Samstag den 25. Aulk

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Sommer.

So hell und heilig rauscht das Korn in Sommersonntags Morgenglanz; auf schmalen Btütenpfaden geht das Gluck mit mir zum Erntetanz. Der Weg war weit und mancher Traum blieb mir an Rosenhecken hangen, doch Sonnenglut und Aehrengold ist mit mir in die Welt gegangen.

Und bin ich auch vom Wandern nu'id, ich werd in Freuden weitergehen, solang in Sommersonnengold noch blonde Aehren betend stehen.

Karl Neurath.

Das schlafende Heer.

Roman von Clara Viebig.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Bis an die Sumpfwiese norm' Walde, die jetzt so fest gefroren war, daß man über sie hinweg den direkten Weg nehmen konnte, hatte er sie begleitet. Weiter wollte sie sich nicht bringen lassen: nein, nein, der Vater war so streng! Wollte der Walenty wissen, Ivie es ihr, dem armen Mädel, ergangen war? Und sie hatte ihm die Wange hin- gehalten, deren weiches Fleisch die Spuren einer Züchti­gung wies.

Der Alte wat aber mal ein Grobian! Was konnte die Tochter dafür, daß sie hübsch war, so hübsch, daß der Herr von Chwaliborczyee ihr nachstellte und sie, da sie ihm nicht willig war, bei seiner Frau so verpetzt hatte, da.ß diese sie Knall und Fall aus dem Dienst entlassen?! Das arme Mädchen! Walentin fühlte ein inniges Mitleid und einen Zorn dazu: mußte der Grobian denn nicht ein Einsehen haben? 's war doch brav von der Stasia, vaß sie sich dem Herrn widersetzt hatte!

Ach, die Stasia! Die Sternlein hatten nicht mehr allein geleuchtet, auch der Mond hatte angefangen zu scheinen und schien gerade in das liebe, runde Gesicht. Am Sumpfrand, beim Dornenstrauch, der jetzt ganz entblättert stand nur ein Paar verschrumpelte Hagebutten waren hängen geblieben s hatte sie ihn zum Abschied um den Hals gefaßt:Dobra Noz"! das hieß:Gute Nacht"! Sie hatte es mit besonderer Betonung gesagt, ihn warm dabei gedrückt, und dann war sie schnell von ihm fortgelaufen, mitten aufs Moor hinaus. Vn dessen Mitte hätte sie sich noch einmal umgedreht, ihm gewinkt, eine Kußhand zugeworfen und war dann lachend verschwunden gewesen hinter dem Kieferngeftrüpp des Wald­randes,

Als Valentin seine Schlaskamlner aufsuchte oben im Giebel, lief ihm das Blut rasch durch die Adern. Der Mond schien ihm aufs Bett; es war eisig kalt in der Kammer, aber er lag, nur lässig zugedeckt, mit offenen Augen auf dem Micken und fror nicht. Vergnügt war er eigentlich immer, konnte es gar nicht begreifen, daß die Eltern so manches zu klagen hatten, aber so gut wie heute war ihm noch gar nie zumute gewesen. Des Neuen hatte er hier schon viel zu sehen und za hören gekriegt, aber das Aller­neueste war doch, daß er schon halb im Schlaf lachte er übers ganze Gesicht und spitzte dann den Mund:Demi Buscht" daß er einen polnischen Schatz hatte!

11.

Frau von Garcz-Ynska konnte es noch immer nicht ver­winden, daß sie ihre Zofe verloren hatte. Das Stuben- mädchen war jetzt zu diesem Posten erhoben worden, aber es hielt gar keinen Vergleich aus Mit Stasia. Jeden Morgen flössen die Tränen der Dienerin, und die Herrin schalt und stampfte mit den Füßen, riß oft die ganze mühselige Frisur wieder auf und warf der Ungeschickten die Haarnadeln an den Kopf. Frau Jadwiga gestand sich oft mit Seufzen: diese Stasia war eine greuliche Person gewesen, leichtsinnig- verdorben, ganz gemein, aber höchst brauchbar!

Die alte Nepomucena hatte viel zu tun, UM die Herrin, die der verlorenen Dienerin nachtrauerte, zur Ruhtz zu bringen.

Auch Garczynski vermißte seinen Szulc. Der In­spektor hatte zu gleicher Zeit mit der Zofe den Laufpaß be­kommen, darauf hatte Jadwiga bestanden: war er denn nicht der viel Schuldigere? Er hätte das Mädchen ver­führt!

Vergebens suchte ihr Gatte ihr verständlich zu machen, daß man einem Manne mehr nachsehen könne, mehr nach­sehen müsse als einer Frauensperson; es half nichts, sie bekam ihre Zufälle.

Ein treffliches Zeugnis konnte Garczynski seinem Jn- spektor aber nicht versagen, zumal der so anständig gewesen war, nur noch für einen Monat sein Gehalt zu beanspruchen, das er, wäre er böswillig gewesen, für ein ganzes Viertel­jahr noch hätte verlangen können. Doppelt fatal war Gar­czynski seine Kündigung, als ihm zu Ohren kam, daß In­spektor Szulc sich vom ersten Januar ab bet Kestner in Przyborowo verpflichtet hatte nun hatte der den tüchtigen Kerl! Er war gereizt gegen seine Fran.

Jadwiga empfand die trübseligen Wintertage trüb­seliger, nichts unterbrach deren Eintönigkeit. Die neunerlei Gerichte hatten auf der Weihnachtstafel gestanden, der Ge- sindemärkt in Posen war abge'halten worden, viel neues Gesinde war in Chwaliborczyce aufgezogen, überall war ein Kommen und Gehen, aber keine Stasia kam wieder. Wenn die noch dagewesen wäre, so hätte die Herrin in der Silvesternacht Blei gegossen; Stasia war immer so behend gewesen in ällerlei drolligen Auslegungen, Vergangen^