Ausgabe 
24.10.1910
 
Einzelbild herunterladen

664

Schachaufgabe.

Schwarz.

hat sich der VereinDeutsche Heimat" über Anregung seines rührigen Obmannes Herrn Dr. ffi. Stepan entschlossen, aus volks­erzieherischen Gründen als auch um den Fremdenverkehr zu heben, ein steinzeitliches Pfahlbaudorf zu rekonstruieren, dessen Eröffnung am 14. August zu Kammer am Attersee stattfand.

Die Wiederherstellung wurde im sogenannten Sturmwinkel in Kammerl unweit der Bahnstation und Dampferlandungsstellö Errichtet. Sie besteht aus fünf Hütten, welche auf 190 Piloten aus Lärchenholz ruhen, darüber ist der Rost aus Querbalken gelegt. Besonderes Gewicht wurde darauf gelegt, daß nur un­geschältes Holz zur Verwendung gelangt. Die Hütten zeigen genau die Form der beiden wissenschaftlich festgestellten Typen, des Blockbaues und Flechtbaues. Der Grundriß der Hütten ist rechteckig, die Dimensionen der größten 5,8:5,1 m, die der kleinsten 4,7:3,75 m, der Flächenraum des Rostes beträgt 357,16 m2. Die Innenwände der Hütten wurden mit Lehm verputzt, nachdem die Zwischenräume der Balken und des Flechtwerkes mit Mvos ausgestopst waren. Zwischen den Hütten befindet sich, ein Meines Idyll inmitten der traulichen, mit Moos verkleideten und Schilf gedeckten Hütten, umrahmt von dem bläuliche wogenden Seö mit lachenden Uferlandschaften, ein kleiner Hofraum mit einem Vorrat an Holz, das sich die Bewohner hierhergeschlcppt, und einem Steinbohrapparat nach einer Herstellung des Grafen Wurmbrandt 1875 gearbeitet, womit die Pfahlbaubewohner ihre Beile und Aexte zu durchbohren pflegten. In ein Stück gespal­tenen Baumstammes sind vertikal zwei Balken eingelassen, ver­bunden durchs ein Querstück, welches in der Mitte durchbohrt ist Durch diese Oeffnung ist ein an seinem Ende gespaltener Stab gesteckt uird in diesen Spalt ein zylindrisch ausgehöhlter Endsproß von Hirschgeweih eingelassen, welcher die Durchbohrung erzeugt, wobei befeuchteter Quarzsand als Agens verwendet wird. Das

In Verbindung mit dieser Wiederherstellung hat der Verein Deutsche Heimat" ein Museum im Schlosse Kammer errichtet, worin,, prähistorische Funde hauptsächlich aus der Pfahlbauära der jüngeren Steinzeit zu sehen sind. Flachbeile in verschiedensten Größen und aus verschiedenartigem Material, durchbohrte Stein­äxte und Hämmer in schöner und feiner Ausführung bieten sich dem erstaunten Beschauer dar, als Beweis großer, manuellen

abcdefgh

Weiß.

Weiß setzt mit dem dritten Zuge Matt.^ Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummer: Kops ohne Herz macht böses Blut, Herz ohne Kops tut auch nicht gut; Wo Glück und Segen soll gedeih'», Muß Kops und Herz beisammen sein.

Pfahlbauberichten derMitteilungen; der antiquarischen Gesell- I Pfahldorf ist durch «inein 40 m langen Steg aus Knüppelholz schäft in Zürich" niÄergelegt. Ein achter Bericht erschien von | mit dem^Festlande verbunden, seinem Schüler Viktor Groß und ein neunter von Jakob Heierli, tvelche neben dem zuerst Genannten sich einen berühmten Namen in der Pfahlbauforschung erworben haben. Als eigentümliche Er­scheinung konnte festgestellt werden, daß die Pfahlbauten der Westschweiz die jüngere Steinzeit, in welcher die Siedelungsart, auf schimmernden Seeflächen, umgeben von dichtem, schattigem Urwald und sumpfigen Niederungen, seine Behausung aufzu- ... ...... ------- .... .... -------

schlagen, zuerst auftritt, überdauern um» noch bis in die späte I Geschicklichkeit vergangener Zeiten. Zahlreiche Ueberreste der Eisenzeit hinein besiedelt sind, so daß selbst die jüngere Eiseir- I Keramik aus Ton, welcher durch Beimischung von Quarzkörnern zeit noch nach einer ausgedehnten Pfahlbaute den Namen La I gefestigt ist, sowie namentlich eine Reihe von Gefäßbruchstücken Tene-$ei:iobe erhielt. A:rders dagegen ist es in der Ostschweiz ! mit Ornamenten, die in das Gefäß eingegraben und durch weiße!

und in den österreichischen Seen, wo man aus dem Mangel I Kalkfüllmasse hervorgehoben wurden, machen den Besuch des

an Bronzefimden schließen muß, daß diese Besiedelungsart mit | Museums zu einem lohnenden. Durch das Entgegenkommen der dem Ende der Steinzeit verschwindet. Wenn aucfy vereinzelte I k. u. k. Intendanz des k. k. naturhistorischen Hofmuseums ist der

Bronzefunde gemacht wurden, so z. B. hat der Schiffmeister j Verein in der Lage, dem Besucher des Museums auch einx

Theodor Wang aus Seewalchen am Attersee an der Stelle der I Reihe von Ghpsabgüssen von Werkzeugformen der Bronze zett daselbst einstmals gegen die Ager zu gelegenen Pfahlbaute vor i und Eisenzeit vorzuführen. Sehenswert sind ferner Nachbildungen einigen Jahren zwei bronzene Gewandnadeln gefunden, welche j von Flechtwerken der steinzeitlichen Pfahlbaute Robenhausen am ihr Besitzer Herr Ferdinando von Peratoner dem Museum des I Pfäffikersee, welche Herr Direktor Gustav Funke der k. k. Lehr- VereinesDeutsche Heimat" in Kammer geschenkt hat, so sind j und Versuchsanstalt für Korbflechterei und verwandte Techniken diese als aus dem Süden importiert anzusehen. In Oester- I dem Museum geschenkt hat. Endlich sind noch Funde der La reich hat Graf Gundakar Wurmbrandt zuerst 1864 mit seinem I löue-Periode zu nennen, welche aus einem vom Museumsleiter! Freunde Grafen Hans Wilczek gemeinsame Nachforschungen in I F. Schenda aufgedeckten Tumulus zu Ober-Egg bei Pichlwang den Alpenseen, hauptsächlich im Attersee, vorgenommen. Er wies I herrühren, zwei Gefäße mit Graphit geschwärzt, welche Leichen- zu Seewalchen beim Agerausflusse, zu Attersee, Aufham, sowie I brand enthielten, zwei Armspangen aus lapis lazuli, sowie eine zu Weyregg und Puschacher Pfahlbauten nach. Eine große Menge I Gewandfibel und ein eisernes Gürtelblech. In rastloser Tätig- von Steinartefakten, durchbohrter und undurchbohrter Hämmer, I keit strebt der Verein darnach, das Museum zu einer Sehens- Aexte und Beile, Geräte aus Hirschhorir und zahlreiche Gefäß?- I Würdigkeit ersten Ranges auszugestalten und hat bereits die Gs- reste waren das Ergebnis seiner mit der Baggerfchaufel vor- I nugtuung, darauf Hinweisen zu können, daß sich das Ausland, genommenen Untersuchungen. 1872 hat Regierungsrat Dr. M. I selbst England uud Amerika, ftir seine Unternehmungen am Alter- Much zu See am Mondsee eine ausgedehnte Pfahlbauansiedlung I fee interessieren und telegraphisch Abbildungen der gelungenes nachgewiesen und noch heute sieht man am Seegrunde Gruben I Wiederherstellung und eingehende Berichte verlangen. Er gibt sich dicht aneinandergereiht, die Spuren der Forschungsarbeit des I der frohen Hoffnung hin, daß sowohl das Pfahlbaudorf als auch verdienstvollen, im Vorjahre verschiedenen Forschers. Wir finden I das Museum, welche den ganzen Tag über gegen geringes Ent- die Pfahlbauten in ganz Europa, mit Ausnahme des hohen I gelt der Besichtigung offen stehen, sich reichen Zuspruches er- Nordens und Ostens verbreitet; auf der Balkanhalbinsel findet I freuen werden.

sich diese Siedelungsweise noch zu Lebzeiten Herodots im 5. Jahr- I hundert vor Christi Geburt vor, welcher uns in anschaulicher I Büdherfiith

Weise von dem Pfahlbau der Päonier am See Prasias in I . .. . . ' * ,* . ... . ,

Thrakien berichtet. Die Pfahlbaubewohner waren Jäger, Hirten I . .dNutt er , ^donatsschrrft für die Verbreitung

Und Fischer und betrieben neben der Viehzucht in bescheidenem I unerkannter Eesundhetts- und Erzwhungslehren (Verlag: El wist Maße Ackerbau. Ihre wichtigsten Haustiere sind Rind, Schaf, Staude, Bmlrn W. 35) Ms vorliegende Heft 10 dreses Jahr-

Ziege, das Schwein und der Hund; der Ackerbau lieferte Weizen, Zanges enthalteineRerhe von lehrreichem Arttkeln, durch die die

Gerste und Flachs. Nach ethnographischen Analogien zu schließen billige Monatsschrrst zu einer wertvollen Ratgeberin für Mütter

ist es wahrscheinlich, daß die Frauen sich mit dem Ackerbau be- I ltni) t-;ern ivrrd.

schäftigten, während die Männer wohl vorwiegend der Viehzucht, | * Der Beginn der KoNzertzeit bringt auch die

Jagd unb Fischerei huldigten. In der Nahrung waren sie nicht I Fortsetzung der Mitteilungen der Musikalienhandlung Breitkopf sehr wählerisch; neben dem Fleische des erlegten Wildes, der und Härtel in Leipzig. Nr. 101 ist soeben erschienen. Die Hausttere und Fische aßen sie alle Arten von Baumfrüchten Mitteilungen werden allen Interessenten von den Verlegern ftuj und Beeren, deren sie habhaft werden konnten. Den Pfahlbauten I Verlangen .kostenlos übersandt.

der Steinzeit hat man ein Alter von 50007000 Jahren zu- *

gesprochen, soviel ist sicher, daß sie lange Zeit bewohnt wärest und ein wichtiges Glied ttt der Kette der Entwicklung menschlicher Kultur in unseren Alpenländern bilden. Aus diesem Grunde

Redaktion: K, Neurath, Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen ttniversttäts-Buch- rmd Steindruckerei.' R, Lange, Gießen,