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Friedel halb-süß.
Koman von Fedor von Zabeltitz.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
rnit ibiejer beiläufigen Phrase antwortete, fühlte er, daß das. Auge der Gräfin Hoche musternd auf rym ruhte. Und dann mußte er sich ihr zuwenben, Henn sre sagte plötzlich: „Wissen Sie, Herr Friedel, daß Sie mrr kein Fremder sind?"
Er sah sie überrascht an und suchte dabei hurtig in fernem Gedächtnis; war er denn mit dem reifenden Mädchen schon einmal zusammengetroffen? Aber nein, das war üstnz unmöglich. Er hätte auch bei flüchtigster Bekanntschaft sich dieser hübschen braunen Augen und dieses nied- lrchen Gesichts sicher entsonnen.
_ ..In leichter Verlegenheit entgegnete er: „Gnädigste Gräfin, ich frage mich vergebens, wie, wo und wann "
Aber da fiel sie lachend ein: „Nicht doch! Sie zer- gualen Ihr Erinnerungsvermögen unnötig, Herr Friedel. Persönlich haben wir uns heut erst kennen gelernt Aber -fhren Namen kenne ich seit langem. Und nicht nur den ^hrer Firma. Vielleicht lichtet sich das Dunkel, wenn ich ^hnen sage, daß ich zu den Hoches des Hauses Miquelon gehöre."
Fritz nahm den Hut ab. „Ich salutiere zunächst der berühmten Konkurrenz. Zugleich dämmert etwas in meinem Gedächtnis. Vvii altersher schlingt sich ein gemeinsames Band um unsre beiden Firmen."
„So ist es!" rief die kleine Gräfin Munter. „Mein Urgroßvater hat in Ihrem Geschäft seinen Beruf erlernt."
„Ah ja!" — Jetzt wußte Fritz Bescheid. Die Erinnerung kehrte zurück und zugleich das unangenehme Bewußtsein, daß das „gemeinsame Band", das die beiden Firmen verknüpfte, arg morsch und rissig geworden war. Aber er behielt seine liebenswürdige Mene bei) von Nikodemus Kesselholz und seinem geschäftlichen Martyrium ahnte das hübsche Mädchen wahrscheinlich gar nichts.
„Es ist mir eine besondere Genugtuung, gnädigste Gräfin," sagte er, „und auch eine Ehre, daß Sie sich der Tatsache gern zu erinnern scheinen."
„Aber ja — und weshalb denn nicht!? Wir haben so eine Art Fanrilienchronik, .und in i.hr sind alle diese Geschichten genau verzeichnet. ' Kommen Sie nicht einmal nach Epernay?"
„Ich habe da gelernt — bei Sonnois und Mignot —"
„Nun also," fiel die Gräfin ein, „da haben wir ja gleich einen Verbindungspunkt! Wenn Sie Ihren alten Lehrmeistern einmal Guten Tag sagen wollen, besuchen Sie auch mich bei Lieser Gelegenheit'"
Sie hatte das mit der guickigen Frische gesagt, die ihre ganze Erscheinung ausstrahlte. Wer vielleicht dünkte der Fürstin diese Ursprünglichkeit des Temperaments doch zu
viel. Sie zog den Arm des Mädchens unter den ihren uM sagte:
„Schauns, lieber Herr Friedel, so ist die Jugend. Immer vorweg mit dem Plappermündchen. Wie Komteß ladet Sie ein, sie in Epemay zu besuchen — und wenn das Jahr um ist, sitzt sie selbst wahrscheinlich ganz wo anders — aber jedenfalls nicht im Stammhause der Miquelons. Sie ist nämlich mit dem Marquis d'Argenteau verlobt."
Die Fürstin betonte das keineswegs; Wer Fritz verstand doch. Er sah die unsichtbare Scheidelinie, die die alte Dame zwischen dem päpstlichen Grafeuhause und der Bürger- familie aus dem R-Heingau gezogen haben wollte. Und' das amüsierte ihn. Die Aristokratin verleugnet sich nicht — trotz der demokratischen Anwandlungen ihrer lustigen Jugend und den liberalisierenden Neigungen auf der Höhe ihrer Frauenjahre.
Und dann wieder machte ihn eine Bemerkung der Gräfin stutzig. Die Aeußerung der Fürstin schien sie zu verstimmen. Eine ganz kleine Falte trat zwischen ihre Augenbrauen. „Auch als Marquise d'Argenteau bleibt das Stammhaus der Miquelons meine Heimat," sagte sie kurz.
Der Ton fiel Fritz >a uf. Aber er bemühte sich, das Gleich- gewicht wieder herzustellen.
„Gnädigste Gräfin sprechen ein so ausgezeichnetes Deutsch, daß man Ihnen die Französin gar nicht anmerkt," flocht er ein.
„Elle parle aussi le franyais comme une Parisienne,“ sagte die Fürstin.
„Schlimm, wäre das nicht so, DUrchlaUcht," rief die Gräfin. „Ich bin ja doch eine geborene Französin — freilich deutscher Abstammung und «auch in Deutschland erzogen."
Die Fürstin nickte lächelnd. „Etwas verwickelt in der Nationalität. Ich kenne derlei. Ich bin Ungarin, hab« zwanzig Jahre in Paris gelebt, gehöre zur bayrischen Fürstenklasse, bin österreichische Untertanin und als Herrin von Jgelsberg auch getreue Vasalliu des deutschen Kaisers."
„Und fühlen sich auf Schloß Jgelsberg immer am glücklichsten, wie man sagt," warf Fritz ein.
„SBer sagt das? Aeh — die Press^ Die klatscht viel. Mein fieber Herr Friedel, Jgelsberg ist für mich wie ein Mausoleum mit vielen Epitaphien. Und wie eine große Kiste mit tausenden von vergilbten Briefen — und wie ein Erinuerungsschrank. Da habe ich einmal frohe Tage verlebt. Aber das liegt weit zurück. Heut stöbert da oben nur noch die Tradition durch die Luft. Und der Weindunst. Wir sind Krämer geworden — nicht mal Großkaufleute wie Sie — nein, plötrige kleine Krämer, die auf den Pfennig sehen. Sogar meine Rosen hat man ausgerjssen und dafür Rebstöcke auf die Terrassen gepflanzt — bis unter die Schloßfenster — mir dicht vor die Nase. Geld muß eingebracht werden — bah! Ich soll mich glücklich fühlen in Jgelsberg? — es ist zum Lachen, lieber Herr Friedel! Ich lebe da bloß, weil ich mich kasteien will. Es ist meine Jahresmr. . ,


