Ausgabe 
24.9.1910
 
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Nr. M

mo

BBS

11!

Friedel halb-süß.

Roman von Fedor von Zobeltitz'.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Durchlaucht hoffen viel von Ihrem Exzelsior? fragte Fritz. !

Ja, lieber Freund. Seit ich! Heu Abschied genommen habe, lebe ich nur noch meinem Luftschiff. Lesson, mein Techniker, ist meine einzige Hilfskraft.

Sind die Kosten des Baus nicht riesige?"

Sie hätten jedenfalls meine verfügbaren Mittel über­stiegen. Die meisten meiner Besitzungen find fidcikom-i Missarisch gebunden. Mer wir haben eine Gesellschaft ge­schaffen, an deren Spitze der Prinz der Niederlande steht. Da floß uns der Mammon von allen Setten reichlich- zu."

Haben sich Durchlaucht nicht für den Fall des Ge­lingens dem preußischen Knegsministerium verpflichtet?"

>,Das hat mich! abgewiesen. Aber es schadet nichts. Wenn meine Erfindung für den Kriegsdienst benützbar sein sollte, weiß ich doch, was ich tue trotzdem ich nicht nur preußischer, sondern auch belgischer und Holland bischer Untertan bin. Vorderhand stehe ich in holländischem Bann. Der Prinz der Niederlande hat sich mit so rühren­dem Eifer meiner Sache angenommen, daß ich ihm tief verpflichtet bin."

Und daher auch Ihr Aufstieg auf holländischem Gebiet."

Ja daher. Uebrigens sprachen zugleich, Terrain-, fragen mit. Das' Gelände von Uttenhooven ist wie ge­schaffen für meine Zwecke. Es ist Besitz der Königin, und ich kann da schalten und walten, wie rch will, ohne mich neugierigen Beobachtungen aussetzen zu brauchen."

Fritz nickte.Ich verstehe. Aber der Aufstieg soll Vor versammeltem Publikum vor sich gehen?"

Ei gewiß. Dann habe ja keine Geheimnisse mehr. Der Prinz möchte die Sache sogar mit Pomp und Varia- !tionen in Szene setzen. Es ist mir nicht sonderlich recht, aber ich kann auch nicht Nein sagen. Er will eine große Feierlichkeit, so eine Art Taufzeremonie."

Wie bei den Schiffen."

Ja, 'wie bei der Schiffstaufe. Sogar die Sektflasche soll nicht fehlen. Wenn ihr der Hals gebrochen totrb> steigt mein Lastfuhrwerk in die Höhe. Holländische Blätter Müssen darüber schon Andeutungen gebracht haben, denn Mein Sekretär ist bereits von verschiedenen Champagner-, firmen bestürmt Morden, bei der Taufe ihr Produkt zst verwenden."

Fritz fuhr von seinem Stuhle aus.Teufel, das ist interessant!" rief er.Welche Firmen, Durchlaucht, wenn ich fragen darf?"

Aha, Friedel halb-süß beginnt zu schäumen," ent­gegnete Mrelen lachend.Lieber Junge, das weiß ich!

nicht. Der Hauptquälgeist wär Miquelon fils in Epert nah. Sagt wenigstens mein Sekretär."

Fritz schwieg einen Augenblick. Seine rechte Hand fingerte nervös über die Verschnürung seiner Attila. Unten der Mtila regte sich- das Kaufmannsblut.

Durchlaucht verzeihen Sie mir die Bemerkung" und er errötete dabei wie ein Kind, das sich einer DumMt heit bewußt istDurchlaucht werden bei dem Taufakt doch keine französische Marke verwenden?"

Der Herzog amüsierte sich sichtlich.O Friedelchen, wie ich in Ihre schöne Seele schauen kann!" erwiderte ep lustig.Mer es freut mich', daß sich der Kaufmannsjunge! trotz seiner bunten Jacke nicht schämt, an das Geschäft zuj denken. Wahrhaftig, es freut mich. Hille ist nicht so, Wenn man in dessen Gegenwart eine Tasse Schokolade for-i dert, wird er schon blaß."

Ich weiß nicht," sagte Fritz langsam,ob ich kauf­männisch veranlagt bin. Mein Vater bestreitet es. Das' tut er schon der Mama zuliebe. Aber ich selbst ich ert tappe mich zuweilen auf merkantilen Neigungen. Ich habe freilich auch Schuldenmachen gelernt nun ja, aber ich beschneide den Gläubigern gewaltig die Wucherzinsen, als wäre ich mein eigener Sohn, den ich zu rangieren hätte. Und ich führe Buch über meine Ausgaben und wenn! ich etwas einkaufe, handle ich manchmal wie ein Mühlen-, dämmer. Wenn die Mama das hörte, würde sie schnur-i stracks in Ohnmacht fallen."

Sie hört es nicht. Die Mama ist auch keine Kauft mannsfrau, sondern eine Lady. Das hatte ich bereits nach der ersten Verbeugung heraus. Also, Friedelchen, ich verstehe Sie. Sie möchten gern, daß der Cuvee Ihrer Firma der Taufwein würde?"

Ach Gott, Durchlaucht--natürlich wäre das eine

ungeheure Reklame. Sie ahnen ja gar nicht, mit welchem Hochdruck an Reklame unsre Schaumweinfabrikation art beitet! Es ist geradezu fabelhaft."

Mer nicht schön. Die Franzosen verschmähen das."

Auch nicht mehr. Sie kommen nicht anders mit, Nur gehen sie diskreter zu Werke. Das will ich zu-s gestehen. Sie sitzen sich nicht ganz so auf dem Nacken wie wir hier. Wir schubbsen uns mit den Ellenbogen, und! einer überschreit den andern. Richtig, daß es eigentlich greu-s lieh ist' über in jedem Kampfe pflegt es läut zu werden . . . Herrgott ja," rief er,wenn der Exzelsior mit Friedel ge­tauft werden könnte das ginge über jede Reklame!"

Machen wir," sagte der Herzog heiter.Ohne Provi^ sion. Als Revanche erbitte ich mir eine Gefälligkeit. Bloß ja Friedel halb- paßt mir nicht. Ist mir zu labbrig. Habt Ihr nicht eine andere Marke?"

Wir führen sie ein. Marke Exzelsior extra-dry. Fast ganz ohne Dosierung. Herbe wie der Mumm Cordon rouge. So unliebenswürdig wie möglich'. Aber fein von Gehalt."

>,Dis beste deutsche Mauke."