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Kurgäste, sich die Zeit durch Patteneelegett zu. vertreiben suchten. Die Patience wird um so höher geschätzt, als sie den klarsten Blick in die schwarz verschleierte Zuümft gestattet, beim je nachdem das Spiel „aufgeht" oder nicht, werden Wunsch und Hoffnung bestimmt in Erfüllung gehen oder auf einig unerfüllt bleiben.
Schon die Damen des 18. Jahrhunderts haben um dieser Wissenschaft willen leidenschaftlich der Patience gehuldigt. Ob das Spiel in der Einsmnkcit des Kerkers von Gefangenen erfunden ist, wie behauptet wird, mag dahingestellt sein, jedenfalls ist es in den Klöstern sehr beliebt gewesen. Nach dem aus einer breiten Brust-- und Rückenbahn bestehenden Schulterkleide der Nonnen und Klosterfrauen, das auch den Namen „Skapulier" oder „Patience" trägt, ist denn mich das Spiel getauft worden. Zwar war das Kartenspielen - bereits in mittelalterlicher Zeit den Insassen der Klöster streng untersagt und im 16. Jahrhundert von dem damals unter päpstlicher Autorisation herausgegebenen Oceanus juris in gelehrten Traktaten, die über die erlaubten und verbotenen Spiele der Geistlichen und Ordensmitglieder handeln, als da? schlimme Machwerk des Diabolus verdammt worden. Nun läßt sich aber gerade bei der Patience am allerwenigsten vom Diabolus verspüren, denn sie ist ein Vergnügen höchster Harmlosigkeit und nichts weiter als ein nach gewissen Regeln auszuführendes Legen und Wegnehmen der Karten, bei dam lediglich der Zufall das Gettngen oder Mißlingen des Spiels entscheidet. Heutigen Tages sind mehr als hundert Arten der Patience im Schwünge und alle haben den Vorzug, nur ein Minimum au Geist Ku beanspruchen. Als Karten dienen zur Not die Newöhnlichen französischen, am lösten aber spezielle Patience- karten ganz kleinen Formats, da diese die Uebersicht er- heblich erleichtern. Die verschiedenen Arten der Patience find mit.Mmen belegt, die an Dunkelheit nichts M wünschen übrig lassen. „Die Herren", „Der Pascha", „Der Hahn im Korbe", „Die sechs Töchter", „Klara", „Marietta", „Die Bezaubernde", „Die Listige", „Me Einzige", „Die Hoffnungsvolle", „Die Vermählung", „Die Liebe", alle diese und noch viele andere Arten stehen hoch ist Gunst. Wohl am meisten werden „Me Vermahlung" und „Die Liebe" gelegt. Zur „Vermählung" dient ein einfaches Whistsptel von 52 Karten. Coeur-Dame wird herausgenommen, Coeur-König unter das gut gemischte Spiel gesteckt und jede einzelne Karte abgehoben, um der mit Coeur-Dame begonnenen Reihe angefügt Au werden. Kommen dabei ein oder zwei Karten Awlschen zwei Karten von gleichem Werte oder gleicher Farbe Au liegen, so sind sie zu entfernen. Rückt schließlich Coeur- König an Coeur-Dame heran, so ist die Patience glücklich mifgegangen und die Heirat steht bestimmt in Aussicht. Nicht minder „geistvoll" ist „Die Liebe". Wer sich vergewissern will, ob er von jemanden geliebt wird, hat nur nötig, von einem gut geniischten Piquetspiel zu 32 Karten fünfzehn abzuheben und daraus die Coeur-Mrrten beiseite zu legen, dann den Rest der fünfzehn mit den in der Hand gehaltenen wieder zu mischen, nochmals fünfzehn Karten abzuheben und aus diesen abermals alte Coeur-Karten herauszunehmen und zu den übrigen Coenr-ÄUrten zu legen. Sollten sich nun die acht Coeur-Mrten des Spiels zu- sammengefunden haben, so ist auch diese Patience aufgegangen und die Liebe eine hochgradige. Unter der Zahl der übrigen Patiencen, bei denen nicht selten Figuren aus- gelegt werden, ist an Mwechskung kein Mangel. So ist für alle genügsamen Seelen eine Unterhaltung geschaffen, die nicht nur die Zukunft entschleiert, sondern auch zu beruhigendem Schlummer führt. of
ck£l' Lebenskraft im Ei berichtet Loeffet» Magdeburg tm KosmoShandweiser kür Naturfreunde: Die Lebens- kraft im Bogeler ist für den Vogelzüchter von großer praktischer W-chNgkett, und ich habe deshalb zahlreiche Versuche angestellt, um die Lebensfähigkeit des Keimes zu ermitteln. Zunächst hemmte ich eintfle oO Kanarienvogeleier, um die mittlere Lebensdauer 'sestzu- yellen, von dem Augenblicke der Brutunterbrechung an gerechnet. Nahm ich am 5. Bruttag einem Kanarienweibchen 5 Eier weg und numeriert in halbstündigen Zwischenräume» wieder tns Nest, so wurden meist die ersten 8 Eier glatt atiSgebrütet, während die beiden anderen tot waren, so daß im astgemeinen werden Lebensdauer von l'/eStnnbe angenommen
werben kann. Für den 7. Bruttag stellte es sich heraus, daß die
Lebenskraft bereits auf 2—2',', Stunde gestiegen war, während ich am 9. Brmtag 3l/3—4 Stimden, ja in einem Falle sogar 4»/« Stunden verzeichne» konnte. Wie groß aber die Lebenskraft
• einen Tag vor dem Aussckstttpfen sem kann, geht au3 folgendem kleinen Erlebnis hervor: Meinem Vater würben aus einem Ausflüge 2 „Kiebitzeier" gebracht, die wir zum Transport in ein Körb- cben legten und zudeckten. Zu Hattse würbe da§ Körbchen weggestellt imd gänzlich vergessen. Am Abend des folgenden Tages hörten wir em leises Piepen, und siehe da, aus dem „Kiebitzei" war em — Bekassinchen ausgeschlüpft. Das sofort geöffnete zweite Ei zeigte gleichfalls ein »och lebendes Junges, das aber nach Per» lauf einer Stunde starb. Jedenfalls dürfte so viel sicher fein, daß die Lebenskraft tut Ei mit dem mehr ober minder weit vorgerückten Bebrütungsstabium unb der Größe deS Vogel? im engsten Ziisainmenhang steht.
. * Drahtlose Kon zarte". Aus Neivyork wird- wieder etnuräi etwas berichtet: Die Zeit der drahtlosen Oper beginnt; von! Mittwoch ab werden Me Privatleute, die hi ihrer Wohnung einest drahtlosen Empfangsapparat besitzen, bei sich zuhause die Genüssst großcw Opernanfführnngen besitzen körnten. Anr Samstag legtet Dr. .Leo De Forest die hetzte- Hand Mr das große, weitkragendq Radwphon, das er auf der Spitze des Gebäudes der Metropolitaw- Oper gebaut hat. Nach der Ausfime des Erfinders ist e» nur! yoch eilte Frage der Zeit, wann Musik, Thcateraufführungert, Vorträge nnb Predigten allen Menschen in, ihrenr eigenen Heimel oder ans Reisen zugänglich sein werden. An der Bühne bet! Metropolitan Over sind die Äufnahmcapparate schon ausgestellt, die durch Draht mit dem großen Radiophon auf der stzuvvel des' Baues verbunden sind. Bon hier aus werden dann SchaÜwrNe« wettergegeben und überall aufgefange.it, wo An s n a h m e apparaw aufgestellt und abgestimmt sind. „Mle, die Empfangsapparatä haben, werden die Airlsik hören. Es ist leicht, die ilebertragung so zu gestalten, daß nur die AbonnentM, die ihre Apparate mit hem geheimen System des groß ut Radiophons abgestimmt haben, vte Musik atkfnehme» können. In Men großen .Hotels wird man den ersten Vorführung en folgen können, denn überall sind Ansnahineapparate angebracht wvwen." Dr. De Forest ist überzeugt, daß Wit der Höhe des Tachxs der MotropÄträn-LehmS-a versichernng die Stimme Carusos in einem Umkreis von 200 englischen Meilen drahtlos übermittelt werden könne. Man sieht, daß die Amerikaner alles können. Das-sind Leute !
"Die Vögel au die Frauen. In der Regensburger Allgemeinen Zetiung richtet ein Herr M, im Namen der Vögel folgende Bille an die F rauen:
Mit Vogelköpien ziert ihr eure Hüte Unb könnt kokett nach solcher Untat scherzen I Denkt ihr beim gar nicht unserer TobeSschmerzen, Ihr zarten Frau'u, ihr Tauben von föcmitte ?
Wählt doch als Hutschmuck lieber eine Blüte Unb Pelz unb Samt zur Zeil der Weihnachtskerze» Unb laßt den Fluch, uns Sänger attszumorzen, Italiens unbarmherzigem Eeblüte l
Tragt Hute, groß wie Riesenschilbkrotrücken, — Man weiß, es liebt dte Mode das Jnnnense — Allein verschont fortan uns arme Küken!
Wie mögt ihr euch auch für verliebte Hanse Aus Eitelkeit mit fremden Federn schmückenl Sind euch die eigne n nicht genug, ihr Gänse?
Man hätte das wohl auch höflicher sagen können, nicht wahr?
*Awi«spalt. „Meine Frau hat<ämindert: KMrs zurück, Artur, es ist alles vergeben — ich stab' aber keine Lust dazu." — „Da würde ich einfach nicht bingehen." —- „Na, da könnt' tc8 was erleben!"
Bilderrätsel,
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Auflösung in nächster Nummer i
Auflösung des Anthntogriphs in voriger Nummer: Dike — glndien — Cid — Kind — Esten - Ried — Senfe: Dicken s.
®tbattiovu Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schm Universität«-Buch- und Skeindruckereh R.'Lange, Meß^


