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Vie Fahrt des 3. VII“.
Schon aus den Drahtberichten des Gieß. Anz. über den glücklichen Verlauf der Fahrt des „L. Z. VII" von Friedrichshafen bis Düsseldorf war ersichtlich, wie vortrefflich sich die Einrichtungen des ersten deutschen Lenkballons, der für Fahrgaste eingerichtet ist, bei der ersten Fernfahrt, bewährt haben. Von eurem Fahrt- teilnehmer erhält der „Tag" eine ausführliche Schtlderiing der Lustreise, die in jedeur Punkte bestätigt, daß das neue Fahrzeug des Grafen Zeppelin eine Leistung ersten Ranges vollbracht hat.
Das Wetter schien nicht besonders günstig werden zn wollen, als der „L. Z. VII" in seiner Halle znr Fernfahrt klar gemacht wurde. Eine Depression war von Irland her im Anzuge, und die Wolken sah man vor dem Mond bereits schnell in west-östlicher Richtung vorbeiziehen. Der Gedanke, eine Klärung der Wetterlage abzuwarten, wurde deshalb gar nickt erwogen. Es hieß nur möglichst viel Benzin für eine eventuell lange Reise mltnehmen. Das Personal wurde deshalb in letzter Stunde noch um vier Mann vermindert und mit 13 anstatt mit den vorgesehenen 1/ Personen in den Gondeln ging es um 3 Uhr nachts ans die Reise. Der Wind wehte zunächst aus nordöstlicher Richtung, also dem Schiff entgegen. Bald aber, in größerer Entfernung vom See, ließ dre .Gegenströmung nach, und wenn überhaupt ans den fast senkrecht änffteigenden "Rauchsäulen hier und dort auf eine Luftbewegnng geschlossen Iverden konnte, so >var es nun eine leise mitlaufende. Das Schiff konnte also unbehindert seine Geschwindigkeit entfalten. Schnell ging es unter steter höchster Anspannung der Motoren über die. im Halbdunkel des anbrechenden Morgens daliegenden schlafenden Dörfer und Städtchen hinweg. „Vorwärts", hieß es mit aller Kraft, um vor einem eventuellen Wettersturz noch Dussel- dorf zu erreichen. Das Getöse der ratternden Schrauben scheucht die Bewohner von ihren Lagern auf. Erstaunt, verwirrt blicken sie zu dem fliegenden Holländer der Lüfte empor, der wie ein Spuk aus dem Dunste austaucht nud dariil wieder verschivnidet. Immer geht es auf kürzestem Wege voran. Kurven der Bahnlinie werden abgeschnitteu. Es geht nicht über Städte und Dörfer, um den Einwohnern das Schiff zn zeigen, sondern quer durch aus gerader Linie. Die Geschwindigkeit beträgt zuerst .60 Kilometer, daun steigt sie ans 65 und 70. Als die ausgehende Sonne den Osten flammrot malt, liegen schon 70 Kilometer zwischen dem See und dem Luftschiff. Eben drückt cs sich dhuannsch über die Höhen bei Biberach hinweg und steigt zur Donau nieder. Ulm kommt. Gerade wird die Sonne wie eine blutige Scheibe in gewisser Höhe über den Horizont sichtbar und in Ulm ist schon mancher auf den Beinen. Man streift aber nur den Ort und fliegt mit S ch n e l l z ii g s g e s ch !v i n d i g k e i t beit Alphöhen 'entgegen. Diese nimmt man s o n i e d r i g w i e i r g e n d möglich, um Gas zu sparen. Bor Geislingen geht man tief in die Talzüge hinab, denen man mit gehorsamem Schiff wie mit einem Automobil folgt. Die S e i t e n st e n e r u n g w i r k t g a n z vortrefflich. Göppingen, Eßlingen, Cannstatt erscheinen int Fluge, man ist bereits 200 Kilometer von Hause entfernt und die Uhr zeigt erst sechs Uhr. Vorwärts! Vorwärts! Den Motoren ivird nicht die geringste Ruhe gegönnt. Stuttgart selbst läßt man links liegen. Denn schwarz und drohend sieht ringsum der Himmel aus. In schnurgerader Linie geht es über Vachingen auf Bretten los. Der Wind wird hier, wie Rauchfahnen zeigen, bisweileit leicht hinderlich, aber die Reisegeschwindigkeit sinkt nicht unter 60 Stundenkilometer. Eine unübertreffliche ■ Leistung! In der bequemen Passagierkabine sitzt man derweilen behaglich und läßt, während man auf Alnminiumtellern sein Frühstück sich bereitet, die wechselnde, wundervolle Landschaft im Fluge unter sich vorübergleiten. Und wie viel sieht man aus dieser luftigen Warte! Aber es ist doch kein bloßes Schauen, wie aus dem Freiballon: Man arbeitet mit, man stürmt und drängt vorwärts auf gewollten Wegen gewollten Zielen zu. Es ist ein Gefühl souveräner "Macht, das einen durchbraust. Bruchsal bleibt weit links liegen, es geht in dickem Rheintalnebcl auf Mannheiin zu, das auch nur, trotz seiner jubelnden Zehntausende, an der Peripherie gestreift wird, und dann hält man genau nach Konipaß auf daS Loch bei Bingen zu. Kurz nach 9 Uhr biegt das Schiff hier wie durch einen engen Paß in das Rheintal ein, und nun beginnt die wundervollste Strecke der Fahrt, über Burgen und Rebhügel, malerische Städtchen und Inseln, Dampfboot und Eisenbahnen dem gewundenen Strom nach. Wir machen mit Lust fast alle seine Krümmungen mit und freuen uns der unendlichen Schönheit der Szenerie und des Jubels der Menschen. Denn wir haben jetzt .Zeit und Ruhe. Hinter Mannheim ist ein schöner Südostwind von drei bis vier Sekundenmetern durchgekommen, und .wir fahren zeitweise mit 70—75 Kilometer die Stunde. Gar zu bald ist die schönste Strecke des Rheins hinter uns. Bei Bonn geht es in ebeneres, nüchterneres Land hinein und zugleich in einen dicken L a n d r c g e n, Der Wind wird u n g ü n st i g , er kommt bald von den Seiten, bald von vorn, aber das schnelle Schiff bringt uns doch rüstig vorwärts. Köln erreichen wir schon um 11 Uhr, und wir erlauben uns den Luxus, die Stadt mit halber Kraft ganz langsam zu überqueren. Hinter Köln wird dann der dritte Motor wieder angekurbelt und es geht wieder in Windeseile dem Ziele entgegen, wo wir nach einer halben Stunde
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der
uns einfinden, ehe noch die Bevölkerung, schier überrumpelt. Zett gefunden hak, sich zum Landeplatz hinausznbegeben. Die Fahrt wird sür lange bemerkenswert bleiben. Nenn Stunden lang nut einer Eigengeschwindigkeit von 55—60 Kilometer ist noch nie ein Luftschiff gefahren, und als wir landeten, war B e n z i n f ü r wettere 1 4 S t n n d e n im Schiff und die Maschine n w a r e n v ö l l i g i n t a k t. ......
Die Fahrt Friedrichshafen—Düsseldorf galt als Abuahme- fahrt. Sie ist so sehr zur Zufriedenheit aller Beteiligten ausgefallen, daß die Luftschiifahrts-Aktiengesellschast das Schiff sofort nach der Ankunft in Düsseldorf abgenommen hat. Damit ist das Fahrzeug in den Besitz der Lustschiffahrts-Aktiengeseltschaft über-i gegangen, ___________
* Desinfektion der Hände. Das preußische Kriegs- iniitifteritmi hat durch seine Medizmnlabteilmig Untersuchungen über die wichtige Frage der Hünde-Desiukektion anstellen lassen. ES handelt sich vor allem darum, ob Waschen mit Seife oder nut Alkohol sür die Desinfektion in Frage käme. Die Untersuchung hat zugunsten des Alkohols entschieden. Das Waschen und Bürsten der Hände mit Seife und heißem Wasser beseitigt, selbst wenn es lö bis 20 Minuten lang fortgesetzt wird, gar nicht oder nur zum geringsten Teil die au der Gebrauchshand haftenden Teile. Dagegen können durch Waschen der Hände mit möglichst absolutem Alkohol fast ausnahmslos 99 v. H. und mehr der Haiidbaktcrieu unschädlich gemacht werden. Zu einer Waschung genügen 200 Kubikzentimeter Alkohol, der mit Mullbäuschchen oder mit Watte mit die Hand gebracht ivird. Statt des absoluten Alkohols kann mit genau dem gleichen Ersolg der geivöhutiche denaturierte BreunspiritiiS Anwendung finden. . .
— E in Zitat. Dem Direktor des Gymnasiums tit P., einem Stistsgeistlichen und hervorragenden Humanisten, brockte der aus den Schülern der höheren Klassen zusammengesetzte Sängerchor der Anstalt anläßlich seines Namenstages vor der Tür seiner Wohnung ein Ständchen dar. Freudig überrascht von der spontanen Ehrung erschien der Direktor, nachdem btc letzten Töne des weihevollen Kantus verklungen tvaren, und hielt an die Sänger eine Ansprache, die mit folgenden Worten begann: „Bestiae ipsae cantu domabantur (Selbst die ivitbeit Tiere wurden durch den Gesang gezähmt), auch ick bin tief gerührt. . ," (Aus der Muskete.) .
ViiHertisch.
— Tristan und Isolde. Den Wagnerheften der „Musik für Alle" reiht sich nun auch Tristan und Isolde an. Es ist natürlich, daß aus dieser umfangreichen Partitur nur die Hauptstücke herausgenommen werden konnten. Das Heft gliedert sich in vier Abteilungen. Den Anfang macht das toundervolle Vorspiel. Wie die Ueberschriften erweisen, hat der Herausgeber die einzelnen Motive (Leit-Motive) mit charakteristischen Namen gekennzeichnet. Dem zweiten Teil, „Die Nacht der Liebe", dem Höhepunkt des Werkes, folgt „Die ernste Weise", die den dritten Teil der Nummer beherrscht. Zum Schluß des Heftes ist „Isoldes Liebestod" im knappen Rahmen wiedergegeben. Ganz besonders sei noch auf die beiden einleitenden Artikel hiugewiesen, die den textlichen Ivie den musikal. Gang der Handlung eingehend erläutern.
Silbenrätsel.
aar, an, bert, ban, fer, gcm, gc, mark, ing, ka, neu, nie, och, ritz, io, [en, te, wer.
Ans vorstehenden Silben und Buchstaben sollen achl Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangs» buchstabcit von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen den Namen eines Komponisten ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes:
1. Ordnung der Insekten.
2. Einen Schmuckslein.
3. Beliebten Jugendschriftsteller.
4. Männlichen Vornamen.
5. Schweizerischen Kanton.
6. Italienischen Dichter.
7. Tropische Gewürzpflanze.
8. Name mehrerer Städte.
Auflösung in nächster Nummev.
Auslösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer: Abkürzungen: tr‘^= Treff, p — Pique, c Eoeur, car = Gmi'emt, trB = Tresf-Bube, pA — Pique-Aß, cD Coeur-Dame u. s. f.
Mittelhand erhielt: pB, cB, cZ, eK, carZ, carK, earD, car9, car8, car7, im Skat lagen tr7 und c7; Nest sür Hinterhand. — Verlauf des Spieles:
1) V. cA M. c8 H. carB
2) H. pD V. pA M. cB
3) M. carK H. trB V. carA
4) H. pK V. pZ 2)1. pB ,
Vorderhand bekommt auch int weiteren Verlaus keinen Stich, da Mittelhand mit Coeur und Carreau am Spiele bleibt.
ck'schen Universitäts-Buch- und Steindrnckerei, R, Lange, Gießen,


