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SItnxei ausgelittest hatte. Allein, 'ein hinfälliges Welblem lunb ein jugendstarker Bursche, das ist ein Unterschreit Emtge Stunden nachher, als sich der Achendörfer Schäfer anschickte, das gebrochene Bein einzurenken, kam Peter zur Besinnung. Wertere Ver- ^üngen hatte e "'s° zerschunden er auch war, nicht davongetragen. In drei Wochen höchstens, prophezeite der Wunderen, könne der Verunglückte wieder laufen wie em Has. Sprach s, ließ stch feüt oitorett unauffällig in. bie tQanb btüifcit, unb 6in8 init einem herablassenden Gruß davon. Die Zurückbleibenden schauten ihm bewundernd nach. , Äi ,
„Er is gescheuter wär en Dokter, sagten sie. < ,.
Na, »mb der Peter hatte wahrlmftrg wieder mal Gluck gehabd Bon dieser Tatsache war man rn Gansbach Mer denn leüber verrat. Man bedenke doch! Nur em stmpeler Bernbruch, em,Fast aus vier Metern Höhe ist doch kein Kinderspiel? Und wie leicht hätte er den SSatS brechen können! Wenn er schließlich auch em lahmes Bein behielt, dann brauchte er, w«s dre HaupUache war, nickit -w dienen, außerdem war ihm eme lebenslängliche Unfall- rente obendrein sicher. Ist das etwa nichts teert? Ja, Wenns
Von"al? dM ^vielen Glück blieb jedoch Nichts übrig als die- Militäruntauglichkeit und der gerettete Hals. Pettt lag vorläufig in dem dunkel verhängten Stübchen mit fernen Schmerzen allein. Hin und wieder sah die alte Eckelres aus dem Armenhaus nach ihm, aber die Frau war halbtaub und zur Krankenpflege völlig Ungeeignet. Manchmal besuchten ihn auch ferne Schulkameraden, oder eine mitleidige Seele brachte einen Topf Milch und em Paar Eier. Und jedesmal, wenn die Türe srch öffnete, bhcSte er er-s wartungsvoll auf. Vergebens — die Erne, an dre er Tag und Nacht denken mußte, kam nichü . . .
Nach drei Wochen konnte Peter nicht mal.kriechen wie eme Schnecke, geschweige denn laufen wie ein Has. Dann trat noch der Knochenbrand hinzu, und das Ende vom Lred war, daß sre ihm in der Marburger Klinik, um fern Leben zu erhalten, das ver-, letzte Bein mit Rumpf und Stumpf absägten. ,
Blieb noch die Unfallrente. Was dre anbelangte, so belehrte ihn achselzuckend der Bürgermeifter, bas ser em „Schwerpunkt. Denn die Berufsgenossenschast hatte durch eme von ihr heraus-- geschickte Kommission feststellen lassen, das Gerüst entspräche durchaus nicht den gesetzlichen Vorschriften, wodurch sie ihrer Sbafb’ pflicht entbunden sei. So stand es in einem siebenspaltrgen Gutachten ausführlich zu lesen. Da waren dre Stangen und Seiler Nicht von ordnungsmäßiger Beschaffenheit, da warengroße Abstände in den Traghölzern, da fehlte die unbedingt erforderliche Rücklehne und anderes mehr. Peter, verantwortlich vernommen, Miißte das alles zugeben, aber woher nehmen und nicht stehlen. Inzwischen wurde der Aktenbündel m Sachen Peter Serpels contra Maurerberufsgenossenschaft immer dickleibiger, bis auch die oberste Instanz zu seinen Ungunsten entschM. „ ,
Das war ein harter Schlag für den armen Burschen. Braucht es noch gesagt zu werden, daß er jetzt bei allen, die ihn kanntön,> für den ausgemachtesten Peihvogel galt, der lemal^> aus der Wetterau mitgebracht und in Gansbach zur Welt gekommen war?
,,Hunn aich's nit doamols gleich gesproche, klagte der Bürgermeister seinen Räten, „der Peter fallt nochemol der Gemeind 61U ^Jajoa, Borgemeester," pflichtete ihm der erste Schöffe bei, r,Jhr hett raicht, der Peter steckt rn keener gwute Haut.
Nur der Michelsschuster, der, von der 3. Klasse gewählt, gewöhnlich den Oppositionsmann herauskehrte, erlaubte sich anderer Meinung zu sein. Man solle sich doch keme Gedanken um ungelegte Eier machen, ob der Verunglückte denn überhaupt etwas von der Gemeinde haben wolle. Soviel er vernommen ln-be, ginge Peter mit dem Plane um, sich eine Drehorgel anzuschaffen, nm sich auf 'diese Weise durchs Leben zu schlagen.
„Was? Eine Drehorgel?" entrüstete sich der hohe Rat, seit Menschengedenken sei kein Orgelmann ins Gansbach gewesen, das wäre ja eine Schande und ein Schimpf fürs ganze Dorf. _ ,
Der Michelsschuster entgegnete, ihm könne es ja einerlei sein, aber jedenfalls sei ein Drehorgelfpieler immer noch besser wie ein Bettelmann, sie sollten sich z. B. mal den lahmen Gelberk in Muckershansen betrachten, der sich in kaum zwanzig Jahren ein Vermögen erworben habe, um das ihn mancher kleine Kuh- Hauer beneide. ,
Diesen und anderen mit großer Wärme vorgetragenen Gründen vermochte sich das Kollegium doch nicht ganz zu verschließen, Und der Bürgermeister erklärte sich am Ende der Sitzung sogar bereit, bei dem Landratsamte um einen unentgeltlichen Wander- Newerbeschein vorstellig zu werden.
(Schluß folgt.)
Vermischter.
* Düs Segel,- das man in mannigfachster Weise zuist Mechanischen Antrieb benutzt, hat man in Chile, wo in gewissen. Monaten ein regelmäßiger heftiger Wind' weht, zur Fortbewegung von Eisenbahn-Arbeiterwagen eingeführt. Nach der >,Umschau" werden die kleinen Wagen auf der Strecke Autofagasta-Oruro nur
durch den Wind getrieben'. Die Spurbreite der Bahn betragt NA einen Meter. In der Mitte der Wagen wird ein Mast aust gerichtet und daran ein riesiges Segel befestigt/ das ganz nach der Art von Schiffssegeln benutzt wird.
* Das plötzliche Ergrauen der Haare. Daß das Haar mancher Menschen innerhalb von Stunden ergraut oder weiß geworden ist, wird schon seit Jahrhunderten berichtet. Ms Ursache wird meistenteils oder ausschließlich Schreck und Furcht genannt,/ Historisch überliefert sind solche Gerüchte durch Beobachtungen von Augenzeugen bei einer ganzen Reihe von Personen, tote z. B. bei der Königin Marie Antoinette, als ihr das Todesurteil vEndeL wurde, bei dem Gefangenen von Chillon Fran» Bonward u. a. Die Haare Ludwigs Sforzas, des Gegners Ludwigs XII. vost Frankreich, erbleichten, als er den Franzosen m die Hande gefallest war, in einer Nacht. Ein Soldat soll mit schwarzem Haar rn die Schlacht bei Königgrätz gegangen und mit weißem zuruckgekommest 'ein. Aehnliche Fälle verbürgen englische Aerzte aus dem Krim- kriege. Obwohl sich nun die Wissenschaft häufig mit dem plötzlich^ Ergrauen befaßt hat, gibt es doch noch keine überzeugeiche Theorie darüber, ja einzelne Aerzte leugnen noch immer die Möglichkeit/ daß das Haar über Nacht weiß werden kann. Dagegen hat kürzlich/ wie die „Internationale Friseurzeitung" mitteilt, ein lapamschep. Arzt einige derartige Fälle wissenschaftlich beobachtet. Durch mikroskopische Untersuchungen kam er zu dem Resicktat daß lN Zeiten des Kummers, der Sorge, der Angst der Farbstoff des Haares erbleiche. Hat der Druck auf das Gemüt nachgelassen, so gewinnt auch das Haar seine natürliche Farbe zurück. Ueberhaupt bietet, wie der japanische Arzt weiter schließt, das Haar in semep Färbung einen Gradmesser für das Gemütsleben des Meifichen./ Physiologisch bedeutet nach Professor Rieda das Grau- oder Weiß- werden nicht etwa die Folge einer Veränderung oder gar emes. Verschwindens des Haarpigments, sondern das bisher schwarze oder farbige Haar wird durch neues pigmentfreies ersetzt. Der Prozeß ist infolgedessen ein Wechsel des Haares und kein Entschwinden des Pigmentes. Das Pigment, der Farbstoff, ist außergewöhnlich dauerhaft, ja man findet es sogar in ägyptischen Mumien und in Körpern, die schon lange Zeit unter der Erde gelegen habest.
* Sehnsucht. Sie: „Ach, ich möchte verreisen! Ich sehne mich so sehr in die Weite!" — Er: „Kunststück, bei dem engen Rock!" , . ' . . .
* Moderne Kinder. „Fritzchen, du bekommst nun, em Schwesterchen." — „In solchen Dingen müßte doch unsereins auch gefragt werden!"
Büchertisch.
— „Die schöne H elena", Offenbachs Meisterwerk, bringt das neueste im Verlag von Ullstein u. Co., Berlin, erschienene! Hest der „Musik für Alle". Aus dieser mythologischen Parodie finden wir in dem Heft sowohl die heiteren und witzigen Szenem Austritts-Lieder und Couplets, als auch dre lyrischen Höhepunkte in chronologischer Reihenfolge. In seinem Eingangs-Artikel, der reich illustriert ist, bietet daS Heft eiste eingehende Würdigung büt ©bttctt’C.
— „Die Deutsche Bühne" (das amtliche Bla» des Deutschen Bühnenvereins) bringt in der 12. Nummer des 2. Jahrganges einen Leitartikel „Theatersommer", der über die Ereignisse des Sommers Bericht erstattet; ferner einen Beitrag vom Geh. Adm.-Rat Dr. Fetisch über den „Deutschen Bühnenspielplan," der ab September d. I. in den Verlag Oesterheld u. Co. übergeht und neue einschneidende Veränderungen erfahren soll. An weiteren Artikeln seien genmutt: „Titus Andronicus" von Iohaniies Schlaf, „Deut che Bühiieiileiter als Gratulanten Reclams" vo>i Dr. Adolf Kohut, Deutsche Theater-Neubauten, Stellenvermittlergesetz und die übliche Chronik der wichtigsten Ereignisse.
Bilderrätsel.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer r Barbe — Rembo(d — Amis. — Uran — Sa(omo — Ebn — Leoni: Brauselimonade.
Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch, und ©teinbrueferei, R. Lange, Gießen,


