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junüedutgt gegen eins Verbindung sind erschreckt ihn plötzlich wieder, und er fleht:
„Ach, Kind, fühle Dich stark iit mir. Mer, gelt, fühle Dich nicht verlassen, D» hast ja thich. 0, die Saite, die fDn damit in meinem Herzen angeschlagen hast, sie klingt heute «och in ihrer traurigen rrnd gilglesch auch entzuckeudelk .Weise."
Sv weit geht der mir übergebens Brief, aits denk die unendliche Liebe des jungen Lehrers Hu freutet’ Liebsten schön und yoffuungsvvll hervorleuchtet. Um so tragischer empfindet inan das Ende dieser Liebe, die i» der endlich durchgesetzten Ehe nur ein paar Jahre durch gehalten hat. Mitten in dein Lärm von sieben Kindern verliert sich Wich' die Zuneigung Ul seiner Frau, die ihm mit ihrem Vermögen im heiteren, eigene» Häuschen ei» sorger,loses Leben bereitet, bis ihn das Mächtigere erfaßt und ihn hinaustreibt iu dem Strudel der Welt, aus dein er nicht mehr! heimgefunden hat und der ihn zu Qualen und Bitternissen verdammte. So schließt frei» Lebe» wie sein Dichten mit bitterer Resignation.
vergnügliches aus der GekhrLenksionie auf Teneriffa.
Bo» dem Leben, Treiben und der Arbeit der europäischen! G e l e h r t e n k o l o n i e, die sich gegenwärtig auf dem Guararg- berge von Teneriffa znscnnmengefunden hat, entwirft der französische Astronom Jean Mascärt im „Figaro" eilt vergnügliches Bild. Er hat mit den Berliner uridi Wiener Gelehrten zusammen die Fahrt nach Teneriffa angetreten; auf dem Gipfel des Berges. überivachte er die Errichtung seiner astronomischen Station; die Nacht verbrachte er dann ans dem Berge in einem Schuppen, in dessen Nähe auch die kleine meteorologische Be- vbachtilngsstatio» steht, die von Prof. Hergefrell eingerichtet tst und voll Dr. Wenger geleitet wird. „Dabei konnte ich gewöhnlich die Physiologen beobachten, die die Caunadas zu ihrem Tummelplatz gewählt hatten. O Wunder über Wunder! Das waren doch Leute, die auf dem Schiffe völlig bei Sinnett, ja sogar außerordentlich kluge Menschen waren! Und was sehe ich nun hier. Dort liegt im Sonnenscheine einer int adantttischen Kostüme; ernst und gemessen, fast würdig steht ein Freund daneben, die Uhr in der Hand, und bemüht sich, die Nase zuzus-- halten. Jtr den Mund steckt er sich große Kautschtlktüben. Nicht weit davon läuft ein tvürdiger Professor, der gleich einer Mumie über und über mit Bändern umwickelt ist, hastig und unausgesetzt hitl und her, bewegt die Arme und strengt sich an. Ein anderer voUiührt seltsame Uebungen; er hat einen Apparat auf dem Rücken, der wie eine Art.Gasometer aussieht und in diesen Apparat hinein bläst und atmet er so viel er kann. Dort wieder liegt ein anderer in der Sonne, als ob er das Glück erwarte; er hat die entblößte» lArme gekreuzt und auf ihnen liegen zahllose kleine, verschiedenfarbige Glasstückchen. Dan» sehe ich einen lin- glücklichen, der sich krampfhaft bemüht, unausgesetzt dieselbe in einen kleinen Kasttschuksack eingefangene Luft aus- und cinzu- tetineit, ich sehe, wie der kleine Sack anschwillt und sich dann! wieder zusammenzieht. Sein Kollege nebenan sticht sich fortwährend tu die Fingerspitzen, sammelt sorgsam die Blutstropfen in kleine Ballons, die er dann in heißem Wasser über einer ,Alkohollampe hin- und herschwittgl. Am hannlosesteit erscheint mir noch der Unermüdliche, der nun plötzlich im wilden Galopp die Flucht ergreift, sich in eine kleine Dunkelkammer einsperrt und jetzt durch ein zierliches Fernrohr herausschaut. Ich wollte wtsseu, was diese wunderlichen Vorgänge zu bedenkeit hatten, und dann, als endlich eine kurze Pause der Erholung eintrat, erfuhr rä, atich des Rätsels Lösung. Da sind die Professoren Z u n tz aus Berlin und Dttrig ans Wien, die den Atemmechanismus und setnen Zusammenhang mit der Sonne und der Höhenluft studieren Sie untersuchen die Atmung im ruhigen Zustande, dann wahrend der Betvegung, in der Sonne oder im Schatten; die genaue Menge des eingeatmeten Sauerstoffes und die Zusammensetzung der ausgeatmeten Luft soll gemessen und bestimmt werden; dabei iverden Puls, Temperatur usw. beobachtet. Zugleich messen die beiden Gelehrten den Einfluß der Temperatur und der Atemtätigkeit auf die Lchweißbildung; Prof. Dttrig als erprobter Berg- ftetger muß anstrengende Hochtouren unternehmen, er wird vorher .dabei und nachher geivogen und gemessen, die Nahruitgsztiführung abgewogen; zugleich sollen die alkalischen Bestandteile des Blutes Untersucht iverden. Also ivichtige folgenreiche Arbeiten. Prof Douglas aus Oxford will Versuche über den Gesamtumfang des im Organismus kreisenden Blutes anstelle» und über die Möglichkeit der Beschränkungen. Darum atmet er Kohlengase Mn, er vergiftet sich sozusagen systematisch; dann studiert er in verschiedenen Höhen die Zusammensetzung der Blutkörperchen, um zu sehen, ob die roten Blutkugeln sich in der Zahl vermehren Mr ob ihre Gesamtsumme zunimmt; zugleich aber ivird der Einfluß der ttohlengase auf die Lungen gemessen. Professor Barer oft, ebenfalls aus Oxford, derselbe, der sich immer in die rrlitgcr schnitt, verfolgt ähnliche Ziele, er will das Verhältnis
der Mutzusammensetzung zu der Summe des eingealmeleN Sauerstoffs ergründen. Der Berliner Professor Neuberg hat kürzlich entdeckt, daß die organischen Stoffe, die gegen die Einwirkung des Sonnenlichtes iineiupsindlich sind, leicht empfindlich iverden können, wenn man ihnen ivinzige Mengen metallischer Salze zusetzt. Welche Folgen würde das auf die tierischen und pflanzlichen Geivebe ausüben? Darum liegt der Gelehrte hier in der Sonne; aber er verfolgt zugleich heilwissenschaftliche Ziele, er will die Veränderungen beobachten, die die Durchsonnung auf die biologischen Substanzen haben kann. Der Wiener Professor von S ch r ö t t e r, der durch seine zahlreichen Ballonaufstiege! und durch seine Untersuchungen über den Einfluß des ivechfrelnde» barometrische» Druckes auf de» menschlichen Organismus bekannt ist, vervollkommnet auf dem Guajara seine Forschnngeik., Zudem will er mit Hilfe des Spektrums ergründen, durch welche Ansstrahlungen die Blutfülle und der Sonnenstich verursacht werden; darum liegt er hier mit gekreuzten Armen in der Sonnenglut, bedeckt von bunten Prismen und Gläsern. Die wirksamsten Ausstrahlungen sind die ultravioletten, deren Wirkungen in der Photographie eine so große Rolle spielen, die aber, für ein normales .Auge unsichtbar sind."
Vermachtes.
* Der T r u st der M i l l i a r d ä r s t ö ch t e r. Die amerikanischen Milliardärstöchter wolle» keinen enropäilchen Aristokraten mehr heiraten. Fräulein 9t si o r veries ei tuet vor sechs Woche» die Tante» ihres Kreises zn einer 9lrt Versammlung ei» und hielt eine» Vortrag über die Ehe» der voruehmc» amerikanische» Mädchen. „Wir habe» uns lange gemtg blenden lassen", erklärte sie, „und lange genug ivaren wir so töricht, z» glanben, daß es die Krönung itiiscres Daseins bedeute, wen» ivir durch eine Heirat daS 9ldelSprüdikat erwerbetk. Meiner 9lnsicht »ach ist dies eine sehr plebejische Eitelkeit und sie beweist, daß wir viel zn wenig Stolz unb Selbstachtung besitzen. Ich ivill damit nicht gesagt haben, daß wir cs als besonderes Verdienst ansehe» solle», wen» ivir reich sind, daß wir uns daraus etwas zu gute In» solle», tuen» Misere Väter sich große Vermöge» ertvorbe» habe». 9lber wir dlirse» un§ auch »ich!zu gering einschätzen. Wir dürfe» nicht glaube», daß wir gerade gemig gut dafür sind, um irgend einem europäischen Nichtstuer, der nichts sein eigen nennt, als feine alte Abstammung, zur 9tuSbe>>tltiig zu bienen. Meine Damen, Sie luet'be» vielleicht biese Worte elwaS scharf finde», aber nn3 ihne» spricht nnr ei» gerechtes Urteil, daS ans zahlreiche» Tatsache» beruht. Sie wisse»', ivelche» unglücklichen Ausgang so viele Ehei! nuferer Freuudiiineu genommen haben, deren Gälte» nnr ans Geldraub ansgi»ge» und ihre Frauen zum Danke dafür brutal und niederträchtig behandelten. Wir (juben genug davon: Schließe» wir uns zusamme» und vereinige» ivir uns zu einer Art Trust gegen die europäische Invasion:" Diese Worte übte» auf die Versammellen einen Heien Eindruck und tatsächlich kam eine Einigung zustande, nach der sich die Dame» verpflichtete», grn»dsätzlich nnr mehr bürgerliche Eheit einzugehe».
* E i n e n neue n H an s i e r e r kn i f f auf dem Lande benutzte» Händler, um ihre Waren abzusetzen. Sic lassen sich von einem Bekannten ein Telegramm senden etwa des Inhalts: „Baker gestorben, um jeden Preis verkaufen", oder aitch: „Fran ge-- storbc» usw.", ivährend auf einem der Nachbardörfer Mann und Frau. wohlgemut Zusammentreffen. Dieses Telegramm zeigen sic dann unter Heulen und Wehklagen bei der Kundschaft vor und bringen ihre Warcii angeblich weit unter, in Wirklichkeit aber immer noch 50 Prozent über dem Einkanfspreis au dest Mann oder ivohl richtiger an die Frau.
* Ein höflicher Schüler. Häusl (der für den Vater Schunpftabak geholt hat, auf der Straße seinem Lehrer bcgeg-, iteiib): „Darf ich Ihnen vielleicht eine Prise anbiete», Herst Lehrer?"
* W oraus sc tz u n g. .„Herr Doktor, der Maier hat mW Heut ein Rindvieh geheißen — kann ich ihn verklagen.?" . „Wenn Sie keiu's sind, gewiß."
Ramenrätsel.
Anionie — Friderike — Helene — Ida — Krimhilde — Martha — Pauline — Theresia.
Tie vorstehenden Mädchennamen sollen derart geordnet werden, daß der erste Buchstabe des ersten Namens, der zweite des zweiten, der dritte des dritte» nsiv. wiederum eine» Mädchennamen ergeben.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösmig des Rösselsprungs in voriger Nummer: Menschen sind die.Menschenkinder Aller Zeiten, aller Zonen, Ob sie unter Birkenbüschen, Ob sie unter Palmen ivohne». Ob sie vor dem Christengotte, Ob vor Wodan sie sich bücken, Ob sie sich in Lumpen bergen, Oder sich mit Purpur schmücken.
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Redaktion: K. Neurath. - Rotalionsdruck und Verlag der Brühl'schen Nniversitäts-Buch- und Stemdruckerei, R. Lange, Meße»


