzelnen Häusern vorläufig mit einem Kreidestrich markiert. Nach einiger Zeit erhält dev biedere Dorfpolizist den Auftrag, die provisorischen Marken mit roter Farbe z-u streichen und das Datum hinzuzufügen- Wie erstaunt ist man aber, als man die roten Marken be- deutend höher angebracht sieht! Der Polizist wird- von dem Bürgermeister zur Rede gestellt und er erwidert pfiffig: „Ich hos habt awing höher gemalt, doß de verfluchten Jungen nit wegkrvtzen können"-- (Aus der „Muskete".).
* Die alteGeschich t e. Pantoffelheld: „Nun hat meins Alte einen neuen Hausschlüssel aus Aluminium' anfertigen lassens aber, ex ist genau fo schwer wie der alte — zu kriegen,"
Logogripy.
Mit „a" ein Vogel, der am Master lebt, Mit „e" ein Bauwerk, das dich mählich hebt, Mit „u" Artisten, Künstler, Komödianten, Die „Mehrzahl" schützt die Ruh' in allen Landen.
Auflösung in nächster Nummer:
Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer r Last' ab mein Herz von Klagen und Sehnen, Es scheint die Sonne durch Regen und Tränen; Es ist kein Leben davon beireit, Ein jedes hat seine Regenzeit, Und Tage, trüb' und traurig. Lougfettow.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universiläts»Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»


