Donnerstag den 24. November
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Friedel halb-süß.
Roman von Fedorvon Zobeltitz.
(Sortierung.) (Nachdruck verboten.)
12.
Das schwere Unglück, das das Hans Friedel betroffen, chatte sich bald int Gau herumgesprochen. Zahlreiche Bei- leidskundgebungen trafen ein: aus dem großen Bekaunteu- kreise, von den Konkurrenten in der Schaumweinbranche, von den meisten Weingroßhändleru der Landschaft. Der Kommissar Ringer und der alte Bauer Nidderkopp erschienen persönlich, um Fritz ihre Dienste anzubieten; auch von dem Grafen Eldringen war ein gewunden' liebenswürdiges Schreiben eingelaufen: er bedaure aufrichtig das tragische Vorkommnis. Die übertriebensten Gerüchte schwirrten durch die Luft und drohten das Ansehen der Firma zu schädigen; daß der Kommerzienrat der Gräfin Orczelska eine halbe Million geschenkt habe, war noch das geringste. Dazu kamen neuerdings Anfragen aus aller Welt, wie sich K. A. Friedel zu den letzten Behauptungen der Miquelons verhalten werde Und welchen Fortgang der Prozeß nehme. Sogar aus Manila, Port Elizabeth unb San Joss de Cucuta waren Telegramme eingetroffen, und in Cap Haiti hatte eine Horde Nigger die Gelegenheit benützt, „aus Sympathie für Frankreich" das Lager des deutschen Agenten zu erbrechen und auszurauben. Schon begannen allerdings auch ernstere deutsche Zeitungen auf die Albernheit hinzuweisen, die darin liege, daß man das öffentliche Interesse für den Privatstreit zweier KUufmannshäuser in Anspruch zu nehmen versuche. —■
In diesen Tagen erhielt Fritz einen unerwarteten Besuch: Otto Spannuth ließ sich bei ihm melden.
Der kleine Mann war in sichtlicher Verlegenheit, als er bei Fritz eintrat. Er war der vollkommene Gegensatz zu seinem verstorbenen Bruder: sah mit seiner in Gold gefaßten Brille eigentlich mehr lote ein Philologe aus und trug sich ein wenig unmodern in der Kleidung.
„Sie sind erstaunt, Herr Friedel," begann er schüchtern, „mich bei sich zu sehen. Im umgekehrten Falle wäre ich's auch. Aber das — das, was zwischen unfern Fantilien vorgefallen ist — ich bitte, ich weiß genau Bescheid, ich weiß, daß es sich nur um eine unselige Zufälligkeit gehandelt hat — das soll mich doch nicht hindern, Ihnen in den Tagen Ihres Unglücks meine Anteilnahme auszudrücken."
Fritz wies auf einen Stuhl. Otto Spannuth galt allgemein als eilt rechtlicher Mann. Trotzdem überschlich Fritz eilt mißtrauisches Gefühl. Es war immerhin sonderbar, daß Spanmrth persönlich kam, nur um ihm ein paar freundliche Worte zu sagen. ;
„Ich erkenne Ihr Mitempfinden doppelt dankbar an, Herr Spannuth," entgegnete er. „Es find allerdings trau
rige Zeiten für uns. Die Erkrankung meines Vaters mit allen ihren Folgen war der letzte harte Schlag."
„Und die Sache mit den Miquelons?" fragte Span-i nuth. Er war kein Diplomat; Fritz merkte sofort, bag er auf das Ziel seines Besuchs hinsteuerte. „Man sagt, daß Ihre Verurteilung aus formalen Gründen zu er« warten sei."
„Jedenfalls nur eine Verurteilung insoweit, als matt uns die Behauptung, der Uttenhoover Taussekt sei Friedel- scher Schaumwein gewesen, verbieten wirb. Wahrscheinlich lastet man uns auch die Kosten des Verfahrens auf. Eine Bußzahlung halte tch für ausgeschlossen. Immerhin — eine Niederlage kann uns schon blühen, selbst wenn uns der gute Glaube zugesprochen wird. Sie sehen, ich bin ganz ehrlich."
Spannuth rückte an seiner Brille. „Und wehren Sie sich gegen eine gütliche Einigung?" fragte er.
„Sie ist mir nur einmal nahegelegt worden. Ich brauche Ihnen kein Geheimnis daraus zu machen: durch Helldorf — gewissermaßen im Auftrag seiner Frau."
Die Hand Spannuths fuhr durch die Luft. „Ah — ich versteh schon," sagte er, „nichts da —■ Sie brauchen bi» Dame nicht! . . ." Er setzte sich fester auf seinen Stuhl.... „Geehrter Herr Friedel, die Sache liegt s o, daß die Mi- quelons nur auf das Anerbieten einer Einigung warten—« und daß sie sofort zustimmen würden — unter den ku- lautesten und annehmbarsten Bedingungen."
Fritz schaute Spannuth mit geschärfter Aufmerksami- keit in das Gesicht. „Und bas wissen Sie positiv?"
„Ich habe nicht nötig, Versteck mit Ihnen zu spielen. Sie kennen natürlich den Grasen Eldringen?"
'tßcibciV'
"Nun also — der Graf waren kürzlich einige Tage üt Epernay. Er ist nicht mein Mann — gar nicht. Aber er kann den Mund nicht halten — und grade deshalb ist's zuweilen ganz pläsierlich, ihm zuzuhören. Er verschnappt sich leicht. . .
Fritz bot seinem Gast eine Zigarre an. Die nahm er auch und entzündete sie mit großer Umständlichkeit, während .sich Fritz eine Papyrus ansteckte.
„Wenn die Miquelons," sagte er nachdenklich, „eilte Einigung herbeiwünschen, so sollte man vermuten, daß sie trotz ihrer Sicherheit den Ausgang des Prozesses fürchten."
"Spannuth nickte zustimmend. „Ist auzunehmen. Vielleicht sorgen sie sich, daß Unliebsames zur Spracbe kommen könnte. Wenn es den Urteilsspruch auch nicht beeinflußt, kann es doch dem Renommee ihres HauseH schaden."
„Gewiß. Ein Pyrrhussieg ist unangenehmer als eure ehrliche Niederlage. Und ohne Zweifel haben die Mique-i lons bei der Sache im Trüben gefischt. . . . Lieber Herr Spanmrth, ich gestehe ohne weiteres zu, daß auch mir an einer Beilegung des Streites liegt. Er dünkt mich kleine


