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Ihr blondes Haupt/ auf dessen feinem Wold ein schwarz- sammetner Falter mit brillantenbesetzten Flügeln zitterte, hatte sich z,u ihm geneigt; über dem kleinen Ohr bauschte sich das Gelock; den schlanken Hals umkleidete eine sechsreihige Perlenkette. Fritz hörte" ein leises sanftes Lachen, wie ein Plätschern klingend — und im gleichen Augenblick wandte sich Spannuth mit verbindlicher Miene ihm zu und sagte in einem Tone ausgesuchter Höflichkeit:
„Ganz gehorsamst, Herr Friedel . . . ich freue mich herzlich, Sie einmal wieder zu sehen. Darf ich Sie bekannt machen — ?"
Aber die leichte Bewegung, die er, während er sprach, zu Diane hinüber machte, stockte. Fritz hatte seinen Arm berührt und antwortete rasch, die Stimme ein wenig dämp- fend: „Danke, das ist keine Bekanntschaft für mich."
Gr hatte . englisch gesprochen, nicht als Abschwächung seiner Abwehr, sondern in der Annahme, daß Diane ihn nicht verstehen würde. Zugleich verbeugte er sich und ging rasch davon.,
(Fortsetzung folgt.!
Das erste Treibens
Humoreske von Teo von Rawitsch, v '/‘O.... . 1 ..
Die Beweisaufnahme war beendet. Assessor Quedenfeld flüsterte nach rechts und links einige fragende Worte. Da es die letzte Verhandlung Und hohe Zeit zum Mittagessen war, verzichteten die Schöffen gern auf eine eingehendere Beratung Und nickten Zustimmung. Der Assessor putzte seine, nach langer Arbeit oder sonstigen Aufregungen stark gerötete Nase, bedeckte das Haupt mit dem Barett und verkündete im' Namen des Königs:
„Der Angeklagte ist des einfachen Wilddiebstahls schuldig Und wird zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt, an deren Stelle im Unvermögensfalle 15 Tage Haft treten. Die Kosten des Verfahrens fallen deut Angeklagten zur Last."
Michael Kalics; trat aus der Anklagebank "— kopfschüttelnd, mit der Miene eines Menschen, den der Unverstand des Lebens aufs Haupt geschlagen hat. Tiefbewegt zog er mit der Nase auf, mit einer Nase, die ständig jene Farbe hielt, welche bei Assessor Quedenfeld nur zeitweilig auftrat.
Eben wollte der Verurteilte in einem Winkel des Korridors Seinem Gemüte einen Trostschluck zuführest, als der Gerichts- iener ihn anrief.
„Kommen Sie mal zurück, Kaließ! Der Herr Assessor will Sie sprechen."
„Aha, es ist ihm also doch leid, daß er ’n Justizmord an Mir begangen hat,"
„Dieses weniger. Er will Sie privatim sprechen."
„Privatim bin ich nicht zst Hause, Der Herr Assessor kann Mir--■"
Der Rest verlor sich in einem anhaltenden Kluckern. Nach dieser Stärkung aber folgte er doch der höheren Gewalt. Als er das Amtszimmer betrat, hätte der Assessor den Talar bereits abgelegt.
Na, Kaließ — Sie können von Glück sagen, daß die Geschichte noch so abgelaufen ist. Als früherer Forstmann wissen Sie ja — —"
„Herr Assessor," unterbrach Michael Kaließ würdevoll, „was ich gewesen bin, ist ausgelöscht aus der Weltgeschichte.. Hier kommt bloß in Betracht, was ich bist — ein eMichjer Mensch, den Sie zu 30 Ein verknackt haben,"
„Damit geben Sie sich nur zufrieden, Six können aber ein Paar Mark verdienen, Kaließ. Da ich mich neuerdings für die Jagd interessiere , . . ." . j
Michael Kaließ räusperte sich so gewaltig, daß der Assessor den Frechling stirnrunzelnd Musterte: „Was soll das!"
„Nichts. Mir ist bloß was in den falschen Hals gekommen. Außerdem weiß ich zufällig Bescheid. Seit der Herr Assessor die Tochter von dem Schwandtener Forstrat poussieren —"
„Sie sind ein unverschämter Patron!"
„Nichts für ungut."
Hellmnt Quedenfeld schwankte, ob er sich mit dem Kerl weiter abgeben solle.
In der Ressource hatte der Assessor unter dem Einfluß zweier unvernünftig schöner Blauaugcn und erheblichen Sekts eine schwache Stunde gehabt. Er hatte dem Forstrat Weigelt vorgekohlt, daß er ein leidenschaftlicher Jäger sei. Darauf war ihm eine Einladung zu einer der nächsten Treibjagden in «Aussicht gestellt worden. Da er noch nie einen lebendigen Rehbock gesehen, hieß es nun, die Zeit nützen. Tagelang schon hatte er sich den Kopf zerbrochen, an wen er sich ohne die Gefahr einer Indiskretion wenden könne. Heute im Termin war ihM die Erleuchtung gekommen — und die hieß Michael Kaließ: ein entlassener Forstaufseher aus deut Schlesischen, dem dort wohl her
Boden, zu-heiß geworden-wär und der fürchterlich trank, W übrigen aber, nach den Akten, in St. Hubert seines Gleichen! suchte. Und der Diskretion war der Assessor hier schon deshalb sicher, weil Michael Kaließ allem, was einen grünen Roch trug, in großem Bogen ans denr Wege ging.
Also verständigte der Assessor den. listig Aufhörchenden von! seiner Absicht, sich in die Geheimnisse des. Weidwerks. e.insührest zu lassen.
„Nur so theoretisch, Kaließ. Die jagdbaren Tiere, waust und Ivie sie geschossen werden, und — vor allen Dingen — die richtigen weidmännischen Ausdrücke! Das ist die Hauptsache,"
„Wird mir ein Vergnügen sein," schmunzelte Kaließ, indem er den dicken, wie angeklebt wirkenden Schnauzbart strich, „Soll ich Sie besuchen?" I
„Ich komme lieber zu Ihnen, Sie wohnen doch, draußen^ Bergheimer Chaussee?"
„Sehr wohl, Nr. 14, Herr Assessor,"
„Also gut," — = , , r. ’
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Michael Kaließ erwies sich bei ausgiebiger Anfeuchtung seines inneren Menschen als ein Lehrer, wie ihn der Assessor! gründlicher und verständnisvoller gar nicht wünschen konnte.; Zunächst hatte er die funkelnagelneue Jagdausrüstung zur Stella schaffen lassen.
„O, was ist das fein!" rief er einmal über das aiideräß Namentlich die graue Joppe mit den grünen Verschnürungen! Und das braunrote Spitzhütchen mit.Per hochragenden Fasanest- feder hatten feine volle Bewunderung.
„Sehr schön, Herr Assessor. Aber . mehr.für ’n Maskenball.! Wenn Sie als Papagei gehen wollen, brauchen Sie sich hinten' auf der Büx bloß noch ’n paar gelbe und blaue Federn iw pappen lassen, Kriegt der Forstrat Sie so zu sehen, daun nützt Ihnen nufer ganzer Kursus nichts. .Er stellt Ihnen auf zwef I Büchsenschußlängen keinen Nebenmann; denn er sieht gleich, daß Sie eilt Sonntagscher sind — und die werden auf Treibjagd mehr' gefürchtet wie Cholera und Beulenpest. Aber das werden wist bald ändern. Lassen Sie .mir den Staat hier., In längstens! zwei Wochen ist er revierfähig. Und wenn Sie früher nach Schwandten sollten, dann gebe ich Ihnen mein gutes Zeug/ Wir haben ja dieselbe Figur,"
Von Tag zu Tag ward Hellmnt Quedenfeld vollkommenes an Forstverstand und jagdlicher Weisheit, Mit Anpürschen, M-» fangen, Ausbaumen und hundert anderen Vokabeln der Weide mannssprache warf er nm sich herum, daß fein Stammtisch M und I nnd Augen aufriß. ■ i- ■
lind die Geschichte Machte ihm allmählich wirklich. Spaß! Oft schon zog er vor Tau und Tag nach der am Wald sich hini- ziehenden Bergheimer Chaussee. Seltsamerweise traf er seinen! Mentor Hin diese frühe Stunde nie an. So zog er denn al lern! in den Forst. Wenn dann die ersten roten Lichter in den BanmP Wipfeln spielten und die Vögel zu ihrem Morgenkonzert eni- setzten, ward ihm das Herz weit — und' er segnete die Liebch die ans dein Aktenmeuschen einen Naturfreund, ja eineu Natnr> kenner gemacht hatte. i i
Endlich auch die Einladmig nach Schwandten. ; i
„Na, denn gratuliere ich," schmunzelte Michael Kaließ, upi I dem er seinen Schnanzbart strich. „Das paßt alles sehr schön. Angelernt sind Sie, soweit das mit ’m Mundwerk zu machen! I ist. So kann ich also ruhig a6reife.it." •>
„Sie wollen fort?" ■ J .
„Tja. Die Tochter einer verwitweten Cousine meines Stress I bruders macht Hochzeit, llnd da ich sehr viel Familiensinn habe/ I möchte ich dabei nicht fehlen. Was ich übrigens noch sagen wollte/ Herr Assessor — wie wird es bloß mit 'm Schießen. Sie haben! doch noch keinen Finger krumm gemacht aus ’n Stück Wild,"
„Als Soldat habe ich gut geschossen,"
„Aus Scheibe — jawoll! Aber das Jagdfieber, das ,;agd- fieber! Wie leicht kommt es da vor, daß man den HosenbodM eines Treibers für ein Stück Wild anspricht. Sogar den.Kalender und die Geographie vergißt Man. Ich kenne da ciruzil grundehrlichen Kerl, der wegen ein paar Ricken, die er im! Jagdfieber versehentlich zur Schonzeit und auf fremdem Revier! geschossen hat, aus seiner schönen Stellung entlassen wurde, dann' in seinem Kummer das Saufen angefangen hat und vor einigem Wochen wieder mit 30 Mark, sage und schreibe dreißig EM — na, Schwamm drüber!" I
Michael Kaließ zog mit der Nase auf und erhob sich schwer- fällig. „Ich werde Ihnen jetzt Ihr Jagdzeug geben. Es ist iitnn alles in Ordnung," sagte er.
Die Sachen waren kaum wieder zü erkennen: Die zzoppe! schmutzig nachgednnkelt; von der Verschnürung am linken Aermel! fehlte ein Stück; cs schien gewaltsam abgerissen. Und das spitze Hütchen mit der Feder fühlte sich noch feucht an,
„Zum Donnerwetter," muckte der Assessor auf, „was habest Sie denn gemacht!" _ , t. _ . ■
„Ein bißchen an die Luft gehängt. Damit die Konseklchost rausgeht. Natürlich nur nachts — sonst hätten ja die Eichkatzen' gelacht. Sie können jetzt aber sicher fein, daß Man, Sie nuÄ äuslachen wird, Herr Assessor. Mäst wird Sm lehr ernst nehmest, Menn Sie also im Glück schwimmen, dSM spuken ßW


