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es mit ihm getan.
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hatte.
(Fortsetzung folgt.)
Tie Nachbarn waren abends heimgefahren, nur bie Werffener blieben. Ebenso Agathens Schwestern und Spaniers. Seine Exzellenz wollte einfach nicht fort. Die Küche war tadellos, das Schloß „erster Klasse geführt, nein, er ging nicht weg. vz _ , ___
Am Morgen besah man die Stalle. Pferde waren zwar nicht soviel da wie einst beim alten Grafen Kölln, aber! immer genug, daß die Gesellschaft reiten konnte. Gräfin Patsch hatte sich telegraphisch ihr Re,tNeid schicken lassen. Ihr Mann war in die Garnison zurnckgekehrt. Er hatte sie gebeten, bald nachzukommen. In dein Ton, ut dem sw kurz ablehnte, lag nicht die Sehnsucht, bei ihm zu sein, so daß Gräfin Lindenbach sagte: „Man sollte nicht denken, daß ihr kaum dreiviertel Jahre verheiratet seid." .
Ludwig übersah scheinbar die Nichtachtung seiner Schwägerin. Bei den Spazierritten war er immer an ihrer Seite, ragte, ob das Pferd ihr gefiele, bereit, ihr sofort ein anderes zu geben. Tas nahm sie als Selbstverständlichkeit ClltQCQCll» ,
Auch Vie junge Gräfin Regnier ritt, und an ihrer Seite war stets der Kürassier. Der Gesandte hatte ein paar Breeches von Ludivig angezogen, denn er war nicht aus das Reiteil eingerichtet. Er hockte, die Kiriee hochgezogen, aus dem Pferde wie ein Affe, saß aber fest und ritt wie der Teufel darauf los, mit der Erklärung:
— Ich tbnne die Pampas, — hier kann überhaupt nicht reiten!
Und er erzählte Geschichten, daß der Kürassier des alten Herrn Tochter immer ein wenig fern hielt, denn fur Madcheu- ohren waren sie nicht eben berechnet.
Gräfin Patsch konnte sich schief lachen über Seine Exzellenz, der ab und zu mit ihr einen Spritzer Über Feld machte, während der Kürassier erschrocken rief:
— Exzellenz, Flurschaden! Flurschaden! „
Doch in großartiger Unbefangenheit meinte der Kaiserliche Gesandte zur Disposition zu Ludwig: ,
— Lieber Freund — anders nannte er ihn setzt nicht mehr — bei Ihnen kommt's ja nicht darauf an.
Ludwig verbeugte sich: . . .
— O bitte, Exzellenz, es ist m nur eine Kieling kett., Der antwortete so lautz daß die hinten es hören mußten: — Mein verehrter Freund zahlt alles, alles,, alles!
Der Prinz, der zwar nicht Jagd ritt, aber gern sich au I solchen Ausflügen beteiligte, runzelte die Stirn. Ludwig biß j die Lippen aufeinander und machte das Gesicht, wie einst, als er die Kränkungen des alten Grafen Kölln eingesteckt
Wie nun das Kind leise weinend sich in den Kissen oe- wegte, wurden Agathe die Augen feucht. Um es zri verbergen, hob sie das kleine Wesen und drückte es an ihre Brust. Als sie feinen Slitern, feine Wärme spürte, war alle Bitterkeit vergessen im seligsten Mutterglück.. ■
Cie hatte etwas-wehen gefühlt, jemand voruberschre,ten. Als sie aufblickte, war der Altar leer. Das Harmonium, vom Lehrer aus dem Dorfe au /Stelle der Orgel gespielt, deren Zinnpfeifen längst irgend einer eingeschmolzen hatte, summte leise. Agathe stand auf. Sie drückte noch einen Küß auf des Kindes Stirn, zog den Schleier vor und legte ihren Sohn in die Arme der Kinderfrau. Dann nahm sie Lubwigs Arm: heute führte er sie. Wie sie neben ihm schritt, Preßte sie ihn an sich, zog ihn in das Bilderzimmer hinüber, um- schlang ihn unb flüstepte ihm ins Ohr:
— Habe mich immer lieb!
Er sah sie erstaunt au.
Dis Feierlichkeit hatte ihm gefallen, voi, dem Gesichtspunkts aus, daß die Menschen versammelt waren zu Ehren seines kleinen Sohnes Erich, den er vorwärts schieben wollte und emporbringen, genau wie sein Vater, ohne es zu wollen,
Das Ziel der Wgtechnik.
Bon Gustav Lilie ntyal. _ ; ■
Tie praktischen Erfolge unserer modernen Fingnnischinw sch-inen das Interesse, nicht nur daS große Publikum, wnoer« , auch die Fachleute, völlig zu fesseln, da man von neuen eingehenden! Arbeiten zur Erkenntnis der noch lange nicht geniigenb gell arten Lnstwiderstandsgesetze recht wenig hört. ....
Tiefe Vertiefung der Mkenntnis der LustimderpandsgeleM. darf nickt ctnfeilig auf rein xnathem.aiisch Mchanischex Grunvi-.
gehörig betrachtet. . c „ ..
Sie beugte sich nieder auf ihr Kind, in dem fie die Mag wieder zu ernennen meinte des Mannes, dem sie sich für ihr Leben gelobt. Und sie dachte daran, daß sie eigentlich doch allein stand. Die Tante luar wohl gut gegen sie, aber fie besaß selbst Sohn und Enkel. Gabes eine Brücke.zu Valh, I die nur in Aeußer lichkeiten lebte und im Grunde für niemand etwas empfand, wahrscheinlich nicht einmal für ihren Mann? Fühlte Agathe sich ihrer Schwester Patsch nahe, diesem pou Herren umschwärmten,, nur au Eitelkeit und. Vergnügungen ! denkenden oberflächlichen Wesen? Und wen besaß sie noch auf der Welt? Der kleine Regnier? War er ihr nicht eigentlich ein gleichgültiger Mensch, den sie, seit sie verheiratet, I heute beinahe zum erstenmal sah. Und der Prinz? Ter Liebe, Gute! War das einer, der ihr, trotzdem er es ihr so rührend versprochen, wirklich hätte helfen können?
Da kehrten ihre Gedanken zurück zu ihrem Maiin. War er nicht der einzige Mensch, der im Augenblick des Zu- | fammeubruchs sich ihr genähert hatte? Und den wollte mau kränken, ihn einer Unzartheit zeihen?
Aber trotz allem, was sie für Ludwig fühlte, war es ihr, als sei etwas daran. Empfand fie nicht selbst manchmal ein Sich-vordrängen, bei seiner Sucht, schenken zu wollen, buch solchen Leuten, die vielleicht verwundert fragen wurden: wie komme ich dazu?
Und doch, sie, wußte eine Erklärung — bie der Wirklichkeit nicht entsprach, die sie aber vor sich selbst als Rechtfertigung empfand, in diesem Augenblick, wo fie au ihrem Manns zweifelte: es war sein gutes Herz, das andern eine Freude machen wollte. Und bitter fraß wieder die Kränkung an ihr, an diesem Tage geschehen, der ihr schönster hätte werden müssen.
Dann dämpfteuer seine Stimme: ; , . I
— 's ist ja irgend was dran bei dem Manne, was wir I nictz jewöhnt sind, irgend was Frembes, ich weiß nn), I wo's steckt. Er heißt eben Droesigl unb du Ehsz itud ich j Tiefenau! Und wenn ich meine Tochter verheiraten will, » ist nnr's lieber, sie heißt Arnim oder Bulow als.Droepgi. I Aber anständig wollen wir bleiben, und so was sind fern eine I Fesiunimqeu. Nu komm mal mit., . ■ _ • I
Tic beiden .Herren gingen aus Ludwig -roe,tch zu I und beglückivünschteu ihn noch einmal zu seinem sohu. I Gleich Türmen standen sie neben ihm, der doch auch nicht I klein war, wie vielleicht vor fünfhundert v,al;reit «UI demselben Boden in Helm und Harnisch ihre Vorfahren I stauben.
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Dw kleine Hauskapelle, einst von dem bilderstürmerischen ersten lutherischen Kölln halb zerstört, hatte Ludwig wieder instand setzen lassen. Da er schone, gotische SkülPUircn I befaß, so waren die verwendet worden. Em Flugelaltar I von Memling hing an der Wand. Tn: FvnMr zeigten I alte Glasmalereien. Als nun die Taufaesellschast^ Platz nahm, der Pastor in seinem schwarzen Talar durch die . beiden Reihen der Andächtigen zum Wtare schritt,, der Täufling gebracht wurde, kam trotz der heiligen Handlung eine feierliche Stimmung nickst recht auf. Man blickte sich zu neugierig um. Die alte Gräfin sagte zu Gräfin Tiefenau:
Hier sieht's ein bißchen katholisch ans.
Auch über Agathe war nicht ganz das weihevolle Gefühl der jungen Mutter gekommen, die zum ersten Mal f ein Kind unter die Taufe hält. Obwohl sie sich Muhe gab, i auf die Worte des Geistlichen zu hören, zitterte tu ihr nach, was sie vorhin erlebt. Man redete schlecht von ih em Manu! Wahrscheinlich hatten ihr die Damen Lar nicht einmal alles gesagt l Da drückte sie ihr, sein Kind, den kleinen Erich, einst, so Golt wollte, Herr auf Kölln, um so zärtlicher au die Brust.
Während sie beit Täufling auf den Knien hielt, tarn über fie eilte seltsame Weichheit, ihr sonst eigentlich fremd. Als fie die Wärme des kleinen Wesens fühlte, als fte das Kmb- lein, weil es leise zu weinen begann, in den Schlaf zu wiegen suchte, da hatte sie ihre Umgebung vergessen. Zum ersten Mal, seitdem sie verheiratet war, dachte fte über soziale Unterschiede nach. Sie hatte sich nie Gedanken darüber gemacht, daß sie auf dem Schloß ihrer Vorfahren lebten, umgeben von alteingesessenem Adel, der ihr nahe staub, aber nicht ihrem Man u. Sie war nie baranf gekommen, baß tiefe Menschen etwa nicht bie Begeisterung teilen könnten, bie sie für ihn empfand. In ihrer großen Liebe hatte sie ihn gleichsam als selbstverständlich zu sich


