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Sturmschritt daherbraust, immer vortvärls ihrem Ziele zu? Sie sah Sonnen gebären und Sonnen verschwinden, Reiche kommen Und Reiche vergehen. Sie eilt über schneebedeckte Eisfelder des hohen Nordens, wie über sonnendurchglühte Wüsten des Südens; über weite Steppen des Ostens, wie über endlose Prärien' des Westens, immer zu, immer zu. Den lachenden, blühenden Lenz! mit seinem Tändeln und Kosen, den glühenden Sommer mit seinen ahnungsvollen Träumen, den goldenen Herbst mit seiner Fülle und Pracht und den eisigen Winter mit seinem Zauber und seiner süßen Heimlichkeit; den blauen Himmel, den lachenden Sonnenschein, die nnrbelnden Flocken, den 'Blitz und den Donner, und meine Lust und meine Qual und Euere Lust und Euere Qual dazu, meine Brüder, bringt sie, immer dieselbe und doch immer xine andere.

Sie scherzte mit den Göttern Griechenlands und zürnte mit dem alten Jehova. Sie klagte bei dem Brande Roms und auf den Trümmern Carthagos. Sie lauschte dem Freiheitsgesang der alten Deutschen und den ergreifenden Hymnen der christlichen Märtyrer, Nichts ist ihr dauernd und doch trinkt sie aus dem Ewigen.

Dem Heulen des Sturmes, dem Bränden des Meeres, dem Säuseln des Windes und dem Brausen des Waldes lauscht sie, wie dem Plappern des Kindes und dem Stammeln des Greises; das Geflüster der Liebenden, wie den Schmerzensschrei des Ber- zweifelnden umfaßt sie in einer großen, gewaltigen Melodie. Ihr Wesen ist der Wechsel und doch ist sie beständig!

Nur einmal besann sie sich, schien sie in Entsetzen erstarrt/ stille zu stehen. Dort aus jener Schädelstätte, auf Golgatha wars, als man ihn, der die Fülle der Liebe im Herzen trug, ans Kreuz heftete. Da ging ihr ihr innerstes Wesen auf, da ahnte sie's, da sehnte sie sich nach ihrer Vollendung.

Erfaßt Ihr, meine Brüder, nun die Zeit? Schaut ihr nur in das tiefe, dunkle Ewigkeitsauge; sehet nur, wie sie mit ihrem jüngsten Kinde der Zeitlichkeit, der Gegenwart, die Vergangene heil an die Zukunft heftet und ihrer Vollendung entgegeneilt und sich im lebendigen Geiste zu erfassen und zu umfassen sucht!

Im Geiste! O, meine Brüder, versteht Ihr, begreift Ihr! den Geist?

Ist er nicht Anfang und Ende, Ursprung und Ziel, nicht Grund und Folge, Form und Inhalt aller Dinge? Ist er nicht Allgemeines und Besonderes, Ewiges und Zeitliches, nicht Frei­heit und Gesetzmäßigkeit? Nicht Subjekt und Objekt, nicht Un­endliches und Endliches, nicht Einheit und Vielheit und Allheit dazu? Ist er nicht Ruhe und Bewegung, Sein und Werdet? Erfaßt und umfaßt er nicht sein Wesen mit seiner unendlichen Lichtfülle im Werden? Und sucht er ui.cht im Werden sein Sein zu erfüllen? Betrachtet er sich nicht im Subjekt als Objekt und sucht sich als Objekt zu begreifen?

Wohin wir uns auch wenden mögen, wir sind in ihm Und durch ihn und sind ein Teil von ihm stnd sind er selbst. Wär finden ihn im andern und in uns, und wir fühlen ihn in seiner Unendlichen Lichtfülle, in seiner Abgrundtiefe beim Anblick des gestirnten Himmels üoer uns, wie bei Betrachtung des moralischen Gesetzes in uns.

In seiner ganzen Herrlichkeit und Ewigkeit geht er uns auf in der Allanschauung, die über jede gegebene Größe in Sternen­weiten hinausgeht, und in der Vernunftanschauung, die sich in her absoluten Fülle, in der absoluten Idee offenbart und sich als integrierenden, ewigen, ureigensten Teil seiner selbst, im geistigen Ich erfaßt. O, meine Brüder, verliert Euch nur erst selbst, Ihr werdet Euch dann selbst und ihn schon wieder finden und Euerem inneren Blick wird Raum und Zeit entschwinden.. Versteht Ihr den Geist?

Seht nur hinaus, wie er sich im Kleinsten und Größten, in glühenden Bildern und in berauschenden, berückenden Gestaltungen pffenbart und sich in zweckmäßiger Zielstrebigkeit zu immer höheren Formen hinaufschafft, um sein Wesen in der Erscheinung zu verkünden. Und blicket in Euer Herz, meine Brüder, füljlt Ihr ihn? Fühlt Ihr, wie er Euch emporhebt über die Schwere, wie er Euch läutert und Mitempfinden lehrt für alle Kreatur? Und wie er Euch den Weg zeigt zur Höhe, den Weg zur Persön­lichkeit, zur sittlichen Größe, zur Freiheit, den die wahrhaft Großen der Menschheit gewandelt, und wie er die Liebe als Höchstes preist? Und' schauet in die Geschichte die doch nur eine zeitliche Betrachtung des Geistes in seinem Bewußtwerden in der Erscheinung darstellt, wie er sich dort als der heilige. Geist offenbart, der alles belebt und alles umfaßt und alles zur Höhe, zum Lichte, zur alles umspannenden Liebe, zum Vater führt. Verstehet, meine Brüder, so die Geschichte, erfaßt so die Ungeheure Perspektive, die das Ziel aller Entwicklung in sich schließt! Erkennt, wie der Gottmensch den Tiermenschen, den Menschen der Schwere, in langem- heißem Kampfe niederzwingt, damit des Reich heraufsteige in seiner ganzen Pracht und Herr­lichkeit, in feiner Lichtfülle, das Reich des heiligen Geistes, das Reich der Wahrheit, Freiheit und Schönheit. Es wird kommen in seinem Glanze, und alles, was im Geiste und in der Lieble wandelt, wird teilhaben an seiner Herrlichkeit! Und es muß klommen, das Reich, weil der Geist in seinem innersten Wesen die alles umspannende, alles tragende und alles verstehende Liebe, weil er die absolute Lebensbejahung ist!

So, meine Brüder, verstehet den Geist!

Es ist hoch am Tage; es ist Mittag voll!

8n lichter Bläue wölbt sich droben das Firmament. Und onne, die herrliche, lichtspendende Königin des Himmels, leuchtet in wunderbarem Glanze und sendet ihre glühenden Strahlen zur Erde, ihrem Töchterlein, und umarmt es in seligem Verlangen, Sie möchte es hinausziehen mit ihren Strahlenarmen an das glühende, gleißende, heiße Sonnenherz. Und sie, die Erde, die licht­geborene Tochter sehet nur, wie sie in neckischen! Spiele, bald näher, bald ferner, die Fülle ihres Lichtes trinft und ihr in seligem Erbeben ihrer Seele offenbart. Ihre Seele? Ja, ihre Seele! Sie hat eine Seele, die Erde. Errietet Ihr schon diese! Seele? Errietet Ihr, meine Brüder, schon ihre Gedanken, diese farbensprühenden, lichtschimmerndenj, grünen Erdgedanken, diese weichen, sehnsüchtigen, überquellenden, jubilierenden und schmerz- lichen Erdgedanken, die sie in berückenden Symphonien hinauf-, sendet zu ihr? Sie möchte die Schwere überwinden und hinauf-, wachsen zu dem Urquell allen Lichtes. Sie möchte selbst eins Sonne werden mit glühendem, heißem, schenkenden! Sonnenherzen«

O, meine Brüder, verstehet doch das Gleichnis!

Es ist Mittag! Die Zeit ist hoch und trägt blühende, lachend« Rosen im Haar, und wir wir feiern das Fest der Sommer,-! sonnenwende, das Fest der Rosen, das Fest der Liebe.

Ludwig Uhk

Der erste Star im Lande der Dollars.

Am 23. Juni feiern wir den hundertsten Geburtstag vch« Deutschlands größter Tänzerin, von Fanny Elßler; in ihr hat die leichte Anmut und der sinnlich heitere Rhythmus des ».Wiener Blutes", der dann in den Klängen der Walzer von Johann Strauß die verführerisch weiche Schönheit des Kaiserstadt überall hintrug, zum erstenmal die Welt erobert. Diegöttliche Fanny", in deren Tanz man Goetheschen Geist und denTiefftnn der! Weltgeschichte" wiederfand, ist, nachdem sie durch ihre Pariser! Triumphe zur europäischen Berühmtheit geworden war, ver­göttert worden, wie kaum je eine andere Künstlerin. Die ge­waltigsten Erfolge aber errang sie in Amerika, wo bei ihrem Erscheinen eine Massenhypnose, ein verzückter Taumel der Be­geisterung sich über das ganze Land hin verbreitete, der zum Vor­bild für manch andere Modeschwärmerei der Bankees geworden! ist. In seiner trefflichen Biographie der Tänzerin, die soeben! in einer deutschen Uebersetznng von Moritz Recker erschienen ist, erzählt der Lyoner Professor August Ehrhard lustige Einzel­heiten von dieser Revolution der Geister, die die Tänzerin in der Neuen Welt hervorrief. Zwei Jahre und 55 Tage währte der! Aufenthalt Fannys in Amerika; sie trat in 199 Vorstellungen! auf und erioarb sich damit ein Vermögen von 742 000 FranB., Zn 52 Ansprachen, die zumeist aus harmlosen Sätzen bestandet aber mit hellstem Jubel aufgenommen wurden, wandte sie sich an ihr Publikum, und diese Leistungen veranlaßten ein Newyorker Blatt zu der triumphierenden Frage:Sind das nicht zugleich Arbeiten des Herkules und des Demosthenes?" So lange sie auftrat, war das Newyorker Parktheater stets bis auf den letzten Sitz gefüllt.Der enge, schmutzige Saal schien die Spuren eines! wunderbaren Staunens zu tragen. Die Sitze ächzten unter ihrer ungewohnten Last, und die Sicherheit der überfüllten Galeriqnt wurde von manch furchtsamem Gemüt bezweifelt." Nie vorher waren elegante Leute in den letzten Reihen der zweiten Galeriü erschienen, jetzt Ivardiese Hölle in ein Eden verwandelt, in dem die aufgedonnertsten und stolzesten Huris von Newyork glänzten"« Wo Fanny erschien, entstand ein Aufruhr. Man behauptet^ daß schon ihr Gang bezaubernd sei, aber ihr Tanz sei mit nichts zu vergleichen. Die kleinen Leute, die sich den Luxus, ihre Vor­stellungen zu besuchen, nicht erlauben konnten, erwarteten sie am Tor ihres Hotels, in den Straßen und beim Bühnenausgang« Ueberall hüpften Kinder um sie herum mit dem fröhlichen Rufe:' This is Fanny!" Geschenke regneten auf sie hernieder. Außer kost­baren Jutvelen erhielt sie z. B. in Havanna ein prachtvolles spani­sches Kostüm, in dem sie später ihre berühmteCachucha" tanzte. Von seltenen bunten Vögeln, die man ihr überreicht hatte, brachte! sie einen ganzen Käfig voll nach Europa. Bei ihren Vorstellungen wurde sie mit Blumen überschüttet; aber auch Goldstücke und Banknoten fielen ihr zu Füßen. Man ließ Tauben an weißen Bändern mit silbernen Glöckchen am Halse zu Fanny flattern/ um ihr Verse und kleine Sträuße zu überbringen. Daß man ihr die Pferde ausspannte, war damals noch eine seltene Ehrung; fie wär por Fanny nur einer Person zuteil geworden: dem General Lafayette. In Neu-Orlsans wurden die Kissen ihres Wagens zu unerhörten Preisen versteigert. Lange Festzüge und Fackeltänze wurden zu ihren Ehren veranstaltet; die dargebrachten Ständchen hörten bis tief in die Nacht nicht auf. In Washington rief ihr Auftreten eine ernste Störung in den Regierungsgeschästen hervor. Fanny wurde auf dem Kapitol empfangen, Ivobei sich die Abgeordneten von ihren Plätzen erhoben und sich um die Ehre drängten, ihr vorgestellt zu iverden. Vom Sitze des Präsidenten; aus blickte sie zu der hohen Versammlung hernieder. Der Präsi­dent empfing sie dann auch in feierlicher Audienz. Während die Elßler tanzte, waren die Parlamentssitzungen so schwach besucht, daß sie bis zu ihrer Abreise aufgehoben werden mußten.Es scheint," klagte ein Regierungsmitglied in öffentlicher Rede,daß Fanny Elßler populärer geworden ist als unsere Angelcgenheiteit