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MV borke' Vas Gespräch bek veiverk Fräuen int Keller. Er horchte mit der gespanntesten Aufmerksamkeit, war es ihm doch selbst darum W tun, endlich zu erfahren, wer die Täter waren. Als die beiden Frauen ihre Unterhaltung beendet, da hatte derLauscher genug gehört. Er ging hin zum Gericht und verriet die ganze Geschichte.
Nun schritt das Gericht zur Verhaftrtug der namhaft gemachten Täter. Jetzt half kein Leugnen, keine Beteuerung der Unschuld, die Beweise lagen klar. Die Angeklagten wurden verurteilt, der eine zu 3 Jahren, der andere zu 7 Jahren Zuchthaus. So war die Tat gesühnt. —
Die Zeit heilt Wunden und läßt Gras wachsen auch scher die tiefsten Furchen. Im Dorfe dachte man nicht mehr an -diese Vorkommnisse des Jahres 1848, da brachte der Tod der beiden Minner diese wieder in frische Erinnerung. Beide Männer starben an der gleichen Todesursache — einem Blutsturz. Vorher wie den andern in glaube sah in dieser der beiden — die
Die Stelle, an.welcher der Waldaufseher erschlagen worden war, galt fortan im Dorfe als nicht geheuer. Furchtsame Gemüter' schritten nachts nicht ohne Bangen an ihr vorüber.
Eines Winters saßen abends der junge Lehrer des Orts mit 'zwei anderen Einwohnern in der Gastwirtschaft, sie war des Lehrers Kosthaus, und spielten Karten. Draußen lag der frischgefallene Schnee fußhoch. Da stürzte plötzlich der „Schröpfer" des Orts, ein ehrenhafter, biederer Ortsbürger, herein. — Damals gebrauchte man noch das Schröpfen gegen allerlei Gebresten intb Krankheiten, ja man hielt daS Schröpfen im Frühjahre für eine .nötige Reinigungskur. Wie manches blutarme Weiblein hat da zu ihrer Blutarmut noch den letzten Blutstropfen hergegeben und ist frühe dahingestorben! — Also der Schröpfer kam in die Gaststube gestÄWt und rief: „Herbei, ihr Männer! Mit!" 'Sie Kartenspieler werfen ihre Karten hin und eilen dem. Schröpfer nach, glauben sie doch, es sei Feuer lm Dorfe ausgebrochen. Doch der Weg des „Schräffers", wie man ihn im Volksmr^nd nennt, belehrt sie eines auderil. Dieser führt zum Dorfe hrnaus, dessen Ende nur zwei Häuser von der Wirtschaft entfernt war. Dann ging der Weg einen Büchsenschuß weiter, an die Stelle der Straße, in deren Nähe der Aufseher erschlagen wurde. Hier an einem Markstein, der an einer Wegmündung stand, machte der Schröpfer Halt.
„Da guckt", sagt er zu öe,n inzwischen Angekommeuen, „in veil Schnee und betrachtet euch die Spuren! — Ich kam", erzählt ler, „in guten Gedanken, nichts Böses ahnend, von dem Nachbarort, wo ich geschröpft. 'Als ich hier in die Nähe des Marksteins komme, sehe ich ein kleines, graues Männchen deutlich bei 'dem hellen Mondschein sitzen, den Kopf gebeugt, mit beiden Händen das Gesicht bedeckend. Ich rufe hier", er zeigt die Spuren int Schitee, ,4vo ich gestanden: Wer da! Keine Antwort. Ich rufe nochmals : Wer da! Wieder keine Antwort. Da packt mich kaltes Entsetzen: ich mache einen Seftensprung und laufe, was ich kamt, in den Ort, wo ich twch Licht in der Wirtschaft erblicke, zu euch!" — Die Männer sahen im Schnee die Spuren des Schröpfers, genait tote er erzählt, aber von dem Mänitchen, das auf dem Mark- ftsitl gesessen, war auch nicht das geringste Zeichen attf dem hüllen Schnee zu entdecken. Der Schröpfer war aber ein Maitn, an dessen Aussagen nicht zu zweifeln war. — (Wir würden wohl heute diese Erscheinung erklären mit dem modernen Schlagwort „Autosuggestion".)
Friedhossflora.
Warnemünde, im November.
■ Wie rasch wird ein Grab, das sorgsame Hand nicht mehr pflegt, von Unkraut besetzt! In einem Gedicht, das von dem alten, neuerdings in eine Gartenanlage verwandelten Schifferfriedhof in Warnemünde handelt, habe ich einmal gesagt:
Vom Strande her auf die Gräber stieg Bläuliches Gras und nahm sie ein;
Graugrüner Wermut, Ringelblum Und Ginster mischen sich darein.
Dasselbe rann auch schon von dem neuen Kirchhof hier (gesagt werden, der vor etwa dreißig Jahren angelegt worden ist. Auch hier ist eine sehr große Anzahl von Gräbern bereits von Unkräutern aller Art überwuchert, und eines nicht -geringen Teiles davon hat sich das bläuliche Strandgras bemächtigt.
Unkraut ist ja sehr geneigt, von den vernachlässigten Gräbern auf die gepflegten überzusiedeln, es springen aber umgekehrt auch von oen gepflegten Gräbern Gartenblumen
auf die andern hinüber. Eine große Sedum- oder Fetkü Hennenart hat sich auf dem Friedhof, von dem ich rede, in unzähligen Exemplaren über die Gräber verbreitet, für die keiner sorgt. Es ist das Sedum, das in ein Herbarium gelegt lange Zeit noch lebendig bleibt und fortwächst. Deshalb" heißt es wohl von diesem Krant im besonderen: wer es von einem Grabe abpflückt und mitnimmt, der findet keine Ruhe.
Viele andere Gräber sind allmählich ganz eingenommen von dem hübschen bei uns heimischen, an Hecken und Wegrändern mit hellrosa Blüten prangenden Seifenkraut (Saponaria vfficinalis), von dem eine Spielart mit gefüllten Blumen in den Gärten gezogen wird. Aus dens Kirchhof ist die wilde Art von selbst gekommen, aber da-i neben die angepflanzte Gartenart verwildert unter Beibehaltung der gefüllten Blüten. So stehen sie da durcheinander als Blumengeschwister, die Landmädchen und die Städterinnen.
Auf vielen Gräbern hat sich die schöne Nachtkerze (Oeno--, thera biennis) mit ihren schwefelgelber: duftigen Blüten, die am Nachmittag sich öffnen, angesät. Es ist die Pflanze, die kultiviert die Rhapontikawurzeln oder den Rapunzel-, sellerie liefert. Sie stammt aus Virginien, ist im 17. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa gekommen, dann verwildert und sehr häufig bei uns zu finden, besonders prt Waldrändern und auf Eisenbahndämmen. Auf den Kirchhof ist sie aus dessen Umgebung gekommen.
Dann gibt es eine gleichfalls anmutige Pflanze, eine einheimische, die sich gern auf Kirchhöfen ansiedelt und auch auf dem, über den ich berichte, zu finden ist. Es ist eine Königskerze (Verbascum nigrum), die auch Unholdenkerze genannt wird und zwar deshalb, weil sie — was sehr für sie spricht — Unholde fernhält.
Es war eben die Rede davon, daß die Nachtkerze aus' Virginien stammt. Außerdem habe ich hier auf dem Kirchhof noch drei aus Amerika eingewanderte Unkräuter gefunden. Es sind das: das kanadische Berufkraut (Erigeron canadensis), das 1655 in einem ausgestopften Vogelbalg nach Europa gekommen ist und dann, zu dem gemeinstes Unkraut werdend, sich so schnell verbreitete wie etwa in Nordamerika unser Sperling; ferner der niedliche 'gelbblütige Sauerklee (Oxalis stricta), der auch, wahrscheinlich mit Kulturpflanzen zusammen, aus Kanada gekommen ist; endlich die Galinsoga parviflora, die in Peru zu Hause ist. Von dort wurde sie in botanische Gärten der alten Welt importiert und ist aus diesen ans fast unbegreifliche Weise überall sonst noch hingelangt. Sie heißt bei uns Knopfkraut und wurde in Ostpreußen Franzosenkraut genannt, weil sie dorthin in der Napoleonischen Zeit durch französische Soldaten gebracht sein sollte. Jetzt ist sie sehv häufig in den Vorgärten Berlins und steigt auch bis zu den höchsten Balkons hinauf. Auch auf den Friedhöfen meiner Vaterstadt Danzig fand ich sie, und als Vorgartennnkraut auch in den Hauptstraßen von Newyork. Hier am Ostseestrand aber hat sie auf dem Friedhof einzelne Gräber völlig überwachsen.
Daß Efeu 'häufig von einem Grabe auf ein anderes hinübergreift, ist selbstverständlich. Ausgefallen ist mir auf dem Friedhof hier ein Brombeerstrauch, der mit seinen Ranken mehrere nebeneinanderliegende Gräber überspannen; hat. Neulich bemerkte ich reife Beeren daran. Da fiel mir ein, wie ich in meiner Jugend einmal beim Wandern auf einen Kirchhof kam, der unmittelbar am Walde lag. Dq fand ich Gräber ganz überwachsen von Walderdbeerpflanzen, aus deren Grün — es war im Frühsommer —i zahlreich rote Erdbeeren hervorschimmerten. Die sahen sehr einladend zum Abpflücken und Aufesseir aus, mir aber war, als hörte ich eine Stimme sagen: „Tu's lieber nicht!" Unti so ließ ich sie stehen. I. Troja n,
Gleichklang-RWer.
Ein Neutrum, aus Bretteru, fdiliegt abends man spät, Damit uns kein ffremdlmg belästigt;
Als Masculinum hats nur ein Brett, Doch das ist solide besestigt.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Königszugs in voriger Nummer» Ein jeder Wechsel schreckt d e n Glückliche n.
Redaktion: K. Neurath. — Nolatio.nsdruck und Verlag der Brtthl'jchen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei, R. Lange, Gieße«.


