Ausgabe 
24.2.1910
 
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Tals niemand Frewdes, so mußte es jemand Von den Migeyörigen besorgen ! aber sein mußte es.

Reichlich beladen mit Kuchen und dampfendem Kassee erwarteten inzwischen im Bräuthans lange Tische Braut­paar Und Gäste. Das ganze Haus war ausgeräumt und zur Aufnahme der vielen fröhlichen Menschen umgewaudelt. Mitten unter allen saßen Marich und Hannes, sie im schwarzen Brautkleid mit einem Kränzchen selbstgezogener Myrten in den blonden Locken. Neben ihnen saßen die Väter. Die Mutter waren in der Küche beschäftigt. Dem alten Hankourts Korrrad sah man keinen Groll mehr an. Jetzt machte auch ihm die Geschichte Spaß. Nach dem Kaffee brachten die Geladenen ihre Bräutsteuer in mannigfachster Gestalt. Zwei große Tische waren zuletzt schwer beladen. Am Abend gab es dann ein großes Essen mit allen mög- lichen Braten, Wein Und Bier, wie mans wünschte. Es fehlte an nichts. Als man dran war, das Genossene etwas zu verdauen, wobei, in dem Gesumme und Gesurre etwas wie Ruhe eingetreten war, da tappelte es sich vor dem Hans. Die Spinnstotvwe sei's", hörte man von verschiedenen Seiten. Draußen halten sich die Burschen und Mädchen des Dorfes eiinzefunden, um den neugebackenen Eheleuten das Ehestandslied zu singen. Alles eilte, an die Fenster und vor die Haustiire. Da ertönte.cs auch schon hell und kräftig:

1. Mir gefällt das Ehstaudsleben

- Besser als das Ktosterziehn. In das Kloster mag ich nicht, Denn ich bin schon zur Eh' verpflicht.

2. Vater, laß dich doch erbitten Und verschaff mir einen Wann, Der mich küßt und drückt an seine Brust- Denn zuni Heiraten hab' ich Lust.

3. Ach, was wird die Mutter sagen. Wenn ich sie verlassen will;

Sie mag sagen, was sie will, Ich will heiraten in der Still.

Dann traten Marich und Hannes unter die Sänger­schar, erstere nut einein Korb voll geschnittenem Kuchen, den sie höchsteigenhändig unter die Mädchen verteilte. Der Ehemann aber griff nochmals in die Tasche und reichte den Burschen ein paar harte Taler zu. einem tüchtigen Faß Bier, das nachher im Wirtshaus getrunken werden sollte.

Noch einmal begannen sie zu singen, die Mädchen sein, die Burschen grob, als zweite Stimme:

1. Wer den Ehstand will fröhlich genießen,

Der muß sich der Liebe erschließen. Denn wo Liebe und Eintracht stets wohnen, Wird der Ehstand mit Segen belohnt.

2. Der Manu muß sein Weibchen stets lieben, Er umß sie stets ehren und schützen,

Denn wo Hader und Zwietracht stets haust, Trübe Tage bleiben nicht aus.

3. Ohne Reichtum lebt mancher zufrieden, Wenn nicht Armut ihn drücket hinieden;

Ei, so traget euer Leiden mit Geduld, Gebt keiner dem andern die Schuld.

4. Und sollte der Allmächtige kommen Und sollte das Ehepaar trennen, was ihr geschworen habt am heiligen Altar, Haltet fest bis zur Totcnbahr.

Eine kleine Weile wars still, dann zogen sie ab, bald in ein neues Lied einstimmend.

Die andern aber gingen wieder ins Haus, !vo indes die geräumige Nebenstube zum Tanz für die Jungen aus­geräumt worden war. Es zuckte sie schon lang in den Beinen. Zwei alte Musikanten, Spieldowerts Hannes und Veits Jörg, der erstere schon mit musikalischem Dorfnamen belegt, waren zu diesem Zweck erschienen. Der eine mit der Geige, der andere mit einem. Ungetüm von einem Baß. Dann gingS los. Getanzt wurde bis zum hellen Morgen. Die Alten guckten zu, sangen sich eins oder mischten sich auch unter die tanzende Jugend. In den Tanzpausen er­klangen alte Volkslieder, bald wehmütig von Scheiden und Meiden, bald froh Soldaten- und Jägerlieder. Um Mitter­nacht gabs wieder Kuchen und Kaffee zur Ermunteruntz. Di.e Jungen waren ja wohl noch nicht müde, eher hatten sie

wieder Hunger vom vielen Tanzen bekommen. Und dann sings weiter. Auch Hannes und Marich schwangen feste >as Tanzbein. Geschlafen wurde nicht. Nur die Kinder und die ganz alten Lenke. Wo wollten sie auch alle liegen? So blieb man denn auf, tanzte, sang und trank bis in den Tag hinein. Keiner durfte heim. Als dennoch einer, der ehr auf die Arbeit versessen, entschlüpfte, um noch eine Stunde Schlaf zu genießen, da zogen die andren mit Peitschen und einem Krug voll Schinrps vor sein Hans und holten ihn aus seinem Bett, in dem er eßen gerade sich ausgestreckt hatte, heraus. Er mußte mit, und .als er nicht wollte, da schlangen sie. ein Seil um seinen Leib und fort giirgs mit dem Ausreißer unter Peitschengeknall und Gesang ins Bräuthaus. Damit ihm aber der Schlaf verging, mußte er einen Trunk aus dem mitgebrachten Krug tun. Als es nun Tag ward, gab es ein kräftiges Frühstück, bestehend aus -rischer Wurst und Branntwein. Dann wurde Kuchen ein­gepackt und das nicht so knapp. Pferde wurden eingespannt. Geschirre fuhren ab. Die Gäste aus der Nähe liefen heim. Bis zum Mittag hatte sich's Haus geleert. Doch die junge Frau, die bis dahin noch kein Auge zugetan, hatte immer noch Pflichten. Mit einem großen Korb voll Kuchen ins Dorf zu wandern, war jetzt ihre Aufgabe. Pfarrer, Lehrer, und Bekannte bekamen auch einen Teil von ihrem Hochzeits­kuchen. Hub dann? Meinst du, das junge Paar wäre auf die Hochzeitsreise an den Rhein oder nach Italien? Wer am andern Tage in Bergschusters kam, konnte den Hannes und seine Marich fleißig schaffen sehen, ihn die Pferd« fütternd und sie die Kühe melkend so machte mau teil alters feine Hochzeitsreise im Junkerland im Vogels- berge. ____________

WaMsabritatiM und wäschehandel.')

Die deutsche Wäscheindustrie ist eine unserer jüngsten In­dustrien, ihre Anfänge datieren nur bis in die 50 er sichre des vorigen Jahrhunderts zurück. Erst im Jahre 1857 begann man! in Berlin die Fabrikation dieser Artikel in Betrieben, tn bene# die einzelnen Arbeiten, wie Schneiden, Nahen, Wajchen, Platten nsw von einem Unternehmer an dazu angelernte Arbeitskräfte vergeben wurden. Den Hilfsmitteln der damaligen Zeit ent» sprechend, hatte das fertige Erzeugnis ein recht primitives Ausz­iehen, aber der Aufschwung, den Handel und Wandel nach dem Kriege von 1870--71 irahm, und der steigende Wohlstand brachten es mit sich, daß nicht nur der Kousunl an feiner Herrenwäsche stieg, kondern auch die Ansprüche an das Aussehe,i und die Eleganz erheblich größer wurden. Beiden Faktoren, dem gesteigerten Kon­sum und der erhöhten Eleganz, konnte der handmäßige Betrieb, wie er bis dahln der Wäschefabrikarion zur Verfügung stand, nicht mehr gerecht werden, sondern es mußten maichmelle Kraft« zu .Hilfe genommen werden, für die die in England bereits be­stehende maschinelle Fabrikation vorbildlich wurde. Indessen dienten die von England importierten Maschinen in der Haupt,ache nu« als Anregung für unternehmende, tatkräftige. Manner, die Ma­schinen nach den eigenen Bedürfnissen und den eigenen Erfahrungen Stellen ließen und so mit ihren Erzeugmsten die ältere eng-

e Wäschefabrikation bald überflügelten.

In der deutschen Reichshauptstadt allem entftanbeu ,m Läufe der Jahre zirka 50 Wäschefabriken; außerdem bildeten sich in Westfalen und Sachfen Wäscheindustriezentren, da Besim allem nicht mehr den jährlich steigenden Konsum an Herrenwäsche decken konnte. War doch bis vor 15 Jahren nicht nur der deutsche Markt mit Wäsche zu versorgen, sondern es hatten die Berliner Fabriken den Bedarf fast aller Kulturstaaten der Erde zu liefern. Inzwischen hat die Schutzzollpolitik der meisten Ausland!-- staatcn die Wäscheindustrie in aller Herren Länder entstehen lasten, so daß der Export der deutschen Industrie gegen frühere ^ahre ganz erheblich nachgelassen hat und sich in der Hauptsache nur noch auf bessere Qualitäten erstreckt, die in den jungen Industrien im Auslande selbst tiicht vollkommen genug hergestellt werden können. Wenn trotzdem die Herstellungsziffer nicht nur nicht abgenommen hat, sondern eine ständige Zunahme aufwestt, jo kann man daran erkennen, wie gewaltig der heimische Ron,um

an Wäsche gestiegen ist. . ...

Die Wäscheiudnstlie befaßt sich mit der Herstellung von Krage,,.- Manschetten, Oberhemden, Serviteurs und Ehemnettes Die L>roffe, die für diese Artikel dienen, find mamiigsachster Art. Kragen, Manschetten sowie Serviteurs und Chemisettes bestehen aus oem Oberstoif, Zwischenstoff, Einlage genannt, und dem Futterstoff. Der Oberstoff und das Futter dieser Artikel kann Semen oder, Baumwolle fein, die Einlagen find immer aus Baumwolle Die leinenen Stoffe zur Herstellung von Kragen und Manicheiten werden ans. Irland bezogen, trotzdem die deutsche Lemeimidnstri«

*)Unsere Kleidung und Wäsche" von K. Weinberg, P. Schulze und B. Brie. (Wissenschaft und Bildung, Band 24.) Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig,