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Droesigl.
Moman von Georg Freiherrn von Ompteda. (Nachdruck verboten.) (Schluß.)
Nun sah man sich auch im Saale um. Die Kunde von den neuen Rubens war zu aller Ohren gedrungen, und man suchte die Fensterseite auf, um die farbenfrohen Schöpfungen besser übersehen zu können.
Irgendwie hatte sich das Gerücht von der Erwerbung verbreitet; auch die Schenkung für Wien war ans Licht gekommen. Wahrscheinlich hatte der Hosrat selbst etwas gesagt oder ein Dienerohr es vernommen. „Das könnten wir auch brauchen," meinte einer. Und nun wurden Ludwigs großartige Stiftungen wieder erwähnt. Einer der Herren gehörte einem Komitee an, das bei den wohltätigen Anf- wendungen etwas abbekommen, ein zweiter hätte noch gern etwas für ein Rettungshaus, dem er Vorstand, gehabt. Alle waren der Ueberzeugung, es könne nicht schaden, Ludwig Droesigl ein wenig um den Bart zu gehen.
Da im Rubenssaal noch immer die Künstler umlagert wurden und nur allmählich einzelne Mütter, die ihre Kinder tanzen sehen wollten, sich den Weg zum Gartensaal hatten zeigen lassen, so zog sich die Gruppe der Herren in das große Renaissancezimmer des Hausherrn zurück.
Von ihm war jetzt allein die Rede. (Sin, solcher Mann konnte dem Staat wirklich nützlich sein. Er mußte nur in der richtigen Weise herangezogen werden. Die Herren konnten sich nicht einigen. Da fand der eine, reiche Leute müßten zu Schenkungen veranlaßt werden an gemeinnützige Anstalten, für die im Staatshaushalt nichts vorgesehen sei. Staatssekretär von Gloeven, der immer an sein Ressort dachte, meinte, sie hätten einzuspringen, wenn zum Beispiel die Gefahr bestünde, daß große Künstschätze ins Ausland wanderten. Ein anderer erklärte, in Anbetracht der Notwendigkeit einer starken Flotte solle das Kapital angespornt werden, Interesse für den Wassersport zu zeigen. Wie wenig Menschen nur in Deutschland könnten sich eine große Jacht leisten, die, abgesehen vom Ankaufspreis allein an Unterhaltungskosten ein Vermögen jährlich verschlinge. Das erregte den Widerspruch eines Autlers. Die heimische Fn- dusirie müsse unterstützt werden. Man solle den Franzosen keinen Borsprung gönnen. Wenn Leute wie Droesigl nicht große Rennwagen anschafften, wer sollte es dann wohl tun?
Ein älterer Herr aber, ehemaliger Kavallerie-Osfizrer, der bei Rennbahnen lute bei Tattersalls, bei Preisreiten wie bei Ankauf von Hengsten seine Hand im Spiele hatte, ließ die Jacht- und Automobil-, die Tuberküloseheim- und Museums-Menschen ruhig reden. Er sagte sich: Nach dem Souper wird sich wohl Gelegenheit finden, wo man Droesigl mal beiseite nehmen kann und ihm seine Pflicht klar machen, haß er die Bollblutzucht heben muß.
Kurz, es gab kein Gebiet der Wohltätigkeit, des Sportes, des Geldgewinnens und -Ausgebens, für das nicht irgend einer den großen Geldsack des Herrn Ludwig Droesigl ins Auge gefaßt hätte. Er sollte weidgerechter Jäger werden, sich für chemische Untersuchungen interessieren, die Volks- gesmldheit fördern, die Jugend durch Sport und Spiele 'kräftig erhalten; für Volksbäder eintreten, sich für Schüler- Rudern begeistern, Flugtechniker unterstützen oder verarmten, adeligen Fräuleins behilflich sein, gerade weil er ein solches geheiratet hatte.
Die Phantasie der Leute warf immer höhere Blasen, bis schließlich jemand allen Ernstes behauptete, er müsse seinem Volke ein Panzerschiff stiften.
Da klang schallendes Gelächter.
Und just in dem Augenblick erschien in der Tür eine Gestalt im glatten, schwarzen Frack, ein Schneeglöckchen im Knopfloch. Alles wandte sich um. Es herrschte eisiges Schweigen.
Nun ging es zum Souper. Es war nicht gesetzt worden. Da gab es vornehmste, vornehme, weniger vornehme Leute. Da gab es ganz große und ebenso große Künstler. Wer hätte entscheiden mögen?
Die Feinschmecker hatten außerordentliches erwartet. Es gab auch eine Speisenfolge von auserlesenstem Geschmack. Aber nur der wirkliche Kenner konnte es würdigen, denn alles war so selbstverständlich, vornehm über jeden Tadel, daß man es hinnahm gleichsam wie etwas, das in diesen Räumen nicht anders sein konnte. Das Souper machte bei der Genauigkeit und Schnelligkeit des Auftragens den Eindruck fast, als würde im kleinen Kreis gegessen.
Die Diener kreisten und nannten Namen itnb Jahrgang der außergewöhnlichen Weine.
Man sprach ihnen denn auch tapfer zu, und wenn schon die Stimmung angeregt gewesen, so wuchs sie bald zu frohester Laune. Dazu half die Musik, die von allen Seiten klang.
Der Minister, der Agathe zu Tisch führte, sagte chr ein paar Artigkeiten über ihr Haus. Er, der in einem langen Dienstleben gelernt hatte, sein Herz nicht auf der Zunge zu tragen, mußte wohl davon Überzeltgt sein, denn er begann ein zweites Mal, als der Champagner eingefcheukt wurde. Bei Musik, Lächelt und Stimmengewirr War feine Gefahr, daß ein dritter gehört hätte, was er sprach. Er hob sein«
— Gnädigste Frau, es hat wohl maitcher gedacht, daß hier eilte offizielle Rede gehalten werden würde. Ich glaube Ihr Haus besser zu kennen. Die bescheidene Art gefällt mrr gerade so gut an Ihrem Herrn Gemahl. Pardon, wenn ich bescheiden sage, aber er ist es Wirklich. Er hat von seinen! Stiftltngen, wie sie in Preußen nicht oft vorgekommen ftnb,: gar kein Aufhebens gemacht. . „
Agathe meinte in weiblicher Schlauheit Wie ärgerlich: — Aber Exzellenz, es hat doch in den Zeitungen ge- stjandeu, nrld mein Mann hat sich sehr darüber geärgert.


