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sündheit mit einem Humpen seines unbezahlbaren Marsala trurken. Mit uns beschämender östlicher Gastfreundschaft bestand er darauf, daß sein ganzer Vorrat in mein Boot gebracht wurden Witte, Doktor, klingeln Sie meinem Steward."
Mit tastenden Fingern fügte sich der Arzt des „Seahorse -
„Es wird Sie alle interessieren, zu hören, daß der Nektar Schmugglerware ist, die gestern nachmittag in der Bucht ab- aefaßt wurde. Wo die Schurken das erwischt haben, werden sie selbst am besten wissen; jedenfalls wurde der Wein prompt durch den Gouverneur beschlagnahmt, dessen Vorrat, wie er mir erzählte, bereits auf die Neige ging. Vorsichtig mit dem Schaum', Steward! Denken Sie daran, daß Sie einen unbezahlbaren Wein einschenken; achten Sie darauf, daß nicht ein Tropfen
verschüttet wird." .
Die Augen der Offiziere waren stier auf eine Reche Flaschen gerichtet, die der Steward auf einem Präsentierteller hereintrug- Ihre schlimmsten Befürchtungen wurden bestätigt. Doch es half Nichts! Jeder nahm sein Glas — die Bordeauxgläser des Admirals enthielten sicher eine Pinte — und erwartete mit Todesverachtung den Toast. ,
. „Nun, meine Herren, wenn Sie bereit sind — kommen Sie, Steward, helfen Sie! Sehen Sie nicht, daß dieses Glas Nur halb gefüllt ist, und der erste Ingenieur dort drüben das meiste astf den Teppich verschüttet hat? So, ordentlich eingeschenkt! Und mm, meine Herren, ausgetrunken bis zur Neige, bitte.- Ich würde es als eine persönliche Kränkung auffassen, falls jemand nicht die Gesundheit unseres prächtigen Freundes, des Gouverneurs, bis auf die Nagelprobe trinken würde. Doch einen Augenblick! Wir dürfen nicht den unbekannten Weinschenk vergessen, dessen Genius wir diesen schäumenden Nektar verdanken! Unglücklicherweise hat der Arzt mir vorgeschrieben, außer Champagner alle anderen Getränke zu meiden. Wie herzlich leid mir das tut! Ich muß mich daher mit einem Glase harmlosen Sekts begnügen. Wie ich Sie beneide! Meine Herren, ich habe die Ehre, mit Ihnen auf das Wohl des Gouverneurs anzustoßen. Und dann noch schnell gleich ein zweites Glas auf das An- Eiken des unbekannten, doch darum nicht weniger hoch« zu
enden Weinfchenks!" ;
„Nur Mut!" flüsterte Ingenieur Plantagenet Pooly, und sein Gesicht war noch ein weniges bleicher, als der wunderbar weiße Seifenschaum, der seinen bläulich bebenden Lippen ent- gegenknisterte. „Nur Mut!"
„Ja, Marsala schmeckt gut!" triumphierte der Herr Admiral Md leerte heiter sein Sektglas.
(Ein Wort für die Lehrer.
Sieg fried Trebitsch veröffentlicht in der „Neuen Freien Presse" eine kurze Abhandlung über die Leiden der Lehrer, aus der wir das Nachstehende wiedergeben:
Ma» Muß kein Freund von Binsenwahrheiten sein, um sich verführt zu fühlen, Dinge auszusprechen, die einmal jeder gewußt hat. Eine Häufung von Ereignissen, die Zeitströmung und leine plötzliche Umkehr von Vorurteilen zwingen dazu. Man hat den Wunsch, geborstene und gestürzte Säulen ausznrichten, um darauf hinzuweisen, daß es immerhin Säulen gewesen sind. So scheint es mir an der Zeit, einmal ein Wort für die Lehrer einzulegen, bei aller Anerkennung der Heilsamkeit der Kämpfe, die gegen ihren Stand und manche seiner verknöcherten Repräsentanten geführt wurden.
Die Lage der Lehrer in den Volks- und Mittelschulen ist durch die scharfe Kontrolle der Oeffentlichkeit und durch die Auf- deckrmg aller wirklichen Uebergrisfe keine sehr leichte geworden,- denn sie hat auch scheinbar -allen schlechten Elementen die Möglich!- keit geschaffen, sich zu behaupten rind im Schatten des Schutzes, den die, wirklich Bedrängten verdienen, ihr Schmarotzerunwesen zu treiben. Vor den Fischern, die im Trüben angeln, kann nie genug ges». warnt werden. Sie verleumden auch itt verhängnisvoller Weise die Kunst. Die, schülerhaften Stümper und schwülstigen' Nachahmer des Impressionismus haben diese hohe und neue Malart schwer kompromittiert, genau so wie die Nachahmer von Richard Strauß ihren Meister und die Pseudoartisten die großen WortkünstleN unserer Tage kompromittieren.
Heute findet man kaum meh reine »dankbaren gläubig en Schüler, der in der Schule zu seinem Lehrer aufblickt Und sich klar macht, was er ihm alles verdankt. Dagegen ist der ein Typus geworden, der faul, unbegabt, störrisch, förmlich -stolz auf seine Mißerfolge in der Schule, für eine talentvolle! Kraftnatur gehalten zu werden beansprucht, die sich eben bet» Zwang und der Einfalt ihrer Vorgesetzten nicht zu fügen vermag. Es ums; diesen Sprößlingen gesagt werden, daß schlechte Zensuren kein Befähigungsnachweis sind, und daß nur der sich nicht verdächtig macht, talentlos und beschränkt zu sein, der fein Interesse konzentriert und durch eine große Bravour in dem eine» Gegenstand für seine Unfähigkeit, sich mit andern zu befreunden/ entschädigt.. Es ist ganz gut Möglich und wahrscheinlich, daß Schüler mit reichem Interesse für humanistische Lehrgegenstände schlechte Mathematiker sind und Mühe haben, sich in Physik, Ehemie oder darstellender Geometrie wenigstens jene nötigste»
Kenntnisse anzueignen, die ein Aufsteigen in die nächst höherA Klasse ermöglichen. Wer aber allen Lehrfächern mit beharrlicher Interesselosigkeit gegenübersteht, der verwirkt das Recht auf unsere Teilnahme; man lege es nicht der Schule und dk» Professoren zur Last, daß sein Hirn leer bleibt.
Wenn sich heute ein junger Mensch in einer Kanzler, r» einem' Kontor oder in einem Amt um Aufnahme bewirbt und mast ihn nach seinen Zengnissen fragt, so überreicht er sie häufig mit dem überlegenen Lächeln des Unverstandenen. Ein Blick in seine Papiere erklärt seinen Stolz sofort. Er hat schlechte Rötest und entschuldigt sie allsogleich mit der Unfähigkeit seiner Lehrer- die ihn nicht begriffen und sein Interesse nicht wachzurufen wußten.- Tas Gesuch, das der Bewerber aber seinen Zeugnissen voran- schickte, macht es nur zu klar, daß er in der deutschen Sprach!« gerade noch die Note „genügend" empfangen hat. Dre Oeffent- li-chkeit bemächtigt sich schnell und gern aller Leiden der Schülers und hat infolgedessen kaum ein Ohr für die Leiden der Lehre»- die aus eigener Erfahrung alle Schmerzen der Lehrjahre rennen- da gerade sie am längsten Schüler gewesen sind und tn peti Regel erst bei ihrem Amtsantritt den Uebergang endgültig vollzogen haben. Schon deshalb schlummert in den meisten ein reges Interesse für die ihnen Anvertrauten. Die Feldwebelnaturen/ die den eigenen Stand, aus dem sie eben hervorgegangen, sofort! zu unterdrücken und zu quälen beginnen, wie sie gequält wurden, sind unter den pädagogisch gebildeten Männern nur sehr selten.,
Man betrachte einmal einen Lehrkörper »nd seine emzelne» Mitglieder, Man lerne sie kennen. Es ist ost ein rührende» Menschenschlag. Unter den Professoren des Deutschen und der Geschichte gibt es manchmal ergreifende Gestalten: entmutigt« Forscher, enttäuschte Dichter, Poeten, die sich nicht ans Licht wagen, aber ehrlich bemüht sind, vielleicht in irgend einem Schüler zu lebendiger Flamme zu entfache», was im eigenen Wesen stumm und unbeachtet verglühte. Man muß sich wirklich fragen, was aus dem Menschen werden soll, der in der frühesten Jugend voM Wesen solcher Männer unbeeinflußt bleibt, dem jede Arbeit z» viel ist und der über Unterdrückung klagt, wenn er schwelgest und lauschen soll, statt lose zu schwatzen. Wenn man in den anf- nahmsfähigen Jahren den ersten Erweckern des Smnes für die Macht des Wissens kalt gegenübersitzt, (mit halbem Ohr zuhört und interesselos bleibt, stellt man an die Geduld freudig begeisterter Lehrernaturen die höchsten Anforderungen. Unter de» Professoren der Physik und Mathematik gibt es manche» anregenden Phantasten; man türmt nicht täglich Ziffern auf und reiht Zahlenkolonnen aneinander, ohne sich selbst in -abenteuerliche Möglichkeiten zu verlieren und unwillkürlich die Phantasie williger Schüler zu befruchten. '
Die Lehrer verdienen, wieder unser Vertrauen zu gewinne».- Bei ihrer Wahl entscheide einzig und allein der Werdegang ihres Lebens. Wen Wunsch und Lust zu dem Beruf geführt haben, der ist auch ein Berufener, denn er liebt die eigene Vergangenhech und daher auch die Schüler.
humoristisches.
* Berechtigter Zweifel. Besucherk -,Warum den» so aufgeregt, lieber Herr Förster?" — Förster: „Ach, ich habe meiner Wirtschafterin einmal ordentlich die Wahrheit gesagt! — Besucher: „Bringen Sie ja gar nicht fertig!"
Rösselsprung.
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Auflösung in nächster Nummer i
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Iunggesellenwirtschaft.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»'


