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In dessen Umwalluug ungeheure Gärten und spiegelnde Seen angelegt sind, riesige Warenhallen und zahlreiche Herbergen für Meirsch und Teer und viel anderes umschließen die zinngekrönten Mauern der sagenumwobenen Stadt. Hier strömt der Handel des Reiches und die Zentralgewalt von Marokkos despotischer 3te? AssssMH zusammen, von hier aus werden Europas Werschlaue Diplomaten lahraus, jahrein zum besten gehalten.
Die Gunst der Lage schuf an den Ufern des Uadi Sbu einest Handelsplatz, in dem alle Karawanenstraßen des Landes zn- sammenlaufen, dem Marrakesch, die zweite, südlichere Hauptstadt des Sultanats, zu kernen Zeiten den Rang abzulaufen vermochte. Wer auch Fes ist herabge>unken von der glänzenden Höhe, die p inncgeöabt. Von 800 Gotteshäusern riefen vor einem Jahrtausend Tenipeldiener zum Gebet — heute steht kaum ein Fünftel davon. Wie Werall in der mohammedanischen Welt ist auch User an die Stelle früheren Glanzes und Ruhmes unaufhaltsame^ Zerfall und Elend getreten, denn Verharren in erworbener Kultur bedeutet Rückgang gegenüber Vorwärtsschreitenden Völkern' ,, r -Innern alles noch unberührt von abendländischem Ein- zlnp Kein Haus europäischen Stils, kein Lebewesen mit fränkischer Kleidung in der ganzen Stadt. Nur lange irackte Häuserfronten, hohe fensterlose Mauern voll klaffender Risse mit regel» W8 angebrachten Gucklöchern. Enge winklige Gassen, die bald neu aufsteigen, bald rapid abfallen. Bedeckt mit Schmutz und! Steingeroll und Bergen von Abfällen jeder Art, gleichen die bogenbedeckten Wege riesigen überwölbten Kehrichtlöchern. Wer PA ortsheimisch ist, gerät fortwährend in dunkle Sackgassen Mit feuchter, moderiger Luft, bedeckt mit Kadavern faulender Tiere und fußtiefem Staub. Neber den ekeln Abfällen fummen a aste Fliegenschwarme, die unfreiwilligen Besuchern in Ohren,
Mund kriechen, fürchterlicher Gestank legt sich lähmend ast' die Brust so sind die Straßen der prunkvollen Sche- ruenresldenz.
„./Die streite Hauptverkehrsader mit ihrem pulsierenden Leben laßt an Mannigfaltigkeit wenig zu wünschen- übrig. Sie zieht sich vom Bab es Segma durch die ganze Stadt in unzähligen Biegungen, oftmals unterbrochen von großen Plätzen, häufig gesperrt durch schwere Pforten, deren es achtzehn gibt in den Straßen von Fes, gemäß den 18 Hauamats. Ihre hufeisenförmigen, Bogen sind wunderbar verziert mit kunstvoll verschlungenen Arabesken und religiösen Inschriften, aber diese Merkmale einstigen Könnens sind verfallen, die S-chrift ist unleserlich geworden, die
"'"A erkennbar. Darunter wandelst gemächlich Acht el Fast, von Erinnerung zehrender Bewohner der Stadt, sie träumen von der Kulturblüte ihrer Ahnen. Niemandem wird es emfalleu, die prächtigen Zeugen alter Kunst vor dem Ruin bewahren zu wollen. Wenn Allah es nicht wollte, würden die hauten mcht verfallen. Und gegen seinen Ratschluß handeln iit lundhast.
n ^^.gpaten auf einen freien Platz. Rechts und links starren hohe nackte Wände empor. Auf -einer Seite drei Dore, das mitt- m L °us .unauffindbaren Gründen vermauert, sie führen zum belebte Karawanenstraße nach Tanger mün- brer Pforten gegenüber ist der Haupteingang zum Dar
P M-LK^u, dem Haus der Regierung und Heim des Gebieters über Marokko. An der Außenwand des Sultanspalastes stehen lust'Ze Zelte unter zinnengeschmückter Mauer. Hier weilt Murn/ Garde und frönt geliebtem Nichtstun. Ein
Muhasni halt träumend das Pferd am Zügel, ein anderer bessert Sattelzeug aus. Eine .Gruppe läßt die Sibsi kreisen, die andere betrachtet die bunten Bilder, Ivie sie in rascher Folge voruberziehen: Reiter in schneeweißem Selham auf kohlschwarzen Berbergaulen, vornehme Mauren auf wohlgenährten Maultieren ^uden in schwarzem Kaftan und zerlumpte Dorfbewohner, Berg- berber m kurzer Dschelabbä, keuchende Träger schleppen unglaubliche Lasten, vermummte Weiber drücken sich scheu die Wände entlang, dicke Würdenträger kommen des Weges in Begleitung grinsender Negersklaven, ein Askri treibt seinen altersschwachen Esel Vor sich her und läßt den Kopf ebenso trübselig hängen wie der Grauschimmel. Dazwischen Wasserträger, arabische Schuhflicker, indische Näherinnen, gravitätische Mauren — ein Getriebe, würdig der größten Handelsknoten unserer Erdhälfte.
Jetzt gelangt man auf den Markplatz. Suk el Chmis, d tz Donnerstagmarkt, heißt er, da er besonders an diesem Tage stark besucht wird. Unzählige Hütten umsäumen ihn, luftige Häuschen aus Schilf und Weidengeflecht, auch viele Zelte, errichtet aus zu anderen Zwecken unbrauchbar gewordenen Säcken und- Matten. Darunter wird alles seilgehalten, was das Land hervorbringt. — pEstn Funadik vorbei erreichen wir die Basare, oder wie der .'.'caghrebi sagt, den Suk, der zu den berühmtesten in mohammedanischer Welt gehört. Schattige Gänge mit dichtgereihten Buden, die angesüllt sind mit Erzeugnissen heimischer und fremder Kunst. Ueberall wimmelt es von Kapuzenmänteln, die den Marokkaner von Glaubensgenossen anderer Länder unterscheidet. Aus'- tofer durchdrängen anpreisend- die Menge. Weiße und blaue Burnusse hängen an den Wänden, herrlich eingelegte Steinschloßflinten und moderne Schießwaffen, alte Reiterpistolen, Schwerter Und Degen oller europäischen Armeen, wuchtige Sikkin mit auf» warts gebogenen Parierstangen und Kumias Volt typisch marost-
Form mit übermäßig gekrümmter Scheide. Dazwischen
prachtvolle Teppiche aus Rabat und Kasablanka und schöne Leder- arbeiten aus Saffi, Fes Und Marrakesch. Da sind Berge gelber Lederpantoffeln, im Gebrauch vom Atlantischen Ozean bis an die Küste von Kyrenaika, rote Schuari, die jeder Marokkaner unter dem Mantel trägt, Massen tönerner Kühlkrüge, Schnitzereien und! viel andere Zeugen Heimischer Industrie. Aber auch sehr viele Waren europäischer Abstammung.
Wir gehen vorüber an der Karnin, der größten Dschama von W unA -r" rener, die den beiden Jdriseu gewidmet ist, dem Nationalheiligen Marokkos und dessen Sohn, der das stolze Fes gegründet. Aus kühlen gedeckten Gängen betritt man durch aufwärts steigende Straßen Fes el Dschdid, Neu-Fes. Daran schließt im Süden das Mellach, das Judenviertel. Die vielen Tore durchschreitend, erreicht man die freie Umgebung, von allen Richtmrgest führen belebte Straßenja den Eingängen der Stadt. Diese Pfor- wohl durch dicke Balken verschließbar und mit riesigen! Schlossern versehen, aber heute tun sie andere Dienste wie zst lenen Zeiten, als prachtliebende Herrscher die Werke aufgestellt: heute hemmen sie den Verkehr und geben lichtscheuem Gesindel erwunfchten Unterschlupf. Das Tor, durch das wir herausgetreten stnd, heißt Bab el Machruk und dient noch anderem Zweck: ast seine Zinnen werden die Köpfe derer befestigt, die in marokkanischfe Enrzgewalt gerieten. Selten durchschreitet man seinen belebtest Doppelbogen, ohne den mittelalterlichen Schmuck sehen zu müssest. Alle Rassen sind da vertreten, trotz gemeinsamer Todesbleiche kennt Man den Schädel des Negers vom braunen Araber oder hellhäutigen Bergbewohner. Verzerrte Gesichter, im TodeSkampi erstarrt, Streifen gestockten Blutes laufen die weiße Mauerwand herab. Man nimmt es nicht allzu genau in Marokko: ob der Misfetäter einen Hammel gestohlen oder seinen Vater erschlagen-, vo er die Weisheit des Einen Gottes zu leugnen gewagt, oder gegen den Landesherrn gekämpft, oder mehr Geld und Gut besessen,- als dem Statthalter seiner Provinz gutdünkte — nicht auf das Vergehen kommt es an, sondern auf hundert andere Kleinigkeiten. Wollte die Regierung Empörer schrecken und -ließ unschuldige Marktbesucher gleichen Stammes einfangen und nm Kopfeslänge kürzen oder kehrte -ein Tabor von seiner letzten Snga mit diesen! blutigen 'Trophäen? Viele der Köpfe sind mit Honig 'bestrichen, um Fliegen cmMloiken, manche sind von Blutkrusten umgaben, andere säuberlich gewaschen. Hier verschmorte Züge, im Faulest begriffen trotz des Sonnenbrandes, dort eist iwch blutendes Haupt, das vielleicht Heute noch die Sonne aufgehen sah — stumme Zeugen barbarischer Jnstiz, rauher Sitten eines rauhen Landes! —
So warm pulsierend das Leben in der Stadt, so ernst gemahnt die Umgebung äst vergangene Zeiten. Der Perlenfluß schlau-, gelt sich- durch die Scherifenresidenz und' teilt sie in zwei Hälften. Durch alle Straßen, in alle Häuser und Moscheen, durch die Gärten und Basare erstreckt sich ein Bewässerungssystem, wie es! ähnlich keine zweite Stadt des Morgenlandes aufzuweisen hat, zu dessen Herstellung heutige Maurengeschlechter nicht mehr fähig wären. Die halbe Stadt ist umgeben von dem belebenden Element, das in Form von tausend Bächen und Kanälen unter den Mauern rinnt, überall saftiges Grün dem sonngedörrten Badest entlockend. Baufällige Befestigungen steHen auf den Hügeln um Fes. Ihre langgestreckten, verfallenen, zerbröckelten Mauern mit vielen halb und ganz eingestürzten Türmen und Zinnen lassen erkennen, daß diese Reste der einst so glanzvollen Stadt nur das Gerippe sind von dem, was ehemals hier gestanden. Wuchtige Ruinen gewaltiger Festungen, die ihr Entstehen tatkrästigest Tyrannen am SultanZMon verdanken, sie träumen neben Resten verfallener Klöster und Paläste. Alte Kastelle, von denen kaum mehr Außenmauern vorhanden, eingestürzte Bogen vernachlässigter Wasserleitungen, H-eiligengräber, deren Dächer und Kuppeln der Zahn der Zeit zernagt — — fie alle sind Zeugen längst versunkener Größe, entschwundenen Glanzes.
Heute rauschen Palmkronen über eingestürzten Grabstellen frommer Männer und deren Nachkommen. Unkraut wächst über diese Stellen, die jedem Verfolgten Asylrecht gewähren. Rundum! drängen sich- Pilgerherbergen, Priesterwohnungen und Karawansereien, beschattet von Feigen- und Oelbäumen, umgeben, vost langgestreckten Hecken riesiger Kakteen. Friedlich weiden Ziegen und Schafe zwischen Bauten einer neuen Zeit und Trümmern! vergangener Glanzperioden einer Volk- und gewerbreichen Stadt, deren Ruhm weit über Afrikas Heißen Boden hinausgedrungen' in alle Welt, die ehedem das Mekka des Westens geheißen. —.
Die Pfahlbauten im Atterfee.
Kaum sechs Dezennien ist es her, als infolge eines ungewöhnlich- niederen Wasserstandes, wie es seit Jahrhunderten nicht der Fall war, die Schweizer Seen ein Geheimnis der Menschheit -enthüllten, welches feit Jahrtausenden in ihrer bergenden Tiefe geschlummert. Dem Lehrer Aeppli zu Obermeilen am Zürichersee war es vergönnt, im Winter 1853/54 in der Nahe seines Wohnhauses Ueberreste alter, menschlicher Siedelungen zu entdecken, auf welche er die antiauarische Gesellschaft in Zürich aufmerksam, machte. Ein Mitglied- derselben, Dr. Ferdinand Keller, widmete sich von nun ab dem Studium dieser ffebexreste Md haj dtd Ergebnisse [einer Forschungen in [ieggn


