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Montag den 26. September
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Friedel halb-süß.
Koinan von Fedor von Zobeltitz.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Es tvar ein junger Mann, der an beit Garderobeständen borüberschlenderte und sich mit den: Taschentuch die tropfende Stirn trocknete: das Paradies schien für ihn mehr Fegefeuer gewesen zu sein.
„Tag, Herr von Feßler!" rief Fritz ihm entgegen. bDind Ihnen die „Lustigen Weiber" zu langweilig geworden?"
„Zu heiß, Herr Friedel. Ich sitze auf des Olympos Hohe», und da verkehrt sich die Natur. Während es unten noch erträglich zu sein scheint, herrscht oben glühender Sommer. Alles schmilzt — oder hellenistischer ausgedrückt: alles fließt."
Fritz stellte vor. „Durchlaucht gestatteu: Herr von Feßler, Maler und Zeichner, berühmter Plakatist, auch groß im Spottbilde, jedenfalls gefährlicher als Künstler denn als Mensch f— — der Herzog von Abeelen."
„Freue mich sehr," sagte der Herzog und reichte Feßler die Hand. „Sind Sie, wenn ich fragen darf, der Verfasser der „Größen von Diesseits"?"
lieber das blonde Gesicht des Malersmanns ging rasch eine brennende Röte. Er verbeugte sich. „Ich muß es bestätigen, Durchlaucht, füge zu höchstdero Beruhigung aber gleich an, daß von guestioniertem Werke sich kein Exemplar mehr erhalten hat.
„Doppelt gut," ,'meinte der Herzog lachend, „daß ich mir noch ein Exemplar reiten konnte! Sie haben mich trefflich abkonterfeit, Herr von Feßler."
„Ein Zerrbild, Durchlaucht," sagte Feßler verlegen) ber Karikatur gehört das Recht der Uebertreibung."
„Sogar das der Respektlosigkeit, lieber Herr von Feßler. Ich habe über Ihr Buch herzlich gelacht. Warum hat Man Sie angeklagt?"
„Wegen Majestätsöeleidigung, Durchlauchk."
„'Ach herrsch!"
„Außerdem noch aus ffttlicssen Münden. Mer die Beleidigung der Majestät wog schwerer. Wozu ich bemerke, daß kch Monarchist, konservativen Glaubens, sogar ein glühender Legitimist bin. Doch nützte mir dies nichts."
„Man hat Sie verdonnert?"
„Zu drei Monaten Festung. Der Staatsanwalt hatte doppelt so viel Gefängnis beantragt. Auf dem Gnadenwege wurde mir nach vierzehn Tagen Haft der Rest der Strafe geschenkt."
„Sie haben darum gebeteu?"
„Doch nicht. Ich war selbst überrascht über die unerwartete Gnade. Vielleicht hat sich bei Hofe eilt heimlicher Freund meines Stifts gefunden, der ein gutes Wort für tnich in die Wagschale warf."
: Abeelen zuckle mit den Schultern. „Mag sein. Viel
leicht hat auch der Kaiser selbst... Es ist weniger emp-. findlich als seiner Drdnung Hüter. Uebrigens fand ich die Bilder auf den hohen Herrn nur witzig, über nicht verletzend." .....
„Ihr Urteil war leider nicht das. des Gerichtshofs, Durchlaucht."
„Ex est cantus!“ rief Fritz. Ein starkes Geräusch wurde vom Zuschanerraum her vernehmbar: kein Applaus wie sonst, nur das gleichmäßige Rauschen des sich erhebenden Publikums; zwischendurch das Klappern der Stühle. SWtt öffneten die Schließer die Türen zu den Couloirs.
„Ich will machen, daß ich nach oben komme," sagte der Herzog. „Zedtwitz hat tnich gebeten, mich in der Nähe des Hofes zu halten. Au revoir, mes chers!“
Auf der Treppe stieß er auf eineu eilfertigen Herrn mit vielen Orden, der ihn fast umrannte.
„Gott sei gelobt, Durchlaucht, da sind Sie ja!" stöhnte, der Herr. ' । .. .
„Und immer noch fidel, bester Graf!"
Der Zeremonienmeister drängte den Herzog an die Marmorwand und wisperte in ihn hinein: „Der Kaiser HW Cercle. Hülsen hat Kanitz gesagt, daß Sie da seien. Wollen Durchlaucht nicht mit Heraufrommen — für alle Fälle r—?'-
„Ich bin schon dabei, lieber Mas."
„Aber es ist möglich, daß Durchlaucht warten müssen — ?" - i
„Na, da wart ich eilt bißchen."
Der Zeremonienineister tat einen tiefen Atemzug.
„Gott, 'Durchlaucht, wenn alle Welt so verständig Ware!"- Abeelen faßte den verängstigten Hofmann um die Taille.. „Bon, liebster Graf — ich bin heute in hilfreicher Stimmung, ich helfe auch Ihnen. En avant, -n mir scheint, es wird Zeit."
Es eilte wirllich. Ein langer Flügeladjutant drängte sich durch das Menschengewühl und fuchtelte schon von weitem mit den Armen. „Um Gotteswillen, Herr Graf — wo stecken Sie denn? ! Der Tee ist zu "Ende, der. Cercle beginnt."
„Ich kann nicht hexen, lieber Major, ich war äuf der Suche."
,sErbarmen Sie sich, lvo sind denn aber die Kaminer- herren vom Dienst?!" rief der Major..
„Die sind auch auf der Suche."
„Auf was für 'ner Suche?" . .
„Herrjöh, nach den Leuten, die vorgestellt Werden sollen." । . . i
„Die sind ja schon alle oben!" ' 1 ' :
„Das ist nicht möglich, denn den Herzog von Abeelen habe ich mir eben erst eingefangen."
Der Flügeladjutant salutierte. „Habe die Ehre, DchrK laucht. Es ist eine Hetzjagd."
„Ich erkläre hiermit seierlichft," sagte, der Zeremonien- meister, während man die Treppe hinaufstieg, „daß ich mich für keinerlei Wirrungen mehr verantwortlich machen lasse.


