Ausgabe 
26.1.1910
 
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feine Fran, schlief.

Dicken, die noch vor kurzem in der Wäschekammer

ge­

weilt:

Rühe da, Ruhe!

Die Allgemeine Deutsche Biographie.

Von Tr. Joses Ettling er (Berlin).

zrr battteii, dem dabei der Wunsch vorfchwrbte, etwas Aehulrchcs chr schasse», wie es England in seinen!«General bwgraphical Dictionary" (32 Barche, 1812 1817), Frankreich in der Migesahr gleichzeitig enkstandenenBiographie Uitiverselle" (85 Bände, 18111862) sckm in der ersten Hälfte des Vorigen JayriMrderts bcsaßcn Wertvolle Versuche und Vorarbeiten auf den» Gebiete bwgrapchscher Sammetwerke gab es wohl auch in DeMMmd schon cchebüch früher, darunter JScherS mwoliendet gMiebenvS

Am Morgen schien alles Mier zu crwachmi als sonst. Die Läden Wen geschlossen, nur bie Hausmädchen fegten verschlafen bte Läufer auf der Treppe. 4» den «-lallen dagegen war schon Leben. Mail hörte rureugeheiiuiid Wiehern. Der Stallbursche Kröner, die Aermel aufge- krempelt, trat auf ben Hof und schüttete et neu Linier Wasser au«. Der zweite Kutscher, m weis;, und blau ge­streiftem Stall-eng, ging zum ersten Stock hinaus, wo bte Stallente wohnten. Ein Heiner Mann begegnete ihm, in weiße,r Hosen, Stulpenstiefeln, eiureujigetu Rock mit Stl- hermöpfer!, den Zylinder auf dein Kopf. Unter dem glatt- , rasierten, hageren Gesicht stand ein hoher Krageü em­por. Neber dem linken Arme trug er den Mantel sorg- Wtig zusammengelegt. Er blieb stehen: ' Dölsia, 's ist höchste Eisenbahn!

Der zweite Kutscher sagte ärgerlich: ,

Ich habe meine Pferde selber verborgen n tu neu. Der Krön er ist erst 'ne Stunde voriit Futterschütten niber aelottinten! Wie soll er dann anfsteheu! Meine Fran sagt's, die wacht ja ans von jedem Dreck. -

Gabriel Baromeit, der erste Krttscher, sch-iisOie mit dem dritten Finger der rechten Hand ein Stäubchen von feinem linken Aermel:

Man muß ihm auf die Finger scheu. Ist aber sotrst stl tüchtiger Kerl. , , ,

An dem Gang über dem Stoll lag wie in einer Kaserne Mr an Tür. Hier und da war ein Namensschild zu sehen, die Glocke daneben. ~ ,

DNsig trat ein. Ans den Möbeln lagen weige schöner, in der Ecks stand ein Schreibtisch, roh gearbeitete Porzellau- figureu darauf, am Fenster ein Golds,schglas, aus dem Farren ihrs grünen Wedel streckten. Der Kutscher schlich ans den Zehen in das Schlafzimmer, mit zwei Betten lieveneinanber, und begann sich nmzuzichen.

Eine Gestalt wandte sich herum, die Nachthaube auf

Dölsig brummte:

Geh lieber früher schlafen!

Unten stand ein Coach. Gabriel Baromeit stieg - den Bock, nahm Zügel unb Peitsche, fuhr rund um i Host und die beiden Wagenhalter warteten mit aufge- stemmten, bloßen Armen, ob der erste Kutscher etwas zu ,

ÄS W81 äsbs

versammelt stehen, daß kein Ortscheit gehangen hätte. N>in kam auch der zweite Kutscher bte Treppe herab, ging nm den Jagdwagen herum, der gleichfalls mit vier Pferden bespannt war, deutete aus den linken Hinterfuß deS Stau- geu-Sattel Pferdes, und Krönee sprang zu, einen Stroh­halm fortzunehmen, der am Hufe hängen geblieben war. ----- v--- - t ,,, ,

DaslLS^'aLLLk »ÄfftÄ ÄÄÄ

saßen und mir ab und zu einmal die Tiere mit, den Mpsen I ^n'tex ^CI Echlichtegrvll t»grüudetaRekkoloa der Deutschen",

schmckten oder den Boden scharrten.- I von den« zunächst 28 Bände (Gotha, 1701180«) erschienen und

Graf Kölln klopfte, | als neue Folge Weitere dreißig Jahr^ugo in je zwei Bänden!

i Herein i I (Weimar, 18241854). Aber diesen .respektablen Aufätzeu.

Guten Merze«, Herr Droesigl. I »t denen noch WurzbachS b'wgraphifcl^S LepLm stir OesterrM

y- KrUen Morgen, Herr Graf. | Ungarn zu zählen wär« fehlte dis imwerfells fysteinatifche

Tie nächsten Wochen fallen die Vollendmig nueS WerkeÄ bimsen, das, dem großen Publikum kachn den, Nam«!» nach Irekauni, zu den stolzesten Schöpfungen deutschen GelehrtenflecheÄ aebört: der Allgenieiuen Deutschen Biographie, die letzt mit dem 55. Baude ihren cudgültigeu Abschluß ttreM - eudgMtg, lvenni man vvu einem noch zu erwartenden Ergä'nzrmgsbaud unc titti Geucralreqister und Nachträgen absieht. Wer immer m dm lktzteu , Jahrzehnten auf historischen,!, kiterar- oder kunstgefchlchtlulMU Äe- « I biete gearbeitet hat, weiß, aus eigener Erfahrung, welchen Schatz aus I jjj.e Ä D B." bedeutet: sie ist iw weitesten Sinne ein Pantheon! ben Mer im Laufe der Jahrhunderte in irgendwelchem Sinne hcrvvr- ' ' ragend gewesenen Deutschen, eine ungeheure biographische Porträt- galerie, eine Kulturgeschichte in LebenSabrifsen, eine EuiYNopädis

Mach doch nicht solchen Skandal! Daß man nur einmal ausschlafen könnte!

Der Kutscher verschwand wieder int Wohnzimmer, be­müht, möglichst ivenig Lärm zu machen; trotzdem klopfte ks an der anderen Wand, und mau hörte die Stimme Der

Wut gemehrt durch treue Dienste ibrem .Landesherrn, durch Heirat, Erbschaft unb Geschicklichkeit. ~ .. ..,

Als er seine Zimmertür schloß, öffnete nch lfhiug gegenüber das dmikle Wöfchezimmer, und der Stallbursche eilte zur Aensitreppc. Aus dem Glasfenstm übei dei Mr der großen Vorratskammer fiel Licht, mi tzvg die Stiefel aus. In Strümpfe,, Mich er vorbei. Ws er verschwunden war, erlosch das^ Licht. « -tc tat sich auf. Der Küchenchef fühlte da» blonde Mädchen heraus^ und gab ihroch einen leichten stoß, den Gang Mitunter deutend. Dann entfernte sich dre lwhe, weiße Gestalt des Kochs nach der anderen Seite, wo f feit Stunden schon ben Schlaf der Gerechten 1 ,

Sie wollen doch nicht etwa fort?

Herr Droesigl in einem langen grauen Ulster, den weichen Hut in den rotbehaudschuhteu Müden, meinte mit ruhigem Gesicht, das schon frisch rasiert Ivar:

Gewiß, Herr Graf, Sie haben \a das Gaste echt aufgehoben. Ich habe mir. Überlegt, ob ich dafür nicht eine Erklärung zu fordern Hütts, aber es ist wohl etwas getrunken worden gestern, und auch dem reichsten Manus ist ein solcher Verlust. . .

Äßmaun erschien: . ,

Die abreisenden Herrschaften sind schon unten, Herr

lasse dis Damen ww einen Augenblick Geduld 5lttCäraf Kölln klopfte mit dem' Reitstock nervös auf seine Gamaschen: ,.

Ich bitte, vergessen Sie, was ich Ihnen Sestern gesagt habe. Bleiben Sie, solange Sie wollen. Es ist nur die engste Familie da! Meiue Töchter, Lindenbachs und Graf Rögnier. Genügt Ihnen das'?

'Natürlich, Herr Gras.

Entschuldigen Sie mich, ich muß nach meinen Gasten

! Die beiden Herren reichten sich die Hände. (, Ein paar Minuten daraus klangen Horntöne, uno die

Biererzüge fuhren, dicht von Herren und Damen besetzt,- um das Rondell, während der Gepäckwagen noch wartete, i da die Sachen des Herrn Droesigl wieder abgeladen werden UH ^Graf Kölln stand mit Agathe auf der Treppe, den Dabo,,fahrenden nachtvinkend. 'Satin sagte er:

Ich lasse Herrn Droesigl bitten, doch mal runter zu kommen. Besorge das, Agathe!

Er ging in sein Zimmer und schlurfte die beiden rohen Eier in 'Kognak, die er jeden Morgen genoß,

Kamn war er damit fertig, so trat Herr Droesigl ein.

| Graf Kölln begann sofort:

I Ich pflege keine langen Einleitungen zu machen.

I Solch hohe Spielverluste genieren jeden, wenn man auch als Gentleman tut, als wäre es einem wurst. Sw, der

| Sie aus einer Familie stammen, die Geschälte macht, werben I so was zu allererst begreifen. Es ist lhns, Revanche zu I ncl)cii

Herr Graf, sobald diese Sache glatt ist, stehe ich Ihnen wieder zur Verfügung. Aber nur in größerer Ge- | fellschaft. Hin- und herkuobeln, bis man Plus Mimis^ | Nnll ist . ., das können Sie gar nicht annehmen.

I (Fortsetzung folgt.)