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Gestalten ans strahlendem Goldgrund über den Bögen.

Es liegt eine antike klare Ruhe in der,feierlichenLintem strenge dieser weiten Steinhalle. Ich mußte unwillkürlich lies, tief atmen und dein Kops heben. Etwas Langend behrtes kam über mich, das mir die gotische Darnnremmg der Frauenkirche nicht gegeben hatte: die Andacht zur Schön­heit. Die betende Anducht zum Leben.

Als ich zur Tiir wollte, kam mein Besenweibchen wieder tot mir vorbei. Aus ihrem runzligen WmannergestM lag ein Ausdruck von kindlichem Frieden. Ich fühlte Mich ihr ans einmal ganz, nah. Was.sie sich du auf ben Kuwn Vor ihren Heiligen holte, war schließlich ja doch das gleiche, wie ich mir mitbruchte^ nur daß wir es Mit andern Namen

Tas waren die ersten frohen Augenblicke, die ich in dieser fremden Stadt erlebt habe. Den ganzen Dag ging ich noch wie getragen von heimlicher, Huld unbewußter Freude.

Heute habe ich den Unsterblichen in der Pinakothek Weinen Besuch gemacht. Sie gaben Audienz, feierlich wie

Die ruftschiffabteilung der Deutschen Museums.

Von Fritz Sänger.

München, im April.

Den Sammlungen des deutschen Museums ist soeben ein würdiges Stück angefügt worden, das in jeder Weise von großem, aktuellem Interesse ist. Tie neue Abteilung befindet sich bis zur Vollendung des Neubaues mit anderen in einer früheren Kaserne an der Isar. Wir treten in einen nicht sehr großen, einfachen Raum ein und sehen an der Decke kleine Ballons hangen, an den Wänden Bilder uiid an den Seiten unter Glas Bücher, auf Tischen Instrumente nnb andere Tinge. Dies ist die Abteilung, in der uns die ersten Schritte der Menschheit auf dem Gebiete des Kampfes um das Reich der Luft vorgeführt werden.

Gleich rechter Hand ist etwas Merkwürdiges. Ein weiß-blauer Papierballon hängt wie eine ausgesogene Wursthaut von Mannes­größe an einem Gummifaden von der Decke herunter. Darunter brennt ein Gasflämmchen, und das hat etwas zu bedeuten: man zieht an einem Ring, und es brennt ein Kranz von blauen Flämmchen, gerade wie bei jedem Gaskocher: die dadurch er­zeugte warme Lust sammelt sich in der Papier hülle, und sie rundet sich, bekommt Form und steigt in die Höhe. Ta sie auch von unten mit Gummibändern festgehalten ist, so zieht sie mit Gewalt an diesen Bändern wie ein Fesselballon, und man sieht ganz deutlich, wenn sie es könnte, so würde sie ent- ^^^Solche Tarstellungsweise ist in allen Abteilungen des deutschen Museums üblich, sie spricht einfach und klar zu dem nach Wissen suchenden Menschenaeist und erklärt durch solche Vorführungen in einer Minute mehr, als man sonst durch stundenlange Vor­träge klar machen kann. Jetzt versteht man auch die kleinen Ballons an der Decke, es sind genaue Modelle der allerersten Ballons, die man im Jahre 1783 in Paris aufsteigen netz.

Wie sehr damals und auch noch wenige Jahre später die neue Erfindung die Zeitgenossen gefangen nahm, zeigen die vielen Trucksachen in Zeitungs- und Buchform, die in jenen Jahren ent­standen und hier ausliegen. Unsere Nachbarn drüben gingen aber schnell weiter; sie erfanden noch in demselben Jahre den nut Gas gefügten Ballon und machten kurz darauf, wie uns die Bilder an den Wänden belehren, die ersten Versuche mit Lenk­ballons. Zu ihren Händen blieb auch alles, was man weiter als Fortschritt bezeichnen konnte, und das deutsche Museum verheim­licht uns nichts. ... , , . .

Der erste wirkliche Lenkballon von Gissards, der im «jagte 1852 ausstieg und tatsächlich mit drei Meier Geschwindigkeit sich in der Lust bewegte, ist schon so vollkommen, daß_ lange Zett gar nichts mehr zu erfinden übrig blieb. Seine praktisch Mertloch niedrige Eigeilgeschwindigkeit schrieb sich nur von der zu schweren | Alitriebsmaschine her. Tie Lösung des Problems spielte sich darum

München, 25. Januar 1901.

Lieber Geor g!

Sie feiern hier dutzendweise katholische Festtage, die Wir dadurch unliebsam auffallen, daß die hellblaue Uni­form des Briefb'oten nur morgens ein einziges Mal auf den Treppen erscheint.:

Meine Feste feiere ich an den Tagen, wo Ihre Briefe kommen! Die Resi, die mir das Frühstück bringt, lacht Wich aus, wenn sie an den anderen Sagen meine Ent­täuschung sieht. ,

Wenn das Fräuln auch noch so a grantis Gesicht! Wacht, dös werd net anders, i hab! heut halt nix!"

Ich muß Ihnen etwas gesteh,i, lieber Freund: ich bin schadenfroh, wirklich und buchstäblich! Ich freue mich, daß

Es ist gut von Ihnen, daß Sie mich! so verziehen, auch ans der Ferne an meinem Leben Freundesanteil! nehmen. Ich bin nicht allein, wenn ich: das weiß!

Von mir soll ich: also wieder erzählen?

Lotte packt mich an den Schultern und schüttelt mich: Aga, Prinzeß, Sie grübeln viel zu. viel! Dabei kann ja nichts Vernünftiges herauskomWen! Es ist ja, als ob! Sie das Leben immer nur im Spiegel anschauen und nie resolut Auge in Auge! Und Sie sehen doch um sich herum genug, wie's gemacht wird!"

Ja, ich sehe es, an dem Kind selbst und an den andern. Man lebt hier ohne viel Reflexion oder Zweifel mit einer naiven Frische, die unerschöpflich scheint.

Lotte hat zweimal in der Woche zwischen ihren Atelier­stunden zu wenig Zeit, um zu Disch in die Pension zurück- zukommen. Es ist da ein billiger Mittagstisch in der Schellingstraße, wo sie schnell ihre paar Bissen herunter­schluckt, nah bei ihrem Melier. Ich komme bann auch hin, weil ich Frau von Gelsa beinah eidlich versprochen habe, das Entchen $u hüten.

Eine schmale, steile Treppe in einem Hinterhaus; ein dunkler Gang, in dem die Luft stickig ist von übereinander­gehängten Mänteln und Wetterkragen, wie die jungen W demiker sie tragen.

Ein fortwährendes Kommen und Gehen und Stimmen» gewirr in den zwei niedrigen Stuben, wo man sich zwischen Stühlen und gedeckten Tischen zu feinem Platz durchwinden muß. Nur Wasserkrüge auf dem Tisch, aber gutgeformte; diese Tischgesellschaft ist anspruchsvoll, auch die einfachsten .Kalbsvögerln' dürfen nicht in unschöner Schüssel auf den Tisch, und der höchste Luxus, der dampfende Kaffee nach dem Apfelstrudl, kommt in hübschen blauen Täßchen, fein

Meine Begeisterung hält fich nicht an offizielle Vor­schriften. Ich blieb unehrerbietig kühl tn diesem ange­staunten Rubensprunksaal.

Aber ein paar Säle davor hangt eine Madonna, ein Francia. Blaßrote Miosen blühen um den Fleck, wo sie hr Kind in das frühlingsjunge Gras gelegt hat. Sie elbst in ihrem Hauen Kleid, mädchenschlank und blond., will eben die Knie beugen und es anbeten.

Wir Modernen stellen andere Bilder auf unsere Altäre. Wenn wir fromm find, den Uhdescheu Christus, denMann der Armen mit dem Nassen Gesichst: ,Je mehr Mensch je mehr Gstt,' wie Btzttina sagt, dieses vorzeitige Kind modernen Geistes. Oder, wenn wir Weltkinder sind, beten wir vor Klingers ,An die Schönheit', vor Böcklms .Hei­ligem Hain', kvo der Opferrauch in die grüne, jlebeudige Herrlichkeit des Frühlings steigt für den unbekannten Gott!

Wer vor dieser Madonna könnte ich heute auch noch knieen, vor diesem jungen Weib, das das größte Wunder toler Zeiten anbetet: die Menschwerdung, die sich tn ihr ^^^Wanbern Ihnen meine Gedanken zu absonderliche Wege, Georg? Ich rede mit mir selbst, wenn ich mit Ihnen rede!

Als ich vorhin heimkam, fand ich Lotte mit brennenden Backen vor dem Donkrng, in dem sie ihre Pinsel reinigte.

Aga, mir ist zumute, als ob ich einen.Orden gekriegt hätte! Er hat mich heruntergemacht wegen meiner Fahrig- reit' In Grund und Boden heruntergemacht, daß ich ganz klein war. Wer? Das fragen Sie noch? Mein Professor!"

Ich mußte lachen in all meine feierliche Stimmung herein. , '

Und darüber freuen Sie sich so?

Sie nickte.Bis jetzt war er nur höflich. Wen man stusschilt, den nimmt man ernst. Jetzt weiß ich, daß etwas Ms mir wird!"

Die Glückliche. Ganz neidisch hab ich tn ihr braunes, strahlendes Bubengesicht gesehen.!

' Ihr Professor heißt übrigens Bernhardi. Eriiiuern Sie fick, daß ich Ihnen von einem Jugendfreund meines Vaters sprach, der so hieß? Natürlich ist es nicht der gleiche, solche Zufälle sind zu unwahrscheinlich. Aber der Name bringt mich wieder auf die alten Gedanken, die immer auf der Sauer liegen und auf den Anstoß warten, Um sich mir breit und dunkel vor die Sonne zu stellen!

Leben Sie wohl, lieber Freund!

Ihre Agnes Weddigen.;

wie Eierschalen..

(Fortsetzung folgt.)