Donnerstag den 24. Februar

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Droesigl.

Moman von Georg Freiherrn von OmptsdL (Nachdruck verboten.)

< (Fortsetzung.)

An einem Vor frühlings tage, als der Köllner Par? in Hellem Sonnenschein tag und die frisch beschotterten Wege zwischen den noch kahlen Bäumen wie ein Schlangengewinde leuchteten, ward Herrn Ludwig Droesigl und Frau Agathe geborenen Gräfin Kölln ein Sohn geboren.

Ms man der Wöchnerin das Kind ans Bett brachte, hatte sie nur den einen Gedanken: jetzt wird Ludwig glücklich sein. Er drückte Arzt und Hebamme die Hände und hätte beinahe die Kinderfrau umarmt. Mister White und dem getreuen Oskar erzählte er es zweimal. Dann geschah ein Wunder sondergleichen: Ludwig lief in die Küche, und wäh­rend sonst alles in respektvoller Entfernung vom Schloß­herrn stand, versammelten sich um ihn der Chef, die Küchen- und Hausmädchen, und Herr Droesigl erklärte glückstrah­lend, ihm sei etn Sohn geboren, ein Sohn! Dann ging er zum Stall und erzählte dem ersten Kutscher, dem Futter- meister, sogar- ein paar Frauen, die selbst Kinder hatten, das große Ereignis, als ob ihm, Ludwig Droesigl, Herrn auf Kölln, etwas widerfahren, das, solange die Erde stand, sich nicht ereignet hatte.

Agathe sollte Ruhe haben. Der Arzt hätte am liebsten gesehen, wäre Ludwig gar nicht im Schlafzimmer erschienen. So ließ er ein Pferde satteln und ritt durch oen Par?, in einem Tempo, daß man hätte meinen können, der alte Graf sei auferstanden und preschte wieder mit Horrido, hipp, hipp- hurra hinter den Hunoen her.

Die Sonne schien beinahe heiß. Es war wirklich ein vorwitziger Frühlingstag. Auf den Wegen quoll es unter den Sonnenstrahlen hervor, wo noch vom Winter her der Boden gefroren war. Ludwig fing an zu pfeifen, summte ein Lied, bis ihm plötzlich ein Gedanke kam. Er wandte sein Pferd und ritt durch das Dorf, die große Wundermär dem Pastor mitzuteilen. Vorher erzählte er es aber einem alten Weibe, dann einem Bauer, der seinen Weg kreuzte. Sie machten erstaunte Gesichter. Es war beinahe das erste Mal, daß sie den neuen Herrn vom Schloß überhaupt sprechen hörten. Der Pastor rief sofort seine Frau, aber sie, die selbst mit vielen Kindern gesegnet war, nahm das Wunder von Sohn als selbstverständlich hin. Ludwig merkte es nicht, denn er redete heute allein. Dem Pastor teilt« er nun den Namen mit: Erich. Dann saß er auf und gab dem Jungerk, der den Gaul gehalten, nicht gerade des alten Kölln Taler, aber doch eine Mark. Er ritt auf die Station, um zu telegraphieren.

Als er die Adressen schrieb, lief es ihm wohlig über den Mcken: ja, ja, solchen Leuten telegraphierte er, Ludwig Droesigl, seiner Tante Kräfin Lindenbach, geborener Prin­

zessin Hohengart, seinem Schwager Graf Regnier du Plessis, seinem Schwager Prinz Hohengart. Während er znrückritt zum Schlosse, sprach er in stiller Freude vor sich hin:Errch, Erich. Erich." .

Das klang nicht protzig, nicht gesucht altdeuiscy tme etwa Siegfried, nicht zu junkerlich wie Aribert oder Kuno. Und doch nicht gewöhnlich, kein Hans, kein Fritz, nein; Erich!

Ludwigs Feierstimmung hielt noch tagelang au. Der jungen Frau ging es vorzüglich. Der Arzt sagte:

Sie können sich gratulieren zur Konstitution Ihrer Frau Gemahlin. O, was erlebt man da in den Städten bei den Damen, diesen Nervenbündeln, die kein Kind mehr zur Welt bringen können. Da sind wir auf dem Lands anders. Ob Bauernmädel oder Gräfin.

Ludwig freute sich über die Worte. Nun gab es Fest­essen und Bier uns Wein. So freigebig hatte man den neuen Herrn noch nicht gekannt. Und wenn auch Schwarz- seher noch immer meinten, das ist nur einmal, wer weiß, ob's anhalt, so sagte doch der alte Polke, auf den sie im' Dorfe hörten:

Seht ihr's, der is 'n janz manierlicher Mann!

Mit der Taufe hatte Ludwig große Pläne. Natürlich sollten die Schwäger und Schwägerinnen da sein, die Werf- fener dazu. Wer er wollte den Kreis noch erweiterst. Er dachte an Regniers und deutete sogar an, er könne doch unmöglich seines Schwagers Bruder, den Fürsten, über­gehen. Dabei spielte er vor seiner Frau ein wen g Komödie, indem er tat, als mache ihm diese Verpflichtung feine große Freude. Doch Agathe verstand ivohl:

Ludwig, denke an den Rodin!

Er biß sich auf die Lippen. Einen Augenblick darauf sprack) er wieder von den Einladungen, ober ohne da-. Fürstenpaar zu erwähnen.

Die Taufe wurde hinausgeschoben. Hohengarts waren noch verreist, Röguier konnte wegen des Schwadronsexer­zierens keinen Urlaub bekommen.

Ludwig meinte, es sei nur ein Vorwand, auch Agaths fand, ihre Schwester hätte längst einmal nach Kölln kommen können. Darum wurde trotz Ludwigs leiser Gegenstimmung die Einladung nicht wiederholt. Doch als der Tag der Taufe wirklich bestimmt war, sagten sich Patsch und ihr Mann telegraphisch an.

Einer fehlte: der Geheime Kommerzienrat. Er hatte geschäftliche Schwierigkeiten, die seine Abwesenheit auch nur aus viernndzwanzig Stunden, wie er schrieb, gänzlich un­möglich erscheinen ließen.

Der Park stand nun schon in vollem Laubschntuck gleich­sam lackierten Frühjahrgrünes. Das Wasser war in dre Umfassungsgräben eingelassen, daS Parktor fertig, zwei überlebensgroße Sandsteinfiguren der Zeit erhoben sich rechts und links von ihm. DM«, hatte Ludwig einen un­nötigen Bogen des Fahrweges durch den Mrk MMstM