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flössen, und vor 8 Tagen sah ich für eine junge, eben erst : Mutter in G. wieder. Du wirst es Schätzen Hergebell zu müssen.

./Du kannst Dir meinen Schrecken denken, als einige Tage nach, meiner Ankunft hier ein offener (sic) Exekuttons- Leschl ankain, der mir die Pfändung (wenn auch nur vor- Mifig auf 100 Mark) binnen 24 Stunden änsagte. Un­glückseliger Weise- obgleich ich ebenso perplex gewesen wäre, da ich solche Dinge nicht kenne kam meiner Frau Äs Schrift zu Händen. Und nun kannst Du Dir die Szene denken. Du kennst die GattungWeib" im allgemeinen. Und denke Dir : meine Frau! Ausanständiger"' Familie; natürlich keine Ahnung von Pfändung usw. Es war furcht- bar. Da ich binnen so kurzer Zeft die 100 Mark (ich sollte sie. bei Vermeidung lvirklicher Pfändung, binnen 24 Stunden zahlen!) nicht auftreiben konnte, so mußte ich eine silberne Dochzeits-Mase in ein Pfandhaus tragen. Denke Dir! Meine Frau war einzig heldenhaft nun. Da trat seng ganz

Vermischte».

* Die Steinigung einer Frau in Persien. Eitt erschütterndes Bild von dem grausamen Wesen der persischen Volksjustiz entrollt der französische Reisende Claude Met m einem Aufsätze, den er in derIllustration" veröffentlicht. Er befand sich auf einer Reise durch das nördliche Persien und besuchte dabei auch die alte Stadt Kntfchan, .tue vor eurigen J«hren durch ein furchtbares Erdbeben Hein,«gesucht wurde. Dach über Schutt und Trümmern erhoben sich bereits Meder die neuen Hellen, niedrigen Häuser, und über dem ganzen Bilde lag eins friedliche Geschäftigkeit, die nichts verriet von den grausamen Verirrungen des Gefühls, die die freundlichen Perser plötzlich in einen Taumel blutgieriger Grausamkeiten stürzen Wunen. Eine unglückliche Frau wurde das Opfer, eine arine Bäuerm, die zwei Jahre lang ihren Gatten, einen leichtfertigen Säuhw, eiiiährt hatte, bis der Gemahl eines! Tages verschwand. Me

große Aufopferung hervor., wie ich es wohl wußte Bei ihrem großangelegten Naturell: denn, es ist wahrhaftig kein Spaß für eine junge, eben erst verheiratete Fran, von ihren Z 'Z... "::l So geht es nun Tag um Tag.

Mieder mitten im Kampsgewühl. Wenn ich doch nur einmal endlich freie Bahn vor mir sähe, wenn ich aufatmen könnte. So schwimme ich aber noch durch die Armuts-See, ohne Ufer zil sehen, und so sehr ich auch meine Arme bewege, o müssen sie endlich anfangen zu erlahmen: Ultra Posse nemo obligatur. , r .

In betreff Deiner mir gütigst übersandten katholischen! Lehrbücher, so hat mir derLeitfaden für den katholischen Religionsunterricht an höheren Lehranstalten" von Dr. Du- )elmann sehr gefallen. Was mich vor allem zuerst iu- eressierte, wenn es auch das Unwesentlichste ist von der katholischen Religion, das war:die Feier der 'heiligen Messe in der Kirche". Es war mir vor allem darum zu nun, erst einmal das kennen zu lernen, ivas der plumps Protestantismus an euchGötzendienst und Bonzentum^ nennt. Also ich erhielt einen klaren Einblick über die Be­wegungen der Priester, die Kleider (Cingulum, Manipel, Stola usw.), über die Gebete, Offertorium, Conseeration usw. alles das, in seiner Gliederung und seiner christlich^ historischen Bedeutung, steht nun klar vor mir, so daß ich äußerlich schon die Messe verstehen kann. Daß Ihr Sakra­mente habt, wußte ich nicht. Mit der Ohrenbeichte kann ich mich durchaus nicht befreunden. Mein Gott, wie viele Geheimnisse erhält der Priester, und wie viele ivird er seinen Oberen verraten und verraten müssen. Und dann ist es mir ein absolut fataler Gedaiike, daß ich dem Priester alles zu sagen habe. Da beichte ich doch lieber Gott dem! Herrn selbst. Wie gesagt, das ist das Haupthindernis. Eure Messe, zumal ich sie nun in ihren einzelnen Handlungen und Wesenheiten verstehe und die Bedeutung weiß, ist mir unglaublich sympathisch. . . . Wie gesagt: Auch die sieben Sakramente (in betreff der Ehe bin ich zinn Beispiel nicht einverstanden) habeii mir imponiert. Mir die Ohrenbeahta wär« das Haupthindernis. Ich bin noch nicht beim Pastor R. gewesen aber gehe zuweilen in die Elisabeth- Kapelle, die nur wenige Häuser von mir entfernt ist.» Es ist nach wie vor der sehnlichste Wunsch meiner von mir zärtlich geliebteii Schwiegermutter: in den Schoß derallein­seligmachenden" Kirchezurückzukehren", wie Ihr sagt. Aber ich muß erst mich durchgebissen haben. Diese ewige Geldnot und Angst und Folterung tötet auch nachgerade jedes Ver­langen und Wunsch. Wohl möchte ich Euren Pastor R. kennen lernen, allein ohne Geld, im steten furchtbaren Kampf um dasDasein", da heißt es: warten. In betreff desKatholischen Katechismus", so habe ich mich eines Lächelns nicht erwehren können und einer mich recht heiter stimmenden Lektüre eben dadurch (durch besagten Kate­chismus) beflissen. Man tritt so ganz in den Knabenstand von acht Jahren zurück. Mer ich bitte diesem Lächeln nicht übel aufzunehmen." . . , r. x .

In der Einführung zu diesen fo interessanten iuG herzenswarmen Briefen verwahrt sich Richard Dehmel scharf Ben die seiner Meinung nach gewöhnliche Anschauung über eueron, als sei er nichts weiter denn einherrlicher Kindskopf" und einhöchst fideler Optimist" gewesen. Wir unsererseits finden nicht, daß Äilieneron wirklich vom Herzen seines Zeitgenossen so kindisch tmd oberflächlich kritisiert wird, wie Dehmel meint. Wir stimmen ihm aber gern bei, toenn Dehmel meint, daß man endlich auch in Deutschland begreifen möge, ein poetisches Naturell sei umso wirksanier organisiert, je mehr Widersprüche es in sich vereint. ____________

! Als er sie nach seiner Wckkehr aus Amerika 1877 MN ersten Mal wiedersah, schrieb er an seinen Freund:

6 Jahrs sind verfl " °

sie in dem Hause ihrer -------... -- ------ ,

meiner Natur nicht zutrauen, aber es ist so: ist habe nur sie geliebt. Mein ganzes Leben hat nur ihr gegolten. Als sie sich mit einem anderen verlobt hatte da erst machte ich in einem Jahre 10000 Th. Schulden. Sie Ivar es Nur auf wenige Monate, und nur auf Wunsch ihres Vaters. Aber sie ertrug es nicht und auch! sie hat nur mich ge­liebt. Mich hielt es nicht in Amerika, und kaum hatte ich den Fuß aus europäischen Boden gesetzt, fo schrieb ich ihr wieder. Nun sah ich sie im elterlichen Hause wieder, vor 8 Tagen, in G. (Zu der Reise wollte ich hauptsächlich Dich um Geld damals bitten.) Der Vater ist gestorben, ihre totberen Schwestern sind verheiratet. Jetzt ist sie 21 Jahr. Ach! Baron, sie ist bezaubernd bezaubernd. Der Kar­dinalerzbischof Fürst Schwarzenberg, der sie in Deplitz kennen lernte, wo sie mit ihren Eltern im Bade war, nannte ne: die Madoune von Schlesien. Seit der Zeit hat sie den Namen. Dabei ist sie gescheit und geistreich: und was das Beste ist, und worauf es doch schließlich ankommt, sie hat ein so vortreffliches Herz. Die mir (Dir wohl auch meistens noch) bekannten Offiziere des 19. Regiments in G. sagten mir, daß ein langjähriges Rätsel gelöst sei; keiner hätte begreifen können, daß sie niemanden anSzeichue. Nun fei das Rätsel gelöst. Man spräche in G. und Schlesien m diesen Tagen nur von mir. Leider ist jar kein Geld Vorhanden, und so habe ich, von meiner Seite her, eine Verlobung noch nicht proklamiert. Sie will natürlich mich gleich heiraten und sofort in das erste beste armselige Hütt- lein eintreten; aber ich habe die Verantwortung. So habe ich auch der Mama und mir geschworen, unter einem jähr­lichen Einkommen von 800 bis 1000 Talern nicht an Heirat zu denken. Mer wie unglücklich ist das. Nun quäle ich mich und sie seit sechs Jahren. Mein ganzes Leben hat dadurch eine andere Richtung erhalten und immer kann mein Wunsch noch nicht in Erfüllung gehen. Ich flehe Dich bei Nennung unserer alten Freundschaft: hilf mir, wenn möglich Interessiere, und das kannst Du, sonst keiner, dis Baronin. Erzähle ihr alles. Ich verlange natürlich kein Geld. Aber die Baronin hat ja Verbindungen, Bekannte ti. p. die mir eine Stellung verschaffen könnten. Ich bitte Dich bei allen Heiligen, lieber Baron, stehe mir bei. Es ist ein zu hartes Schicksal für mich. [. . .1 6 Jahrs (ich hatte immer ab und zu Nachricht von ihr) haben wir Uns gequält. Ich habe natürlich afles in Bewegung gesetzt nm eine Stellung zu erlangen. Wer es ist so schwer. Meine Konnexionen habe ich selbst leichtsinniger Weise meist aufgegeben. Wenn es nur auf die ersten Jahre wäre, nach 84 Jahren helfe ich mir als Schriftsteller fort. Gerade in diesem Fache ist der Anfang schwer; und Du hast keine Ahnung, was einem für Hindernisse in den Weg gelegt werden. Die meisten Literaten sind ein infames Ge­sindel, die für Geld ihre Gesinnungen und Moral ver­kaufen. Scheußlich. Nie einen Tropfen werde ich davon aufgeben. [.....] Dein Lilieneron."

Die pekuniäre Situation Ivar die denkbar unglücklichste, und Lilieneron beschloß, Gesangslehrer in Hamburg zu werden. Aus der ganzen verzweifelten Lage erklärt sich wohl mich am leichtesten der damalige Entschluß des Dich­ters, zur katholischen Kirche liberzutreten, der sein Freund . Seckendorfs an gehörte. Wer er führte den Entschluß nicht Nus. Darüber und über die erste Zeit der jungen Ehe mit der geliebten Frau hier noch ein Auszug ans einem! Brief vom Jahre 1878.