Was ziehe ich an?
Von Joseph Aug. Lux.
toCTt$tud) der Goldschmied hat, wenngleich in bescheidenem Maße, bei der Herrentracht mitzured.n. Die Bauschkrawatte kann di« Nadel nicht entbehren. Auch die langen Selbstbinder werden zn- wl-ilen mit einer Nadel geschmückt, ine unterhalb de» Knotens steht obzwar sic sicher ganz überflüssig ist. Es ist die rechtiga Ansicht, daß Schmucktragen bei Männern das Zeichen einet z>en^ Tirfi unfeinen Gesinnung ist. Jedenfalls sieht die über den Lauch baumelnde dicke Uhrkette gewöhnlich aus und legt ebenso wie stark beringte Hände wenig schmeichelhafte Vetgleiche nahe. Uber auch die völlige. Enthaltsamkeit von jebem Schmuckstuck wie Uhr- fette, Ring, Nadel, Knöpfe schiesst über das Ziel hinaus und ist in vielen Fällen ganz undurchführbar, weil in. .mancher §nnsM dieser sogenannte Schmuck eine praktische Notwendigkeit erfüllt. Die schmalen «zartgliedrigen venetianer Uhrketten, urncen Hals getragen und mi fcr Brust mit einer feinen Schließe galten, bilden einen Reiz der alten Porträts und werden mit tzin Gehrockauch m Uukunit ibr Recht behaupten. Ueberhaupt ist e» Nicht das ett> zelne zweckmäßige Schmuckstück, das an der Herrentracht unÄel wirkt sondern es ist eine grobe Menge und eine unfeuie Shbeit, ift Anker der besagten Krawatte bedürfen auch die Ätatm eines Haltes an dem sich schönes Material und
'L&WÄ«
®«t üto d>- K«l e Lum »W«« »»ta'S? oehörf der Zylinder nut breitem Rand. Der Mapphm ist mr den Frack vorgesehen. Mit dem Smoking vertragt sich der stafe.
Mit den Miquelons unter ehrenhaften Bedingungen einer Fortsetzung des Streits vorzuziehen fei. Natürlich nur Unter ehrenhaften Bedingungen; man mußte hören, was der Kommerzienrat geschrieben hatte, mußte auch die Vorschläge der Miquelons hören. Im übrigen eröffnete das närrische Darlehnsgesuch des Kvmmerzienrats abermals recht unangenehme Aussichten. Wie an die Miquelons, so konnte der irre Mann sich auch an andere Firmen mit seinen Pumpversuchen gewandt haben. Es half alles nichts: es wurde zur Notwendigkeit, daß man die Entmündigung des Kommerzienrats mit Beschleunigung, betrieb und sie durch die Zeitungen bekannt machte.
(Fortsetzung folgt.)
Das Thema ist recht geeignet, Kopsschütteln und Mißbilligung in jenen Kreisen hervorzurusen, wo nach altbürgerlicher Sitte die Solidität eines Menschen durch nichts so leicht m Mißkredit geraten rann, als durch sorgfältige und korrekte Kleidung. Wenn es auch Konventionen sind, so wollen sie gerade deshalb beachtet sein. Es ist bezeichnend, daß die modernen Mustlervereinigungen, die Sezessionen, zu gunsten des Gesellschaftskleides erzieherisch wirken wollen, indem sie auf den Einladungskarten zu den Aus- stelliingseröffnungen vorfchreiben: Herren erscheinen ,m Gehrock. Die Frage, wie man sich korrekt kleidet, ist vielfältig und hat so Viele Seiten, als es gesellschaftliche Gelegenheiteil gibt.
Der Gehrock ist die häufigste und unentbehrlichste gesellschaftliche Tracht. Er ist das geziemende Kleidungsstück für die Ansstellmigseröffnung, für die Trauungsakte am Vormittag, für den Besuch und für Malinees, für die Promenade, für die Tee- und Kaffeevisite am Nachmittag und beim Vortrag; ut England (st er sogar für die geschäftlichen Besuche am Vormittag unerW lieft. Doch iist man in dieser Beziehung auf dem Kontinent nicht so streng und kann sich zu diesem Zweck des gewöhnlichen kurzen Alltagsrockes, des Sacko oder des förmlicheren Jacketts bedtenem Für den Bortragsraum gibt es keine strengbindende Regel, doch besteht im Publikum eine geheime Uebereinstimmung, die je nach dem Ort und der Art des Vortrages, sowie nach der Perfonlichs- keit des Vortragenden eine Unterbrechung liebt, die sich in einem mchr oder minder feierlichen Kleid ansdrückt. Man wird es nach Möglichkeit zu vermeiden suchen, am Tage den Frack oder den Smoking cmzulegen. Beide sind Abendkleider, wobei zu bnnerken ist, daß unter Umständen, wie bei Festessen, der Nach- mittag zum Abend gehört. Hier leuchtet der E.nfluß der englischen Sitte durch, die durch ihre Begrüßungsformeln den Tag in 'zwei Hälften teilt: „Good Morning" bis Mittag und bis nach dem Lunch, und: „Good Evening" vom frühen Nachmittag an. Der Empfang bei Hofe nötigt allerdings zur Ausnahme, wenn er am Vormittag gegen den Mittag h/n stattfindet; hier gilt nur der Frack oder die Uniform. Als festliches Abendkleid gilt er zur Hochzeitstafel, zum offiziellen Essen, zum Ball, zum Abendempsang und für den Theaterbesuch im Parkett, namentttch der Hoftheater. Die zwanglosere Form ist der Smoking. Uitr ziehen ihn mit Vorliebe ins Theater an, wo er gegen den Frack in der Ueberzahl ist. Er ist das angenehmste und leichteste Kleidungsstück und hat seineii Platz im vornehmen Klub bei den zwanglosen Hausdiners und Bei den sogenannten „Tss dansants Er ist die leichtere Abart des Fracks, ebenso wie das Jackettj oder der Cutaway die zwanglosere Form des Gehrocks ist. Ler Cutaway kann vaher bi Nachmittagsbesuchen auf der Promenade und ähnlichen Anlässen den Gehrock ersetzen. Bei ganz zwanglosen abendlichen Zusammenkünften, sowie im Vorstadttheaterund auf der Galerie wird der Smoking durch einen leicht und elegant geschnittenen kurzen Rock von schwarzer oder zumindest dunkttn Farbe, einreihig zu knöpfen, und mit tidjter Weste stets offen zil tragen, ersetzt. Der Gehrock verlangt nach moderner Sitte eme dunkelgraue gestreifte Hose. Vom Cutaway gilt dasselbe, wenn er aus schwarzem Stoff hergefteltt ist. Zum kurzen Alltagsrock gehört eine Hose aus gleichem Material, wenn der Rock eiw° reihig zu knöpfen ist; ist er doppelreihig,, so kann die Hose auch in anderem gestreiften Stoff hergestellt fein.
Run die Weste. Sie erlaubt unter Umstanden künstlerische Launen in bezug auf Farbe und Stoffmuster und bringt Abwechslung trt die Einförmigkeit Sie stellt Probleme und bildet das dekorative Element im Alltagsgewand. Sie zeigt das Maß an, Ivie weit der Farbensinn und der gute Geschmack des Tragers entwickelt sind, oder sie zeigt das Gegenteil an. Für das mehr oder minder feierliche Kleid ist sie allerdings an die ftrcitge Konvention gebunden. Zum Gehrock, zum schwarzen gackelt, zum Frack, zum 1©mofing gehört eine Weste aus dem gleichen Stofs wie der Rock. Mr den Frack ist 'eine einreihige weiße Weste aus Leinendrill oder Pikee bei allen Abendgelegenheiten nicht nur statthaft, sondern sehr berechtigt. Die Weste zum Gehrock hat im Ausschnitt einen weißen Einsatzstreifen. Zum kurzen dunklen Rock, den man abends bei zwanglosen Gelegenheiten an Nle des Smokings trägt, steht eine lichtgrane Leinen- oder
Seidenweste, die ein Muster haben kann, durchaus Vorteilhast. Mr beit kurzen offenen Älltagsrock ist jedes West en Phantasiestuck gestattet, vorausgesetzt, daß es hinsichtlich der Farbe einen harmonischen Kontrast zur Gesamterscheinung bildet.
Mehr noch als die Weste hat die Krawatte die Erinnerung cm die farbige Tradition der historischen Kleidung bewahrt. Sie ist ein Stück Heraldik, das der Herrentracht aus den besserens Zeiten des Kostünis geblieben ist. In dem kleinen Seidenknoten, den man zum Alltagskleid trägt, ist jede Farbenfreude am Platze Trägt man jedoch eine farbige Weste, so ist zn bedenken, daß zwei Farbenwirkungen in Kontrast treten. Man wird sonach wählen müssen, ob man die Harmonie durch Uebereinstimmung ober durch den Kontrast herstellt. Der Kontrast ist das Kühnere« und Edlere. Hier liegen die gröhereii Siege, aber auch die grötzeren Niederlagen. Bei den streng formellen Kleidern, die schni die Geltung einer Uniform haben, hat sich allerdings auch für die Krawatte eine Verbindlichkeit herausgebildet, die nicht umgangen werden kann. Es gibt keine statthafte Wweichung von der Regel, daß zum Frack die weiße Binde und zum Gehrock die Bausch- ficttocitte gehört. Die lange Form bei* gehori be»n
Jackett und dem kurzen Rock an. Krawatten, die man fertig gebenden und genäht kauft, mit Einsatzstücken aus Pappendeckel, wird ein Halbwegs geschmackvoller Mensch ebenso vermeiden, wie die Vorhemden oder sogenannten Plastrons. Wir dürfen uns darüber nicht wundern, daß amerikanische Witzblätter den Deutschen mit dem blütenweisen steifgebügelten Vorhemd, das an irgend einer Stelle gelüstet ist, darstellen. Das Vorhemd, das man immer als ein solches erkennt, erweckt stets die fatale Vermutung, die sich in unsauberer Unterwäsche ausdrückt. Auch die losen Manschetten stehen im Range nicht viel höher als das Vorhemd. Sst. sollen nach einer guten Regel mit dem Hemd etmm testen, untrennbaren Bestand bilden. Der ursprüngliche Sinn der Krawatte, bestand vielleicht darin, das Hemd mit dem nmgclegteu Slrcgeri am Halse zusammenzuhalten, und heute noch ^ullt die Krawatte ihre Aufgabe hauptsächlich dadurch, daß sie den Halsknopf verdeckt oder durch die Verkleidung in Form des Knotens zur monumentalen Wirkung bringt. Es wäre vielleicht das wichtigste, ben Halsknopf am Hemde anstatt zu verkleiden selbst künstlMsch auszubilden, indem man den Kopf des Knopfes flach und groß behandelt und schönfarbige geschnittene ballMelsteine benutzt. Solckw Steine würden an Farbe und Leuchtkinst nickst hinter dem bullten Seidenknoten zurückstehen. Da ffch aber m dieM Erörterungen nickst um die Kritik, unserer Tracht, sond.rn um die Feststellung der herrschenden Sitte, gleichgiliig, ob sie zw.ck mäßig ist, handelt, so müssen wir uns zunächst diesen und noch manchen anderen Resormgedanken versagen. ^e Lchwalbe macht keinen Sommer. Darum begnügen wir uns vorderhand mit ber Feststellung, daß in bezug auf den Lemdkragen ebenfa mne konventionelle Abhängigkeit vom Kleidungsstück bisteht. Krawatte und Kstagen, die ihr'Dasein in sester Umschlu^enhett behaichtm, müssen sich nach dem Gesetz richten, das die Gesell chaftssitte für «e und ihre Art z>i sein, entwickelt hat. Al o gehört zum Frack mit weißer Binde der Stehkragen mit umgelegten Spitzen, Stehumlegekragen kann man jedoch zu allen anderen .Kleidungsstücken tragen, sogar zum Smoking. Er war früher auch hier verpönt weil er in dem eleganten Gesellschaftsrock den .Spate zu bid erscheinen läßt. Neuestens aber hat Englano das Beispiel gegeben daß man sogar zum Frack den Stehumlegekragen, bei für bie Krawatte sehr bequem ist, tragen kann, immerhin ist der Fall zu vereinzelt, um ohne weiteres als Vorbild betrachtet zu


