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über den Weine n, die bei uns'Mar gesüßt, aber nichts gewässert werden."
„Bravo. Also der alte Herr lebt dien merci immer noch?"
„Und ist geistig noch immer von einer erstaunlichen Regsamkeit. Von mir hält er mehr als mein geehrter Herr Vater. Für Vater und Mutter bin ich in der Tut, und werde es wohl zeitlebens bleiben, nichts als Friedel halb-süß. Nichts Ganzes, nichts Volles: halb und halb wie die berühmten Schnäpse von Mampe und Erven Lucas Bols. Aber vielleicht rückt mich die Idee mit der Marke Exzelsior ein wenig aus der Süße heraus und in die praktischere Herbheit hinein. . ." Er streckte dem Herzog über den Tisch hinüber seine Hand entgegen. „Nochmals Dank, Durchlaucht!"
„Aber ich bitte Sie, Liebster — es ist gern geschehen. Halten Sie mich auf dem Laufenden, wenn Sie Antwort von der Gesandtschaft bekommen..." Er erhob sich und. warf ein Geldstück auf den Tisch. . . . „Nun kommen Sie — der Akt muß bald aus sein, und ich vermute, Majestät wird mich zu sich befehlen. Zedtwitz machte vorhin so eine Andeutung."
Er zupfte an seiner weißen Weste und schob wieder seinen Arm unter den Fritzens.
„Durchlaucht sprachen vorhin von einer kleinen Gefälligkeit, die ich Ihnen erweisen könnte."
„Ach ja — richtig! Die Paula will sich verheiraten. Ich segne diesen Gedanken —"
„Oh, käme doch die Mieze auf eine gleich vortreffliche Idee! Nur dürfte ich nicht das Ziel ihrer Wünsche sein."
„Ich bin zufrieden, daß das Schwesterchen minder hoch hinaus will. Der Mann ihres Glücks ist aus einer Fabrik für ätherische Oele hervorgegangen, übernahm ein Drogen- geschäst, machte pleite und hat nun eine neue Stieselcreme erfunden, auf die hin er seiner Existenz wirksameren Untergrund zu geben hofft. Paula sandte mir ein halbes Dutzend Schachteln besagter Stieselcreme als Probe gratis und franko, legte aber einen Brief dazu, in dem sie mich bei den süßesten Erinnerungen beschwor, ihrem Zukünftigen die Etablierung zu ermöglichen. Ich soll mich! überzeugens daß die Creme eine Revolution unter allen glanzbereitenden Fettwaren Hervorrufen und ihr Geliebter unter diesem Zeichen siegen werde. Eine Dose genüge, selbst den ältesten Stieseln, die man nur noch bei tristestem Novemberwetter trage, siebzigmal hintereinander die Reinheit der Tugend zu geben; doch die Einführung dieses Fabrikats koste Geld. Kurzum ein Pump, auf den ich längst vorbereitet war und dem ich wohlwollend gegenüberstehe. Nun kann ich aber> wie die Verhältnisse sich gewendet haben, selbst durch meinen Sekretär nicht mehr mit Paulinchen in Verbindung treten. Daher die Frage: wollen Sie ihr in meinem Namen die Summe aushändigen, die ich ihr zugedacht habe?"
Fritz nickte zustimmend. „Es wird mir ein Vergnügen sein, die pertrauliche Mission mit vollendeter Delikatesse auszuführen," erwiderte er. „Vielleicht, daß mir dabei Gelegenheit wird, auch die Mieze von den Vorteilen einer solchen Auseinandersetzung zu überzeugen."
„Wir sind rohe Männer," sagte Abeelen.
„Das sind wir, Durchlaucht. Aber demgegenüber ist es ein Glück, daß die Natur den menschlichen Empfindungsbarometer in zahllose Grade zerlegt hat. Was dein! einen Herzlosigkeit deucht, ist dem andern eine Feinfühligkeit obnealeicben."
„Es ist gut, daß sich für jede Tat eine bequeme Ausrede findet."
„Wußte höchstdero Paula Paulowna nicht, daß ihr fürst/ kicher Liebeszauber einmal zu Ende gehen würde?"
„Natürlich wußte sie es. Aber mein ästhetisches Bewußtsein empört sich gegen den prosaischen Ausgang. Das Zweckdienliche ist nicht immer schön. Diese kleine Liebelei war im Grunde genommen der letzte Frühlingsrausch meines Herzens. Nun kann ich nicht mehr in gehobener Stimmung an ihn Zurückdenken, weil mich die Stiefelcreme stört."
„So ist es," entgegnete Fritz. „Das ©törenbe liegt aber nur aus Ihrer Seite, während für Paula besagte! Fettsubstanz ein neues Glück bedeutet. Bet ihr steht der Empfindungsbarometer in diesem Falle auf plus minus Null."
Der Herzog lachte. Dann blieb er stehen und lauschte. Man befand sich im unteren Couloir. Der Akt war noch
-„Sie soll alle schlagen.^
>,,Ma," schmunzelte der Herzog, „da Müßt Ihr Euch beeilen."- i
„Oh — wir.haben genügend Lager. Und nicht nur das. Wir haben auch schon eine trockene Marke in Vorbereitung; sie ist allerdings hauptsächlich für das Ausland geplant. Die Tirage ist längst vollendet."
„Glänzend, wie Sie Bescheid wissen! Friedelchen, Sie sollten die Attila ausziehen Und heute noch Koofmich werden. Wer wird denn das Geschäft weiterführen, wenn Ihr Herr Vater einmal nicht mehr ist oder den Ruhestand vor- zieht?"
„Ich glaube, er denkt an eine Umwandlung in eine .Aktiengesellschaft. Bloß der Großpapa wehrt fich noch dagegen. Ich habe keine Stimme im Konvent."
Der Herzog verschränkte die Arme auf dem Tische Und ljeß den Blick fester aus Fritz ruhen. Der kleine Leutnant hatte in den zwei Jahren, da er ihn nicht gesehen, entschieden gewonnen. Er hatte noch immer etwas nervös Fahriges in seinem Wesen, aber das hübsche, gold- grüne Auge war tiefer geworden und die ganze Art seiner Selbstironisierung ließ aus regeres Denken schließen.
„Sagen Sie, Friedelchen, warum sind Sie eigentlich Offizier geworden?" fragte Abeelen. „Als einziger Sohn hätten Sie nach der Regeldetri doch« Zukunft und Hoffnung der Firma sein müssen."
„Teuerste Durchlaucht, ich bin wenig gefragt worden. IM Hause hat immer die Mamä regiert. Sie ist in London erzogen worden und zwar bei einer Freundin ihrer- Mutter, einer Douglas-Scott, und die Scotts gehören dem Herzogsgeschlechte der Buccleuch und Queansberry an. Manchmal tut ja auch die Herzogskrone der gesunden Menschlichkeit keinen Schaden — ich exemplifiziere nicht, um nicht als Schmeichler M gelten —, aber zuweilen ist es auch anders, zumal wenn der Schatten der Krone in bürgerliche Sonne rückt. Das war hier so —- na und — als ich mein Jähr abdiente, fand Mutter mich in der Uniform so blendend schön, daß sie meinen Uebertritt in die Aktivität durchsetzte." '
Abeelen nickte. „Ich erinnere mich. Ich habe Sie ja Noch mit den Schnüren gekannt. Aber jedenfalls haben Sie das Geschäft erlernt?"
„Ja natürlich." v
„Und wären auch immer ein tüchtiger Offizier, Frie-4 delchen. Nur kein passionierter — he?"
„Keiner mit Herz und Seele. Aber es ist schon gut, ich gelte dafür. Ich hatte auch nichts dagegen, überzutreten.. Dis Jacke lockte, die Gesellschaft, der Sport — es lockte so vieles. Und die Weinpanscherei behagte mir gar nicht. Ich war damals noch sehr jung und ein ziemlich zarter Bursche. Ich entsinne mich, daß ich. den Kellerdunst schließlich kaum noch ertragen konnte. Um mich! abzuhärten, ließ ich mich in Huelva einmal nachtsüber in den Kellern der Firma Castaneiro einschließen. Ich versichere Sie, daß Mich da das geheimnisvolle Glucksen des gärenden Faßweins fast verrückt gemacht hat. Es wär, als ob lebendige Stimmen rings um mich flüsterten."
„Und war auch wirklich ein .Echo des Lebens," sagte der Herzog. >,Lebt nicht der junge Wein wie der Mensch Und muß die Zeit ferner revolutionären Torheit überwinden? — Ich habe übrigens noch nie die Kellereien- ejiner großen Weinfirma besichtigt. Es muß interessant sein."
„Ich stelle mich! mit Vergnügen zur Verfügung."
- !„Sehr liebenswürdig. Vielleicht finde ich Zeit dazu. Aber kommen wir aus Ihr Anliegen zurück. Da der Mrinz der Niederlande den Taufakt des „Exzelsior" vollziehen will, muß ihm in der Wahl des Taufweins auch die Vorhand verbleiben. Senden Sie eine Eingabe an Unseren Gesandten im Haag und bitten Sie um Berücksichtigung Ihrer neuen Marke. Der Gesandte wird das! Gesuch vermutlich an das Oberhofmeifteramt weitergeben. Der Zeremonienmeister Gras Nijvijck ist mir gut bekannt- ich will persönlich an ihn schreiben und denke, daß dann! die Geschichte gemacht ist."
Fritz hatte einen Crahon aus der Tasche gezogen und Machte sich eine Notiz aus seiner Manschette. „Tausend Dank, Durchlaucht," sagte er lächelnd. „Das wird! eine große Freude für den Alten sein — und ich! taxiere, auch, für den Opa. Der Opa ist nämlich Mein Großvater, dep Geist über den Wassern — nein, das ist in diesem Falle eine falsche, für die Firma beleidigende Wendung: der Geist


