Ausgabe 
24.1.1910
 
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Msntag den 2<. Januar

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Droestgl.

Moman von Georg Freiherrn von Ompted«.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.!

DisSamen brachen mit einem Mal auf, man mußte nicht, warum.

Graf Kölln hatte Gräfin Sczögony die Hand geküßt, nun raunte er ihrem Manne zu:

Wir spielen vielleicht noch eine Partie Quinze oder Ecartö.

Ich muß meine Frau hinanfbringen.

i Kommen Sie nur wieder, lieber Graf.

Sobald das letzte Kleid davongerauscht war, setzte man sich an den Tisch,, wo das Roulette gestandeu. Dort lagen jetzt eine Anzahl Kartenspiele. Wieder war der einzige, der bediente, der alte Haushofmeister.

Bet der Quinze wanderten die Karten von einem zum andern wie das Geld.

Nach einiger Zeit übernahm der alte Graf zum Baeca- rat die Bank. Herr Droesigl war der eine Kartenhalter, der andere wechselte. Die Höhe der Einsätze wuchs mit dem Zigarrenrauch, der. bald nebelartig über dem.Zimmer lag. Immer mehr Geld erschien vor den Spielern auf dem Tisch, immer höher schwoll der Haufen von Banknoten vor dem Grafen von Kölln. Jedesmal, wenn er einen ,mroßen" oderkleinen Schlag" anfdeckte, blätterte er mit Siegermiene die Karten hin und strich den Gewinn ein. Wenn er auszahlen mußte- so tat er es mit einem Scherz­wort im Munde:

- Es ist mir -eine Ehre darf ich Ihre Kasse vervoll­ständigen?

Ein junger Herr fragte über den Tisch:

Herr Graf, würden Sie mir wohl aushelfen? Ich habe nicht so viel bei mir!

Graf Kölln gab zurück:

Ich nehme grundsätzlich nichts" aus der Bank. Dann Müßte ich erst einmalToilette machen".

Er erhob sich, raffte den riesigen Haufen Banknoten Zusammen und trat -an einen Nebentisch.

Serr von Mellin, der nichts zu trinken hatte, klingelte.

ras Kölln fragte den jungen Herrn, einen Gutsnach­barn, der die Jagden mitzureiten Pflegte:

Bitte wie viel? Eins, zwei, drei, vier?

-Ach, einen braunen Lappen vielleicht!

Der alte Herr sah ihn unter den buschigen weißen Brauen an:

Lieber Freund, entweder Sie hören auf und warten besseres Wetter ab, oder Sie fangen gleich mit mehr an. Sonst sind Sie bar Geld.

Der junge Mann verbeugte sich:

Wenn Sie mir dann vielleicht drei geben wollen- Herr Graf?

Graf Kölln zog die linke Manschette aus seinem Frack- Ärmel hervor, darauf Namen und Summe sich bemerkend:

Die Bank geht Mit fünf Mille weiter.

Die Tür öffnete sich. Das glattrasierte Gesicht eines jüngeren Dieners erschien. Graf Kölln rief ärgerlich:

Meine Herren, darf ich bitten, die Dienerschaft nicht Zurufen' Hier hat nur Elßmaun Zutrift!

Der Diener verschwand durch das Bilderzimmer im Stiegenhans. Dort hingen die doppelte Treppe hinauf lautes Herren und Strafen von Kölln in Zopf oder Perücke, tu Koller oder Panzer; dazwischen Damen in Staatskleidern, ein Lächeln auf den Lippe!?, steif eine Blume in der Hand, oder einen gerafften Vorhang hinter sich, der die. Land­schaft sehen ließ mit den Renaissancegiebeln des Schlosses Kölln.

Wer Diener öffnete eine Seitentür zum Putzraum neben der Küche und sagte dem Haushofmeister, oaß er gerufen lvorden. Der Alte herrschte beit Jüngeren an:

Sie wissen, daß ich allein die Bedienung Habs- Richten Sie sich darnach!

In diesem Augenblick hatte dxr gebeugte, alte Elßmann in seiner straffen Haltung, mit seiner scharfen Stimme etwas, wie der Herr des Schlosses selbst.

Mn langen Tischen standen die Leute mit den seidenen Kniehosen und Strümpfen, in Hemdärmeln, Schürzen um­gebunden, beim Silberivafchen. Als der Alte hinausge­gangen war, rief der Slallburscho Krüner, der bei solchen Gelegenheiten mithelfen mußte:

Mergern SieHerrn Graf" nich

Einige lachten, andere trockneten ruhig die Bestecke oder wischten silberne Schüsseln ab. Nebenan lag der Aufwasch­raum. Kröner trat in die Tür -und sah einer dicken blonden Frau zu, mit gewaltigem, miederlos zitterndem Busen. Währenddessen erzählte der junge Diener, drinnen sei das Spiel in volle!» 'Gang:

Da wird sich wohl wieder einer tot schießen, wie der Polack, der Prinz voriges Jahr!

Ein anderer rief, während er eine Stahlktinge zwischen die rotierenden Lederstreifen der Messerputzmaschine hielt:

Es war gar kein Prinz, Herr von Kruezinski! .Den lcat der Graf höllisch ausgeraubt f

Doch ein alter Mann mit feistem, glattem Gesicht, der das geputzte Silber in Friesüberzüge steckte, drehte sich um:

Haltet 's. Mault So redet Ihr nicht von uusernt Grafen!

9hi, wenn's wahr ist!

Der andere trat ihm entgegen, und machte mit dem' fetten, schwaMbelraarten Unterarm eine nachdrückliche Be­wegung ;

So lvird nicht gMkdeti MrWndeni Ist unser Graf